Titel: Die bunten Beizfarben für schwarzgefärbte Schafwollstoffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1843, Band 89, Nr. CXXV./Miszelle 4 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj089/mi089125_4

Die bunten Beizfarben für schwarzgefärbte Schafwollstoffe.

Unter den Fortschritten, welche in den lezten Jahren die Färberei und der Druk von Wollenstoffen gemacht, ist der des Beizens solcher dunkelgefärbter Zeuge mit bunten Farben einer der schönsten. Folgendes verfahren lieferte uns immer sehr schöne Resultate:

Alle derartigen Waaren werden auf gewöhnliche Art gereinigt, jedoch nicht geschwefelt.

Ansaz zum Ansieden der Waare. 100 Pfd. schwefelsaures Eisen in 300 Pfd. 70° heißem Wasser aufgelöst, nach halbem Erkalten 70 Pfd. essigsaures Blei hinzugegeben) dieses alles ½ Stunde gerührt und sezen lassen.

In einen Kessel mir siedendem Wasser werden 16 Loth weißer Weinstein und 3 Kannen von obigem Eisenansaz gegeben; beides 5 Minuten lang kochen lassen und nun den Siedpunkt bis auf 70° herabgestellt, die Waaren unter Behandirung 1 Stunde gut kochen lassen, dann auf den Haspel gedreht, die Brühe von 12 Loth Gallus und 4 Loth Sumach dazu gegeben und nun noch ½ Stunde darinnen gekocht, dann herausgenommen und verkühlen lassen. Im frisch bestellten Kessel gibt man nun den Absud von 20 Loth Gallus, worin man die angesottene Waare ¾ Stunde kocht, dieselbe wird dann auf den Haspel gedreht und in den Kessel 14–16 Loth Eisenvitriol gegeben; ist dieser aufgelöst, wird die Waare eingedreht und bei nicht starkem Sieden ½ Stunde handirt. Nach diesen Manipulationen werden die Waaren schwarz erscheinen, ist dieß jedoch nicht der Fall, so gibt man im frisch bestellten Kessel nochmals die Brühe von 8 Loth Gallus und behandelt die Waaren nochmals wie vorhin, ohne die erste Procedur des Ansiedens; darauf werden die Waaren gespült, getroknet und gepreßt.

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Beizfarben.

Aezroth auf so gefärbte Waare. 1 Pfd. feine Cochenille gut ausgekocht und die Brühe bis auf 2 Kannen eingedampft. In diese 2 Kannen Brühe gibt man 1 Pfd. Pfeifenthon, 5/4 Pfd. feine Zukersäure, 12 Loth Gummi Senegal und 16 Loth Zinnchlorid von 60°.

Aezgrün. 10 Pfd. persische Kreuzbeeren gut abgekocht und dann eingedampft, daß die Brühe 10° B. mißt, 4 Kannen von solcher Brühe mit 3 Pfd. Gummi verdikt, 2 Kannen mit 16 Loth Thon, beides übers Feuer gegeben, dazu 12 Loth Alaun, 24 Loth Weinsteinsäure, und ist dieses aufgelöst, so gibt man ¾ Pfd. Indigoextract (Lionerblau) hinzu, rührt es nun kalt und schärft es mit 1 Pfd. 12 Loth Zinnchlorid. Dasselbe bereitet man sich, indem man in 4 Pfd. Salpetersäure von 42° Beck 5 Pfd. Zinnsalz gibt. Nach 2 Tagen ist es zum Gebrauch anwendbar.

Aezbraun. 4 Pfd. Fernambuk, 1 Pfd. Blauholz, 1 Pfd. Gelbbeeren gut ausgekocht und bis zu 6 Kannen Brühe gebracht. Diese 6 Kannen Brühe verdikt man mit 4 Pfd. Pfeifenthon, 3 Pfd. Gummi, gibt 1 Pfd. 16 Loth Zukersäure hinzu und 1½ Pfd. von dem erwähnten Zinnchlorid.

Gelb wird ohne Alaun auf dieselbe Art wie Grün bereitet, versteht sich ohne Indigo.

Blau läßt sich nicht gut herstellen; es verbindet sich immer etwas Gerbstoff aus dem Gallus mit der Drukfarbe, weßhalb das Blau stets eine grünliche Nüance annimmt. Ist die Waare mit diesen Farben bedrukt, wird sie gut abgetroknet und 2 Stunden lang auf dem Cylinder oder auch im Dampfschrank stark gedämpft. Ist auch dieß geschehen, wird sie den andern Tag im Flußwasser gut gereinigt. — Bemerkt sey hier noch, daß man auch bereits sehr gelungene Versuche gemacht hat, auf dunkel gefärbte Wollenzeuge Weiß zu beizen. Davon vielleicht später mehr.

Karl Müller zu Penig an der Mulde. (Gewerbeblatt für Sachsen.)

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