Titel: Verfahren, um neue Feilen zum Gebrauch dauerhafter und geeigneter zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. LXXX./Miszelle 4 (S. 318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089080_4

Verfahren, um neue Feilen zum Gebrauch dauerhafter und geeigneter zu machen.

Die eigentliche Schneide der Feile wird durch die äußerste Schärfe der aufgehauenen Zähne gebildet, die feine Schärfe derselben leidet aber sehr bei der Operation des Einsezens oder Härtens, weil solche als die äußersten Theile der Gluth des Feuers am längsten und stärksten ausgesezt sind, denn indem die feine Zahnschärfe fast augenbliklich im Feuer zum Glühen kommt, dauert es immer noch eine geraume Zeit, bis der ganze Körper der Feile den erforderlichen Wärmegrad erlangt hat, der zur Härtung, was durch Abkühlen im Wasser geschieht, bedingt wird. Durch diese allzulange und starke Wärme der Zähne verlieren solche an Kohlenstoff und dadurch viel an Güte und Elasticität, werden spröde und dieß öfter in so hohem Grade, daß die Zähne gleich beim ersten Gebrauch auf dem Metalle stellenweise von der Feile abspringen oder doch die eigentliche Schärfe, d. h. ihre feine Kante, verlieren.

Dieses Abbrechen wird noch dadurch vermehrt, daß man das Oehl, womit jede Feile getränkt ist, um gegen Rost gefchüzt zu seyn, nicht vor dem Gebrauch der Feile von derselben entfernt; denn dieses gewöhnlich zu Harz Verdikte Oehl hält die abgebrochenen Zahnstükchen fest und verdirbt so entweder den zu verarbeitenden Gegenstand oder durch Festsizenbleiben zwischen den Hieben der Feile die Feile selbst, indem der Auswurf der Feilspäne gehemmt, sich durch die Reibung verhärtet und die noch brauchbaren Zähne schneller abstumpft. Beiden Uebeln, dem Abbrechen der Zähne (wenn die Feile beim Härten nicht allzusehr gelitten oder aus zu schlechtem Stahl gemacht ist), so wie der Nichtentfernung des Oehls wird auf folgende einfache Weise abgeholfen:

Auf jeder stachen Feile (von der Batard bis zur feinsten Schlichtfeile) ist meistens die eine Kante nicht gehauen; diese Kante schleift oder reibt man etwas hell, erwärmt hierauf die Feile über abgedämpften Kohlen oder einer Spirituslampe, indem man solche oft umdreht, bis die helle Kante eben, aber gleichmäßig mattgelb anläuft, und kühlt sie alsdann in Wasser ab, troknet die Feile an derselben Wärme und bürstet das durch diesen Hizgrad verkohlte Oehl am besten mit einer feinen Krazbürste aus dem Hieb. Durch dieses Anlassen der Feile erhält der Zahn, ohne an Härte zu verlieren, mehr Elasticität und macht die Feile zum Gebrauch auf jedes Metall viel dauerhafter und geeigneter.

Bei dreiekigen oder runden Feilen, die keine Fläche haben, um den Hizgrad durch die Farbe beobachten zu können, bediene man sich des Terpenthinöhts, überstreiche damit die Feile, halte solche über das oben angegebene Feuer, brenne sie ab und wiederhole das Verfahren so lange, bis das Oehl der Feile verkohlt ist, was man daran erkennt, daß mit einigen Strichen der Krazbürste die Hiebe der Feile ganz rein und troken erscheinen.

(Dr. Hänle's Mittheilungen.)

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