Titel: Krause's Behandlung des Sazes der kalten Indigoküpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LIX. (S. 223–226)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/ar091059

LIX. Verfahren um den in den Bodensäzen der kalten Indigoküpen noch enthaltenen Indigo wieder zu gewinnen; von dem Färbereibesizer J. F. Krause in Drossen.48)

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Man bringt den abgefärbten Bodensaz der kalten Indigoküpen in ein hohes Gefäß A, Fig. 45, füllt dasselbe mit Wasser bis auf einige Zoll unter dem Rande voll und rührt den Inhalt gut unter |224| einander; hierauf gibt man nach Umständen49) gelöschten Kalk und aufgelösten Eisenvitriol hinein, und rührt dann das Gemisch gut und öfters auf, bis der Inhalt wachsgelb aussieht. Dann deke man das Gefäß zu und lasse es ruhig stehen. Nach 12, 18 auch wohl 24 Stunden, je nachdem man mehr oder weniger Bodensaz genommen50), öffne man einen in der Mitte des Gefäßes angebrachten Hahn B und lasse die gelbe, weinklare Flüssigkeit in ein kleines, daneben stehendes Gefäß C, in welches man zuvor einige Pfund frischen und zu Milch gut klar gelöschten Kalk gethan hat.51) Man nimmt dann den blauen Schaum (Blume), welcher während des Einfüllens auf dem zweiten Gefäße C entstanden ist, ab und thut ihn in das erste Gefäß A, welches nun wieder mit frischem Wasser gefüllt, ebenso wie das erstemal behandelt, dann zugedekt und in Ruhe gelassen wird.

In der Zwischenzeit rühre man den Inhalt des zweiten Gefäßes einigemal gut auf: statt der blauen Blume wird nun bald ein weißer Schaum entstehen, welchen man nach dem Umrühren abnimmt und wegwirft. Die Flüssigkeit wird nun fast wasserklar. Man rühre nun nicht mehr den ganzen Inhalt auf, sondern nur die Oberfläche desselben dann und wann um, und nehme die sich darauf bildende Haut öfters ab, damit der obere Inhalt des Gefäßes stets mit der freien Luft in Berührung bleibe. Zugedekt wird das Gefäß C gar nicht.

Wenn nun am andern Morgen der Inhalt des zweiten Gefäßes C sich gut abgesezt hat, so öffne man einen Hahn D nahe am Boden desselben und lasse die nun fast wasserklare Flüssigkeit durch die Rinne E in eine Grube F fließen. Ist nun hierdurch das Gefäß bis auf einen kleinen blauen Bodensaz, welcher immer |225| darin bleibt, geleert, so öffne man den Hahn B des Gefäßes A und fülle das Gefäß C wieder ganz voll. Nun wird eben so verfahren, wie das erstemal, nur daß kein Kalk weiter hinzugethan wird.

Die in der Grube F befindliche Flüssigkeit wird vermittelst einer Pumpe G in das erste Gefäß A befördert und dasselbe mit Wasser nachgefüllt, wieder gut aufgerührt, zugedekt und bis zum andern Morgen ruhig stehen gelassen, dann das Verfahren wie am vorigen Tage wiederholt, und so immer fort.

So wäre nun der Kreislauf eingerichtet; denn während der Zeit, in welcher sich im Gefäße A der Indigo aus dem Bodensaz hebt, fällt er in dem Gefäße C zu Boden. Es muß überhaupt so eingerichtet werden, daß alle 24 Stunden die beiden vorgenannten Gefäße sich so abgeklärt haben, daß sie abgelassen werden können. So mühsam auch das hier beschriebene Verfahren erscheint, so ist es doch, wenn der Kreislauf erst gehörig eingerichtet ist, so einfach, daß ein Arbeiter jeden Morgen nur 25–30 Minuten dabei beschäftigt wird. Dieß wird nun so lange fortgesezt, bis der Indigo aus dem Bodensaze spurlos verschwunden, welches daran zu erkennen ist, wenn sich bei dem Aufrühren des Gefäßes A keine blauen Adern auf der Oberfläche mehr zeigen. Dann wird der am Boden befindliche Zapfen gezogen, das Gefäß ganz geleert, der Inhalt weggeschüttet und das Gefäß A wieder mit anderen noch Indigo enthaltenden Bodensäzen, wie im Anfang beschrieben, gefüllt, und das Verfahren fortgesezt.

Hat sich nun der Inhalt im Gefäß C gut abgesezt, so wird das Klare durch den Hahn D abgelassen. Das was zwischen dem Hahn und dem Boden zurükbleibt, wird in ein Gefäß H gethan, und mit reinem Wasser zusammen gewaschen, worauf man es wieder ruhig sich absezen läßt. Dann wird mit Vorsicht das Klare abgezapft und der Saz — der wiedergewonnene Indigo — auf kalten Indigoküpen mit eben demselben Nuzen verwendet, wie gewöhnlicher Indigo.52)

Die von mir gefertigten und eingereichten Proben des wiedergewonnenen Indigo waren nur deßhalb zur festen Consistenz gebracht worden, weil sie einmal in dieser Form besser transportabel sind, andererseits besser beurtheilt werden können, und überhaupt |226| auch der Beweis besser geführt wird, daß in den Bodensäzen der abgefärbten Küpen noch wirtlicher und brauchbarer Indigo enthalten ist.

So kann denn durch das hier beschriebene Verfahren der Indigo, welcher in den mehrgenannten Bodensäzen sonst weggeschüttet wird, erhalten werden; und leider mögen in den Bodensäzen, welche in so großer Menge vorhanden sind, schon für Millionen Thaler Indigo weggeschüttet worden seyn!

Die Größe der Gefäße richtet sich nach dem Umfange des Geschäfts, oder wie viel überhaupt Bodensaz vorhanden ist. Vierzehn Tage, auch wohl mehr gehören dazu, bis der Indigo aus dem Bodensaz ganz gewonnen ist, vorausgesezt, daß alle 24 Stunden der Kreislauf gefördert wird.

Das Gefäß A von Kiefernholz ist etwas konisch, unten weiter, steht frei, aber fest auf Unterlagern. Der Hahn in diesem Fasse ist in der Mitte angebracht. Das Gefäß C ist von demselben Holze, unten etwas enger, der Hahn aber 6 Zoll über dem Boden angebracht.

Die Grube F ist aus guten Ziegelsteinen mit Cement gemauert, mit einer hölzernen Einfassung oben und mit starken Brettern belegt, und muß mindestens so viel fassen, als das Gefäß C. Die Pumpe ist in der Grube aufgestellt; durch dieselbe kann sowohl Wasser als Bodensaz, wenn derselbe verdünnt wird, gleich vom Anfang in das Gefäß A gepumpt werden. Das dritte Gefäß von Kiefernholz H darf nur so groß seyn, daß es ungefähr den dritten Theil des zweiten Gefäßes C faßt.53)

Wir beabsichtigten diese Abhandlung aus dem zu St. Petersburg in russischer Sprache erscheinenden Journal für Manufacturen und Handel, Juniusheft 1843 S. 391, mitzutheilen, als sie uns durch das Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt, 1843 Nr. 25 und 26 zukam, welches sie den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen entnahm. Die Abbildung des von Hrn. Krause angewandten Apparats haben wir nach dem russischen Journal beigefügt.

A. d. R.

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Ob überhaupt, und wie viel Kalk und Eisenvitriol zuzusezen ist, wird jeder Färber, welcher die kalte Küpe zu führen versteht, wissen. Es richtet sich in der Regel nach der Menge des zugesezten Wassers. Sehr oft wird nicht bloß der Bodensaz einer Küpe, sondern der ganze Inhalt derselben weggeschüttet. Wenn dann damit das erste Gefäß A ganz gefüllt wird, darf weiter nichts zugethan werden.

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Um zwekmäßig zu operiren, muß nur so viel Bodensaz in das erste Gefäß geschüttet werden, daß er sich nach dem Aufrühren in 24 Stunden bis einige Zoll unter dem Hahn gut absezt. So oft der Hahn geöffnet wird, muß jedesmal das erste in einem kleinen Handgefäß aufgefangen werden, weil sonst der im Hahn etwa befindliche Bodensaz das zweite Gefäß verunreinigen und das Absezen verhindern würde.

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Wie viel Kalk in das zweite Gefäß C genommen werden muß, richtet sich nach dem Umfang der Gefäße und der Menge des Bodensazes im Gefäße A. Wenn dasselbe überhaupt 1000 Berliner Quart faßt, so können 450 Quart Bodensaz vorhanden seyn. Hierzu würden 5–6 Pfd. Kalk, welcher frisch in Stüken gut gelöscht und sehr klar gerührt seyn muß, hinreichend seyn. Sollte sich der Inhalt im Gefäße C in 24 Stunden nicht gut absezen, so muß mit etwas Kalk nachgeholfen werden.

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Wenn gleich der nach vorgeschriebenem Verfahren gewonnene Indigo nicht das Ansehen eines besten Indigos hat, so rührt dieß nur von dem schwefel- und kohlensauren Kalk her, an den der Indigo mechanisch gebunden ist. Seinem innern Werth nach ist er jeder Mittelsorte gleich. Versuche welche mit dem feinsten ostindischen Indigo angestellt wurden, indem 1 Pfd. desselben mit 6 Loth zu Mehl gelöschtem Kalk auf nassem Wege zerrieben und dann wieder zur festen Consistenz gebracht wurden, beweisen, daß nun der ostindische Indigo nicht einmal das äußere Ansehen hatte, wie die von mir eingesandten Proben, und doch an innerem Gehalte nichts verlor.

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Das königlich preußische Ministerium hat bei Uebersendung des Aufsazes des Hrn. Krause dem Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes folgendes darüber mitgetheilt:

„Das von Hrn. Krause angegebene Verfahren liegt so nahe, daß es keinem denkenden und gebildeten Färbereibesizer entgangen seyn kann; es ist genau dasselbe, welches zur Gewinnung und Darstellung des Indigoblaues aus dem rohen Indigo bei der kalten Küpe in Anwendung kommt. Auch wird in den Kattunfabriken zu Berlin der Saz der Indigoküpen mit einem geringen Zusaz von Kalk und Eisenvitriol tüchtig ausgewässert, welche Benuzungsarr mit dem Verfahren des Hrn. Krause ganz übereinstimmt und sich nur darin unterscheidet, daß lezterer die Bodensäze ganz methodisch bearbeitet und unbezweifelt vollständiger benuzt, vielleicht gänzlich erschöpft. Da indeß Hr. Krause anscheinend das Verdienst hat, der erste zu seyn, welcher die methodische Wiedergewinnung des Indigos aus den Bodensäzen der kalten Küpe angeregt hat, so ist demselben, als ein Anerkenntniß dieser Verdienstlichkeit, eine Prämie aus der Staatscasse unter der Bedingung bewilligt worden, daß er in die Veröffentlichung seines Verfahrens durch die Verhandlungen des Vereins einwillige.“.

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