Titel: Ueber die Bereitung des Rosenwassers und Rosenöhls in Arabien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. LXXX./Miszelle 10 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089080_10

Ueber die Bereitung des Rosenwassers und Rosenöhls in Arabien.

Das Buchner'sche Repertorium für die Pharmacie Bd. XXVII S. 376 enthält hierüber eine briefliche Mittheilung von Hrn. Landerer in Athen, welcher wir das Wesentliche, da es von dem Artikel über das ostindische Rosenöhl etc. im polytechnischen Journal Bd. LXXIX. S. 459 in Manchem abweicht, entnehmen. — Die Rosenbäume haben in der Umgegend von Mekka und am galiläischen Meere einen sehr hohen Werth. Eine Rosenstaude wird mit circa 50 bis 60 fl. bezahlt und den Töchtern der Armenier, die sich mit dem Anbau derselben besonders beschäftigen, als Heirathsgut mitgegeben. Die Rosenhaine werden mit Cactus- und andern Dorngewächsen sorgfältig umhekt und von Wächtern in Thürmen bewacht. — Beabsichtigt man die frischen Rosen längere Zeit aufzubewahren, so werden sie, von den Kelchen und grünen Blättern befreit, in große thönerne Geschirre eingetreten und mit Salz bedekt. Werden sie, was gewöhnlich geschieht, zur Bereitung des Rosenöhls verwendet, so bringt man sie in die Brennereien, in denen sich oft 3–6 kupferne Destillirblasen befinden, welche jedoch mit keinerlei Vorrichtung zum Abkühlen versehen sind. Die gereinigten Rosen wirft man in die Blase und übergießt sie unter Zusaz einer nicht unbedeutenden Menge Salzes mit Wasser. Nach 2–3tägigem Einweichen beginnt die Destillation, mit der man fortfährt, bis das Destillat eine gelbe Farbe zu bekommen anfängt. Das von Zeit zu Zeit abgenommene Rosenwasser, welches, um es abzukühlen in thönerne Gefäße, die in Wasser gesezt sind, gegossen wird, erhält verschiedene Namen und hat auch verschiedenen Werth; es kostet ein Quantum von ungefähr 12 bayer. Maaß davon, je nachdem es vom Anfange oder einer spätern Periode der Destillation ist, 200–220 Piaster.

Das im Anfange erhaltene Rosenwasser wird zur Bereitung von Rosenöhl verwendet. Man füllt zu diesem Behufe große poröse Thongefäße mit diesem Wasser an, verbindet sie mit Leinwand, gräbt sie reihenweise in die Erde und läßt sie darin, je nach der Kühle des Nächte, 6–10 Tage. Von außen werden sie mit Stroh, welches mit Wasser besprizt wird überdekt, um sie so kalt als möglich zu erhalten. Allmählich bedekt sich das Wasser mit einer öhligen Schichte, welche erstarrt. Diese krystallinische Masse wird mittelst eines Seihlöffels abgeschöpft und das Wasser zu wiederholtenmalen denselben Abkühlungen unterworfen, bis sich keine Spur von Oehl mehr zeigt. Das allen Oehles beraubte Wasser wird auf die Märkte zum Verkauf geschikt oder noch zur Bereitung einer geringern Sorte Oehles verwendet, welches sodann als orientalisches Rosenöhl nach Europa versendet wird. Diese Sorte Rofenöhls findet sich auf den Bazars von Konstantinopel, Smyrna etc. und wird dadurch gewonnen, daß man das noch stark riechende Rosen Wasser mit einem. aus Afrika kommenden Oehle, welches aus dem Holze sehr hoher und wohlriechender Bäume (vielleicht Sandelholz?) destillirt wird, zusammenschüttelt; nachdem sich das Oehl abgeschieden, wird es im Falle es noch nicht den gehörigen Rosengeruch angenommen, von neuem mit anderm Wasser geschüttelt und ruhig hingestellt, oder auch in die Erde gegraben, bis es sich vollkommen abgeschieden hat. — Die Anwendung des Rosenwassers und Oehls zu Confituren, Liqueurs, so wie zum Parfumiren ist bekannt und im Oriente sehr häufig.

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