Titel: Bekämpfung der Muscardine (Seidenwürmerkrankheit).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. LX./Miszelle 12 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089060_12
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Bekämpfung der Muscardine (Seidenwürmerkrankheit).

Es gab eine Zeit, wo diese Krankheit eine wahre Geißel der Seidenwürmeranstalten war und jährlich wenigstens ⅓ der Seidenernte vernichtete. Ungebildete Züchter sind auch heute noch in dem Wahn, daß dieser Krankheit nicht begegnet werden könne. Viele Mittel, welche Hr. Benjamin Cauvy deßhalb versuchte, versagten; einige tödteten sogar die Würmer, ohne die Entwiklung der Botritis nach ihrem Tode zu verhindern. Man mag nun ein Mittel gegen diese Krankheit auffinden oder nicht, so ist es jedenfalls von sehr hoher Wichtigkeit, ihrem Ausbruch möglichst zuvorzukommen. Ohne die wahre Natur des Keims der Muscardine zu kennen, hatte Hr. Cauvy im Jahr 1834 schon im Chlor das Mittel gefunden, ihn zu zerstören, und zwar durch starke Räucherungen damit während der Zucht der Würmer, und auch vor ihrem Auskriechen. Seitdem nun aber Hr. Bassi die Natur dieser Keime und die Veränderung kennen lehrte, welche sie beinahe durch alle flüssigen oder gasförmigen Säuren erfahren, wandte Hr. Cauvy statt des den Landbewohnern nicht hinlänglich bekannten Chlors, die Dämpfe des brennenden Schwefels an. Er stellte damit vielerlei Versuche an und ließ solche von dem um die Seidenzucht sehr verdienten Hrn. Charles Huc im Großen wiederholen. Dieser hatte im Jahr 1836 durch die Muscardine seine ganze Bevölkerung verloren, ließ aber im Jahr 1838 der Zucht starke Räucherungen mit schwefliger Säure vorausgehen und verlor keine einzige Raupe durch diese Krankheit mehr.

Man verfährt hiebei folgendermaßen: man führt in allen Seidenzuchtzimmern, ohne Ausnahme, eine Art Beken von mittelst Mörtels wohl verbundenen Ziegelsteinen auf. Anzahl und Größe bestimmen sich nach dem Hohlraume des Zimmers; ein Beken von 50–60 Centimetern Seitenwänden reicht hin, um darin 10–12 Kilogr. gestoßenen Schwefel zu verbrennen, welcher auf eine dünne Lage auf dem Boden des Bekens ausgestreuten Strohs ausgebreitet wird. Wenn dieß geschehen, müssen alle Oeffnungen des Zimmers gut verstopft werden (wenn keine bessern Mittel zu Gebote stehen, mittelst mit Stroh angefüllter Säke). Hat die Bedachung Zwischenräume, so legt man über die Ziegel nasse Leinwand, um die Communication mit der äußern Luft möglichst zu verhüten. Ist nun alles bestens vermacht, und sind alle Hürden u. a. Geräthschaften an ihrer Stelle, so streut man in jedes Beken etwas Kohlengluth, indem man wenn mehrere da sind, mit dem von der Thüre entferntesten anfängt und mit dem derselben nächsten aufhört, sich dann zurükzieht und die Thüre verschließt. Nach 24 Stunden öffnet man Thüren und Fenster auf mehrere Tage und kann hierauf die Zucht beginnen. — Man muß sehr darauf sehen, daß aller Schwefel zugleich verbrenne; um so nöthiger ist dieß, je schlechter die Zimmer schließen.

Doch genügt diese Desinfection nicht allein, sondern die Eier aus welchen die Insecten kriechen, müssen ganz gesund und frei seyn von dem Keime der Krankheit. Zur bessern Sicherheit wäscht man daher die Eier in sehr schwachem Branntwein aus, welcher etwas Kupfervitriol enthält, der die Eigenschaft besizt, jeden Keim derselben zu zerstören. Ganz sicher darf man sich jedoch troz aller dieser Maaßregeln vor der Muscardine, wie Hr. Cauvy glaubt, nicht halten. Wenn man nämlich bei der Zucht nachlässig ist, wenn man den Mist sich zu sehr anhäufen läßt, so daß die Würmer in feuchter, warmer Luft leben, bleiben die Symptome der Krankheit nicht aus, es ist daher, obwohl die Krankheit nicht so um sich greift wie sonst, doch die größte Vorsicht anzuwenden. (Im Auszug aus dem Echo du monde savant 1843, No. 36.)

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