Titel: Alphons Meillet, über weißes Goldchlorür.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XCIX./Miszelle 4 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089099_4

Alphons Meillet, über weißes Goldchlorür.

Der eigenthümlichen Reaction, welche stattfindet, wenn man Chlorgold zum Fixiren der Lichtbilder darstellt, wurde noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Man löst gewöhnlich 1 Gramm chlorwasserstoffsaures Goldchlorid in einem halben Liter Wasser auf und in einem andern Gefäß 3 Gramme unterschwefligsaures Natron in eben so viel Wasser, worauf man das Goldchlorid unter beständigem Rühren allmählich dem Natronsalz zusezt. Sezt man umgekehrt die Lösung des unterschwefligsauren Salzes der Goldlösung zu, so entsteht Zersezung, die Flüssigkeit wird schwarz, und Schwefelgold fällt nieder.

Wenn die Operation gehörig geschah, so wird die Flüssigkeit augenbliklich entfärbt. Diese Umwandlung eines ursprünglich stark gefärbten Salzes in Gegenwart eines neutralen Salzes verdient Beachtung. Ich vermuthe, daß folgende Reaction stattfindet: wenn chlorwasserstoffsaures Goldchlorid in unterschwefligsaures Natron geschüttet wird, so verdrängt die Chlorwasserstoffsäure einen gewissen Antheil der unterschwefligen Säure, welcher sich sogleich zersezt in Schwefel und schweflige Säure; der Schwefel wird von dem unzersezten unterschwefligesauren Salze wieder aufgelöst, welches bekanntlich einen großen Ueberschuß desselben aufzunehmen im Stande ist; die schweflige Säure macht sich an das Goldchlorid und reducirt es zu Chlorür (Protochlorid), während sie selbst sich in Schwefelsäure und dann in schwefelsaures Natron umwandelt. Es wurde zwar behauptet, daß sich unterschwefligsaures Gold bilde; die Analyse aber beweist das Gegentheil. Um das farblose Goldchlorür zu erhalten, löst man etwas Goldchlorid in einer Lösung von unterschwefligsaurem Natron auf, filtrirt, um die kleine Menge des niedergefallenen Schwefels abzuscheiden und dampft zur Consistenz eines sehr klaren Syrups ab; man bringt diesen nun in einer Schale unter eine Glasgloke, welche gebrannten Kalk enthält, und vollendet so ihre Entwässerung. Es krystallisiren mehrere sehr von einander verschiedene Salze aus der Lösung, z. B. Chlornatrium in sehr deutlichen Würfeln, Prismen des schwefelsauren und unterschwefligsauren Natrons; das Chlorür aber krystallisirt in den Zwischenräumen in sehr kleinen Nadeln. Man trennt es so gut als möglich von |398| den andern Salzen, namentlich von dem Chlornatrium und digerirt es kalt mit Alkohol von 0,833 spec. Gewicht. Nur das Goldchlorür löst sich darin auf; man filtrirt es und läßt es freiwillig verdunsten, wo man es dann in sehr weißen, sehr kleinen, nadelförmigen Krystallen erhält. — Dieses Salz wird von den Eisen-, Queksilber- und Zinnoxydulsalzen nicht gefällt; nur die schwefelwasserstoffsauren Alkalien schlagen es als ein hellgelbes Protosulphurid nieder die Haut wird nicht davon gefärbt, es hat einen sehr schwachen Geschmak, der von dem metallischen, unangenehmen Geschmak des Goldchlorids gänzlich verschieden ist. Auch gibt es keine der den übrigen Goldsalzen eigenen Reactionen. Bei der Analyse gaben 100 Theile dieses Salzes:

Gold 50,715
Natrium 11,788
Chlor 37,497

und dem Salz entspricht also die Formel Cl A u2 + Cl Na., (Journal de Pharmacie, Jun. 1843.)

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