Titel: L'heritier und Dufresne, über Reinigung des Thrans.
Autor: L'heritier,
Dufresne,
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LVIII. (S. 222–223)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/ar091058

LVIII. Ueber Reinigung des Thrans; von L'heritier und Dufresne.

Aus dem Echo du monde savant 1843, No. 40.

Mehrere Umstände widersezten sich bisher der Anwendung des Thrans zu gewissen Zweken; er enthält nämlich einen orangegelben Farbstoff, einen äußerst unangenehm riechenden Stoff und eine große Menge (jenem der Pflanzenöhle ähnlichen) Schleim. Es wurden schon sehr viele Versuche angestellt, ihn von diesen Stoffen zu befreien; allein sey es daß die Verfahrungsweisen unzureichend waren, oder zu viel dabei verloren ging, oder daß sie überhaupt von den Technikern nicht berüksichtigt wurden — die Anwendung des Thrans beschränkte sich bis jezt beinahe lediglich auf die Gerberei oder die Straßenbeleuchtung; im leztern Fall auch nur in sehr geringer Beimischung zu anderm Oehl.

Wir bemühten uns, den Thran von besagten Stoffen zu befreien und unser Verfahren bestund in folgendem:

1) wir sezten demselben Aezkali mit Wasser zu und kochten die Mischung, wodurch der Thran entfärbt und der darin enthaltene Schleim schwebend erhalten wurde;

2) wir ließen hierauf einen Strom Wasserdampf durch den Thran streichen, um den Schleim zu fällen;

3) klärten sodann den Thran mittelst Schwefelsäure und Knochenkohle vollkommen und machten ihn so zum besten Brennöhl;

4) oder behandelten ihn nach den beiden ersten Operationen mit Chlorkalk und Schwefelsäure, falls er zur Bereitung von Seife dienen und völlig geruchlos werden sollte.

Das nun folgende specielle Verfahren ist, was die Quantitäten und die Temperaturgrade betrifft, nicht maaßgebend, und kann je nach der Beschaffenheit des Thrans abgeändert werden.

Man bringt 48 Pfd. Thran, 10 Pfd. Flußwasser und 3 Pfd. einer Aezkalilösung von 3° Baumé in einen Kessel, erhizt denselben auf 60° C. (48° R.), nimmt ihn dann vom Feuer ab und läßt den Thran und das Wasser vollkommen sich abscheiden; lezteres nimmt bei dieser ersten Operation eine starke orangegelbe Farbe an und enthält eine Menge röthlicher Floken schwebend. Man sondert nun den Thran von der Flüssigkeit ab und läßt einen Dampfstrom etwa ¼ Stunde lang hindurchstreichen, wodurch der Schleim niedergeschlagen und ein weißes Oehl erhalten wird, welches zwar noch etwas trübe ist, aber behufs seiner Klärung filtrirt werden kann.

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Soll nun der so weit gereinigte Thran zur Beleuchtung dienen, so wird er sofort mit 2 1/5 Loth mit 1 Pfd. Wasser verdünnter Schwefelsäure behandelt, die Mischung bei 70° C. (56° R.) gekocht und derselben, nachdem der Kessel vom Feuer genommen, 2 Pfd. Knochenkohle zugesezt. Man filtrirt nun und erhält auf diese Weise einen, dem besten Olivenöhl gleichkommenden, hellen und durchsichtigen Thran, welcher langsamer und mit schönerm Licht verbrennt als das Rüböhl und keinen Geruch verbreitet.

Ist der Thran zur Seifenbereitung bestimmt, so tritt an die Stelle der lezten Behandlung folgende: man sezt auf je 20 Pfd. Thran 4/5 Loth Chlorkalk, in 40 Loth Wasser gelöst, zu, erhizt die Mischung auf 80° C. (64° R.), schüttet sie in ein anderes Gefäß um, läßt absezen, sondert auf gewöhnliche Weise den Thran ab sezt auf 24 Pfd. Thran 1 Pfd. Knochenkohle zu und filtrirt. Der so behandelte Thran verseift sich leicht und gibt eine reine, weiße, nicht unangenehm riechende Seife.

Der Dampfstrom kann auch weggelassen und der Schleim bloß durch Schwefelsäure entfernt werden; das Verfahren wäre hiedurch wohl abgekürzt, hätte aber keinen so sichern und guten Erfolg.

Es versteht sich, daß der so gereinigte Thran auch andere Anwendungen als die angegebenen zuläßt.

Unser Verfahren wenden wir auf alle Thranarten an; vorzüglich aber den des Delphins, des Meerschweins, des Wallfischs und Stokfischs, welche im Handel als Fischthran vorzüglich vorkommen.

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