Titel: Oekonomische Preisaufgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. CXXV./Miszelle 10 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089125_10

Oekonomische Preisaufgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften.

Unstreitig stehen die stikstofffreien Bestandtheile in der Nahrung der kräuterfressenden Thiere mit den stikstofffreien Bestandtheilen des Organismus ihrer Körper in inniger Beziehung. Es ist durch Untersuchungen wahrscheinlich gemacht worden, daß bei einem Ueberschusse an Stärkmehl, Zukerarten, Gummi, Holzfaser in der Nahrung, die Fettbildung im Körper durch ein Austreten von Sauerstoff in irgend einer andern Form bewirkt werde. Dieser Ansicht ist eine andere entgegengesezt worden, nach welcher das Fett im Körper der Herbivoren in den genossenen Nahrungsmitteln schon präexistire. Der Gegenstand ist von der Art, daß die Richtigkeit der einen oder der andern Ansicht durch genaue Versuche entschieden werden kann. Die Akademie wünscht daher eine sorgfältige Vergleichung zwischen den Quantitäten der Fettarten in den Nahrungsmitteln eines oder mehrerer kräuterfressenden Thiere und dem Fette, das in den Körpern derselben nach der Mästung sich findet. Die angewandten Nahrungsmittel müssen genau botanisch bestimmt werden, denn ohne Zweifel besteht z. B. das Heu von verschiedenen Localitäten aus ganz verschiedenen Pflanzen und ist auch in seinen verschiedenen Entwikelungszuständen ganz verschieden zusammengesezt. Es muß ferner das Fett in ihnen genau qualitativ und quantitativ untersucht werden, denn nach einigen neuen Untersuchungen bestehen die fettartigen Substanzen in vielen Kräutern aus wachsähnlichen Dingen, welche sich fast vollständig in den Excrementen der Thiere wiederfinden sollen.

Die ausschließende Frist für die Einsendung der Beantwortungen dieser Aufgabe, welche nach Wahl der Bewerber in deutscher, lateinischer oder französischer Sprache geschrieben seyn können, ist der 31. März 1845. Jede Bewerbungsschrift ist mit einem Motto zu versehen und dieses auf dem Aeußern des versiegelten Zettels, welcher den Namen des Verfassers enthält, zu wiederholen. Die Ertheilung des Preises von 300 Thalern geschieht in der öffentlichen Sizung am Leibnitz'schen Jahrestage, im Monat Julius 1845.

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