Titel: Ueber die Anwendung des Aezammoniaks um Fleken auf gefärbten Zeugen aller Art, Leder etc. zu vertilgen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XCIX./Miszelle 6 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089099_6

Ueber die Anwendung des Aezammoniaks um Fleken auf gefärbten Zeugen aller Art, Leder etc. zu vertilgen.

Die flüchtige Eigenschaft des Ammoniaks macht es zu dem geeignetsten Mittel, Fleke, welche auf gefärbte Zeuge, sie seyen Wolle, Baumwolle oder Seide, ja selbst Leder, durch Citronensaft, Essig, saure Früchte, selbst durch Säuren entstanden, zu vertilgen; man braucht nur den Flek damit zu betupfen, wo er augenbliklich verschwunden seyn wird. Vorzüglich wichtig ist es zum Reinigen seidener Stoffe. Waaren, welche auf dem Lager sogenannte Moder- oder Stokfleken erhalten haben, werden dadurch von denselben befreit) getragene seidene Halstücher, kalt darin gewaschen, werden wie neu und bekommen wieder Glanz; getragene seidene Kleider, Bänder, darin gewaschen und gespült, verlieren alle ihre Fleken und erhalten ebenfalls wieder Glanz, indem sich der Schmuz in Ammoniak auflöst.

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Das beste Verhältniß zu einer solchen Waschflüssigkeit ist auf

1 Pfund flüssiges Ammoniak,
10–12 Pfund reines Wasser.

So wie auf seidene Zeuge, ebenso wirkt es auf wollene, und diese Eigenschaft ist von der größten Wichtigkeit für die Wollmanufacturen, auf ihr beruht die so höchst wichtige Arbeit des Entschweißens der Wolle; man wendet größtentheils gefaulten Urin an; hier ist das bei der Fäulniß sich gebildet habende kohlensaure Ammoniak wirksam; es ist nicht durch Kali, Soda oder Kalk zu ersezen, indem genannte Stoffe die Wollfaser angreifen, beim Abtroknen sie kurz und spröde machen, wohingegen beim Ammoniak sie ihre volle Elasticität behält.

Aus diesem Grunde ist es auch nie räthlich, wollene Waaren, gewirkte Strümpfe, Flanell u. s. w mit Seife und heißem Wasser zu reinigen, wodurch sie einlaufen und filzig werden; man lege sie einige Zeit in obige Waschflüssigkeit, ringe aus, spüle, wiederhole dieses Verfahren einigemale, und man wird sehen, daß die Stoffe ganz rein geworden sind und ihre volle Elasticität behalten haben. Man kann durch Klopfen oder Reiben diese Operation noch unterstüzen, wenn die Gegenstände sehr schmuzig seyn sollten.

Eben so ist das Ammoniak zum Reinigen tuchener Kleidungsstüke zu empfehlen: die Kragen der Röke, welche selbst bei der größten Reinlichkeit durch den Schweiß der Haare, was bei den Stehkragen der Uniformen oft sehr empfindlich ist, so viel leiden, sind leicht dadurch zu reinigen, selbst bei scharlachroth); zwar nimmt dieses bei der Behandlung eine Ponceaufarbe an, man darf es dann aber nur mit in mit Wasser gemischtem Essig behandeln, um die vorige Scharlachfarbe wieder herzustellen.

Aechte Farben werden durch das Ammoniak niemals verändert; sollte man es bei unächten angewendet haben, so hebt jede verdünnte Säure, wo vorzüglich ein ganz schwacher Essig zu empfehlen ist, die Wirkung desselben wieder auf und stellt die ursprüngliche Farbe wieder her.

Auf das Leder übt es ebenfalls seine reinigende Kraft aus: waschlederne Handschuhe einige Tage in eine verdünnte Ammoniakflüssigkeit (1 Theil Ammoniak und 8 Theile Wasser) eingeweicht, in Flußwasser gespült, lösen allen Schmuz, das Leder schwillt stark auf, zieht sich jedoch beim Troknen wieder zusammen und erhält seine ganz ursprüngliche Welche wieder.

Thüren, Fenster, die mit Oehlfarbe angestrichen sind, lassen sich am leichtesten mit verdünntem Ammoniak reinigen; die Anstriche behalten dabei ihren Glanz, welchen sie, wenn sie mit Seife oder Lauge abgewaschen werden, stets einbüßen, da Kali und Natron, die in der Seife und Lauge enthalten sind, den Anstrich auflösen; auch zum Reinigen der Oehlgemälde und deren Rahmen wird es mit Nuzen verwendet, indem es vorzüglich leicht den Fliegenschmuz wegnimmt. C. H. Binder. (Gewerbl. f. Sachsen 1843. Nr. 57.)

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