Titel: Faber, über Blutegel, ihre Geschichte, Vermehrung u. Behandl.
Autor: Faber, H.
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LXXXII. (S. 311–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/ar091082

LXXXII. Ueber Blutegel, ihre Geschichte, Vermehrung und Behandlung; von H. Faber, vormals Pastor zu Kopenhagen.64)

Im Auszuge aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Nov. und Dec. 1843, S. 510 und 550.

Obwohl es in mehreren Gegenden Europa's noch Blutegel in großer Menge gibt, so hat doch ihr Verbrauch dergestalt zugenommen, daß sie schwer zu haben sind und ihr Preis sehr gestiegen ist. Die Krankheiten, von welchen sie in der Gefangenschaft befallen werden, richten sehr viele von ihnen zu Grunde, so daß man an manchen Orten sich gar keine zu verschaffen weiß.

Nach Polen und andern Ländern im europäischen Norden kommen jährlich Engländer, Franzosen und Deutsche, um sich mit Blutegeln zu versehen und sie zur See verführen zu lassen; dieser Handel ist sehr gewinnbringend. In Polen kostet das Pfund Blutegel, je nach ihrer Größe, 4–8 Frcs.; die Händler verkaufen sie um das Doppelte. In Preußen kostet das Tausend 27–40 Frcs (7–10½ Thlr. preuß.), in Rußland 1 Silberrubel. In Dänemark werden sie in den Apotheken das Stük zu 30 Centimes (8 kr. rhn. ) verkauft.

Polen, Rußland und Gallizien sind wegen ihrer großen Sümpfe zur Vermehrung der Blutegel sehr geeignet und der Handel kann sich noch einige Jahre von dorther damit versehen. Auch aus Ungarn bezieht man viele Blutegel; dieselben sind aber weniger geschäzt, weil solche darunter vorkommen, deren Biß schwer zu heilende Wunden hinterläßt. Die Ungarn beschäftigen sich stark mit der Blutegelzucht; allein es steht zu befürchten, daß die Vorräthe dieses Landes sich einst erschöpfen in Folge der ungeheuern Ausfuhr, des gewöhnlich schlechten Verfahrens bei ihrer Aufbewahrung, so wie auch der zwekwidrigen Behandlung auf dem Transport, wodurch mehr als die Hälfte daraufgeht.

Diese Umstände nöthigen uns die Blutegel zu sparen, indem man sich öfters derselben bedient und sie in Behältern, welche ihrer Vermehrung zuträglich sind, aufbewahrt. Hr. Scheele ließ dergleichen zu Kalisch anlegen, allein dieselben reichen für den stets zunehmenden |312| Verbrauch nicht aus. Hr. Mehrer in Leiningen im Würtembergischen besizt Reservoirs, welche nicht nur für den Localverbrauch genügen, sondern auch solche zur Ausfuhr liefern.

Frankreich und England bedürfen jedes jährlich 20–30 Millionen Blutegel und die andern Länder im Verhältniß zu ihrer Einwohnerzahl. Es wäre sonach ein gewinnbringendes Unternehmen, große Blutegelreservoirs anzulegen. Man hat in dieser Hinsicht in Frankreich einige Versuche gemacht, jedoch ohne guten Erfolg, wahrscheinlich in Folge des ungeeigneten Verfahrens. Doch ist das Klima daselbst der Vermehrung dieser Thiere günstig, und nichts wäre leichter, als in Mitte der Moore, welche man daselbst antrifft, mit Blutegeln bevölkerte Teiche anzulegen.

1) Vom Bastard-Blutegel. — Man kennt mehrere Blutegelspecies; es handelt sich jedoch hier nur vom medicinischen; indessen gibt es eine Art oder Abart, welche sich mit diesem begattet, sich wie dieser ernährt, aber schneller heranwächst und früher stirbt; diese Varietät ist es, welcher man den großen Fehler zuschreibt, größere und tiefere Wunden hervorzubringen. Hr. Scheele machte hievon die Erfahrung; von acht Blutegeln, welche er anwandte, waren drei Bastarde und ihre Bisse so stark, daß die Blutung kaum gestillt werden konnte und, nachdem man Schwamm und Essigcompressen aufgelegt hatte, bedeutende Eiterung eintrat. Hr. Scheele fand sich dadurch veranlaßt, die Blutegel dieser Species zu vernichten, um ihrer Vermehrung in seinen Teichen Einhalt zu thut.65)

2) Wohnung, Lebensweise und Nahrung der Blutegel. — Der Blutegel bewohnt mäßigwarme Gegenden, hält sich gerne in stehenden Wässern auf, vorzüglich wo Kalmus (acorus calamus) wächst und nährt sich von warmem Blute; er begnügt sich |313| jedoch auch mit dem Blute der Frösche und Fische, welche leztere er an schuppenlosen, oder doch nur mit kleinen und feinen Schuppen besezten Stellen anpakt. Der Frosch hat dasselbe Schiksal, wenn er sich nicht dadurch vor seinem Feinde retten kann, daß er an das Land springt und sich im Grase reibt. In der Regel läßt der Blutegel, das angepakte Thier mag sich wehren wie es will, seine Beute nicht mehr los.

Im Sommer kömmt bei jeder von Pferden oder andern Thieren veranlaßten Bewegung des Wassers der Blutegel herangeschwommen und hängt sich an die Beine und den Bauch des Thiers; er saugt sich dann so voll mit Blut an, daß er nicht mehr schwimmen kann, geht dann auf den Grund oder sucht, auf dem Schlamme fortkriechend, das Ufer zu erreichen; hier hält er sich lange Zeit beinahe in der Höhe des Wasserspiegels auf und gibt da einen großen Theil des verschlungenen Blutes wieder von sich. Wenn er Frosch- oder Fischblut saugt, so nimmt er weniger in sich auf, schlüpft nicht in den weichen Erdboden und schwimmt mit größerer Lebhaftigkeit.

Er sucht seine Nahrung im Frühling und Herbst, in welchen Jahreszeiten die in den Schlamm sich bohrenden Frösche und Fische ihm eine leichte Beute barbieten; am liebsten macht er sich an die Grundlinge und andere kleine Fische, welche die Pfüzen und Teiche bevölkern. Der Blutegel verdaut sehr langsam und gibt selbst durch den Mund einen Theil seiner Nahrung wieder von sich; das Uebrige geht hinten in Gestalt eines schmuziggrünen, dünnen Fadens von ihm. Durch diese langsame Verdauung kann er so lange ohne Nahrung bleiben, ohne merklich an Volum und sogar an Gewicht abzunehmen.

Im Sommer hält sich der Blutegel auf dem Grunde des Wassers auf und begibt sich nur an die Oberfläche, wenn es sich trübt; dem Temperaturwechsel widersteht er sehr gut; eine zu große Hize jedoch ist ihm schädlich. Auf dem troknen Lande, in der Kälte sowohl als an der Sonne, kömmt er um. Gegen Ende Oktobers erstarrt er, indem er sich in der feuchten Erde zu einem Knaul zusammenwikelt und fünf Monate darin verweilt; gegen Anfang Aprils hin kömmt er wieder zum Leben.

3) Begattung und Fortpflanzung der Blutegel. — Am Bauche des Blutegels, ungefähr am 25sten bis 26sten Ring, nimmt man eine kleine weißliche Erhöhung wahr und 5 Ringe weiter unten eine in den Körper tretende Oeffnung; es sind dieß die Zeugungstheile, welche zur Zeit, wo die Blutegel sich aufsuchen und begatten, sichtbarer hervortreten und anschwellen. Die Begattung geht auf folgende Weise vor sich: zwei Blutegel stemmen sich mit der Scheibe |314| (dem Haftfuß) an irgend einen Gegenstand, so daß ihre Köpfe sich einander gegenüber stehen; einer derselben legt sich sodann unterhalb der Geschlechtstheile des andern an und ein jeder stekt sein hervorstehendes Organ in die tiefer unten liegende Oeffnung ein; die Blutegel sind sonach Zwitter und jeder hat beide Geschlechtstheile. Ihre Begattung, welche eine halbe bis eine Stunde dauert, findet selten öfter als zweimal im Tage, nämlich Morgens und Abends statt.

Der Trieb zur Begattung dauert bei ihnen vom Anfang Mai bis Ende Junius. Kalte und feuchte Witterung unterbricht die Begattung; ebenso Wind und Bewegung des Wassers; die mehr oder weniger große Vermehrung der Blutegel hängt von diesen Umständen ab. Wenn die Paarung vorüber ist, höhlt sich der Blutegel in der weichen und feuchten Erde über dem Wasserspiegel ein Lager aus, in welches er seine Eier legt, welche die Größe und Gestalt einer Eichel haben. Es mag allerdings auffallend erscheinen, daß diese Eier größer sind als das Thier selbst; allein dieses Mißverhältniß erklärt sich, wenn man weiß, wie sich das Ei bildet.66)

Die Legung und Bildung des Eies67) dauert ungefähr 24 Stunden. Die Sonnenhize entwikelt das darin enthaltene Laich und bildet endlich kleine Blutegel aus, welche bis zu ihrem Auskriechen sich von der sie umgebenden Substanz ernähren; gewöhnlich sind je nach der Temperatur 9–11 Wochen erforderlich, um das Laich zu |315| entwikeln und die junge Brut zu Tage zu fördern. Ein Ei gibt in der Regel 10, 12–16 Blutegel, welche sich sogleich oberhalb des Wasserspiegels in die weiche Erde eingraben oder am Ufer unterhalb der Wasserpflanzen bleiben; den Winter über befinden sie sich in Erstarrung; im Frühjahr kommen sie wieder zum Vorschein, nähren sich aber nur erst von kleinen Fischchen oder Fröschchen; wenn sich das Wasser über das Lager der Eier erhebt und diese sich lange Zeit unter Wasser befinden, so faulen sie; aus diesem Grunde vermehren sich die Blutegel nur, wenn sie ihre Eier in feuchte Erde über dem Wasserspiegel legen können.

4) Vom Wachsthum, der Größe und dem Alter der Blutegel. — Die jungen Blutegel sind, wie sie aus dem Ei kommen, sehr dünn, durchsichtig und von aschgrauer ins Weißliche ziehender Farbe; längs des Rükens befindet sich ein dünner Streifen und auf jeder Seite kleine Fleken oder Längenstreifen, welche nach dem ersten Jahre eine grüne und gelbe Farbe annehmen. Die Blutegel wachsen sehr langsam und erreichen erst nach 5″6 Jahren eine mittlere Größe; es gibt deren, welche ganz ausgespannt 20 bis 25 Centimeter lang sind. Erst mit 7–8 Jahren erwacht ihr Geschlechtstrieb; doch besizen sie da nur das Vermögen, andere Blutegel zu befruchten, ohne selbst befruchtet werden zu können68) was erst ein oder zwei Jahre später eintritt; sie legen jeder jährlich ein Ei. Jene, welche oft warmes Blut zu sich nehmen, begatten sich schon im fünften oder sechsten Jahre; auch sind sie fruchtbarer als die minder gut genährten Blutegel von gleichem Alter; endlich geben ihre Eier auch die zahlreichste Brut. Man kann den Wachsthum und die Fruchtbarkeit der Blutegel dadurch beschleunigen, daß man sie mehrmals im Jahr mit warmem Blut füttert und es sie gleich wieder von sich geben läßt; allein es ist dieß ein schädlicher Kunstgriff.

Das Alter übt seinen Einfluß auf den Körper der Blutegel; je älter sie werden, desto mehr wächst die Anzahl der schwarzen Fleken und die grüne Farbe des Rükens wird immer dunkler.

Ihre Größe anbelangend theilen sie die Blutegelhändler in drei Sorten: 1) die kleinen, Fäden (filets) genannt, 1–5 Jahre alten; 2) die mittleren, 6–12 Jahre alten; 3) die Mutterblutegel, die größten.

Die Blutegel entkleiden sich von Zeit zu Zeit von einer dünnen, schleimigen Haut von weißlicher Farbe; dieser Wechsel ist ein Anzeichen |316| ihrer Gesundheit, und je öfter derselbe eintritt, desto mehr kann man sich der guten Ernährung des Thieres versichert halten.

5) Feinde der Blutegel. — Die Blutegel sind im Zustande ihrer Freiheit vielem und häufigem Mißgeschik ausgesezt; außerdem wären die Sümpfe und Teiche von ihnen so bevölkert, daß das Vieh nicht in ihrer Nähe weiden könnte, ohne von ihnen gebissen zu werden. Kaum die Hälfte der Blutegel erreicht das Alter von einem Jahre, was vorzüglich daher rührt, daß sie nicht genug Nahrung vorfinden, wenn sie ihnen die Natur nicht gleichsam entgegenbringt; andere sterben in Folge einer zu großen Menge verschlungenen warmen oder kalten Bluts. Diese Sterblichkeit hätte übrigens nicht viel zu sagen, weil sie sich sehr stark vermehren, hätten sie nicht Feinde zu fürchten, welche sie heftig bekriegen, wie der Maulwurf, die Maulwurfsgrille (der Reutwurm), die Wasserspizmaus (sorex fodiens, s. Daubentonii); die leztern namentlich sind ihnen sehr gefährlich und verwüsten oft ganze Reservoirs von Blutegeln.

6) Von dem Fang, dem Transport und der Aufbewahrung der Blutegel. — Das gewöhnliche Verfahren, die Blutegel zu fangen, bietet wenig Schwierigkeiten dar; wer dieß unternimmt, geht mit entblößten Beinen in das Wasser und trübt dasselbe mittelst eines Stäbchens; befinden sich Blutegel darin, so schwimmen sie sogleich herbei und er ergreift sie mit den Händen; diejenigen, welche er nicht gewahr wird, hängen sich an seine Beine, welche er von Zeit zu Zeit in die Höhe hebt, um sie hinwegzunehmen; doch darf er, wenn sie schon angefangen haben sollten zu saugen, sie nicht zu früh wegreißen, worunter sie leiden würden. Man kann die Blutegel auch mittelst eines kleinen Nezes fischen, nachdem man das Wasser umgerührt hat.

Transportirt werden die Blutegel zu Wasser leichter und mit weniger Kosten als zu Land. Für lange Reisen bringt man sie in lederne Säke oder kleine Fäßchen in durch Moos getrennten Schichten. Dieses Verfahren hat aber den Fehler daß, wenn die Blutegel von Krankheiten befallen werden, alle zu Grunde gehen und auch diejenigen, die davon kommen sollten, nicht sogleich gebraucht werden können. In leinenen Säken wird jedoch dieser Verlust vermieden, weil man da die kranken Thiere herausnehmen und die übrigen vor den Wirkungen der Fäulniß der todten Körper schüzen kann.

Man transportirt die Blutegel in leinenen Säken, deren einer 2000 Stüke enthält; man darf diese Säke aber nicht auf einanderhäufen, weil die Blutegel den Druk nicht vertragen können. Die Säke werden während des Transports zweimal wöchentlich und bei warmer Witterung wohl auch öfter untersucht und die Blutegel ausgewaschen. |317| Es sind einige Vorsichtsmaaßregeln erforderlich, um den Verlust zu vermindern, welchen man durch epidemische Krankheiten erleidet, die die Blutegel befallen und theils von Verwundungen, welche sie bei ihrem Fang erhielten, theils von der übermäßigen Hize herrühren. So müssen, ehe man sie in Säke bringt, die kranken Individuen sorgfältig separirt und in besondern Säken aufbewahrt werden; ferner theilt man sie in drei Sorten, die kleinen, die mittlern und die großen. Nachdem man sie zu wiederholtenmalen mit Wasser aus einem Teiche abgewaschen, bringt man jede Classe in einen besondern Sak. In der ersten Woche des Transports wäscht man sie täglich, bei jedweder Temperatur, in Wasser aus, unter welches Kohlen- und Kreidepulver, von jedem ein Löffel voll auf 2 Kilogr. Wasser, gemischt wird. Hierdurch werden die Blutegel von dem Schleim befreit, welcher im Sak zurükbleibt, und dessen Zersezung contagiöse Krankheiten erzeugen würde; späterhin werden sie nur mehr alle zwei Tage gewaschen; dauert die Reise jedoch über vierzehn Tage, so werden die Waschungen nur alle drei Tage und das Zusezen der Kohle und Kreide nur einmal in der Woche wiederholt.

Bei großer Hize oder wenn Gewitter am Himmel sind, muß der Transport der Blutegel zur Nachtzeit stattfinden; den Tag über bringt man sie an kühle Pläze und in den Schatten, aber nicht in Ställe oder feuchte Keller. Wird man auf dem Wege von einem Gewitter überfallen, so stekt man die Säke in stehendes Wasser, oder bedekt sie, wenn keines vorhanden, mit Brennesseln, sie an einem Orte haltend, wo sie dem Scheine des Blizes nicht ausgesezt sind; denn man hat beobachtet, daß die Blutegel das Licht fürchten.

Findet der Transport zu Wagen statt, so müssen solche wohl in Federn hängen und mit Leinentuch überdekt seyn.

Die Säke müssen, so oft man die Blutegel wäscht, gewechselt werden, oder vielmehr man wäscht die Säke, um den die Poren der Leinwand verstopfenden Schleim zu entfernen, damit die Luft leichter zutreten kann; es muß dieß mit sehr reinem Wasser geschehen.

Am Orte ihrer Bestimmung angekommen, werden die Blutegel zu wiederholtenmalen ausgewaschen; man gönnt ihnen dann Ruhe, und wenn sie in den Teich gesezt werden sollen, werden sie gelinde geschüttelt. Will man sie hingegen in Gefäßen aufbewahren, so werden sie vorerst gewaschen, dann 24 Stunden lang in frisches Wasser gestekt, unter welches obiges Pulver aus ⅔ Fichtenholzkohle und ⅓ weißer Kreide gemengt wird.

Die zunächst zum Gebrauch bestimmten Blutegel werden in Glasgefäßen aufbewahrt, welche im Sommer in ein kühles Zimmer. |318| im Winter aber in einen mäßig erwärmten Raum gestellt werden. Man erneuert das Wasser dieser Gefäße erst, wenn es von dem von den Blutegeln abgesezten Schleim oder dem durch ihren After ausgetretenen Blute schmuzig geworden ist; man darf in ein Gefäß von 4 Liter (gleich 4 Kilogr. Wasser) Rauminhalt nicht mehr als 60 Blutegel bringen. Jeden Monat leert man sie in ein frisches, wohl ausgewaschenes Gefäß um. Schon gebrauchte Blutegel dürfen nicht zu den ungebrauchten gebracht werden; diese Vereinigung würde Krankheiten erzeugen.

7) Aufbewahrung der Blutegel. — Da der Blutegelfang nicht zu jeder Jahreszeit stattfinden kann, so muß man sich mit diesen Thieren in Vorrath versehen, damit sie unter dem Jahre nicht ausgehen.

Im Sommer bringt man die Blutegel in Kufen von weichem Holz, welche man wohl auswascht und mit einer Masse aus Thon, Kohle und Kreide innen überzieht; nachdem dieser Ueberzug gut ausgetroknet ist, legt man an die Wände der Kufe Schichten von Torf und Moos und läßt in der Mitte einen leeren Raum; diesen füllt man ungefähr so hoch mit Wasser an, daß der Torf beiläufig 6 Zoll über das Wasser hinaufreicht. Ein am Boden der Kufe angebrachter Hahn, welcher an seiner innern Mündung mit einem Pferdehaargewebe überzogen ist, damit die Blutegel nicht entweichen können, dient zum Ablassen des Wassers aus der Kufe.

Die Blutegel werden sich in diesen Kufen nicht nur erhalten, sondern auch vermehren, wenn sie anders nicht der Kälte ausgesezt sind. Man überdekt die in einem recht troknen Keller stehende Kufe mit grober Leinwand, welche man jeden Morgen eine oder zwei Stunden lang wegnimmt. In der ersten Zeit erneuert man das Wasser oft, später genügt es, wenn dieß einmal in der Woche geschieht. Eine Kufe von 200 Liter (gleich 200 Kilogr. Wasser) Rauminhalt kann 2000 Blutegel und darüber aufnehmen.

Man muß es vermeiden, die Blutegel zu beunruhigen und den Bedarf an solchen auf lange Zeit herausnehmen. Es ist überflüssig, die Blutegel zu untersuchen, um die kranken zu erkennen, indem leztere immer das Wasser verlassen, um sich auf den Torf zu legen.

Die schon gebrauchten Egel können im Sommer wie im Winter ebenso aufbewahrt werden, wenn man sich ihrer noch einmal bedienen will.

Die Aufbewahrung der Blutegel im Winter macht weniger Kosten und geschieht auf andere Weise. Die hiezu dienenden Kufen sind den obigen zwar gleich und werden mit derselben Masse ausgestrichen; wenn der Thon hinlänglich troken ist, wirft man aber auf den Boden der Kufe ein paar Löffel voll Kohlenpulver und |319| breitet auf demselben Stükchen feuchten Torfs oder Moorerde 8 Centimeter (3 Zoll) hoch aus, bedekt diese Schicht mit frischen Kalmuswurzeln, breitet dann einige Löffel voll desselben Pulvers darüber aus und hierauf eine zweite Schicht Torf; endlich legt man die Blutegel ein und wenn sie in die feuchte Erde eingedrungen sind, legt man noch eine Schichte Torfs, Kalmus und Kohlenpulvers in derselben Ordnung wie vorher, dann eine zweite Portion Blutegel und fährt sobald leztere eingezogen sind, auf diese Art fort, bis drei Viertheile der Kufe voll sind.

Doch geht dieß nicht gar zu schnell vor sich, weil die Blutegel nur sehr langsam in den Torf einkriechen; die ersten Tage hängen sie sich an die die Kufe bedekende Leinwand; man nimmt sie davon sorgfältig weg und legt sie auf den Torf, dekt die Kufe wieder zu und stellt sie in die Nähe des offenen Fensters; der Luftzug zwingt sodann die Blutegel, in den Torf einzukriechen. Auf diese Weise wird alle zwei Tage ein Sechstheil der Blutegel in die Kufe gebracht, welche in 14 Tagen angefüllt ist; wenn sie es zu drei Viertheilen ist, wird sie alle Tage ein paar Stunden lang aufgedekt, um der frischen Luft Zutritt zu gestatten; man stellt sie an einen kühlen Ort, aber ja nicht in feuchte Keller, wo die Blutegel unvermeidlich zu Grunde gehen würden.

Nach diesem Verfahren können in einer Kufe von 100 Liter Rauminhalt 2000–2500 Blutegel aufbewahrt werden. Man nimmt dieses Geschäft Ende Septembers vor und läßt die Blutegel bis zum nächsten April ruhen; ehe man sie in die Sommerkufen überträgt, untersucht und wascht man sie; die zum Gebrauch bestimmten werden ebenfalls gewaschen und 24 Stunden lang in mit Kohlenpulver gemengtes Wasser gelegt. Die so aufbewahrten Blutegel können vom Monat Oktober bis zum Monat April zur See transportirt werden.

Dieses Verfahren der Aufbewahrung läßt sich auch im Kleinen in Glasgefäßen ausführen, welche man mit Firniß überzieht, ohne innerlich Thon anzuwenden. Diese Gefäße stellt man in die Nähe des Fensters, welches man täglich eine Stunde lang öffnet, um den Blutegeln frische Luft zu verschaffen.

Das Stellewechseln der Gefäße ist den Thieren nicht schädlich, wenn sie dabei nicht geschüttelt werden.

8) Krankheiten der Blutegel. — Die Blutegel werden in der Gefangenschaft von mehreren Krankheiten befallen; wenn man sie zu rasch von der Wunde, welche sie machen, wegreißt, werden sie verlezt; es zeigen sich nach einiger Zeit innerlich in ihrem Munde Geschwulste und sie sterben bald ab; derselben Krankheit sind diejenigen |320| ausgesezt, welche sich mit zu viel Blut vollsogen, und sie wird anstekend, wenn man solche Egel unter den gesunden läßt; es brauchen nur die todten zu faulen, um das Wasser und die Luft der Gefäße zu inficiren und eine allgemeine Sterblichkeit herbeizuführen.

Bei der Knotenkrankheit zieht sich der hintere Theil des Blutegels bis zur Scheibe ganz zusammen; innerlich, besonders gegen die Scheibe hin, fühlt man kleine Knötchen, welche unter den Fingern rollen. Diese Krankheit, welche nach einigen Wochen den Tod herbeiführt, zeigt sich vorzüglich zur Zeit der Paarung, von der Hälfte April an bis zum Junius; doch wurde sie auch schon im Winter beobachtet; man kann sie schlechter Verdauung oder dem Mangel an Bewegung in Folge der Gefangenschaft, oder auch übermäßiger Nahrung und Hize zuschreiben.

Auch einer Schleimkrankheit sind die Blutegel unterworfen, während welcher ihr Körper schlaff und mit Schleim überzogen ist; sie werden von Tag zu Tag schwächer und sind nach drei Tagen todt.

Von allen die Blutegel befallenden Krankheiten aber ist die Fäulniß (Fäule) die gefährlichste. Anfangs schwillt das Thier an den beiden Extremitäten auf, nach und nach verbreitet sich die Geschwulst über den ganzen Körper; das Blut zersezt sich und das Thier stirbt in den Säken nach einigen Stunden, in den Glasgefäßen nach 18 Stunden.

Die beiden ersteren der erwähnten Krankheiten sind für die in den Säken eingeschlossenen Blutegel von keinen gefährlichen Folgen, wenn man beim Waschen die todten oder kranken sorgfältig herausnimmt; läßt man aber die todten unter den gesunden, so erzeugt sich bei leztern die Fäule. Die davon frei bleibenden werden schwach und untauglich.

Man hat mehrere Heilverfahren versucht, unter andern Bäder von lauwarmem Wasser, mit Milch oder Essig vermischt; allein eine sie davor bewahrende Sorgfalt ist zwekmäßiger als die Heilmittel; sie besteht eben im Absondern der schwachen und kranken Thiere von den gesunden; zu diesem Behufe drükt man sie, ehe man sie ins Wasser bringt, ein wenig zwischen den Fingern; wenn sie sich dabei zusammenziehen, ist es ein Zeichen, daß sie gesund sind.

Von gesunden Blutegeln bringt man bei kühler Witterung 400 Stük, bei warmer Witterung nur 200 in ein Glasgefäß; man gießt dann 4 Kilogr. Wasser hinzu, dem 2 Löffel voll Kohlen- und Kreidepulver beigemengt wurden. In diesem Bade bleiben die Blutegel 24 Stunden, nach deren Verlauf das Wasser erneuert wird; wenn es trübe wird, beseitigt man es und gibt frisches, worauf die wohlgewaschenen |321| gewaschenen Blutegel in die Glasgefäße kommen. Diese jeden Monat wiederholten Vorsichtsmaaßregeln werden die Blutegel vor den meisten Krankheiten bewahren.

9) Mittel, um sich der Blutegel mehrmals bedienen zu können. — Wenn man die eben gegebenen Vorschriften befolgt, so kann man sich der Blutegel mehrmals bedienen; man darf aber beim Sezen derselben sie nicht mit den Fingern berühren, sondern braucht sie nur in ein Glas zu bringen, welches man auf den Theil, wo sie anbeißen sollen, stürzt. Dieß gewährt den Vortheil, sie auf einmal anbeißen zu sehen; gut ist es, sie vor ihrer Anwendung ein paar Stunden außer dem Wasser in warmer Temperatur stehen zu lassen; sie werden dann besser und schneller anbeißen.

In der Regel bediene man sich mittelgroßer Blutegel; doch gibt es Fälle, wo die großen vorzuziehen sind. Ein zwölfjähriger Blutegel verschlingt vier-bis fünfmal so viel Blut als ein drei-bis vierjähriger; die Quantität des nach dem Abfallen der Blutegel fließenden Blutes verhält sich ungefähr eben so.

Die Blutegel, welche man das Blut nicht wieder von sich geben läßt, können im selben Jahre selten mehr gebraucht werden; um sie zu neuem Gebrauche tauglich zu machen, ergreift man sie mit einem feinen Tuch am Kopfe und streicht sie sanft vom Kopfe gegen den Schweif; auf diese Weise treibt man das Blut allmählich heraus; dann sezt man sie in ein mit Zukerwasser gefülltes Gefäß, erneuert dieses Wasser öfters, und wenn der Blutegel gut ausgewaschen ist, kann man sich alle drei Tage wieder seiner bedienen und zwar mehrere Jahre fort; man hat sogar bemerkt, daß sie dann schneller anbeißen und begieriger saugen.

Dieses Verfahren ist aber langwierig und schwierig, wenn man es mit vielen Blutegeln zu thun hat, weil das Blut, bis man die lezten vornimmt, schon gestokt seyn wird. Hat man daher mehreren Kranken zu gleicher Zeit Blutegel zu sezen, so verfährt man wie folgt:

Sobald die Blutegel abfallen, legt man sie in einen Napf und läßt sie darin, bis alle abgefallen sind; man legt sie dann auf einen, mit krystallisirtem und gepulvertem kohlensaurem Natron bedekten, erwärmten Teller. Die Blutegel geben so unter heftiger Zusammenziehung den größten Theil des von ihnen verschlungenen Blutes wieder von sich; sie müssen oft bewegt werden. Sobald man merkt, daß sie an Volum verloren haben, wascht man sie in lauwarmem Wasser, legt sie hierauf auf einen Teller, bestreut sie, wieder unter Bewegung, mit Zuker und wascht sie zum zweitenmal in einem weniger lauwarmen Wasser, worin man etwas Zuker zergehen ließ.

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Befolgt man dieses Verfahren, so sind die Blutegel der Erzeugung von Krankheiten weniger unterworfen. Sollte dessen ungeachtet das kohlensaure Natron auf etwelche einen schädlichen Einfluß äußern, so wird man dieß beim ersten Bad an Zusammenziehungen (Verengerungen) an einigen Theilen des Körpers gewahr; solche Egel müssen dann abgesondert werden.

Zu oft wiederholtes Saugen schadet jedoch den Blutegeln, so sorgfältig man sie auch behandeln mag; man darf sie daher nur einmal in der Woche anwenden und muß sie durch Streichen entleeren. Im Sommer gibt man den benüzten Blutegeln die Freiheit und ersezt sie durch frisch gefangene; will man, daß sie sich vermehren, so sezt man sie im Monat März oder April wieder in den Teich, ohne sie zu entleeren. (Ueber die Wiederanwendung schon gebrauchter Blutegel vergleiche man auch die Abhandlung im polytechnischen Journal Bd. LXXXIX S. 387.)

10) Anlegung von Reservoirs oder Teichen zur Vermehrung der Blutegel. — Da es im Handel schwer wird, Blutegelvorräthe anzuschaffen und der Preis dieser Thiere immer steigt, so ist es ersprießlich, für jene Gegenden, wo deren viele verbraucht werden, das Verfahren anzugeben, sie zu vermehren. Die Anlegung von Reservoirs gewährt demnach großen Nuzen und sichern Gewinn, vorzüglich an Orten, wo es viele Torfmoore oder Teiche gibt.

Man wählt zuvörderst Torfmoore oder Teiche, welche keiner Ueberschwemmung ausgesezt sind; das durch unterirdische Leitungen hingeführte, oder von Quellen oder durch Regen gelieferte Wasser muß ziemlich gleiche Höhe halten. Sonst wären die von den Blutegeln behufs der Ausbrütung durch die Sonnenhize in die feuchte Erde oberhalb des Wasserspiegels gelegten Eier gänzlich verloren; man muß Acht haben, daß das Wasser durch kein mit Eisenoxyd oder einer andern Mineralsubstanz imprägnirtes Erdreich fließt.

Der geeignetste Boden zur Anlegung dieser Reservoirs ist solcher, dessen Unterlage weicher Thon ist und dessen obere Schichten aus Sand, weicher oder Torferde oder selbst Rasen bestehen; die obere Schicht soll das Wasser gehörig zurükhalten. In Reservoirs von solcher Beschaffenheit gedeihen die Blutegel und sind von der größten Fruchtbarkeit; man darf sie nicht zu tief graben, weil dann zu schwierig auf den Boden zu sehen ist und die Blutegel, wenn man sie füttern will, zu schwer zu vereinigen sind.

Diese Reservoirs müssen eine Ausdehnung von 25 bis 30 Meter (77 bis 92 Par. Fuß) Länge und Breite haben; wären sie größer, so müßte man in der Mitte eine kleine Insel bilden, von welcher |323| aus man die Blutegel fütterte und die den Vortheil darböte, die Eier von den Angriffen ihrer Feinde frei zu halten.

Der Teich, in welchem Blutegel aufbewahrt werden sollen, wird troken gelegt, dann von den Wurzeln der darin wachsenden Gewächse und den etwa darin befindlichen schwarzen Blutegeln befreit; in der Mitte wird tiefer gegraben, wohin sich dann die Thiere ziehen können, wenn Trokne eintritt, um noch Wasser vorzufinden, und wohin sie sich auch den Winter über zurükziehen. Der Grund des Teichs hätte sonach die Form eines Trichters mit wenig geneigten Flächen.

Die obere Schicht der den Teich umgebenden Erde muß in gleicher Höhe mit dem höchsten Wasserstande seyn und einen 1 bis 2 Meter (3 bis 6 Fuß) breiten Wall bilden, welcher mit einem gut zusammengefügten Bretterverschlag von 0,75 Meter (2 Fuß 3 Zoll) Höhe umgeben wird, der das Entkommen der Blutegel verhindert und dieselben zugleich gegen die Maulwürfe, Spizmäuse und Maulwurfsgrillen schüzt.

Man legt auf diesen Wall eine Lage Torf oder Torferde, die man ein wenig einschlägt und in welche die Blutegel ihre Eier legen. Um die Egel den Sommer über vor der Sonnenhize zu schüzen, und ihnen die zur Paarung nöthige Ruhe zu verschaffen, sezt man Wasserpflanzen dahin, wie Kalmus, Schmalzblumen (Lotonia palustris L.), Wasserfenchel (Phellandrium aquaticum L.) etc. Nach einiger Zeit werden diese Pflanzen den Grund des Teiches einnehmen und so die Menge des Wassers vermindern; wenn sie aber zu stark überhand nehmen, muß man sie mittelst Rechen oder Haken herausschaffen. Man sezt diese Pflanzen an das Ufer des Teichs, damit die an demselben befindlichen Blutegel an ihnen in das Wasser zurükkriechen können. Eine kleine Treppe wird die Abwartung erleichtern und das Zerdrüken der in die Torfschicht gelegten Eier vermeiden helfen; in Ermangelung eines Verschlags pflanzt man eine Dornheke um den Teich, um die Thiere während der Begattung gegen den Wind und die Angriffe des Viehes zu schüzen; ein 2 Meter (6 Fuß) hoher Thondamm wäre noch vorzuziehen.

Ist der Teich fertig, so sezt man die Blutegel hinein, welche man groß und alt dazu auswählt. Ein Teich von 6 bis 7 Meter (18 bis 22 Fuß) im Quadrat nimmt deren 20 bis 30,000 auf. So sorgfältig und gut man aber die Egel auch füttern mag, so können sie doch erst nach fünf Jahren in den Handel geliefert werden; dann fängt man aber jedes Jahr bedeutende Quantitäten heraus. Man wählt für den Verkauf vorzugsweise die mittelgroßen Blutegel; die kleinen sezt man in einen andern Teich und verkauft sie zwei Jahre darauf mit Nuzen. Um die Befruchtung während der ersten Sommermonate |324| nicht zu stören, fängt man die Blutegel nur vom Anfang Augusts bis zum Anfang des Winters.

Will man in einem Teiche Blutegel von gleichem Alter bewahren, so sammelt man drei Jahre lang am Ende des Monats Julius die an das Ufer gelegten Eier und legt sie sogleich auf die Torferde eines andern Teichs.

11) Von der Fütterung der Blutegel. — Da die eben erwähnten Teiche in der Regel viel mehr Blutegel enthalten, als sie ernähren können, so wirft man Frösche und kleine Fischchen hinein, welchen die den Sommer über ausgekrochenen Blutegel das Blut aussaugen; da aber diese Nahrung nicht hinreicht, räth der Verfasser, das Blut von Hammeln, Kälbern, Ziegen und andern frisch geschlachteten Thieren zu benuzen und es gerinnen zu lassen. Man breitet dieses Blut auf in der Mitte ausgehöhlten und mit einem kleinen Rande umgebenen Brettern aus und läßt solche auf dem Wasser schwimmen, sorgt aber dafür, daß sie unter dem Gewicht des Bluts und der hinaufkriechenden Blutegel nicht untersinken können. Um die Thiere herbeizuloken, breitet man um diese Bretter etwas Blut aus und trübt das Wasser; die Blutegel kommen dann sogleich herbei und kriechen auf die Bretter hinauf. Im Sommer wird dieses Futter einmal wöchentlich, Morgens und Abends, gegeben; sobald aber die junge Brut ausgekrochen ist, im Monat September nämlich, hört man mit diesem Futter auf, weil die jungen Blutegel daran sterben würden.

Die Société d'encouragement erkannte dem Verfasser in ihrer Generalversammlung am 19. April 1843 eine Medaille von 300 Frcs. Werth für diese Abhandlung zu, mit welcher er um den wegen Vervielfältigung der Blutegel ausgesezten Preis concurrirte.

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Wahrscheinlich ist dieß der Hirudo sanguisuga Linn, der Roßegel, wegen seiner Farbe auch schwarzer Blutegel genannt, welcher oben erwàhnter Fehler wegen im Handel verworfen wird.*)

Anmerk. des Orig.

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Nach neuern Naturhistorikern bildet Linné's Gattung Hirudo eine Familie von Ringelwürmern, zu welcher nach Latreille die Gattungen Albionus, Haemocharis, Bella, Hirudo (Sanguisuga), Haemopis, Nephelis, Clepsina gehören. Die zum medicinischen Zweke gebräuchlichen, welche oft unter einander im Handel vorkommen und angewandt werden, gehören alle der Gattung Hirudo oder Sanguisuga an und sind nach neuern Schriftstellern S. chlorogasta, S. interrupta, S. medicinalis, S. officinalis und S. Verbana. Gewöhnlich aber wird S. medicinalis als die allein anzuwendende Species genannt, hingegen S. officinalis als verdächtig wegen zu starker Blutungen etc. verschrieen, was sie aber nach einigen nicht verdient, indem jene Erscheinungen je nach der Constitution und Krankheit des Individuums auch bei H. medic. stattfinden können. Durchaus verwerflich und schädlich aber ist nach vielen der Roßegel, Haemopis vorax; nach andern aber ist derselbe nicht schädlich, aber wegen der Construction seines Mundes zum Blutabziehen untauglich. — x.

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Die Erklärung, welche hier der Verfasser in seiner Abhandlung von der Bildung des Blutegeleies gibt, theilen wir als erst der Bestätigung bedürfend, nicht mit, glauben aber in kurzem das Resultat der bisherigen Beobachtungen hierüber ergänzend beifügen zu sollen. 7 bis 8 Wochen nach der Begattung nämlich schwillt der Leib in der Gegend der Geschlechtstheile an und umgibt sich hierauf mit einem weißen, seidenglänzenden schäumenden Schleim, welcher einen eiförmigen, über einen Zoll langen und beinahe einen Zoll diken, schwammigen Körper bildet, aus welchem an einem Ende der Kopf, am andern der Hintertheil des Leibes hervorragt. Inwendig erzeugt sich in diesem Schaumkörper ein häutiges Behältniß, welches mit einer grünlichen Flüssigkeit angefüllt ist; der Blutegel zieht ssch aus dem Behältniß wieder in das Wasser und der in der feuchten Erde zurükbleibende Körper bildet nach 9–12 Stunden ein schwammartiges Gehäuse (Cocon) mit einer Flüssigkeit, in welcher später 5–15 freischwimmende Dotterkugeln wahrzunehmen sind aus denen in einigen Monaten junge, sehr kleine, an Farbe noch röthliche und durchsichtige Blutegel hervorkommen. Wohl wurden in Blutegelbehältern auch schon junge Egel gefunden, die, ohne Spuren eines Eies, lebendig geboren worden zu seyn schienen, wie dieses bei mehreren Thieren, wie bei Schlangen, Eidechsen etc. der Fall seyn kann; die Jungen kommen eben dann im Mutterleibe schon aus den Eiern, ehe diese noch gelegt sind. Professor Fischer in Wien untersuchte solche Thierchen, fand aber daß sie nicht der Gattung Sanguisuga, sondern Clepsina angehörten (vielleicht als auf erstern sizendes Ungeziefer mit eingefangen). (Siehe Buchn. Repert. f. d. Pharmacie, neue Reihe Bd. V. S. 344. Ausführliches nebst Abbildungen hierüber enthält Rayer's Abhandl. ebend. ältere Reihe Bd. XXI S. 194 aus dem Journal de Pharmacie Dec. 1824 ) — x.

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Nach obiger Erklärung des Vorgangs seiner Entwiklung vom Ausschlüpfen der Blutegelmutter aus dem Cocon an gerechnet.

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Nach andern sollen sie, umgekehrt, vorerst nur. fähig seyn, befruchtet zu werden, ohne gleichzeitig befruchten zu können, welches Vermögen sich erst mit der vollendeten Entwiklung einstellt.

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