Titel: Girardin's Technologie des Krapps.
Autor: Girardin, Jean
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. XXXIX. (S. 141–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/ar091039

XXXIX. Technologie des Krapps; von Hrn. Girardin, Professor der Chemie in Rouen.

Aus dem Journal de Pharmacie, Dec. 1843, S. 434.

(Fortsezung und Beschluß von S. 65 im vorhergehenden Heft des polytechnischen Journals.)

Das Garancin wurde zuerst im Jahr 1829 von dem Hause Lagier und Thomas zu Avignon, welches das Robiquet-Colin'sche Verfahren und Patent an sich gebracht hatte, in den Handel gebracht; es war aber von den Kattundrukereien nicht gesucht. Der neutrale Zustand, in welchem das Garancin geliefert wurde, hatte durchaus keinen verbessernden Einfluß auf das in den Rouener Fabriken gebräuchliche gewöhnlich kalkhaltige Wasser und die Wirkung des in demselben enthaltenen Alkali's auf den Farbstoff des Garancins wurde nicht gehörig gewürdigt, so daß die Versuche im Großen den im Kleinen angestellten bei weitem nicht entsprachen und dieses Product in Mißcredit brachten. Erst später, im Jahr 1832, ließ dasselbe avignoner Haus, von den Chemikern darüber belehrt, neuerdings Versuche mit dieser Substanz anstellen, welche befriedigende Resultate und die Hoffnung gaben, daß ihre Anwendung noch wichtig werden könnte; doch konnten die damals gangbaren Muster von in Krapp gefärbten Kattunen, welche sehr dunkelroth waren und eine kräftige Färbung erheischten, nicht mit Garancin gemacht werden; die große Menge dazu erforderlichen Farbstoffs machte des Preisverhältnisses wegen seine Anwendung unmöglich. Im Jahr 1835 aber, wo gewisse Kattunartikel von großer Lebhaftigkeit der Farben in Gebrauch kamen, wurde die Aufmerksamkeit der Fabrikanten neuerdings auf das Garancin gelenkt und dessen Anwendung allgemein als vortheilhaft anerkannt.

Viele, welche voraussahen, daß die Consumtion desselben sehr groß werden könnte, verfielen auf seine Fabrication, und nachdem im Jahr 1838 obiges Patent abgelaufen war, wurden mehrere derartige Geschäfte errichtet; eines zu Rouen, von einem Hrn. Busnot, die andern zu Avignon. Mangel an Erfahrung aber in dessen Darstellung, in Verbindung mit den Uebelständen jeder neuen Schöpfung, verursachte, daß die ersten Erzeuger anfangs nur unvollkommene Producte erhielten und einige auch diesen neuen Industriezweig wieder aufgeben mußten. Nach einiger Zeit aber griffen Kaufleute, von den Bedürfnissen des Handels angeregt und durch die Erfahrungen ihrer Vorgänger belehrt, diesen Fabricationszweig wieder auf und man |142| zählt gegenwärtig 12–15 Garancinfabrikanten in Avignon, 1 oder 2 im Elsaß.

Die Fabrikanten zu Avignon verwenden nur Krapp aus der Grafschaft; die Elsasser aber sollen ihrem Krapp etwas Avignoner zusezen müssen, um den Farbstoffgehalt ihres Garancins zu erhöhen.

Erst vom Jahr 1839 angefangen, wurde dieses Product in mehreren Rouener Fabriken, namentlich bei den HHrn. Barbet, Girard, Schlumberger-Rouff, Hazard, Prosper Pimont etc im Großen angewandt. Hr. Schlumberger-Rouff fabricirte damals seinen Garancinbedarf selbst, und zwar nach folgendem Verfahren:

Nachdem man das Krapppulver auf einem Tische mittelst eines großen Rollholzes mit zwei Handheben (ähnlich demjenigen der Pastetenbäker) zerrieben hatte, brachte man es in einen bleiernen Kessel, befeuchtete es sodann mit ein wenig Wasser und schüttete die Hälfte seines Gewichts Schwefelsäure von 66° Baumé darauf, während zwei Personen die Masse durch Herumfahren mit Schaufeln rings um den Kessel beständig umrührten. Nachdem der Krapp auf diese Weise gebrannt (verkohlt) war, wurde er in Fässern 5–6mal mit Wasser ausgewaschen; man ließ ihn dann auf Leinenfiltern abtropfen und in einer mit Dampf geheizten Trokenkammer troknen. Endlich wurde er in einer Mühle von der Construction der Pfeffer- oder Kaffeemühlen gemahlen. Dieses Garancin war sehr sauer und konnte zu Violett nicht gebraucht werden. Das Kilogramm kam auf 3 Fr. 75 Cent. zu stehen.

Anfangs kostete das Garancin 6 Fr. per Kilogr. Seit 3 Jahren aber ist der Preis desselben, ohne Unterschied 4,50 Fr. bis 5 Fr. per Kil., mit einem Sconto von 6 Proc.

Bis jezt konnten die Garancinsorten nicht nach Qualitäten classificirt werden. Jeder Fabrikant sucht die beste Waare hinsichtlich des Farbstoffgehalts und der Lebhaftigkeit der damit erzielbaren Farben zu erhalten; aber die Unreinheit des Rohstoffs und die Vernachlässigung der gehörigen Sorgfalt bei dessen Fabrication machen die Producte einer und derselben Fabrik manchmal sehr verschieden. So kommt im Handel Garancin vor, welches das vierfache Gewicht des zu seiner Bereitung verwendeten Krapps ersezt, während anderes nur dem 2½fachen entspricht.

Diese Unregelmäßigkeit hat sowohl in dem mehr oder weniger großen Farbstoffgehalt des angewandten Krapps, als in den zu seiner Verwandlung in Garancin nöthigen Operationen ihren Grund; der Krapp wird so leicht um etwas zu viel oder zu wenig verkohlt, daß es ganz unmöglich ist, ein Jahr lang immer dasselbe Garancin zu |143| erhalten. Kaum läßt sich in großen Fabriken eine Reihe von 15 bis 20 Fässern ziemlich gleich darstellen und selbst dann muß die ganze Masse der erforderlichen Wurzel auf einmal in Arbeit genommen werden.

Im Durchschnitt enthält gutes Garancin dreimal soviel Farbstoff als guter Krapp.

Man hat für das Garancin nicht denselben Eintheilungsgrund beibehalten, wie für den Krapp; man unterscheidet es nur nach dem Namen des Fabrikanten. Die avignoner Fabrikanten, welche ihr Product nach Rouen versenden, sind die HHrn. Lagier, Julian, Gebrüder Foule (s. g. Stern-Garancin, garancine de l'Étoile), J. Gindre (Sonnen-Garancin, garancine du Soleil), Isnard, Clauzeau Bruder und Sohn, A. Dupuis, Bastet, Lazare Amie, Pousel, Jouve, Delorme, Imer, A. Felix. Die vier ersten haben gegenwärtig einen entschiedenen Vorzug. — Ein einziges elsasser Haus, Hr. Sengenwald, hat eine Niederlage zu Rouen.

Das Garancin beider Gegenden wird zu Lande in Fässern von 200–300 Kilogr. verführt: das avignoner Garancin in Fässern von weichem Holz, welche innen mit blauem Papier ausgelegt und an den von den Böden mit den Dauben gebildeten Fugen mit Theer überzogen sind; das elsasser in eichenen Fässern.

Seit drei Jahren ist der Verbrauch an Garancin ziemlich regelmäßig und kann im Durchschnitt für jenes von Avignon zu 16 bis 1800 Fässern jährlich, und für das elsasser zu 4 bis 600 Fässern angeschlagen werden.

Vor Einführung dieser Farbwaare in unsern Fabriken wurden in Rouen jährlich 3200–3500 Fässer avignoner und ungefähr 1000 Fässer elsasser Krapp verbraucht; seitdem werden, nach den lezten drei Jahren berechnet, in der Regel nur mehr 2000 Fässer avignoner und 200 Fässer elsasser Krapp verwendet. Diese Verminderung des Krappverbrauches um beinahe die Hälfte wird durch das Garancin, welches jezt alle Kattundrukereien eingeführt haben, mehr als ausgeglichen. Die Färber bedienen sich desselben noch nicht, sondern färben immer mit Krapp und Alizaris; dessen ungeachtet ist der Verbrauch dieser leztern seit 5–6 Jahren beinahe null, indem er von allen Pläzen zusammengenommen jährlich nur zu 5–600 Ballen angeschlagen werden kann.

Das neue den Krapp verdrängende Product bietet der Speculation der Handelswelt bis jezt nicht den geringsten Spielraum dar; es geht vom Producenten durch die einzige Vermittelung des Commissionärs direct zum Consumenten über. Alle Versuche, diese |144| Waare durch die Hände der Kaufleute zu bringen, waren fruchtlos. Die Schwierigkeit, ihre Qualität zu beurtheilen, die Befürchtung der Laune des Consumenten, die ihn ein Garancin als gering verwerfen läßt, welches andere und oft er selbst schon als gut anerkannt hatten, veranlaßt die Kaufleute, diesen Artikel nicht auf eigene Rechnung zu halten.

Zu den Auflösungsmitteln verhält sich das Garancin wie folgt:

Kaltes destillirtes Wasser Nach 24 Stunden wird es davon nur schwach gelblich gefärbt.
Kochendes — — Schwache röthlich gelbe Färbung.
Kaltes kalkhaltiges Wasser Nach 24 Stunden ist es weniger gefärbt als kaltes destillirtes Wasser.
Kochendes — — Es färbt sich etwas schwächer als das kochende destillirte Wasser.
Kaltes Kalkwasser Nach 24 Stunden schwächere Färbung als kochendes destillirtes Wasser und kochendes kalkhaltiges Wasser.
Mit Schwefelsäure angesäuertes Wasser Nimmt nach einigen Stunden eine schwache grünlichgelbe Färbung an.
Mit Salzsäure — — deßgleichen etwas dunkler.
Kaltes destillirtes Wasser, mit Salpetersäure angesäuert deßgleichen, etwas dunklere Färbung; das schwärzlichgraue Pulver wird bräunlichroth und gleicht dann dem durch die Zeit gebräunten Krapp.
— — — mit Essigsäure angesäuert Färbt sich kaum gelb.
Essigsäure von 10° Baumé Nimmt nach einigen Stunden eine schöne röthlichgelbe Farbe an.
Aezammoniak Färbt sich sogleich roth; nach 24 Stunden ist die Flüssigkeit so stark carmoisinroth gefärbt, daß sie in Masse nicht mehr durchsichtig ist.
Mit Ammoniak schwach alkalisch gemachtes Wasser Nimmt sogleich eine schöne dem Bordeauxwein ähnliche rothe Farbe an.
Aeznatron Färbt sich dunkelröthlichbraun.
Kohlensaure Natronlösung Nimmt schnell eine röthliche helle Burgunderwein-Farbe an.
Kaltes Alaunwasser Wird beinahe augenbliklich chromroth gefärbt.
Kochendes Alaunwasser Nimmt augenbliklich eine noch dunklere rothe Farbe an und sezt beim Erkalten blasser gefärbte Floken ab.
Alkohol von 33 Proc. Nimmt ziemlich schnell eine lichte rölhlichgelbe Farbe an.
Aetherhydrat (Weingeist) deßgleichen.
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Man färbt mit Garancin gerade so wie mit Krapp. Doch thut man besser, das Bad sogleich auf 45° C. (36° Reaumur) zu erhizen, um es dann allmählig auf 75–80° C. (60–64° R.) zu steigern. Erst bei der Siedehize tritt das Garancin seinen Farbstoff an den gebeizten Zeug ab. Das Wasser des Bades nimmt keine Farbe an, selbst nicht nach dem Kochen.

Die Beizen sind dieselben wie bei der Krappfärberei.23)

Manchmal wird dem Bade bei gewissen Artikeln, wobei kein Violett vorkommt, Sumach (Schmak), ungefähr zu einem Drittheil des angewandten Garancins, zugesezt. Anderemal wieder, z. B. für rothe Böden, kühkothet man die Stüke mit Zusaz von Quercitronrinde vor dem Färben in Garancin, was dem Noth sehr viel Leben gibt, das Violett aber grau macht.

Die Menge des zum Färben der Kattune erforderlichen Garancins ist je nach dem gewünschten Ton der Farbe und der vom Dessin abhängigen Quantität Farbe verschieden. Man braucht davon 0,50 bis 2,50 Kilogr., je nach dem Muster und dem Artikel zu einem Stü von 70 Meter.

Wenn das Garancin neutral und das Wasser kalkhaltig ist, wie in der Normandie gewöhnlich, so verbessert man dasselbe durch Versezen des Bades mit Schwefel-, Essig- oder Oxalsäure. Man nimmt 1 Centiliter Schwefelsäure von 4° auf 9 Liter Wasser, oder 15 Centigramme Oxalsäure per Liter Wasser. Wird Schmak angewandt, so braucht man keine Säure.

Es gibt Garancin, das schlecht ausgewaschen und sauer ist, welchem man Kreide oder kohlensaure Alkalien zusezen muß, um den zu großen und schädlichen Säuregehalt abzustumpfen. So viel als möglich aber müssen Kreide und Alkalien vermieden werden.

Der Hauptvortheil des Garancins besteht darin, daß es den weißen Boden nicht bedeutend einfärbt und folglich das Ausbleichen der damit gefärbten Zeuge sehr leicht ist. Muß der Boden der gefärbten Waare nicht ganz rein weiß seyn, so braucht man sie nach dem |146| Färben nur hinlänglich zu walken und zu waschen; will man aber vollkommen reine Weißboden, so passirt man die Stüke 15–20 Minuten im Kleienbad. Es gibt keine andere Avivirung als mittelst heißen Wassers oder Kleie. In dieser Hinsicht hat also das Garancin einen großen Vorzug vor dem Krapp, welcher die weißen Stellen ganz einfärbt, so daß nach dem Färben mehr oder weniger oft wiederholte Seifenbäder und Avivirbäder nöthig werden.

Die mittelst Garancin erhaltenen Nüancen sind in der Regel feuriger und lebhafter als mittelst Krapp. Das Roth ist lebhaft, von Carminfarbe, äußerst rein, während das daneben verglichene Krapproth immer etwas gelb oder fahl und matt, hingegen satter ist. Das Püce (Flohbraun) und Granatroth vom Garancin ist viel sammtartiger und satter als das vom Krapp. Das Violett fällt weniger zart und mehr grau aus, als mit Krapp. Alle mit Garancin erzeugten Farben sind übrigens weniger dauerhaft und widerstehen den Seifenbädern nicht, daher man auch sehr behutsam beim Aviviren derselben seyn muß. Sie widerstehen auch weniger der Luft und Sonne.

Uebrigens gibt auch nicht jedes Garancin gleich satte und glänzende Farben. Manche Sorte liefert ein schönes Roth, aber ein schlechtes Violett; manche wieder ein prachtvolles Püce oder Violett, und dagegen ein braunes und mattes Roth.

Die Kattundrukereien der Normandie waren es, welche das Garancin zuerst einführten. Die elsasser Fabrikanten sträubten sich lange gegen dasselbe; kaum sind es zwei Jahre, daß sie den Gebrauch desselben den Rouenern nachahmten.

Hr. Leonhard Schwartz in Mülhausen liefert erst seit kurzem ein aus den Rükständen des schon zum Färben benuzten Krapps bereitetes Garancin. Diese sehr uneigentlich Garanceux benannte Substanz ist viel weniger werth als gutes avignoner Garancin. 3½ bis 4 Theile derselben ersezen nur einen Theil des leztern. Man kauft das Kilogr. davon um 2 Fr. 25 Cent.

B. Das Colorin, welches im Handel vorkommt, ist nichts anderes als der Rükstand von der Destillation der Tinctur, welche man bei Behandlung der schwefelsauren Kohle mit Weingeist erhält. Dieser aus mit etwas Fettstoff verunreinigten Alizarin bestehende Rükstand hat beim Herausnehmen aus der Destillirblase Extractform. Man verdünnt ihn mit etwas Wasser und preßt ihn aus, um den Fettstoff möglichst davon zu trennen, und pulvert ihn, wenn er troken ist. Es ist dieß das alkoholische Extract der schwefelsauren |147| Kohle von Robiquet und Colin24), welches die HHrn. Lagier und Thomas zu Avignon im Jahr 1836 à 75 Fr. per Kilogr. in den Handel brachten.

Dieses Product ist ein sehr feines Pulver von okergelber Farbe, ohne besonders hervortretenden Geruch und Geschmak; befeuchtet macht es auf den Fingern starke gelbe Fleken, färbt aber kaum den Speichel. Es besizt alle chemischen Eigenschaften, welche Robiquet und Colin dem Alizarin zuschreiben.

Die von diesen Chemikern im Jahr 1827 ausgesprochene Vermuthung, daß sich das Alizarin zu ächten Tafelfarben (Applicationsfarben) benuzen lassen dürfte, wurde im Jahr 1837 zu Rouen von Hrn. Pariset, damals Chemiker in der Fabrik der HHrn. Feer, Dolfuß und Comp. zu Dieppedalle, früher Schüler Chevreul's, und im Jahr 1838 von Hrn. Gastard, Chemiker des Hrn. Stackler und des Hrn. Daniel Fauquet-Delarue, Kattunfabrikanten zu Déville, realisirt. In Ammoniak aufgelöst und dann mit Gummi verdikt, liefert das Colorin wirklich beim Aufdruken auf mit Thonerde gebeizte Kattune mittelst Dämpfen derselben rothe und rosenrothe Farben, die den mit Krapp gefärbten nicht nachstehen. Hr. Stackler nahm am 24. Nov. 1837 ein Erfindungspatent für 15 Jahre auf das Tafeldrukverfahren des Hrn. Gastard; allein der hohe Preis des Colorins der HHrn. Lagier und Thomas verhinderte dessen Einführung in den Fabriken. Ebenso ging es mit dem Verfahren des Hrn. D. Fauquet, welcher im Großen ein noch intensiveres und satteres Roth erzielte als Hr. Gastard. Ein anderer Vorzug des Fauquet'schen Verfahrens war, daß er sein Roth als Eindrukfarbe für Böden, die mit Campecheholz etc. schwarz gefärbt waren, benuzen konnte und dieses Roth, um lebhaft und glänzend zu werden, der zahlreichen Avivirungen nicht bedurfte, welche Hr. Gastard mit dem seinigen vornahm. Hr. Fauquet fabricirte in England und Schottland eine ziemliche Anzahl Kattune mit rothen und rosenrothen Tafelfarben, konnte aber diese Fabrication wegen des überaus hohen Preises des Materials nicht in Schwung bringen. Die Aufmunterungsgesellschaft zu Rouen erkannte, auf mein Gutachten, den HHrn. Gastard und Fauquet Medaillen zu, weil sie zuerst eine wissenschaftliche Entdekung in die Praxis einführten und die Richtigkeit der Ansichten der HHrn. Robiquet und Colin unwiderlegbar darthaten.

Im Jahr 1840 verband ich mich mit Hrn. Grelley zur völligen Lösung des Problems ächtes Tafelroth mittelst reinen Alizarins |148| darzustellen, dessen Wichtigkeit schon daraus hervorgeht, daß die Industriegesellschaft zu Mülhausen im Jahr 1834 einen durch Subscription der bedeutendsten französischen Kattunfabrikantenzusammen gekommenen Preis von 19,000 Fr. für die Entdekung eines Krapptafelroth ausschrieb, wovon der Farbentopf (2 Liter) nicht mehr als 10 Fr. kosten würde. Dieser, auf das Jahr 1839 hinausgesezte Preis wurde nicht erworben und deßhalb wieder eingezogen — ein Beweis, wie schwierig diese Aufgabe war. Endlich gelang es uns doch, das Colorin zu einem Preis darzustellen, welcher dessen Anwendung in Fabriken zur Bereitung ächter rother und rosenrother Tafelfarben gestattete. Wir beschrieben unser Verfahren in zwei versiegelten Paketen, welche wir im Archiv der französischen Akademie der Wissenschaften unterm 21. Junius 1841 deponirten. Seitdem verbesserten wir noch unser Extractionsverfahren. Unser Product ist so ächt als das beste Roth des gewöhnlichen Färbeverfahrens, kann jede übliche Avivirung vertragen, und schon an und für sich lebhafter, ist es auch leichter zu aviviren, als das gewöhnliche Krapproth. In sehr kleiner Quantität angewandt, widersteht es den stärksten Avivirungen, deren man sich zum Türkischroth bedient, für welche in der Regel ein Ueberschuß von Farbstoff erheischt wird. Es läßt sich sehr leicht anwenden. Man rührt es mit schwachem Aezammoniak an, läßt es darin anschwellen, verdikt es mit Gummiwasser oder Gummipulver und drukt es dann auf den gebeizten Zeug auf. Da die Operationen nach seinem Aufdruken nur im Dämpfen und nachherigen Auswaschen in reinem Wasser bestehen, so kann man es in jedem Falle mit allen andern gewöhnlichen Dampffarben aufdruken, vorausgesezt jedoch, daß man nicht zu aviviren beabsichtigt. Die dem Aufdruken desselben vorausgehenden Vorbereitungen der Zeuge sind von der Art, daß sie das Eindruken desselben in Schwarzböden oder andere unächt gefärbte Böden gestatten. Man kann es auf dieselben Zeuge in verschiedenen Graden der Stärke auftragen und so das blasseste Roth bis zum dunkelsten Roth erhalten.

Unser Colorin gestattet die Fabrication neuer Artikel, welche nach den gewöhnlichen Methoden nicht so wohlfeil hergestellt werden können. Auch wendeten wir es gemeinschaftlich mit Catechu an, wenn die Avivirung bloß in einem Seifenbade zu bestehen hatte.

Die Anwendung dieses Products dürfte der Kattunfabrication eine neue Bahn eröffnen.

5) Ueber die Verfälschung des Krapps und ihre Ermittelung.

Wegen des hohen Preises des Krapps, vorzüglich aber bei der |149| Leichtigkeit, womit ihm wegen seiner Pulverform fremdartige pulverförmige Stoffe beigemengt werden können, die das geübteste Auge nicht erkennt, ist er einer Menge Verfälschungen unterworfen.

Diese Verfälschungen sind zweierlei Art: bald vermengt man mit dem Krapppulver erdige oder mineralische Substanzen, bald vegetabilische, deren Farbe jener dieser Wurzel ähnlich ist, oder sie wenigstens nicht merklich verändert.

§. 1. Verfälschung des Krapps mit mineralischen Substanzen.

Die mineralischen Substanzen, womit gemahlener Krapp verfälscht wird, sind:

gestoßene Ziegelsteine (Ziegelmehl),

rother und gelber Oker,

gelblicher Sand,

gelblicher Thon.

Krapp, welcher erdige Substanzen enthält, kracht zwischen den Zähnen.

Eine kleine Quantität solchen Krapps, etwa 25–30 Gramme, in einem großen Glaskolben mit 5–6 Liter Wasser angerührt, sezt den größten Theil der in ihr enthaltenen erdigen Substanzen bald auf den Boden des Gefäßes ab. Gießt man nach etlichen Minuten die Flüssigkeit ab, in welcher das Krapppulver schwebt, und schüttelt den Bodensaz mit frischem Wasser, um ihn von dem etwa darin zurükgebliebenen Krapp zu befreien, so kann man eine hinreichende Menge erdiger Substanz davon absondern, um eine Untersuchung derselben vorzunehmen.

Doch genügt dieses Verfahren nicht, um das Verhältniß in welchem diese Stoffe sich darin befinden, quantitativ genau zu ermitteln. Am besten eignet sich hiezu die gänzliche Einäscherung des Krapppulvers, welche man im Platintiegel vornimmt.

Man troknet ein Muster des zu prüfenden Krapppulvers bei + 100° C. (80° R.) aus, bis es nichts mehr an Gewicht verliert, wägt dann 5 Gramme genau ab und bringt diese in einen tarirten Platintiegel. Man verschließt lezteren und erhizt ihn allmählich, indem man von Zeit zu Zeit die verkohlte Masse mittelst eines langen reinen Eisenstäbchens umrührt, um die Einäscherung zu beschleunigen. In dem Maaße, als dieselbe fortschreitet, verstärkt man das Feuer. Man erkennt sehr leicht, daß alle Pflanzensubstanz verbrannt ist und die Asche keine Spur von Kohle mehr enthält, wenn im Rükstand keine rothglühenden Theile mehr zu sehen sind und derselbe mit dem |150| Eisenstäbchen umgerührt, keine leuchtenden Fünkchen mehr gibt. — Nachdem man von diesem Stäbchen die anhängende Asche gehörig abgestoßen hat, wird der Tiegel herausgenommen; man läßt ihn erkalten und wägt ihn. Zieht man die Tara ab, so ergibt die Differenz das Gewicht der erhaltenen Asche.

Diese Asche besteht:

1) aus fixen mineralischen Substanzen, welche in der Wurzel schon während des Wachsthums enthalten sind;

2) aus der chemischen Constitution der Wurzel fremden, erdigen Substanzen, welche ihr entweder zufällig oder absichtlich beigemengt wurden.

Versuche, welche von Hrn. Labillardière und mir im Jahr 1828 im Großen angestellt wurden, ergaben, daß ganz reiner, von jeder fremdartigen erdigen Substanz und seiner ganzen Epidermis befreiter und sorgfältig getrokneter Krapp beim Einäschern 5 Proc. Asche liefert;

daß die Alizaris aus der Provence, mit ihrer Oberhaut versehen, im Mittel 8,80 Proc. Asche geben.

Nach Hrn. Heinrich Schlumberger geben 100 Theile elsasser Alizari, mit destillirtem Wasser ausgewaschen und bei 100° C. getroknet, 7,20 Asche;

während 100 Theile Alizari von Avignon, ebenso zubereitet, 8,766 geben.

Nach Hrn. Chevreul geben 100 Theile Alizari aus der Levante, bei 100° C. getroknet, 9,80 Asche.

Wenn ein avignoner Krapp SFF (die gewöhnlich gebräuchliche Sorte) beim Verbrennen mehr als 5 Proc. Asche gibt (die aus zahlreichen Versuchen mit von mir präparirtem Krapp hervorgehende Mittelzahl), so muß der Mehrbetrag der Gegenwart fremdartiger erdiger oder sandiger Substanzen in Folge eines betrügerischen Zusazes oder einer schlechten Zubereitung des Pulvers zugeschrieben werden. Beläuft sich dieser Mehrbetrag nur auf 3–4 Proc., so rührt er wahrscheinlich von einer fehlerhaften Zubereitung des Krapps her, indem der Fabrikant die stets mit Erde verunreinigte Epidermis, welche die Wurzel umgibt, nicht sorgfältig genug durch das Mahlen absonderte. Ueberschreitet er aber 4 oder 5 Proc., so findet sicher Betrug Statt.

Die Krappsorten, wie sie der Kaufmann führt, liefern hinsichtlich ihres Aschegehalts sehr verschiedene Resultate, wie aus Folgendem zu ersehen:

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In 6 Versuchen gab mir Mullkrapp von Avignon 4 Proc. Asche.

In 7 Verschen gab mir der Krapp SF von Avignon 12,40–20 Proc. Asche
18 SFF 7,40–23
4 SFFRP 12–16
3 SFFP 10–10,80
7 EXTF 10 proc.

Wenn man einen Krapp durch Einäscherung probirt, so muß man, da man 5 Gramme zur Probe nimmt, das Gewicht der Asche mit 20 multipliciren, um die Procente zu erhalten, und dann von der erhaltenen Zahl 7 Theile abziehen, welche das mittlere Gewicht der Asche eines guten Krapps mit dem zu bewilligenden Zugeständniß repräsentiren; was mehr ist, ist die Quantität zugesezter oder geflissentlich von dem Fabrikanten in dem Pulver gelassener erdiger oder sandiger Bestandtheile. Wenn also ein Krapp 16,40 Proc. Asche liefert, so enthält er 9,40 Procent fremdartige Bestandtheile.

Nach der Einäscherung und der Gewichtsbestimmung der Asche muß man manchmal noch die Zusammensezung der Asche untersuchen; man verfährt dabei wie bei der Analyse einer Erde.

Die Gegenwart erdiger Substanzen im Krapp ist dem Consumenten sehr nachtheilig, nicht nur weil diese fremdartigen Körper die Stelle eines Antheils Krapp einnehmen und daher die Anwendung des geeigneten Quantums erschweren, sondern auch, weil sie oft mehr oder weniger Farbstoff auf Kosten des zu färbenden Stoffes absorbiren, falls sie nämlich aus Thonerde oder Eisenoxyd bestehen.

§. 2. Verfälschung des Krapps mit Pflanzenstoffen.

Die mit dem Krapp gemengten Pflanzenstoffe sind Pulver von gar keinem oder doch viel geringerm Werth als diese Wurzel.

Es dienten dazu bisher vorzüglich:

Sägespäne, Mahagoniholz,
Mandelschalen, Campecheholz,
Kleie, Sandelholz,
sogenannte Fichtenrinde, Sapanholz.

Die Verfälschung des Krapps mit diesen Substanzen ist dem Färber noch viel nachtheiliger, als die mit mineralischen Substanzen; denn abgesehen davon, daß diese fremdartigen Pulver ebenfalls die in einer gewissen Menge Krapp enthaltene Quantität Farbstoffs vermindern, haben sie noch den großen Nachtheil, beim Färben zu schaden, sowohl durch Absorption von Farbstoff, als indem sie der Lebhaftigkeit der erzielten Farben Eintrag thun.

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Leider aber sind die Methoden zur Entdekung dieser Art von Verfälschung weder so scharf noch so einfach wie das Verfahren zur Entdekung der mineralischen Stoffe. Es läßt sich sehr schwer darthun, mit welcher Pflanzensubstanz ein Krapp verfälscht ist; man kann in den meisten Fällen nur erkennen, daß eine Verfälschung vorhanden ist. Am Ende ist dieß aber auch der wichtigste Punkt, indem der Praktiker bloß den Werth eines Krapps als Färbematerial zu kennen braucht.

Es wurden schon viele Methoden zur Ermittelung des Färbevermögens des Krapps und der absoluten Menge des in ihm enthaltenen Farbstoffs angegeben; die meisten aber sind wegen der dabei nöthigen Genauigkeit oder ihrer Schwierigkeit und Langwierigkeit nicht wohl brauchbar. Ich will diejenigen, welche mir den Vorzug zu verdienen scheinen und deren ich mich bei den mir oft vorkommenden Krappproben bediene, angeben.

Eine dieser Verfahrungsarten besteht in der Bestimmung des Färbevermögens mittelst des (im polyt. Journal Bd. XXVII S. 54 beschriebenen) Labillardière'schen Colorimeters (Farbenmessers).

Das zweite Verfahren ist die Bestimmung dieses Färbevermögens, so wie der Dauerhaftigkeit und Lebhaftigkeit der Farben mittelst eines Färbeversuchs.

Das dritte endlich hat zum Zwek, die absolute Menge des Farbstoffs zu ermitteln.

Die verschiedenen Proben wurden von mir immer vergleichungsweise angestellt, indem ein sorgfältig präparirter und mit denselben Zeichen versehener Krapp, wie derjenige, um dessen Prüfung es sich handelte, als Typus genommen wurde. Wie bei den Indigos und andern Farbwaaren genügt auch hier eine einzige Probirart nicht, und gerade wegen der Schwierigkeit, den Werth oder die Qualität der Krappsorten zu bestimmen, ist es, um sich nur mit einiger Gewißheit aussprechen zu können, unerläßlich, eine Probe durch die andere zu controliren. Allerdings ist dieses Verfahren langwieriger und mühsamer, doch führt es zu einem befriedigenden Resultate.

1) Bestimmung des Färbevermögens mit dem Colorimeter. — Man läßt den Normalkrapp und den zu untersuchenden bei 100° C. austroknen und berechnet die respectiven Mengen des darin enthaltenen hygrometrischen Wassers.

Hierauf nimmt man 25 Gramme von jedem Muster und rührt sie mit 250 Grammen Wassers von 20° C. (16° R.) an; nach dreistündigem Stehen bringt man das Ganze auf ein Tuch; macerirt zum zweitenmal mit eben so viel Wasser und eben so lang, wäscht hierauf den Krapp mit 250 Grammen kalten Wassers aus und troknet bei |153| 100° C., wägt ihn alsdann, um die Menge der auflöslichen, zukerigen und schleimigen Theile zu erfahren, welche der Krapp durch die vorausgehenden Waschungen verlor und die nur eine unbedeutende Menge Farbstoff mit sich fortreißen.

Man nimmt nun 5 Gramme von jedem der beiden Krappe, bringt sie in kleine Glaskolben mit 40 Theilen Wasser und 6 Theilen sehr reinem Alaun, läßt eine Viertelstunde lang kochen, filtrirt die noch siedendheiße Flüssigkeit und wascht den Rükstand mit 2 Theilen heißen Wassers aus. Man macht noch zwei ähnliche Abkochungen und wascht den Rükstand jedesmal mit 2 Theilen heißen Wassers aus, gießt die Flüssigkeiten zusammen und vergleicht nun am Colorimeter die von den beiden Krappmustern erhaltenen Flüssigkeiten unter Beobachtung aller in meiner „Abhandlung über die Verfälschungen des Orleans“25) angegebenen Maßregeln.

Dieses Verfahren wurde, einige Modificationen abgerechnet, zuerst von Robiquet und Colin26) angegeben. Man hat ihm vorgeworfen, daß dabei der rothe Farbstoff des Krapps nicht ganz ausgezogen wird; allein es handelt sich nicht um den absoluten Farbstoffgehalt, sondern um das Färbevermögen des Krapps; nun wird aber, wie ich mich überzeugte, durch drei Abkochungen mit Alaunwasser beinahe aller rothe Farbstoff aus dem Krapp gezogen und das vorgeschriebene Verfahren ergibt sehr annähernd den relativen Werth der vergleichsweise darnach probirten Krappmuster. Allerdings könnte dieser Versuch mit dem Colorimeter für sich allein nicht genügen, um ein sicheres Urtheil zu fällen; allein er liefert schäzbare Angaben, welche, in Verbindung mit jenen der nachfolgenden Proben, sich mit Bestimmtheit auszusprechen erlauben.

2) Bestimmung des Färbevermögens durch Ausfärben. — Bei diesem Verfahren muß man zur Vergleichung einen Krapp von vorzüglicher Güte wählen, mit welchem man, unter Anwendung bestimmter Proportionen des Pulvers, des Zeugs und Wassers, vorher gebeizten Kattun ausfärbte. Auf folgende Weise müssen die zur Vergleichung dienenden Muster präparirt werden.

Man wählt mit Rothbeize und Schwarzbeize bedrukten und im Kuhkothbade gehörig gereinigten Kattun, theilt ihn in Stüke von gleich großer Fläche, nämlich 5 Quadratcentimetern, und färbt sie mit progressiv zunehmenden Quantitäten Krapp von 1 Gramm angefangen bis 10 Grammen, so daß man eine Scale von zehn Nüancen erhält, deren Abstufungen allemal ein bekanntes Gewicht Krapp |154| repräsentiren. Das Färben dieser Stükchen geschieht auf folgende Weise.

In einen großen kupfernen Kessel mit flachem Boden, auf welchen leztern man eine Lage Heu legt, werden drei bis vier Glasgefäße mit weiter Mündung, von 1½ bis 2 Liter Rauminhalt, gestellt. Man füllt den Kessel mit Wasser an, erhizt es auf 40° C. (32° Reaumur) und bringt dann in jedes Gefäß das Stükchen gebeizten Kattun, den sorgfältig abgewogenen Krapp und zulezt ¾ Liter auf 40° C. erhiztes destillirtes Wasser. Man befestigt einen Thermometer in dem Wasserbad und erhizt dasselbe so langsam, daß das Wasser erst in 1½ Stunden 75° C. (60° Reaumur) erreicht, vorzüglich aber unter Vermeidung von Temperaturwechsel. Nach Verlauf dieser Zeit erhizt man bis zum Sieden und unterhält das Kochen ½ Stunde lang, nimmt dann die Zeugstükchen heraus, wascht sie in kaltem Wasser aus und troknet sie.

Nun theilt man jeden ausgefärbten Flek in zwei Hälften, deren eine man, so wie sie ist, aufhebt, die andere aber folgendermaßen avivirt. Man beginnt mit einem Seifenbad von 50° C. (40° R.), aus 2½ Grammen weißer Seife per Liter Wasser bestehend. Nach ½stündigem Belassen in diesem Bade wascht man den Flek in kaltem Wasser gut aus; hierauf gibt man ein neues Seifenbad, dem man ½ Gramm Zinnsalz zusezt und welches man eine halbe Stunde lang kochend erhält, worauf man den Flek wieder gut auswascht. Die ausgewaschenen Fleke werden sorgfältig getroknet und vor dem Licht geschüzt aufbewahrt.

Hat man auf diese Weise eine Reihe Nüancen in zwei verschiedenen Zuständen dargestellt, d. h. eine Ausfärbung ohne und mit Avivirung, so ist der relative Werth eines zu probirenden Krapps sehr leicht zu ermitteln. Man braucht nur 10 Gramme von demselben, wie er aus dem Fasse kommt, abzuwiegen, mit 5 Quadrat-Centimetern gehörig gebeiztem Kattun alle obigen Operationen vorzunehmen und die erhaltenen Farben vor und nach dem Aviviren mit den zehn Nüancen des Muster-Krapps zu vergleichen. Wenn nun z. B. diese Nüance der Nr. 5 des Muster-Krapps gleichkommt, so ist daraus zu schließen, daß der zu prüfende Krapp dem Normal- oder Musterkrapp um die Hälfte nachsteht, weil 10 : 5 = 100 : × = 50.

Welche vegetabilischen Pulver betrügerischer Weise dem Krapp auch beigemengt wurden, färbende oder indifferente, so können sie bei dieser Probe über den wahren Werth desselben als Färbematerial niemals in Irrthum führen, weil die Farben, welche diese Pulver liefern, indem sie die Beizen zu gleicher Zeit mit dem Farbstoff des |155| Krapps sättigen, nicht wie lezterer dem Aviviren zu widerstehen vermögen; sie lassen nach, wie man zu sagen pflegt, sowohl in den Seifenbädern, als in den Zinnsalzbädern und zulezt bleibt auf dem Zeuge nichts, als die vom Krapp herrührende Farbe zurük. Die Avivirungen sind daher unentbehrlich, um die Dauerhaftigkeit und Lebhaftigkeit der erhaltenen Farben zu prüfen.

Statt gedrukter Kattune kann man zu diesen Färbeversuchen auch geöhltes und gebeiztes Baumwollgarn, wie man es zum Türkischrothfärben vorbereitet, anwenden. Man nimmt in diesem Fall 10 Gramme schwere Strähne und färbt sie mit verschiedenen Gewichten, von 20 bis 30 Grammen guten Krapps aus, um so eine Scala von zehn verschiedenen Nüancen zu erhalten. Im Uebrigen verfährt man ganz wie mit den gedrukten Kattunstükchen.

Der so eben beschriebenen Färbeprobe bediene ich mich seit dem Jahr 1831 und sie wurde seitdem in allen Kattunfabriken in Rouen und Bolbec eingeführt, wo meine Schüler sie verbreiteten. Sie weicht von der im Jahr 1835 von Heinrich Schlumberger zu Mülhausen mitgetheilten wenig ab.27)

3) Bestimmung des Farbstoffgehalts. — Von allen bisher zu diesem Zwek angegebenen Methoden ist die genaueste unstreitig jene, welche Heinrich Schlumberger im Jahr 1838 beschrieb28) und H. Scheurer so glüklich abänderte.29) Allein dieses auf der Auflöslichkeit des rothen Farbstoffs in schwacher Essigsäure — eine Eigenschaft desselben, welche im Jahr 1829 von einem ungenannten Chemiker entdekt wurde30) — beruhende Verfahren ist leider zu subtil und erfordert zu viel Gewandtheit in chemischen Manipulationen, als daß es allgemein benuzt werden könnte.

Folgenden Verfahrens bediene ich mich schon seit langer Zeit.

Man nimmt 50 Gramme Krapp und rührt daran 50 Gram. concentrirter Schwefelsäure, läßt das Gemisch einige Stunden stehen, unter Vermeidung einer zu starken Erhizung, zerrührt dann die erhaltene Kohle in Wasser und bringt Alles auf das Filter. Man wascht die Kohle so lange aus, bis das Wasser ganz geschmaklos ablauft und troknet sie bei 100° C. in Gay-Lussac's Trokenapparat.

Diese Kohle zerreibt man nun zu einem feinen Pulver und läßt dasselbe 2 Stunden lang und zu wiederholtenmalen mit kaltem Alkohol maceriren, dem man etwas Aether zugab, um ihr eine darin zurükbleibende |156| fette Substanz zu entziehen. Endlich kocht man das Pulver in Alkohol von 36 Proc. dreimal aus, wozu man jedesmal ungefähr 250 Gramme Alkohol nimmt. Wird dieser durch das Kochen über dem Pulver nicht mehr gefärbt, so vereinigt man alle alkoholischen Flüssigkeiten, destillirt sie in einer kleinen Glasretorte bis zur Syrupsconsistenz ab und dampft dann die Flüssigkeit in einer tarirten Porzellanschale im Wasserbade vollends ab. Ist das Extract ganz troken, so wägt man es. Dasselbe repräsentirt den Gehalt des Krapps an rothem Farbstoff.

Zwar ist dieses Verfahren etwas langwierig und gibt, besonders im Kleinen, den Farbstoffgehalt des Krapps nicht genau an, denn es geht etwas davon verloren; verfährt man aber vergleichend, so kann man auf eine hinlängliche Annäherung zählen.

Dieß sind die verschiedenen Methoden zur Erkennung der Güte, Reinheit oder der Verfälschungen des Krapps. In den meisten Fällen genügt schon die Einäscherung und im strengern Fall gestattet die Einäscherung in Verbindung mit dem Färbeversuch dem Praktiker ein sicheres Urtheil über den ihm angebotenen Krapp.

Berüksichtigt man die Genauigkeit und die Anzahl der Operationen, welche erforderlich sind, um den relativen Werth der Krappsorten genau zu erfahren, so wird man einsehen, daß die Prüfung des Krapps durch bloßes Ansehen, wie sie von den Kaufleuten vorgenommen wird, keinen gehörigen Aufschluß geben kann, in den meisten Fällen sogar zu falschen Schlüssen führen muß. Das Verfahren der Kaufleute besteht darin, ungefähr 30 bis 40 Gramme jedes Krappmusters, eines neben dem andern, auf einem Bogen Papier auszuschütten und kleine Haufen davon zu bilden, deren Oberfläche man mit dem Rüken einer Elfenbeinspatel abplattet und glatt streicht. Man bringt sie hierauf in den Keller oder an einen etwas feuchten Ort und läßt sie daselbst 12 bis 15 Stunden verweilen, nach deren Verlauf man nach der Lebhaftigkeit und der Nüance des Pulvers seine Qualität beurtheilt.

Dieses Verfahren gibt aber, wie Hr. Schlumberger schon zeigte31), nicht einmal annähernd das Färbevermögen des Krapps an, indem schon eine sehr kurze Berührung mit der Luft hinreicht, um ihn dunkler zu machen und viele Umstände seine Farbe verändern können, ohne daß deßwegen mit seinem Färbewerth eine Veränderung vorgeht. Andererseits kann auch alter Krapp von matter Farbe besser als eine Sorte von schöner, beliebter Farbe seyn. Das Probirverfahren der Kaufleute und Mäkler sezt den Krappfabrikanten |157| oft in eine falsche Stellung, indem es ihn zwingt, die Farbe seiner Pulver zu beleben, um sie verkäuflicher zu machen und zwar manchmal auf Kosten ihres Färbevermögens. Auch erleichtert man dadurch der Betrügerei das Vermengen des Krapps mit fremdartigen Substanzen, welche gehörig gefärbt und wohl gepulvert werden, um zur Erhöhung der Farbe des Krapppulvers beizutragen; auch ist es, wie ich mich überzeugt habe, unmöglich, diese Beimengungen durch die sogenannte Arbeit im Keller zu entdeken.

Ich machte absichtlich Gemenge von Krapp, Mahagoni- und Sandelholzpulver in gewissen Verhältnissen und sie wurden von Kaufleuten, welche sich in der Beurtheilung des Krapps für sehr erfahren ausgaben, bloß durch die Arbeit im Keller geprüft, für reinen Krapp erster Qualität erkannt!

Prüfung des Garancins. — Die Qualität des Garancins wechselt, wie ich schon sagte, beständig, nicht nur in verschiedenen Fabriken, sondern bei einem und demselben Hause von einer Lieferung zur andern. So sendet ein Fabrikant eine Reihe von 15 bis 20 Fässern von vorzüglicher Güte und 14 Tage darauf sendet derselbe Producent eine andere, welche 20 bis 25 Proc. weniger werth ist als die frühere. Oft kommt sogar in einer und derselben Sendung gutes und schlechtes Garancin vor; wirklich sollte man auch jedes Faß dieser Waare vergleichend untersuchen. Es ist jezt ziemlich üblich, daß der Verkäufer dem Kattundruker das gelieferte Garancin wieder abnimmt und ihn für die fehlerhaften Stüke entschädigt, wenn die Qualität des Pulvers der versprochenen nicht entspricht.

Man probirt das Garancin durch Ausfärben im Großen und im Kleinen. Im leztern Fall verfährt man dabei folgendermaßen:

Man nimmt die Muster aus den Fässern so wie sie ankommen und verstopft die Flaschen, in welche man sie bringt, jedesmal sogleich, damit sie nicht austroknen, was, vorzüglich im Sommer, wegen der Verdunstung des Wassers in wenigen Tagen eine Verbesserung des Garancins um 5 bis 6 Proc. ausmachen könnte.

Man nimmt ein in Streifen mit den Beizen für Roth, Violett, Püce und Granatroth (Schwarz ist unnüz, weil dieß jedes Garancin sehr gut liefert) bedruktes, dann wie gewöhnlich gereinigtes und getroknetes Kattunstük, schneidet so viele Decimeter davon herunter als Garancinsorten zu probiren sind und bezeichnet diese Zeugstükchen durch eine der Nummer der Flaschen entsprechende Anzahl Einschnitte mit der Schere.

Man wägt nun 1,90 oder 2 Gramme als gut bewährtes Garancin ab, welches zur Norm dient und nimmt von den zu probirenden Garancinsorten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 10 Procente mehr oder |158| weniger als 1,90 oder 2 Gramme, je nachdem sie 1, 2, 3, 4 etc. Proc. mehr oder weniger kosten als das Normal-Garancin. Von den abgewogenen Mustern bringt man jedes in ein Gefäß von ½ Liter Rauminhalt mit weiter Oeffnung, mit 2 bis 2½ Deciliter Wasser, dem per Liter 15 Centigramme Qxalsäure zugesezt werden. Diesen Gefäßen gibt man den Garancin- und Zeugmustern entsprechende Nummern. Man stellt sie ins Wasserbad in einen kupfernen Kessel mit flachem Boden, bringt dann die bedrukten Kattunfleke hinein, färbt dieselben aus, wie beim Probiren des Krapps, indem man das Feuer in der Art regulirt, daß das Bad in 1½ Stunden auf 70° C. (56° R.) steigt und dann ½ Stunde kochend bleibt. Nach dem Ausfärben nimmt man die Zeugstükchen möglichst schnell aus den Gefäßen, spült und panscht sie im Wasser aus, troknet sie, oder bringt sie vorher noch 5 bis 6 Minuten lang in ein Kleienbad von 75° C. (60° R.). Wenn sie troken sind, vergleicht man sie und kann auf diese Weise so genau wie möglich den relativen Werth der Garancinsorten beurtheilen.

Durch Anwendung eines Kattuns, welcher in Streifen für Roth, Violett, Püce und Granatroth bedrukt ist, kann man auf einmal sehen, ob die Garancinsorten gleich vortheilhaft für alle diese Farben brauchbar sind, oder zu welchen Farben sie vorzüglich taugen. Ich habe oben schon gesagt, daß dasselbe Garancin nicht immer gleich gutes Roth, Püce und Violett liefert.

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Zur Erzielung eines schönen Scharlachroth, wozu sich das Garancin besonders eignet, muß man jedoch den Mordant (die essigsaure Thonerde) mit etwas Zinnsalz (salzsaurem Zinnoxydul) versezen; dadurch werden zugleich die Eisenbeizen, wenn man solche mittelst der Walzendrukmaschine über das Roth drukt, reservirt. Man kann durch Vermehrung der Zinnsalzmenge das Roth beliebig vom Ponceau bis zum lebhaften Hochorange nüanciren.

Mit folgendem Mordant erhält man ein feuriges und sattes Roth: man erhizt 40 Maaß (80 Pfd.) Wasser zum Sieden, schüttet sie auf 12½ Pfd. Alaun und 10 Pfd. Bleizuker und gibt, wenn beide Substanzen sich zersezt haben, 1½ Pfd. Salmiak hinzu. Von diesem Mordant werden 4 Maaß mit 1 Pfd. Stärke verdikt und der noch lauwarmen Farbe 8 Loth Zinnsalz zugegeben. Der Zusaz von Salmiak macht die Farbe geschmeidiger und haltbarer.

E. D.

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Man vergl. polytechnisches Journal Bd. XXVII. S. 200.

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Polytechn. Journal Bd. LX S. 457.

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Polytechn. Journal Bd. XXIV S. 275 und 530.

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Polytechn. Journal Bd. LVII S. 457.

|155|

Polytechn. Journal Bd. LXX S. 138.

|155|

Polytechn. Journal Bd. LXX S. 139.

|155|

Polytechn. Journal Bd. XXXIX S. 392.

|156|

Polytechn. Journal Bd. LXX S. 128.

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