Titel: Saladin, über einige Veränderungen in der Construction der Puzmaschinen.
Autor: Saladin, B. Eugène
Fundstelle: 1843, Band 90, Nr. III. (S. 5–8)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj090/ar090003

III. Ueber einige Veränderungen in der Construction der in den Baumwollspinnereien gebräuchlichen Puzmaschinen; von B. E. Saladin.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1843, No. 80.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Producte der Puzmaschinen (batteurs-éplucheurs) so wie man diese gegenwärtig in den Spinnereien anwendet, in Vergleich mit den früheren sich vervollkommnet haben; und obgleich sie der aus freier Hand geschlagenen Baumwolle gegenüber noch manches zu wünschen übrig lassen, so ist doch nicht zu verkennen, daß diese Batteurs seit den 25 Jahren, wo sie eingeführt sind, große Dienste geleistet haben. Wenn man auch innerhalb dieser 25 Jahre nicht im Stande gewesen ist, in dem Princip der Construction dieser Maschine wesentliche Veränderungen vorzunehmen, so ließe es sich doch wohl durch Modification der Geschwindigkeit und Dimensionen der verschiedenen Maschinentheile dahin bringen, daß sie noch besser arbeitete.

Auf Thatsachen gestüzt, will ich die Gründe darzulegen versuchen, welche der einen oder der andern Anordnung bei dieser Gattung von Maschinen den Vorzug geben.

Wenn bei einem Batteur die Schläger eine gewisse Geschwindigkeit nicht erreichen, so verläßt die Baumwolle die Cylinder in mehr oder weniger compacten Floken; ist dagegen diese Geschwindigkeit gut geregelt, so tritt die Baumwolle geöffnet aus der Maschine. Rotiren auf der andern Seite die Cylinder zu langsam, ohne daß deßwegen die Geschwindigkeit der Schläger verändert würde, so wird die Baumwolle |6| durch die Schläger übermäßig bearbeitet (fatigué), gekräuselt (frisé) und öfters sogar in eine Art wolligen Flaums verwandelt (réduit en duvet). Beschleunigt man dagegen, um diesem Uebelstande abzuhelfen, die Geschwindigkeit der Cylinder, so haben die Arbeiter nicht Zeit die Baumwolle aufzulegen, wenn man auch vier Meter lange Zuführtische hinter dergleichen Maschinen aufstellen wollte. Es handelt sich also darum, Mittel anzuwenden, welche die obigen Vortheile gewähren, ohne mit den bezeichneten Nachtheilen verknüpft zu seyn. Anfangs ging man von den Puzmaschinen mit einem einzigen zweiarmigen Schläger aus, welcher 1000 Umdrehungen in der Minute machte, und einem Paar cannelirter Walzen von 50 Millimeter Durchmesser, die in einer Minute 20 Umläufe machten. Man machte die Bemerkung, daß je länger die Baumwollfasern und je kleiner die Walen seyen, desto übermäßiger die Schläger die Baumwolle bearbeiten, ohne Zweifel deßwegen, weil die leztere, ehe sie von den Walzen losgelassen wurde, mehr Schläge erhielt.

Später suchte man diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß man die Geschwindigkeit der Walzen beschleunigte und ihren Durchmesser vermehrte. Hier fand man sich durch die dem Auflegen zu widmende Sorgfalt und dann durch die nicht ganz geöffnete Baumwolle beschränkt. Man stellte hierauf neue cannelirte Walzen und neue Schläger hintereinander — die einen ordneten deren drei an, die andern gingen bis zu sieben — und trug Sorge, die cannelirten Walzen nach Maaßgabe der Entfernung von der ersten Reihe zu beschleunigen und dieses ohne daß die Baumwolle allzusehr abgearbeitet erschien; sie zeigte sich nur reiner und aufgelokerter.

Gibt man den cannelirten Walzen eine große Geschwindigkeit, so tritt die Baumwolle, welche während der Thätigkeit der Schläger von den Walzen kürzere Zeit zurükgehalten wird, weniger abgearbeitet aus dem Apparate. Ich glaube übrigens, daß dieß in noch höherem Grade der Fall seyn würde, wenn man den Walzen größere Durchmesser gäbe, so daß sie die Baumwolle in einem größeren Abstande von dem Punkte, wo sie vom Schläger erfaßt wird, zurükhielten.

Ich möchte vorschlagen, den Puzmaschinen mehr Schläger als gewöhnlich zu geben; ich würde deren vier nebst vier Paar Walzen wählen. Die vier Schläger erhielten eine Geschwindigkeit von 1200 bis 1300 Umdrehungen; der Durchmesser der Walzen würde von den vorderen nach den hinteren Walzen vermindert, ihre Geschwindigkeit vermehrt werden. Den ersten Walzen würde ich z. B. einen Durchmesser von 12 Centimet. mit 24 Cannelirungen und eine Geschwindigkeit geben, welche den Arbeitern die nöthige Zeit ließe, um ungefähr 5½ Meter in der Minute aufzulegen. Dem zweiten Walzenpaare |7| gäbe ich 10 Centimet. Durchmesser und 23 Cannelirungen; dem dritten 8 Centimet. Durchmesser und 22 Cannelirungen; dem vierten endlich 6 Centimet. Durchmesser und 21 Cannelirungen, wobei ich ihre Geschwindigkeit dergestalt beschleunigte — etwa 11 Meter in der Minute — daß die Baumwolle noch dik genug zum lezten Schläger gelangen würde, um noch ein wenig im Zusammenhang zu bleiben. Durch die größeren Walzen des ersten Systems denke ich die nachtheilige Abarbeitung der Baumwolle durch die Schläger zu vermeiden; sie sollten jedoch langsam genug gehen, um dem Arbeiter zum Auflegen Zeit zu lassen. Durch die stufenweise Verminderung der Durchmesser vermeide ich, daß gewisse schwieriger aufzulokernde Theile der Baumwolle ungeöffnet die Maschine verlassen. Um von den in Rede stehenden Walzen einen genauen Begriff zu geben, habe ich dieselbe in Fig. 51, nebst dem Schläger, welcher eben die Baumwolle zu bearbeiten beginnt, in hinreichender Größe dargestellt. Die Baumwolle wird von den Walzen in einem Abstande von den Schlägern gehalten, welcher gewiß nicht so stark ist, als es die Durchmesser von 12 Centimet. der ersten Walzen vermuthen ließen. Dieser Abstand beträgt, wie ich glaube, beim ersten Schläger nur 30 Millimeter, beim zweiten 26 Millimeter, beim dritten 22 Millimet. und beim vierten 18 Millimeter. Ich habe noch hinzuzufügen, daß die Schläger, unabhängig von der Wirkung, welche sie durch den Einfluß der Luft auf die Baumwolle ausüben können, meiner Meinung nach durch ihre große Geschwindigkeit eine Art Strekung hervorbringen, welche die Fasern zu entwirren strebt, und daß es in diesem Falle gut wäre, wenn die Baumwolle die nöthige Nachgiebigkeit besäße. Ich glaube, daß meine Ansicht mit dem übereinstimmt, was mehrere Etablissements thun, die aber aus Furcht zu weit zu gehen noch nicht gewagt haben, den Walzen der Batteurs so große Durchmesser zu geben, wie ich sie vorschlage.

Fig. 51 stellt den Schläger mit seinen Cylindern dar. Die Linie A B gibt die Stelle an, wo die Baumwolle von den cannelirten Walzen nicht mehr gehalten wird.

a Welle des Schlägers;

b, b die Arme desselben;

c, c die Schienen desselben;

d, d die cannelirten Walzen, hier von 6 Centimeter Durchmesser mit 21 Cannelirungen;

e, e die zwischen den Walzen hindurchgehende und der Wirkung des Schlägers dargebotene Baumwolle.

Die Figuren 52, 53, 54 und 55 stellen die in Vorschlag gebrachte allgemeine Anordnung der cannelirten Walzen und der |8| Schläger dar. Fig. 52 zeigt den ersten Schläger mit seinen Walzen, Fig. 53 den zweiten u. s. w.

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