Titel: Ueber die Fabrication der Streichzündwaaren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. XCIX./Miszelle 8 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089099_8

Ueber die Fabrication der Streichzündwaaren.

Obgleich nun die Streichzünder stets mehr und mehr verwendet werden, so gibt es doch eine große Meinung unter den Consumenten für die sogenannten Stipphölzer, deren Masse, in ein Gefäß getaucht, welches Asbest enthält, der mit concentrirter Schwefelsäure befeuchtet worden, sich sogleich entzündet.

Bekanntlich waren mehrere Regierungen der Meinung, die Reibzündholzer, deren Masse Phospor enthält, seyen bei weitem gefährlicher, indessen kommt dieß sehr auf Umstände an. Die Masse der durch Schwefelsäure entzündbaren Hölzer etc. enthält chlorsaures Kali. Dieses Salz explodirt aber ungemein stark in der Mischung, in der es zu den Zündern verbraucht wird. Will nun der Zufall, daß sich eine Kiste, in welcher dergleichen verpakt worden, Feuer fängt, so ist Explosion und Brennstoff zu gleicher Zeit in die furchtbarste Wirkung gesezt. Hievon haben wir in Berlin seit kurzer Zeit zwei traurige Beispiele erlebt. Ein Fabrikant, welcher seit vielen Jahren dieß Geschäfte treibt, wurde so verlezt, daß man an seinem Aufkommen zweifeln mußte; neulich explodirte durch Zufall wieder ein kleines Quantum chlorsaure Kalizündmasse und verlezte ebenso einen andern Fabricanten. Die Phosphorzündmasse dagegen explodirt, wie man sie gegenwärtig zusammensezt, fast gar nicht, sondern brennt ruhig, wenn auch ziemlich rasch ab. Sollen wir nun beide Massen wegen ihrer Gefährlichkeit einander vergleichend gegenüberstellen, so sind freilich die Bedingungen, unter denen sich eine Phosphormasse entzündet, die Reibung nämlich, leichter und gewöhnlicher vorhanden, als bei der andern, chlorsauren Kalimasse. Warum sie aber der andern geradezu vorziehen? — Wenn Kisten mit Phosphorzündwaaren fest und gut verpakt werden, so hat die Erfahrung gezeigt, daß mehrmals im Innern der Küste Verbrennungen stattfinden können, ohne daß ein weiterer Schaden zu befürchten wäre. Dieß sind Thatsachen, welche ich häusig genug beobachtet und erlebt habe. Die Zündwaarenfabrication erfreut sich aber auch in der neuern Zeit mannichfacher mechanischer Hülfe. Man fertigte Maschinen zum Schneiden runder und ekiger Hölzchen, wie der sogenannten Spizen zu den Cigarrenzündern. In diesem Augenblik hat man aber auch angefangen, zum Eintauchen der Hölzer, um dieselben entweder mit Schwefel- oder Phosphormasse zu versehen, sich der Maschine zu bedienen. Hierdurch wird es möglich, die Hölzchen etc. mit einer ganz gleichmäßigen Quantität Masse zu versorgen und so ein sehr zierliches Aeußere, was denn doch immer als Kaufmannsgut eine Hauptsache mit ist, zu erzielen. Die Maschinen sollen in einem Theile ihrer Zusammensezung wie sogenannte Spiknadeln gebildet seyn. Hier aufgestekt klopft der Arbeiter auf eine ganz ebene Unterlage und die Hölzchen werden dadurch vollkommen gleichweit hervorragen. Die Masse befindet sich auf einem ebenen Geföße in stets gleicher Quantität. Der Arbeiter, wenn er die Spizen der Hölzer bis auf den Boden eintaucht, gibt ihnen dadurch immer die gleiche Quantität Masse, die nach Erfordern in dem Eintauchgefäß durch frische ersezt wird. Manche Fabricanten haben seit einiger Zeit die Zusammensezung ihrer Masse geändert. Sie lassen z. B. den Salpeter (salpetersaures Kali) fort und wählen dafür salpetersaures Blei, welches den Verbrennungsproceß mehr beschleunigt und bei guter Wahl des Holzes es möglich macht, den Schwefel fortzulassen. Bekanntlich ist es der Schwefel, der mit der Phosphormasse in Berührung, einen für manche Personen sehr unangenehmen Geruch verursacht; dieser wird vermieden. Ingleichen ist auch die Verbrennung oder Entzündung der Masse bei weitem weniger geruchentwikelnd. Um die Entzündbarkeit des Holzes zu vermehren, hat man darnach getrachtet, ein Medium zu finden, das ebenfalls geruchlos, die Stelle des Schwefels ersezt. Mit Erfolg hat man sich des Stearin bedient, welches man stark erhizt, und in das man die Hölzchen so tief eintaucht und davon etwas aufsaugen läßt, als man sie gewöhnlich mit Schwefel versah. C. G. (Auszug aus dem Berliner Gewerbe-, Industr.- und Hdlsbl. 1843, Nr. 14.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: