Titel: Cooke's elektro-magnetischer Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. LXXX./Miszelle 2 (S. 317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089080_2

Cooke's elektro-magnetischer Telegraph.

In der Sizung der Gesellschaft der Künste zu London wurde von dem Secretär Hrn. Wishaw ein Bericht über die Verbesserung des elektro-magnetischen Telegraphen vorgelesen, welcher bereits seit zwei Jahren auf der Blackwall-Eisenbahn in Anwendung ist, und nun auch auf der Great-Western-Bahn zwischen Paddington und Slough — eine Streke von 18 Meilen — ausgeführt wird. Obschon das ursprüngliche Princip des Hrn. Cooke keine Abänderung erlitten hat, so war derselbe doch unausgesezt bemüht, Verbesserungen anzubringen, um die Sache zu vereinfachen, und es können jezt ganze Wortsäze, so wie Zahlen in jeder Ausdehnung mit größter Schnelligkeit durch zwei Zeiger (Index-hands), deren früher fünf angewendet wurden, mitgetheilt werden. Die Kosten für das erstere System, wobei man kupferne Drähte in eiserne Röhren legte, waren sehr theuer und betrugen 280 Pfd. St. per englische Meile; zugleich blieb es sehr schwierig, im Falle einer Beschädigung die defecte Stelle aufzufinden.

Bei der nunmehrigen Methode werden in Zwischenräumen von 4 bis 500 Yards starke Pfosten, welche mit Haken etc. versehen sind, und zwischen diesen Pfosten leichtere Stangen aufgestellt, woran der Drahtzug ungefähr 8 Schuh über der Erdoberfläche in regelmäßigen und porallelen Linien geleitet wird, die eine schöne Wirkung machen.

Die Pfosten werden angestrichen und der Draht muß an den Stellen, wo er diese berührt, vor Feuchtigkeit geschüzt werden, weil sonst der elektrische Funke in die Erde geführt und das Signal unterbrochen werden würde. Diese neue Einrichtung ist weit ökonomischer als die frühere, und da man die Drahtzüge überall deutlich sehen kann, so ist jeder vorkommende Bruch oder Mangel sogleich zu entdeken und schnell wieder herzustellen. Das Zifferblatt, worauf der Zeiger hinweist, enthält in oberster Reihe die fünf Vocale A, E, I, O, U, und weiter unterhalb die beiden Halbvocale W und Y; unter jedem dieser sieben Buchstaben stehen zwei bis drei Consonanten, so daß die Scheibe das vollständige Alphabet darbietet. Die ganze Einrichtung ist so einfach, daß Hr. Wishaw die Versicherung gab, wie jede Person von ganz gewöhnlicher Capacität sich die Manipulation in einem Tage vollkommen eigen machen könne, und daß ein Knabe nach nur zweistündiger Uebung im Stande war, alle Zeichen mit Schnelligkeit und Accuratesse zu machen. Zwei Handgriffe bewegen die Zeiger nach allen Richtungen hin. Steht der Zeiger senkrecht, so deutet er auf gar keinen Buchstaben und der elektrische Kreis ist unterbrochen; wird der Zeiger aber auf einen Buchstaben gerichtet, so verbinden sich sogleich die Drähte, und der am entgegengesezten Endpunkte befindliche Zeiger (auf der Great-Western-Bahn eine Entfernung von 18 Meilen) deutet in demselben Augenblik auf den nämlichen Buchstaben hin. Um die Schnelligkeit der Mittheilungen auf den höchsten Grad zu steigern, hat man ein Signalbuch eingerichtet, worin die auf Eisenbahnen am gewöhnlichsten vorkommenden Fälle mit einem einzigen Buchstaben bezeichnet sind. Längere Mittheilungen. welche durch einzelne Lettern signalisirt werden müssen, können fast eben so schnell gegeben werden, als man sie niederzuschreiben vermag. In dem Lesezimmer war ein Modell des Apparates aufgestellt, und die in einem angränzenden Locale gemachten Versuche überzeugten alle Anwesenden von der Einfachheit und Zwekmäßigkeit der Einrichtung, die zugleich durch weitere Erklärungen verdeutlicht wurde.(Archiv für Eisenbahnen, 1843, Nr. 6.)

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