Titel: Becquerel, über das Färben der Metalle mittelst Galvanismus.
Autor: Becquerel, Alexandre Edmond
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. CXV. (S. 462–482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/ar091115

CXV. Ueber das Färben der Metalle mittelst Galvanismus; von Hrn. Becquerel.

Aus den Comptes rendus, Februar 1844, Nr. 6.

Einleitung.

Seitdem ich der Akademie meine zwei Abhandlungen über das Färben der Metalle mittelst durch Galvanismus bewirkter successiven Ablagerungen von Bleisuperoxyd (polyt. Journal Bd. LXXXIX S. 363 und 432) vorgelegt habe, machte ich es mir zur Aufgabe, die Versuche zu vervielfältigen, um die Ursachen der hervorgebrachten Erscheinungen zu ergründen und die einfachsten und zugleich brauchbarsten Verfahrungsweisen zu ermitteln, durch welche gleichförmige und dauerhafte Färbungen auf Gegenständen von allerlei Gestalt und von irgend einem Metalle erhalten werden können, damit die Industrie sich dieser neuen Technik ohne Schwierigkeit bemächtigen könne. Die von mir erhaltenen, in vorliegender Abhandlung niedergelegten Resultate erfüllen, wie ich hoffe, den mir vorgesezten Zwek.

Die elektrochemische Färbung der Metallflächen ist dieselbe Erscheinung, welche sonst durch das Ueberziehen der Oberfläche gewisser Körper mittelst dünner Plättchen hervorgebracht wird, die durch ihre Durchsichtigkeit eben diese Oberfläche mit Farben hindurchsehen lassen, deren Art und Glanz von der Dike der abgesezten Schicht und der Farbe des Körpers abhängen und die unsern Augen oft die glänzende Erscheinung der Farbenringe darbieten.

Nobili erzeugte zuerst Farbenringe auf Metallblechen mittelst galvanischer Ablagerungen, welche Erscheinungen den früher von Priestley durch successive Entladungen elektrischer Batterien hervorgebrachten analog sind; lezterer hatte beobachtet, daß wenn man zu wiederholtenmalen diese Entladungen von einer metallenen Spize auf eine Metallplatte überträgt, auf dieser mehrere Reihen gefärbter Ringe entstehen, die immer dieselben blieben, in welcher Richtung auch die Entladung vor sich ging, d. h. die positive Elektricität mag von der Spize oder der Platte ausgehen. Da die Versuche zuerst mit Kupfer und Stahl angestellt wurden, welche Metalle sich bei ihrer Abkühlung färben, nachdem sie einer so starken Hize ausgesezt worden sind, als sich bei der elektrischen Entladung entwikelt, so mußte man glauben, daß dieses die Ursache der Erzeugung der Farbenringe sey. Allein da man sie später auch auf Platin und Gold erhielt, so mußte man annehmen, daß sich die Materie von der Spize selbst überträgt, und |463| indem sie sich auf die Platte in desto dünnern Schichten absezt, je mehr sich leztere vom Mittelpunkt entfernen, jene Farbenringe erzeugt; eine Folgerung, welche sich seit Fusinieri's Versuchen über den Uebergang der Materie durch metallische Substanzen hindurch mittelst Entladungen, gleichviel in welcher Richtung, bestätigte.

Um eine klare Vorstellung der zuerst von Priestley beschriebenen, dann von Nobili, unter Anwendung der Volta'schen Elektricität, umfassend untersuchten Erscheinungen zu geben und sie mit den in vorliegender Abhandlung zu besprechenden zu vergleichen, schike ich die von diesen beiden Physikern erhaltenen Hauptresultate voraus.

Sezt man eine Metallplatte der Wirkung mehrerer Entladungen einer elektrischen Batterie mittelst einer ebenfalls metallenen Spize aus, so verändert sich die Farbe in beträchtlicher Entfernung um den mittleren Fleken herum und die Platte überzieht sich mit einer gewissen Anzahl concentrischer Ringe, wovon jeder die schönen Farben des Spectrums darbietet. Je näher man die Spize an die Platte bringt, desto schneller erzeugen sich die Farben und desto gedrängter stehen die Ringe; bei äußerst kleinem Abstand erscheinen die Farben schon bei der ersten Entladung, sind aber dann verworren.

Die Anzahl der Ringe steigt im Verhältniß zur Feinheit der Spize; je stumpfer leztere ist, desto größer, aber auch desto weniger zahlreich sind die Ringe.

Auf Stahlplatten erscheinen bei einer gewissen Entfernung die Farben nicht sogleich um den Fleken im Mittelpunkt; man beobachtet zuerst eine dunkelrothe Zone und dann nach fünf bis sechs Entladungen, wenn man die Oberfläche schief betrachtet, einen kreisförmigen, leicht schattirten (ombrirten) oder äußerst schwach gerötheten Raum, der sich stufenweise mit Ringen von allen Farben anfüllt und dessen Rand bräunlich wird, wenn man die Entladungen über den ersten, anfangs sich als leichter Schatten zeichnenden, ringförmigen Raum hinaus fortsezt, welcher die erste Nüance der blassern Farben ist, die sich um das Rothbraun der innern Fläche herum entwikeln. Die deutlichsten Töne zeigen sich zuerst rings um den Fleken im Mittelpunkt und verlieren an Schärfe, je mehr man die Schläge vervielfältigt, so daß sie nach dreißig bis vierzig Entladungen neuen Farben Plaz machen. Man kann drei Ringe wohl unterscheiden; fährt man fort, so werden die Farbenringe weniger schön und rein, weil das Roth vorherrscht und die andern Farben mehr oder weniger verdunkelt.

Die abgesezten Ringe haften fest genug an, daß eine Feder, sogar der benezte Finger sie nicht beschädigt; dessenungeachtet kann man sie mit dem Nagel wegnehmen. Die innersten Ringe widerstehen am |464| meisten; doch können sie einer nur etwas starken Reibung nicht widerstehen.

Bei zu starken Entladungen auf Stahl wird die Oberfläche corrodirt, welche Einfressungen dann die Reinheit der Wirkung beeinträchtigen. Auf Silber, Zinn und polirter Bronze finden dieselben nicht statt. Die Farbenringe, so wie die oben beschriebenen sie begleitenden Erscheinungen, finden auf Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Eisen, Blei und Zinn statt, und zwar in welcher Richtung auch die Entladung erfolgt.

Um mittelst der galvanischen Kette die Farbenringe zu erhalten, muß man, wie es Nobili zuerst that, den von einem der Pole herkommenden Strom in einem Platindraht concentriren, von welchem nur die Spize in die zu zersezende Flüssigkeit taucht, während der andere Pol mit einer in derselben Flüssigkeit befindlichen Platte in Verbindung steht. Diese Platte muß senkrecht zur Richtung des Drahtes und ungefähr 1 Millimeter von dessen Spize entfernt angebracht werden. Die Wirkungen hängen von dem Metall der Platte, von ihrem positiven oder negativen Zustand und der angewandten Flüssigkeit ab. Mit einer Kette gewöhnlicher Art erhält man sie leicht in ein paar Secunden.

Nobili stellte das Experiment mit vielen Flüssigkeiten, einem Platindraht und Platin-, Gold-, Silber-, Zinn-, Wismuth-, Kupfer-, Messing- und andern Platten an und erhielt sehr verschiedene Resultate, deren hauptsächlichste ich hier anführe.

Kupfervitriol-Lösung.

Positive Silberplatte. — Vier bis fünf abwechselnd helle und dunkle concentrische Ringe.

Negative Silberplatte. — Drei kleine concentrische Ringe; der größte und der kleinste dunkelroth, der mittlere von hellerer Farbe.

Positive Messingplatte. — Schwache Spuren fünf concentrischer Ringe von Messingfarbe, abwechselnd heller und dunkler.

Negative Messingplatte. — Ringe von zwei Nüancen metallischen Kupfers, abwechselnd wie auf dem Silber.

Zinkvitriol-Lösung.

Positive Silberplatte. — Dunkler Fleken in der Mitte, hellgelber Ring, dann lichtblauer Ring, zulezt schöne, ins Gelbe ziehende Zone.

Positive Messingplatte. — Fünf Ringe von dem durch die Wirkung des Stromes bloßgelegten Kupfer erzeugt, von abwechselnd heller und dunkler Farbe.

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Schwefelsaure Manganlösung.

Positive Silberplatte. — Fünf abwechselnd helle und dunkle concentrische Ringe, der fünfte deutlicher als die andern und von einem blaßgelben, in violetten Ton übergehenden Hof umgeben. Die Ringe gleichen den mit Kupfervitriol enthaltenen.

Essigsaure Bleilösung.

Positive Gold- und Platinplatten. — Concentrischer Regenbogen von Ringen, welche aus einander entstehen und sich wellenförmig fortpflanzen.

Positive Silberplatte. — Weniger deutlicher Regenbogen als beim Gold und Platin.

Essigsaure Kupferlösung.

Positive Platin-, Gold- und Silberplatten. — Nichts besonderes.

Dieselben Platten negativ. — Mit Silber z. B. oft vier concentrische Ringe, welche der Luft ausgesezt folgende Farben annehmen: in der Mitte dunkelblau, dann gelblichroth, minder dunkelroth und gelblichroth von anderer Nüance als die zweite Farbe.

Essigsaure Kalilösung.

Positive Silberplatte. — Ein Ring in der Mitte dreier anderer von 1 Centimeter Durchmesser, von einem sehr glänzenden Silberfaden eingefaßt, auf welchen ein Hof von verschiedenen, aber schwachen Farben folgt.

Aehnliche Resultate erhielt Nobili mit vielen andern Flüssigkeiten, namentlich solchen aus organischen Körpern, wie dem Saft der gelben Rübe, des Zwiebels, der Petersilie, des Knoblauchs, des Kopfkohls, der Sellerieblätter, der Runkelrübe. Die mit diesen Flüssigkeiten erhaltenen Wirkungen sind so merkwürdig, daß ich deren einige anführen zu müssen glaube.

Saft der gelben Rübe (Möhre).

Positive Silberplatte. — Dunkler Mittelpunkt von zwei Ringen, einem gelblichen und einem grünlichen, dann mehreren stark gefärbten Zonen umgeben.

Saft der Runkelrübe.

Positives Silber. — In der Mitte ein rother Punkt, von vier Ringen, einem gelben, einem blauen, einem rothen und einem grünen umgeben, etwas weiter zwei bis drei schöne Regenbogen.

Nobili zog aus diesen Erscheinungen folgende Schlüsse:

1) Es besteht eine Verschiedenheit in der Wirkungsweise |466| der beiden Pole, hinsichtlich ihres Vermögens sich mit Stoffen zu bedeken; der positive Pol thut es hierin dem negativen weit zuvor, namentlich in Betreff organischer Substanzen.

2) Die Wirkung des negativen Pols wird in der Regel durch Anwendung eines intensivern Stroms verstärkt, oder wenn man den Metallsalzen ein Salz mit alkalischer Basis zusezt.

Derselbe Physiker vermuthete, daß die Farbenerscheinungen von der Ablagerung dünner Plättchen herrühren dürften, sezte sich aber über die Natur dieser Ablagerungen nicht ins Klare. Wo er z. B. über das Verhalten eines Gemisches von essigsaurem Kupfer und essigsaurem Blei berichtet, sezt er hinzu (Annales de Chimie et de Physique, 2. Ser. t. XXXIV. p. 287):

„Wenn aber diese irisirenden Kreise (Regenbogen), wie es seyn könnte, von einer der elektronegativen Substanzen der Lösung erzeugt werden, welche sich in dünnen Plättchen auf der Oberfläche dieser zwei Metalle ablagert, warum findet dasselbe nicht auch bei den andern Metallen statt? Diese Frage verdiente wohl die Aufmerksamkeit der Chemiker.“

Dieß sind im Allgemeinen die von Priestley und Nobili bei ihren Versuchen über die Erzeugung der Farbenringe mittelst Elektricität erhaltenen Resultate, welche ich anführen zu müssen glaubte, um den bisherigen Standpunkt des fraglichen Gegenstandes klar zu machen, welchen ich, von andern Gesichtspunkten als jene beiden Physiker ausgehend, weiter verfolgt habe.

Zum Färben der Metalle, nach dem in meiner ersten Abhandlung angegebenen und in meinen kürzlich erschienenen Eléments d'électro-chimie genauer beschriebenen Verfahren, bediene ich mich einer alkalischen Bleilösung, worin das Blei die Rolle des elektronegativen Elementes spielt. Ich wiederhole mit wenig Worten das Verfahren: man bringt die Lösung in ein Glasgefäß, in welchem sich ein Cylinder von unglasirtem Porzellan befindet, der mit Salpetersäure angefüllt ist; der Gegenstand wird mit dem positiven Pole eines aus einigen Elementen bestehenden Zersezungs-Apparats, und das Platinblech mit dem negativen Pol in Verbindung gesezt; man kann, und zwar geht es so leichter, das poröse Gefäß und die Salpetersäure weglassen und das Platinblech in die alkalische Lösung tauchen. Sobald die Verbindung hergestellt ist, überzieht sich die Oberfläche des Gegenstandes mit dünnen, aufeinanderfolgenden Schichten von Bleisuperoxyd, welche die Erscheinungen der Färbung hervorbringen. Das Festhaften dieser Schichten ist so stark als jenes des Goldes auf dem Kupfer beim Vergolden, weil sowohl das Bleioxyd, welches durch |467| die Einwirkung des Sauerstoffs des Wassers in Superoxyd übergeht, als das Gold, sich an den Pol begibt, welcher der Rolle zusteht, die jeder dieser Körper in der Lösung spielt. Die Ablagerung von Bleisuperoxyd kann daher auf der positiven Oberfläche eben so regelmäßig vor sich gehen, wie die des Goldes (beim galvanischen Vergolden) auf der negativen, wenn nur alle unten anzugebenden Bedingungen erfüllt wurden. Ich beginne mit der Lösung des Bleioxyds in Kali (bleisauren Kali's).

Von der Zersezung der Flüssigkeit.

Die alkalische Lösung muß vollkommen mit Bleioxyd gesättigt seyn, indem sonst die abgelagerten Superoxyd-Schichten sich wieder im Alkali auflösen würden, sobald der Strom nicht mehr im Gange wäre oder auch nur seine chemische Action langsamer zu werden anfinge. Man muß die Flüssigkeit daher, wenn sie benuzt worden ist, von Zeit zu Zeit mit einem Ueberschuß von Bleiglätte in einem Kolben kochen lassen und dabei den Zutritt der Luft abhalten, damit das Kali keine Kohlensäure anziehen kann. Wenn man sich ihrer schon längere Zeit bedient hat und sie folglich kohlensaures Kali enthält, muß man sie mit Aezkalk kochen, den gebildeten kohlensauren Kalk absezen lassen, nöthigenfalls filtriren, oder den klaren Theil der Lösung abgießen. Diese Lösung soll 24 bis 25° Baumé zeigen, indem die Erfahrung lehrt, daß dieser Grad der Dichtigkeit der geeignetste sey. Wenn man sich ihrer nicht mehr bedient, bringt man sie wieder in einen wohl zu verschließenden Kolben.

Die Temperatur der Flüssigkeit soll der umgebenden gleich seyn, d. h. 12 bis 15°.C nicht übersteigen.

Der Erfolg der Operation hängt von der richtigen Zusammensezung der Flüssigkeit, von ihrem Concentrationsgrade, ihrer Temperatur, und außerdem, wie wir später zeigen werden, von der Intensität des Stroms und der vollkommenen Reinigung der Gegenstände ab. Es ist dieß für das Färben der Metalle eben so nothwendig, wie beim Vergolden mittelst Galvanismus oder durch bloßes Eintauchen. Das Vorhandenseyn fetter und anderer nicht leitender Substanzen auf den Metallflächen macht diese vollkommene Reinigung nöthig.

Vom Präpariren der Oberflächen.

Ich sagte, daß die Bleisuperoxyd-Schichten durchsichtig sind und daher die Oberfläche der Gegenstände hindurch sehen lassen. Je nachdem die Oberfläche dieser Gegenstände beschaffen ist, verhält es sich folglich auch mit ihrem Ansehen oder vielmehr mit dem Glanze der Farben. Man muß sie daher vorher in den erforderlichen Zustand |468| versezen, d. h. sie glänzend oder matt machen, je nachdem man glänzende oder matte Farben haben will. Sezen wir den Fall, es handle sich um polirte Gold-, vergoldete Kupfer- oder Platinplatten: man reibt sie vorher mit einer weichen Bürste und schwach alkalisirtem Wasser und wascht sie dann im Wasser ab. Sollten die fremdartigen Stoffe zu stark anhaften, um hiedurch entfernt werden zu können, so reibt man die Platten mit einer mit Englisch-Braunroth bedekten Bürste, dann mit einer Bürste und alkalisirtem Wasser und wascht sie dann in Wasser aus. Man wird nun finden, daß sich Stüke, welche sich früher unthätig zeigten, leicht mit den reichsten Farben überziehen. Diese Zubereitung ist besonders nothwendig, wenn man von metallenen Gegenständen die Farben entfernt hat und sie von neuem in Arbeit nimmt; denn es bleiben oft Ablagerungen zurük, welche den Glanz der Farben beeinträchtigen oder sich gar jeder fernern Ablagerung widersezen. Die präparirten Platten etc. darf man nicht mit den Fingern anrühren; man bemerkt sonst deren Spuren durch Ausbleiben oder doch wenigstens Mißlingen der Ablagerung. Man muß daher, wenn man die Leitungsdrähte in Verbindung sezt, höchst vorsichtig seyn und die Gegenstände mit Leinenzeug anfassen, welches keine organische Substanz, die anhaften könnte, berührte. Von der guten Vorbereitung der metallenen Gegenstände, ich wiederhole es, hängt das Gelingen der Operation ab.

Kupfer, Eisen und oxydirbare Metalle anbelangend, welche in Folge ihrer Oxydation nicht immer fähig sind, so schöne und mannichfaltige Farben anzunehmen, wie das Gold, vergoldetes Kupfer und Platin, muß man anders behandeln.

Bei kupfernen Gegenständen nimmt man eine vorläufige Reinigung vor, indem man sie bis zum Rothglühen erhizt und dann unmittelbar in verdünnte Schwefelsäure von 12° Baumé und von 60 bis 80° C. Temperatur taucht. Hierauf brennt man sie ab durch Eintauchen in Salpetersäure und dann in eine Mischung von drei Theilen Salpetersäure und einem Theil Schwefelsäure mit Zusaz von etwas Kochsalz. Man vermeidet sorgfältig beim Erhizen den Ruß, welcher fette Körper absezen könnte. Man wascht sie dann in Wasser aus und stekt sie sogleich in das alkalische Bad, ohne sie mit Sägemehl abzutroknen, was durch die fremdartigen Körper, welche sich auf der Oberfläche absezen würden, nachtheilig wirken könnte.

Die abgebrannten Stüke können zwar, vor dem Einfluß der Luft gesichert, einige Augenblike im Wasser gelassen werden, doch darf dieß, damit kein Nachtheil daraus erwachse, nicht zu lange andauern.

Ist das Kupfer wohl abgebrannt mit sogenanntem Glanz, so erhält man eine recht befriedigende Färbung, die jedoch jener nicht |469| gleichkommt, welche das Poliren hervorbringt, welches eine Kraft des Tones liefert, die man durch das Abbrennen nicht erhält; allein die Operation des Polirens selbst bringt dann auf die Oberfläche fremdartige Körper, von welchen man sie durch Waschen nicht nur, wie oben, mit der Bürste und einer verdünnten Kalilösung, sondern auch mit einem sehr feinen Leinentuch, welches man in Alkohol taucht, worin etwas Aezkali aufgelöst ist, befreien muß, worauf man sie zulezt noch mit vielem Wasser abwascht.

Wenn die Kupfer- oder Messingplatten, namentlich die leztern, nicht sehr groß sind, etwa nur 2 bis 3 Quadrat-Centimeter, macht die Färbung dieselben Phasen durch, wie bei den mehr oder weniger großen vergoldeten Platten; sind sie aber von bedeutender Größe, so bleibt die Oberfläche mehr oder weniger lange Zeit glänzend und scheint sich passiv zu verhalten, wie in concentrirte Salpetersäure getauchtes Eisen; es findet dann gar keine Färbung statt. Woher kann dieser passive Zustand des mit dem positiven Pole einer galvanischen Kette in Verbindung gesezten Messings rühren? Rührt er von der Bildung eines Kupferoxyds her, welche sich der Erzeugung des wasserfreien Superoxyds widersezt oder daher, daß das bleisaure Kali lediglich zersezt wird? Diese Fragen mußte ich, da von dem Zustand der Oberflächen die Rede ist, andeuten; sie können aber erst bei Behandlung der Färbung erörtert werden. Man erkennt sogleich an einem sichern Zeichen, daß die Färbung nicht eintreten wird, wenn sich nämlich viel Blei an der negativen Elektrode absezt, was leicht erklärbar ist. Das Bleioxyd muß, da es nicht superoxydirt ist, reducirt werden; wenige Augenblike nach dem Eintauchen sieht man auch schon, ob die Färbung stattfinden wird oder nicht.

Die Zubereitung des Eisens oder Stahls anbelangend, reibt man, wenn die Platte polirt ist, die Oberfläche mit alkalisirtem Wasser und wascht sie in vielem Wasser ab.

Von dem Färbeverfahren.

Sezt man eine gesättigte Lösung von Bleioxyd in Kali von der angegebenen Stärke der Einwirkung eines aus mehreren Paaren bestehenden Apparates aus, und bedient sich als negativer Elektrode eines Platindrahts oder-Blechs, und als positiver Elektrode eines Gold- oder Platinblechs, so sezt sich alsbald auf dieses eine Schicht wasserfreien Bleisuperoxyds ab, welche an Dike allmählich zunimmt und successive alle besprochenen Farbenerscheinungen hervorbringt. Sobald die Färbung geschehen ist, muß die gefärbte Platte aus der Bleilösung genommen und in Wasser abgewaschen werden, um alles Kali zu entfernen, welches sonst bald das Superoxyd in Oxyd verwandeln |470| und auflösen würde. Die Färbung beginnt gewöhnlich am Rande der Platten, an den Vereinigungsstellen der entferntesten Theile, wo folglich die chemische Action des Stromes am stärksten ist. Man kann aus diesem Grunde ohne vorher getroffene Vorsichtsmaaßregeln unmöglich eine gleichmäßige Färbung erhalten. Die Blei superoxyd-Schichten haften so fest, daß sie das Poliren mit Leder und Englischroth vertragen, nicht aber mit dem Blutstein, Polirstahl oder Polirhorn, welche Operation nur bei hämmerbaren Körpern anwendbar ist, die sich unter dem Polirinstrument ausdehnen-eine Eigenschaft, die das Bleisuperoxyd nicht besizt, welches sich bei starkem Druke des Instruments von der Oberfläche, worauf es abgelagert ist, lostrennen müßte. Uebrigens haftet das Superoxyd auch um so stärker, je mehr die Metalle, oder wenigstens ihre Oxyde mit demselben Verbindungen einzugehen vermögen; es haftet manchmal so stark an, daß die Ablagerung ziemlich lange der Einwirkung verdünnter Säuren widersteht.

Da das Bleisuperoxyd kein Leiter der Elektricität ist, so kann die Dike der färbenden Schicht nur sehr unbedeutend seyn. Ehe ich die verschiedenen von mir eingeschlagenen Methoden mittheile, um alle wünschbaren Farbenerscheinungen hervorzubringen, muß ich die Ordnung angeben, welche die Farben einhalten, um alle diese Erscheinungen leicht auseinandersezen zu können.

Von den Farbenordnungen.

Die auf Metallflächen durch successive Ablagerung von Bleisuperoxyd-Schichten erhaltene Färbung ist, wie gesagt, Wirkung der dünnen Plättchen, welche die Metalloberfläche, worauf sie sich ablagerten, wenn sie nicht oxydirt ist, durchsehen lassen. Ist diese Oberfläche gefärbt, so mischen sich die von der Dike der Plättchen abhängenden Farben mit der ihr eigenen; dadurch entstehen Effecte, welche, obgleich sie die Farben der Farbenringe modificiren, doch die Aufeinanderfolge der verschiedenen Ordnungen, die dann nur nicht mehr aus einfachen Farben bestehen, gar nicht verändern. Auf Gold z. B. kann unmöglich Blau erzeugt werden, weil seine gelbe Farbe sich mit dem Blau mischt und ein bläuliches Grün liefert, das zwar sehr schön, aber nicht das Blau der Farbenringe ist. Auf Platin erhält man das Ultramarin-Blau, das schönste Blau. Ich will nun angeben, wie auf einer Goldplatte die aus der Ablagerung successiver Bleisuperoxyd-Schichten hervorgehenden Farben aufeinander folgen.

Erste Ordnung.

Erste Farbenordnung der Newton'schen Farbenringe:

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Schwarz, sehr blasses Blau, lebhaftes Weiß, Orangegelb, Roth.

Erste Farbenordnung der Bleisuperoxyd-Schichten:

Leichte Ablagerung, deren Farbe wegen ihrer Flüchtigkeit nicht charakterisirt werden kann; Orange, dunkel Orange, Perlgrau, ins Grünliche ziehend, Goldgelb, schwaches Roth, schönes prismatisches Roth.

Zweite Farben-Ordnung.

Zweite Farbenordnung der Newton'schen Farbenringe:

Dunkles Purpur, Purpur, lebhaftes Grasgrün, lebhaftes Gelb, Karmoisinroth.

Zweite Farbenordnung der Bleisuperoxyd-Schichten:

Ins Violette ziehendes Roth, Bläulichgrün, schönes Grün, Gelb, Roth.

Dritte Ordnung.

Dritte Newton'sche Farbenordnung:

Blaues Purpur, lebhaftes Grasgrün, glänzend Gelb, Karmoisinroth.

Dritte Ordnung der Bleisuperoxyd-Plättchen:

Röthliches Violett, Dunkelgrün, ins Rothe ziehendes Grün. Darüber hinaus werden die Farben immer dunkler und zulezt kömmt man bis zum Kohlschwarz.

Vergleicht man die Farben der Newton'schen Ringe und der Bleisuperoxyd-Schichten von derselben Ordnung, so findet man augenscheinliche Beziehungen, indem, einige Ausnahmen abgerechnet, sich nur die Töne unterscheiden; die Ordnung der Farben hält wirklich eine ziemlich richtige Folge ein.

Auf Kupfer bemerkt man dieselben Farbenordnungen, nur daß sie nicht mehr mit Gelb, sondern mit einem röthlichen Ton gemischt sind, der ihnen mehr Intensität gibt.

Auf vollkommen polirtem Silber wird man zuerst eine grünlichgelbe Farbe gewahr, welche zum Theil von der Oxydation des Silbers herrührt, dann Gelb, Roth, Blau und Grün; hierauf andere, immer dunkler werdende Farben.

Auf Platin nehmen alle genannten Farben immer mehr einen blauen Ton an; auch geben die blauen oder bläulichgrünen das schönste glänzende Ultramarinblau.

Auf Eisen, besonders Stahl, zeigen sich die verschiedenen Farbenordnungen mit ziemlich viel Intensität, werden aber in der Regel durch die graue Farbe des Metalls verdunkelt; ich stellte die Versuche mit farblosen und mit dunkelgefärbten Metallen an. In einer andern |472| Abhandlung werde ich die mit Nikel, Kobalt etc. erhaltenen Resultate mittheilen.

Von den Verfahrungsarten, um gleichförmige oder verschiedene Farbentöne auf den Metallen hervorzubringen.

Um gleichförmige Töne hervorzubringen, muß der Gegenstand so angebracht werden, daß die Wirkung des Stroms auf alle Punkte der Oberfläche dieselbe ist, widrigenfalls Stellen stärker mit Superoxyd-Schichten bedekt würden als andere; daher rühren dann die prismatischen Farben oder die mehr oder weniger verschiedenen Töne auf derselben Fläche, welche ein der malerischen Wirkung nachtheiliges Irisiren hervorbringen. Um eine einzige Farbe zu erhalten, sind mehrere Bedingungen zu erfüllen, welche von den chemischen Eigenschaften der Ströme und der Geschiklichkeit des Operirenden abhängen:

1) Die Superoxyd-Ablagerungen müssen successive stattfinden und äußerst dünn seyn, damit der Uebergang von einer Farbe zur andern nicht zu rasch geschieht, d. h. man muß es so einrichten, daß man successive alle Töne einer und derselben Farbe erhält; man läuft dabei nur Gefahr, auf einer Fläche einander sehr nahestehende Töne derselben Farbe zu erhalten. Das zu beobachtende Verfahren besteht darin, daß man als negative Elektroden 1 bis 1/10 Millimeter dike Platindrähte nimmt. Jeder Draht wird in eine Glasröhre gestekt, deren eines Ende man an der Lampe zuschmilzt, und der Draht an diesem Ende schief abgeschnitten, um außerhalb der Röhre eine mehr oder weniger fixe Metallspize zu haben, durch welche der Strom austritt; auf diese Weise kann man in der Flüssigkeit einen durch eine sehr kleine Quantität Elektricität hervorgebrachten Strom circuliren lassen. Am andern Ende wird der Draht durch Kitt befestigt und man läßt ihm eine gewisse Länge, um ihn mit dem negativen Pol des Zersezungs-Apparats in Verbindung sezen zu können. Man bereitet so eine gewisse Anzahl Röhren vor, welche alle mit diesem Pol in Verbindung stehen, um dann so viele davon anwenden zu können, als für den Flächenraum der zu behandelnden Platte erforderlich sind. Da auf diese Weise die negative Elektrode auf die möglich kleinsten Dimensionen reducirt ist, weil sie nur den Querschnitt eines beinahe mikroskopischen Metalldrahtes haben kann, so geht die Ablagerung der Schichten allmählich vor sich. Der übrigens bei langsamer Wirkung unbedeutende Bleiabsaz muß natürlich von Zeit zu Zeit beseitigt werden.

Statt nur einer Röhre, welche ich Elektrodenröhre nenne, vereinigt man auch oft deren mehrere, indem man sie zusammenbindet, |473| so daß sich alle Spizen in derselben Ebene befinden, oder man stekt auch in dieselbe Röhre eine gewisse Anzahl Platindrähte und schmilzt an der Lampe das Ende derselben zu, an welchem sie in die Lösung tauchen sollen. In einer gewissen Entfernung von der Röhre schneidet man die Drähte dann ab und drükt sie so auseinander, daß man einen wirklichen Pinsel erhält.

2) Die Gegenstände communiciren mit dem positiven Pol des Zersezungsapparats; sind sie nur 2 bis 3 Centimeter groß, so genügt es, sie mittelst eines Eisen- oder Kupferdrahtes mit diesem Pol in Verbindung zu sezen, oder man sezt den Gegenstand mittelst einer eisernen Zange mit dem Apparat in Communication, versäumt aber nicht, ihre Schenkel innen häufig anzufeilen, um das abgesezte Oxyd zu entfernen, welches, als nichtleitend, den Strom in seinem Laufe aufhalten würde. Hat aber der Gegenstand eine gewisse Größe, so müssen die Verbindungsdrähte vermehrt werden, damit der Strom an mehreren Punkten austritt. Man kann den Gegenstand auch mit einer metallenen Kluppzange fassen, deren Plaz man aber wechseln muß, weil sich sonst die Befestigungspunkte nicht färben. Je mehr Berührungspunkte vorhanden sind, desto gleichförmiger wird überhaupt die Ablagerung. Hat man eine nicht sehr große vierekige Fläche, so verbindet man mit jeder Eke einen Draht. Ist das Blech sehr groß, so legt man es auf zwei rechtwinklich sich kreuzende, in der Mitte seiner Seiten hinlaufende Drähte. Bei einem Dreiek werden die drei Eken mit dem positiven Pol in Verbindung gesezt; bei einer kreisförmigen Platte muß die Communicationsstelle im Centrum seyn. Kurz, das Gesez der Symmetrie muß bei der Wahl der Stellen für die Verbindungsdrähte beobachtet werden, denn dieß ist das einzige Mittel, die zersezende Wirkung des Stroms gleichförmig zu machen.

3) Hat man einen cylindrischen Ring in Arbeit, so sezt man ein Zängchen in die Mitte desselben, öffnet dessen Arme und hält sie mittelst eines Holzkeils aus einander. Ist der Cylinder nur kurz, so sezt man ihn auf ein Kupferblech oder-Geflechte, welches mit dem positiven Pol in Verbindung steht, unter Fürsorge, daß das sich daran absezende Oxyd auf sogleich anzugebende Weise entfernt werde. So viel, was die Verbindung der Gegenstände mit dem positiven Pol betrifft. Mit der Elektrodenröhre ist, um Gleichförmigkeit oder Verschiedenheit der Töne zu bezweken, wie folgt zu verfahren.

Diese Elektrode darf niemals in Ruhe bleiben, denn die Ablagerung würde an den dem Gegenstand genäherten Punkten immer reichlicher werden. Sie muß daher nothwendig über der zu überziehenden Fläche beständig herumgeführt werden, wobei man sie immer |474| in ziemlich gleicher Entfernung hält, die um so größer seyn muß, je kleiner die Oberfläche ist. Es ist dieß das einzige Mittel, den Abstand zwischen der Metallspize und allen Punkten der Oberfläche gleich zu machen. Namentlich ist dieß bei Vertiefungen und Reliefs zu beachten, welche ohne diese Vorsicht in der Färbung verschieden ausfallen würden. Haben die Gegenstände große Dimensionen, so muß die Spize von der Oberfläche mehr entfernt und die Bewegung der Elektrodenröhre in der Art beschleunigt werden, daß wenn der Gegenstand platt ist, die Spize unaufhörlich vom Mittelpunkt gegen die Peripherie bewegt wird. Es gibt Fälle, wo die Spize 1 oder 2 Decimeter weit von der Oberfläche entfernt gehalten werden muß. Man sollte glauben, daß der Zwek einer langsamen und successiven Färbung durch mehr oder weniger verdünnte Lösungen des bleisauren Kali's sicherer erreicht würde. Die Theorie spricht dafür; die Erfahrung aber lehrte das Gegentheil; die besten Resultate gab eine gesättigte Lösung von bleisaurem Kali von 24 bis 25° Baumé bei gewöhnlicher Temperatur. Mit minder gesättigten Lösungen erhalten die Farben keinen Glanz und erzeugen sich so langsam, daß lange Zeit erforderlich wäre, um alle Farbentöne, welche man beabsichtigt, zu erhalten. Das Gefäß, in welchem man operirt, muß in allen Richtungen große Dimensionen haben, damit man sich frei bewegen und die Elektrodenröhren von der Oberfläche der Gegenstände, so weit man es für zwekdienlich erachtet, entfernen kann. Die cylindrische Form ist die beste, weil sie eine regelmäßige Wirkung durch Herumführen der Elektrodenröhre an der innern Wand des Gefäßes gestattet; sind die Gegenstände groß, so muß der Durchmesser des Gefäßes zwei-bis dreimal so groß als der der Gegenstände seyn.

Um über die Handhabung der Elektrodenröhre eine Vorstellung zu geben, führe ich einige Beispiele an. Soll nicht nur die obere Fläche einer vierekigen Platte, sondern beide Flächen gleichmäßig überzogen werden, so hängt man diese Platte, nachdem man an allen vier Eken einen Leiter angebracht hat, horizontal in die Lösung, führt die Elektrodenröhre in gehörigem Abstand vom Rande herum und hält dabei die Spize beständig im Niveau der Platte und in gleicher Ebene mit ihr, damit die Wirkung des Stroms auf die obere und untere Fläche gleich bleibt. Ist das Stük ziemlich groß, so genügt, nachdem man die gehörige Anzahl Leiter angebracht, die einfache Elektrodenröhre nicht mehr, sondern man braucht eine Elektrodenröhre mit zwei oder mehreren Schenkeln, wobei jeder Draht mit einem andern, mit dem positiven Draht des Zersezungs-Apparats in Verbindung stehenden, zusammenläuft. Ich betrachte zuerst die zweischenklige Röhre, welche aus zwei nebeneinander angebrachten Elektrodenröhren besteht, die in einen Stöpsel |475| gestekt werden, um eine an der andern der Länge nach verschieben zu können. Die beiden aneinandergelötheten Drahtenden werden zuerst auf eine Entfernung von wenigstens der halben Breite des Gegenstandes rechtwinklich umgebogen, dann nicht weit von ihrem Ende nochmals im rechten Winkel gebogen, um die beiden Spizen einander gegenüber auf gleiche Linie stellen zu können. Der leztere Schenkel braucht nur ½ Centimeter lang zu seyn; die Platte wird zwischen die beiden Spizen gebracht, jede Oberfläche in gleicher Entfernung von der gegenüberbefindlichen Spize. Man kann diese Vorrichtung so handhaben, daß nach und nach jede Spize allen entsprechenden Punkten der beiden Oberflächen gegenüber zu stehen kömmt. Da die Länge jeder ersten Biegung etwas über die halbe Breite des Gegenstandes beträgt, so braucht man, um zu jedem Punkt zu gelangen, nur die ganze Vorrichtung um diesen Gegenstand herumzudrehen. Wir wiederholen, daß die doppelte und die einfache Elektrode beständig in Bewegung gesezt und darauf Acht gegeben werden muß, daß jeder Punkt stets in gleicher Entfernung von der gegenüber befindlichen Oberfläche sey, weil sonst die elektrochemische Wirkung auf einer Seite stärker ist als auf der andern.

Will man eine halbkugelförmige Fläche innerlich färben, so füllt man ihren innern Raum mit der Bleilösung an und sezt das Gefäß mit dem positiven Pol dadurch in Verbindung, daß man es auf eine mit diesem Pol communicirende Kupferplatte stellt. Man taucht die Elektrodenröhre so ein, daß die Spize sich im Mittelpunkt des Querschnitts befindet und läßt sie fest in dieser Stellung. Die zersezende Wirkung des Stroms ist dann gleich stark nach allen Punkten der Oberfläche. Bei einem cylindrischen Gefäß muß die Elektrodenröhre nach der Achse gestellt und die Spize immer von Oben nach Unten geführt werden; bei einer Kugel muß die Spize im Mittelpunkt unbeweglich angebracht werden. Man sieht, daß hier überall das Gesez der Symmetrie erfüllt wird.

Um versichert zu seyn, daß man allmählich durch alle zwischeniegenden Töne kommt und damit man nicht nur bei der Farbe, sondern auch bei dem Ton, welchen man wünscht, stehen bleiben kann, darf die Eintauchung der Elektrodenröhre nur einige Secunden dauern, namentlich wenn man sich jener Farbe oder jenem Tone nähert. Man nimmt dann das Stük aus dem Bade und besichtigt seine Färbung; man muß ihn aber, wenn man aufhört, sogleich in Wasser auswaschen und einen Strom kalten Wassers über den Gegenstand leiten, um selbst die geringste Menge Kali, welches die Farben ziemlich schnell verderben würde, zu beseitigen.

Ich habe nun zu zeigen, wie man zu Verfahren hat, um einer |476| Fläche oder einem Theil derselben verschiedene Farben oder Töne von ungleicher Intensität zu geben, wie dieß beim Färben von Blumenblättern oder andern Blumentheilen zu geschehen hat. Man muß dabei von den beiden Grundsäzen ausgehen: daß die Ablagerungen auf den Gränzlinien und auf den der Spize der Elektrodenröhre am meisten genäherten Stellen die stärksten sind. Bei Berüksichtigung dieser Säze ist mit Hülfe einer gewissen Anzahl Verbindungsdrähte nichts leichter, als diesen Zwek zu erreichen.

Denken wir uns einen die Horizontal-Projection einer Rose darstellenden Kreis, deren mittlern Theil man grün färben will, so sezt man die Elektrodenröhre zuerst einige Augenblike über diesen Theil und die Oberfläche wird sich hier mit einer Ablagerung bedeken, welche stärker ist als sonst überall. Ist dieß geschehen, so erhebt man die Röhre über ihre frühere Stellung, um eine überall gleichmäßige Wirkung hervorzubringen; es erzeugt sich in der Mitte Grün, während die rothen Seitentheile eine um so gleichmäßigere Färbung erhalten, je mehr sie sich vom Mittelpunkt entfernen. Will man sie nüanciren, so führt man die Elektrodenröhre in ziemlich spiralförmiger Bewegung herum, welche im Centrum auslauft. Durch Uebung bringt man es leicht dahin, mittelst der Elektrodenröhre eine Blume mit allen ihren Nüancen malen zu können, so daß man diese Röhren gewissermaßen mit Pinseln vergleichen kann. Die Schönheit des Productes ist bedingt 1) von den elektrochemischen Kenntnissen des Operirenden; 2) von seiner Geschiklichkeit; 3) seinem Kunsttalent.

Durch die der Akademie vorgelegten gefärbten Gegenstände, obgleich sie nicht alle Vorzüge in sich vereinigen, welche die elektrochemische Färbung einst darbieten wird, kann man sich doch einen Begriff von dem Werth der neuen Kunst machen.

Ich umgehe eine Menge Details, welche man in der Praxis leicht auffindet, sobald man eine gewisse Uebung erlangt hat.

Wenn ein Stük mißräth, ist nichts einfacher, als die Superoxyd-Schichten wegzuschaffen; man taucht es einige Augenblike in Verdünnte Essigsäure, um das Superoxyd zu zersezen und das Oxyd aufzulösen, bürstet die Oberfläche ab und wascht sie.

Vom Zersezungs-Apparat.

Um die eben beschriebenen Wirkungen hervorzurufen, muß man sich eines während der ganzen Dauer der Operationen ziemlich constant wirkenden Zersezungs-Apparats bedienen. Derselbe muß leicht zu handhaben seyn und ich fand am zwekmäßigsten Paare, welche aus einem Kupfercylinder von 1 Decimeter Durchmesser auf 1½ Decimeter Höhe bestehen und einem vollen Zinkcylinder von 2–3 Centimeter |477| Durchmesser, den man vorher amalgamirt und mit dem andern umgibt; jedes Paar stellt man in ein cylindrisches Glasgefäß und bringt es mittelst der bekannten Vorrichtungen mit dem nächsten in Verbindung. Als Flüssigkeit benuzt man Wasser, mit etwa 1/100 Schwefelsäure angesäuert.

Sechs solche Cylinderpaare reichen gewöhnlich zu allen Operationen hin.

Der Leitungsdraht, so wie die verschiedenen Verbindungstheile müssen ganz rein seyn, damit in der Wirkung des Stroms keine Störungen eintreten.

Daß der Strom zu intensiv ist, erkennt man daran, daß statt wasserfreien Superoxyds gelbes Superoxydhydrat entsteht; diesem Uebelstand muß abgeholfen werden, weil sonst alle Färbung aufhört.

Von der Veränderung der Farben und den Mitteln ihr vorzubeugen.

Verändern sich die durch Ablagerung dünner Bleisuperoxyd-Schichten hervorgebrachten Farben mehr oder weniger schnell an der Luft, je nach den Metallen, worauf sie sich ablagerten? Es ist dieß ein hinsichtlich der technischen Anwendung wohl zu erörternder Punkt; ich will hier die solche Veränderungen veranlassenden Ursachen, so wie die Umstände, welche sie verhindern können, angeben. Meine dießfallsigen Beobachtungen beziehen sich auf die Färbung des Goldes, weil dieselbe einzig und allein durch successive Bleisuperoxyd-Schichten, ohne Vermengung oder Verbindung derselben mit andern Oxyden, hervorgebracht wird.

Alle Ursachen, welche das Bleisuperoxyd zersezen, verändern natürlich diesen Körper; so führen die Säuren und Alkalien das Superoxyd auf einen niedrigeren Oxydationszustand zurük, um sich dann mit dem Oxyd zu verbinden. Man muß es daher vermeiden, die gefärbten Gegenstände sauren oder ammoniakalischen Ausdünstungen auszusezen, welche, indem sie das Bleisuperoxyd zersezen, die Farben benachtheiligen würden. Das einzige Mittel, den Zutritt saurer oder ammoniakalischer Ausdünstungen zu verhindern, ist, die Gegenstände unter Glas zu bringen, oder mit einem durchsichtigen Firniß zu überziehen, welcher, sich der Einwirkung der Dünste widersezend, nur sehr wenig die Farbe beeinträchtigt. Die Wahl des Firnisses ist daher von großer Bedeutung für die Erhaltung der gefärbten Gegenstände.

Ich stellte hierüber, um die Eigenschaften aller mir zu Gebot stehenden Firnisse kennen zu lernen, sehr viele Versuche an. Die Hauptresultate derselben sind: der beste Firniß wäre ohne allen Zweifel einer, welcher mit Sauerstoff gesättigt, dem Körper, welchen |478| er bedekt, keinen entzöge. Nun besizt aber kein Firniß diese Eigenschaft; man muß folglich denjenigen wählen, welcher sich an der Luft am wenigsten verändert. Ein solcher wird folgendermaßen bereitet: man bringt in einen glasirten Topf ½ Liter Leinöhl, 4 bis 8 Gramme feingepulverte Bleiglätte nebst 2 Grammen Zinkvitriol und erhizt mehrere Stunden lang mäßig. Wenn das Bleioxyd aufgelöst ist, filtrirt man, um die überschüssige Bleiglätte abzusondern. Hat sich das Oehl zu sehr verdikt, so verdünnt man es mit Terpenthinöhl, welches man vorher in einem Kolben über Bleiglätte kochen ließ, um die etwa darin enthaltene Bernsteinsäure zu entfernen, welche auf die Farben nachtheilig einwirken würde. Den so bereiteten Firniß trägt man mittelst eines Pinsels sehr dünn auf den Gegenstand auf und läßt ihn in gelinder Wärme eintroknen. Nach vollkommenem Troknen trägt man eine zweite Schicht auf und läßt sie wieder troknen. Wenn der Firniß das zweitemal aufgetragen worden ist, zeigen sich folgende Wirkungen: das Blau der zweiten Ordnung verschwindet, so daß das Bläulichgrün gelbgrün wird; Gelb und Roth verändern sich nur sehr wenig. Die Farben der dritten Ordnung, namentlich das Dunkelgrün, bleiben unangetastet.

Mittelst dieses Firnisses werden die Gegenstände daher vollkommen beschüzt. Will man die Farben der zweiten Ordnung hervorbringen und erhalten, mit Ausnahme des Bläulichgrün, des Grasgrün, so muß man, sobald das Bläulichgrün vorüber ist und das Gelbgrün zu erscheinen anfängt, innehalten, waschen, troknen und den Firniß auftragen; dann ist die Farbe geschüzt. Freilich verlieren die Farben, weil der Firniß nicht ganz durchsichtig und braun gefärbt ist, etwas von ihrem Glanz; dagegen gewinnen sie an Dauerhaftigkeit. Man kann fragen, warum die Farben der dritten Ordnung leichter zu schüzen sind, als die der zweiten, namentlich aber als die der ersten, und könnte glauben, daß die dikern Superoxyd-Schichten sich leichter conserviren; dann müßte man aber nach dem Verschwinden der obern Schicht die vorhergehende Schicht sehen, was nicht der Fall ist. Ueberdieß bietet uns das Verschwinden des Blau der zweiten Ordnung eine eigenthümliche Wirkung des Firnisses dar, welche theoretisch sehr schwer zu erklären ist. Ich sage theoretisch, weil die Bleisuperoxyd-Schichten so dünn sind, daß das erhaltene Product nicht analysirt werden kann. Man kann es nur beobachten und beschreiben und sich dabei auf die von der Physik und Chemie uns gegebenen Thatsachen stüzen. Die HHrn. Lefranc, Firnißfabrikanten, hatten die Güte, mir einen fetten Copalfirniß zu bereiten, welcher, weit entfernt das auf verplatinirtem Kupfer erzeugte Blau zu verändern, ihm im Gegentheil wenigstens für mehrere Töne, noch bessern |479| Glanz gibt. Dieser Firniß leistet von allen bekannten den meisten Widerstand.

Von dem Färben der Gegenstände aus Kupfer, Platin, Silber, Argentan, Messing und Eisen oder Stahl.

Alle bisher beschriebenen Färbungen wurden auf Gold oder vergoldetem Kupfer hervorgebracht; sie finden statt, wie groß auch die Oberflächen seyn mögen; anders verhält es sich aber bei dem Messing und manchmal selbst dem Kupfer; es findet bei diesem anfangs eine Erscheinung statt, deren Ursache ich nicht wohl kenne, obwohl es mir gelang, sie zu verhüten.

Messing. — Wenn der Gegenstand klein ist (1 oder 2 Centimeter Oberfläche), so tritt die Färbung ein, sobald die Kette geschlossen ist, und zwar um so schneller, je kleiner die Oberfläche ist; ist sie aber groß, so bleibt das Stük lange Zeit blank und behält sogar seinen Glanz. Die Oberfläche befindet sich sonach in einem passiven Zustand, demjenigen analog, welchen man dem Eisen auf verschiedene Weise ertheilt — es tritt gar keine Färbung ein. Rührt wohl dieser anscheinend passive Zustand, welchen auch andere Metalle zeigen, von einer bloßen Anhäufung von Sauerstoff auf der Oberfläche, oder von einer Schichte Kupferoxyd her, welche sich vor der Entstehung des Bleisuperoxyds bildet? Folgende Thatsachen scheinen über die Ursache dieser Erscheinungen Aufschluß zu geben.

Der anscheinend passive Zustand steht in Zusammenhang mit einer reichlichen Ablagerung von Blei an der negativen Elektrode, was leicht erklärbar ist, weil sich kein Superoxyd bildet.

Da nun aber die Erfahrung zeigt, daß eine sehr kleine Oberfläche sich sogleich färbt, so folgt daraus, daß diese eine solche erforderliche Modification erlangt, wobei das Phänomen eintreten kann. Deßhalb kann man auch großen Messingoberflächen leztere Modification ertheilen, so daß die Färbung eintritt wie bei kleinen; man taucht zu diesem Behufe in die alkalische Lösung vorerst nur einen kleinen Theil der Fläche ein, welcher sich sogleich färbt und fährt auf diese Art mit den nächst anliegenden Theilen fort, bis das ganze Stük mit der Flüssigkeit in Berührung ist.

Die Modification, welche der Gegenstand dann erfährt, gibt sich durch einen flüchtigen Nebel kund, welcher das ganze Stük überzieht, dessen Farbe aber, weil er so flüchtig ist, nicht bestimmt werden kann; sonderbar ist es, daß der zuerst eingetauchte Theil, welcher sich beinahe durchaus färbte, seine Farbe wieder verliert und die des Metalls annimmt, ohne daß man im Stande wäre, ihn wieder zu färben; wenn einmal der Nebel wie ein Schatten über die ganze Oberfläche |480| verbreitet ist, so sieht man in wenigen Augenbliken alle Phasen der Färbung sich so erzeugen, wie sie weiter oben beschrieben wurden, und die Farben in ihrem Glanze mit dem polirtesten Golde wetteifern. Es Versteht sich, daß hier nur von solchen Farben die Rede ist, wie man sie auf Gold und vergoldetem Kupfer erhält, und nicht von der Färbung in weinfarbigen Tönen, die man auf großen Stüken bekommt, deren Behandlung lange dauert.

Will man nun einen Gegenstand von ziemlicher Größe auf angegebene Weise färben, so legt man ihn auf eine geneigte Fläche, welche in die Lösung taucht und längs welcher man ihn langsam hinabgleiten läßt. Auf diese Weise kommt jeden Augenblik nur ein kleiner, bisher der galvanischen Wirkung noch nicht unterworfener Theil der Oberfläche in Berührung mit der Flüssigkeit. Man könnte nach den erhaltenen Wirkungen glauben, daß durch Vergrößerung der Dimensionen der negativen Elektrode eine große Oberfläche schnell in Thätigkeit zu versezen wäre; dem ist aber nicht so; denn diese Elektrode mag groß oder klein seyn, so bleibt die positive Fläche, wenn sie von einer gewissen Größe ist, immer passiv, daher, um sie in Thätigkeit zu versezen, der angegebene Weg eingeschlagen werden muß. Die wirkliche Ursache dieser Erscheinung habe ich noch nicht entdekt; nur ist es, da die Farben auf dem Messing dauerhafter sind als auf dem Gold, wahrscheinlich, daß sich eine Verbindung oder vielleicht nur ein Gemenge von Kupferoxyd und Bleisuperoxyd bildet, was weitere Untersuchungen erst bestätigen müssen. Unterdessen muß ich bemerken, daß unter den erhaltenen Farben der zweiten Ordnung ein Goldgelb war, welches sich mit dem des Goldes vergleichen läßt.

Das Rothkupfer nimmt ebenfalls manchmal den passiven Zustand an, jedoch seltener als das Messing.

Das Silber ist niemals passiv, wenn seine Oberfläche ganz so zubereitet wird, wie ich angab; aber seine Färbung gleicht in nichts jener der andern Metalle, obgleich man die verschiedenen Ordnungen der Farbenringe verfolgen kann; dieses Metall erleidet nämlich sehr bald eine Oxydation, welche allen Farben einen weinartigen gelblichen Ton gibt; wenn die Oberfläche vollkommen polirt und der Strom nicht so intensiv ist, daß er das Silber sehr merklich verändert, kann man sehr lebhafte Farben erhalten.

Das Platin, vorzüglich aber das verplatinirte Kupfer, nehmen, wie mir scheint, die reichsten blauen Farben an, welche die Kunst hervorzubringen vermag. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Oxydation des Platins die Erzeugung dieser Farben vermittelt, welche |481| sonach das Resultat der Verbindung, oder doch der Mengung eines Platinoxyds und des Bleisuperoxyds wäre; obgleich aber Blau die vorherrschende Farbe ist, so erhält man dennoch mehrere Farben der verschiedenen Ordnungen der Farbenringe. Die Veilchen und blauen Kornblumen, welche sich unter den der Akademie vorgelegten Gegenständen befinden, beweisen, wie sehr die in Rede stehende blaue Farbe sich jener der natürlichen Blumen nähert.

Das Argentan, mit sehr feinem Bimsstein und einer Bürste troken gerieben, färbt sich sehr schön, ohne daß in den meisten Fällen wenigstens die Oberfläche passiv wird. Wenn sie polirt ist, kann man sehr schöne Farben darauf entwikeln.

Polirter Stahl färbt sich leicht, wenn seine Oberfläche gehörig präparirt wurde. Man findet die verschiedenen Nüancen wieder, welche er beim Erhizen annimmt, außer den Tönen, welche von den successiven Ablagerungen von Bleisuperoxyd-Schichten abhängen.

Die Details, in welche ich, sowohl was die Untersuchung der Farbenerzeugung, als das Verfahren ihrer Anwendung in der Technik anbelangt, einging, genügen, wie ich hoffe, um diejenigen, welche sich damit beschäftigen wollen, in den Stand zu sezen, dieß ohne große Schwierigkeiten zu thun. Schließlich will ich noch meine Beobachtungen mit den Eingangs erwähnten Nobili'schen elektrochemischen Ringen vergleichen, wobei ich mich vorzüglich auf jene beziehe, welche er mit dem essigsauren Blei erhielt, mir die Wirkung der andern Lösungen für eine fernere Abhandlung vorbehaltend. Um concentrische Farbenringe auf einer positiv gemachten Goldplatte zu erhalten, bediente sich Nobili einer neutralen, oder fast neutralen essigsauren Bleilösung. Er berichtete diese Thatsache, aber ohne ihre Erklärung zu versuchen. Diese Ringe mußten schnell wieder verschwinden, sobald Essigsäure frei wurde, in Folge der Einwirkung dieser lezteren auf das Bleisuperoxyd. Meine Verfahrungsweise und die erhaltenen Wirkungen waren anders. Die Lösung, deren ich mich bediente, war alkalisch und mußte dieß seyn, weil das an den positiven Pol sich begebende und sich in Superoxyd umwandelnde Bleioxyd dem Kali gegenüber die Rolle einer Säure spielen muß, damit die Adhäsion möglichst stark wird, was beim essigsauren Blei oder einem andern Bleisalz nicht möglich ist, weil das Oxyd sich wie eine Basis verhält. Andererseits erhält man durch Nobili's Verfahren immer nur Farbenringe, während durch das meinige gleichförmige, dauerhafte und sehr fest anhaftende Töne auf Oberflächen von gewisser |482| Größe erhalten werden können. Nobili trachtete nach Farbenringen und ich vermeide dieselben. Es ist zwischen den Nobili'schen elektrochemischen Farbenringen und den hier behandelten Färbungen in der That keine andere Aehnlichkeit, als daß beide durch dünne Plättchen erzeugt werden.

In einer später erscheinenden Abhandlung werde ich die verschiedenen Wirkungen auf Kupfer- und andere Metallbleche, welche man mit Metall- oder Oxydschichten überzogen hat, mittheilen, um zu zeigen, wie sehr die beschriebenen Erscheinungen abgeändert werden können; überhaupt werde ich nichts versäumen, was zur Ausbildung der neuen Kunst dienen könnte, deren Grund ich hiemit gelegt habe.

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