Titel: Eisenbahnschienen von Glas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XL./Miszelle 2 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089040_2

Eisenbahnschienen von Glas.

Vor mehreren Jahren wurde von einem Belgier die Frage aufgeworfen, ob es nicht möglich und zwekdienlich sey, Schienen aus Glas zu fabriciren, worauf Wagen mit hölzernen Rädern laufen könnten. Diese Idee wurde, wie so vieles Andere, unbeachtet gelassen.

In Frankreich schien man später diesen Gegenstand doch einer näheren Untersuchung werth gehalten zu haben, indem in Folge gemachter Versuche und Forschungen eine Erfindung daraus sich ergab, Schienen aus einer Glasmasse anzufertigen.

Das Journal des connaissances usuelles zu Paris hat in einer seiner lezten Lieferungen die eigenthümliche Verfahrungsweise zu dieser Gattung |156| Schienen veröffentlicht, welche wir nachstehend mittheilen, da sie nicht ohne Interesse ist:

Schienen von Glas.

1) Der Fundationsmörser (mortier de fondation). Derselbe wird aus harten Steinen, Steinschroten oder Kieselsteinen von entsprechender Dike, so wie sie sich auf den Baustellen vorfinden, gemacht und mit einem guten Béton oder Mörtel aus Kalk, Sand und zerstampftem Cement, der gut präparirt und in richtigem Verhältniß zusammengesezt seyn muß, verbunden. Dieser Fundationsmörser muß 60 bis 80 Centimeter Breite an der Basis, 30 bis 40 an der Spize, und 60 bis 80 Centimeter Höhe haben, so daß er eine abhängige Fläche oder auf beiden Seiten eine Böschung bildet.

2) Der Kitt oder besondere Mörtel, der vermöge seiner großen Festigkeit zur Anfertigung der Schienen sehr geeignet ist, besteht aus 60 Theilen Harz, 50 Theilen Schwefel, 45 Theilen trokener Erde und 160 Theilen gewöhnlichen Glases oder Scherben von Fayence und Porzellan, die in mittelmäßige Stüke zerstoßen sind.

3) Der Teig oder die Composition für die neuen Schienen wird mittelst der bekannten alkalischen, erdigen, mineralischen, metallischen oder andern Agentien in verhältnißmäßigen Dosen, als: Alaunerde, Magnesia, Soda, Potasche, Kalk, weißem Arsenik, Blei- oder Eisenoxyd, Pétunzé etc. verglast.

Die erste Sorte besteht aus 100 Theilen gewöhnlichem Sand, 25 Theilen ausgelaugter oder frischer Asche, 25 Theilen roher Soda, 40 Theilen Thon, 20 Theilen calcinirter Knochen, 20 Theilen gelöschtem Kalk, 100 Theilen Bouteillenscherben.

Die zweite Sorte wird aus 200 Theilen Basalt, 20 Theilen Kalk, 10 Th. calcinirter Knochen und 5 Th. Braunstein gebildet.

Die dritte Sorte besteht aus 100 Theilen Feldspath oder Kaolin, 100 Th. Sand, 20 Th Pétunzé, 10 Th. Kalk und 10 Th. Braunstein.

Die vierte Sorte aus 100 Th. Sand, 50 Th. Bimsstein, 50 Th. Pouzollane, 20 Th. Kalk, 5 Th. Bleioxyd und 5 Theilen Braunstein.

Die Präparationen finden in Oefen oder Tiegeln von Glashütten statt; das Baken und Schmelzen muß in allen Fällen bis zur Verglasung gebracht werden.

Endlich werden die aus einer oder der andern dieser Compositionen zu erzeugenden Schienen in Gießformen gegossen und dann noch einmal gebaken; der untere Theil der Schiene muß längslaufende Falzen oder rautenförmige Kreuzschnitte von 16 bis 20 Centimeter Tiefe und eben so viel Breite haben. Die Schienen werden, bei 70 bis 80 Millimeter Dike und Höhe, mindestens 1 Meter lang, und durch den eigenthümlichen vorn beschriebenen Kitt befestigt. Von Außen werden sie mit eisernen Nägeln von 3 bis 4 Centimeter Dike mit gespaltenem Ende festgehalten, auf die ganze Länge des Mauerwerks verkittet und in Entfernungen von 12 bis 13 Centimeters mit einem Keile von Eichenholz, der 4 Centim. Höhe auf 2 Dike hat, zwischen Schiene und Nagel geschlossen. (Archiv für Eisenbahnen, 1843, Nr. 8.)

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