Titel: Ueber die Vortheile, welche die amerikanische Maschine zum Ausgraben der Erde (der Dampf-Excavator) beim Canal-, Eisenbahnenbau etc. gewährt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XX./Miszelle 4 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089020_4

Ueber die Vortheile, welche die amerikanische Maschine zum Ausgraben der Erde (der Dampf-Excavator) beim Canal-, Eisenbahnenbau etc. gewährt.

Die englischen Journale wiederholen schon seit längerer Zeit mißtrauisch die lobpreisenden amerikanischen Berichte über diese wunderwirkende kolossale Maschine. (Ihre Beschreibung und Abbildung ist im polytechn. Journal Bd. LXXXVIII S. 328 und 423 mitgetheilt worden.) Solche Ungläubigkeit ist aber jezt nicht mehr zulässig. Folgender Bericht über diese Maschine ist dem Mining Journal vom 24. Junius entnommen. Der Berichterstatter hielt dieselbe, ehe er sie in Wirksamkeit sah, selbst für unpraktisch; er kam jedoch von der Beaugenscheinigung ihrer Thätigkeit zurük, ohne im geringsten mehr ihre großen Vortheile zu bezweiseln. Die Arbeit dieser Maschine, ihr mit vieler Geschiklichkeit zusammengesezter Mechanismus machen sie, wie er sagt, zu allen großen Arbeiten, bei welchen Erde bewegt wird, also zum Bau der Canäle, der Eisenbahnen und gewöhnlichen Straßen vollkommen tauglich.

Die Maschine hat 8 Pferdekräfte; einen Cylinder von 9 engl. Zoll (22,86 Centimeter) Durchmesser und 12 Zoll (30,47 Centim.) Hubhöhe. Die Anzahl der Kolbenspiele variirt von 90 bis 110 in der Minute. — Ihr Gewicht beträgt ungefähr 16 Tonnen. — Die Breite zwischen den Rädern ist 6 Fuß (1,83 Meter). Ihre ganze Länge, den an der Spize befindlichen Krahn nebst Grabschaufel mit inbegriffen, beträgt ungefähr 30 Fuß (9,14 Meter). — Der Preis der Maschine sammt Zubehör, des ganzen Apparats, ist ungefähr 25,000 Fr.

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Die Schaufel hat 3 Fuß 6 3oll (1,07 Meter) Höhe, 4 Fuß (1,22 Meter) Breite, 5 Fuß (1,52 Meter) Länge und ungefähr 2 Kubikyards (1,53 Kubikmeter) Hohlraum.

Das vor der Maschine befindliche Erdreich bestund aus einem ungefähr 14 Fuß (4,27 Meter) tiefen Mergelthonlager. Als man die Maschine in Bewegung sezte, drang die Schaufel mit der größten Leichtigkeit in den Boden ein, füllte sich in die Höhe gehend, lud sich auf an der Seite stehende Wägen aus und fuhr so fort, bis das Erdreich in einem Halbkreise von 15 Fuß (4,57 Met.) Radius weggeräumt war.

Die Kraft, welche angewandt wird, um die Schaufel in den Boden eindringen zu machen, entspricht 40 Pferden. Die Schnelligkeit, mit welcher die Arbeit vor sich geht, ersieht man daraus, daß die 1,53 Kubikmeter fassende Schaufel in 40 Secunden sich anfüllt, in die Höhe geht, sich ausleert und dieß zu wiederholen bereit ist.

In einem zweiten Artikel bespricht der Herausgeber des Mining Journal selbst diese Maschine, welche er in Begleitung eines Sachverständigen auf der Eisenbahn der östlichen Grafschaften in der Nähe der Station Brentwood arbeiten sah. Er hat sich von der außerordentlichen Wirkung dieser Riesenmaschine vollkommen überzeugt und empfiehlt sie auf das Angelegentlichste vorzüglich den Eisenbahn-Ingenieuren. Die in Amerika erhaltenen Resultate sind folgende. In 89 Tagen oder 881¼ Stunden betrug die Arbeit nicht weniger als 61,729 Loads, was 1½ Kubikyards (1,147 Kubikmeter) für das Load gerechnet, 92,593 Yards, oder 105 Kubikyards (80,27 Kubikmeter) für die Stunde beträgt. Diese Resultate wurden in Gegenwart des Herausgebers vollkommmen bestätigt; derselbe sah im Mittel 2 Kubikyards (1,53 Kubikmeter) von der Maschine ausgraben und laden, was in zwölf Stunden 1,440 Yards (1100,88 Kubikmeter) ausmacht. — Vergleicht man dieses Resultat mit dem der Handarbeit, unter der Annahme, daß ein Mann täglich 8 Yards (6,12 Kubikmeter) hinwegschaffen könnte, was jedoch das Doppelte von dem wäre, was bei einem solchen Boden erwartet werden kann, so wären 180 Mann erforderlich, um die Arbeit der Ausgrabmaschine zu verrichten. 1,440 Yards dnrch Handarbeit ausgegraben, wofür 6 Pence per Pard (68,2 Centimes per Kubikmeter) bezahlt werden, kämen auf 36 Pfd. Sterl. (97 Fr. 56 Cent.). Die Arbeit der Maschine aber für eben so viel, kann angeschlagen werden zu 21 Pfd. St. 10 Schill. bis 3 Pfd. St. (63 Fr. bis 75 Fr. 60 Cent.) Kosten. Man bedarf nur zweier Arbeiter; der Verbrauch an Brennmaterial beträgt 8 bis 10 Cntr. in zwölf Stunden. Außerdem verursacht sie keine Kosten, als die der Unterhaltung und der Capitalsinteressen.

Außer der Ersparung an Kosten, wie sie aus diesen wohlverbürgten Zahlen hervorgeht, ist aber auch die noch weit schäzbarere an Zeit zu beachten; die in großen Unternehmungen stekenden Capitalien werden viel schneller fruchtbringend. Bleibt man bei obigem Beispiel von 1100 Metern Ausgrabung in zwölf Stunden in einem schwer zu bearbeitenden Boden stehen, so wären 180 bis 200 Mann erforderlich, um die Maschine zu ersezen. Da aber die Arbeitslinie nur 9,14 Meter mißt, so könnten nur 8 Mann auf einmal gestellt werden, und da wenigstens 180 Arbeitstage nöthig wären, so wären ungefähr 22 Tage erforderlich zu dem, was die Ausgrabmaschine in zwölf Stunden verrichtet. Welch ein Nuzen läßt sich also von dieser Maschine für Eisenbahnen und Canäle erwarten!

Diese Maschine, durch welche mit zwei Menschen die Handarbeit von 200 Menschen zwanzigmal so schnell verrichtet wird, scheint auf den ersten Anblik eine Menge Individuen der Arbeit und des Verdienstes zu berauben. Allein die Leichtigkeit und die bedeutend wohlfeilere Ausführung der Arbeit, müssen die Canal-, Eisenhahnbau-Unternehmungen etc. so bedeutend vermehren, daß am Ende diese neue Erfindung den Menschenhänden mehr Arbeit herbeiführt, als sie ihnen entzieht. Es ist dieß eine Verdrängung, wie dieselbe alle neuen Maschinen ausüben und zu gleicher Zeit eine sichere Vermehrung der Arbeit; der glüklichste Umstand dabei ist, daß diese Verdrängung nicht einen speciellen Industriezweig trifft, sondern die bloße Kraft, deren Wiederverwendung sich viel leichter findet, als die einer erlernten Geschiklichkeit. (Aus dem Moniteur industriel, 1843, Nr. 731.)

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