Titel: Verbessertes Verfahren, gläserne Gegenstände auf galvanischem Wege mit Kupfer zu überziehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. XXII./Miszelle 5 (S. 84–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091022_6

Verbessertes Verfahren, gläserne Gegenstände auf galvanischem Wege mit Kupfer zu überziehen.

Bisher sind zwei Verfahrungsarten angegeben worden, wie man Glassachen auf galvanischem Wege zwekmäßig mit Kupfer überziehen könne. Um eine Ablagerung des Kupfers auf Glas auf galvanischem Wege möglich zu machen, muß die Oberfläche desselben vor allem mit einer metallischen Schicht überzogen werden; in beiden Vorschriften ist der fein gepulverte Graphit als eine ganz gute Substanz hiezu gewählt. Aber das Glas nimmt wegen seiner Glätte unmittelbar einen Graphitüberzug nicht an, und man braucht ein Mittel um denselben auf der Glasoberfläche haftend zu machen. In der Wahl dieses ist man, wie mir scheint, bisher nicht glüklich gewesen.

Mallet (polytechn. Journal Bd. LXXXIX S. 40) schlägt nämlich vor, den gläsernen Gegenstand an den betreffenden Stellen mit einer dünnen Schicht canadischen Balsams und Terpenthins zu überziehen, und diese dann mit dem fein gepulverten Graphit zu bestreuen; während Meillet (Zeitg. für Handel und Fabrikindustrie, 1843, Nr. 43) das Glas mit einer sehr concentrirten Lösung von salpetersaurem Silber und Gummi bestreicht und den Ueberzug dann über einer Flamme troknen will. Auf diese Ueberzüge soll nun das Kupfer niedergeschlagen werden.

Beide Methoden haben das Mangelhafte, daß es unmöglich ist, den Ueberzug so dünn aufzutragen, daß eine Zerstörung desselben auf das feste Anschließen des Kupfers an das Glas ohne Einfluß seyn sollte. Eine solche Zerstörung würde aber durch eine bedeutende Hize, wie sie z. B. Glasröhren bei organischen Analysen öfters auszuhalten haben, unfehlbar eintreten. Dieß gibt Mallet auch zu; er meint aber, die Zerstörung des Zwischenmittels dürfte hier bei der Dünnheit desselben nicht nachtheilig seyn — eine Ansicht, die zumal bei dem großen Ausdehnungscoefficienten des Kupfers kaum jemand theilen dürfte.

Jedenfalls wird aber das Uebel gehoben, wenn der firnißartige Körper zwischen dem Glase und dem Kupfer ganz fortfällt, und der Graphit in fast unmerkbarer Dike unmittelbar auf das Glas aufgetragen wird, das Kupfer daher so gut wie auf dem Glase selbst zu liegen kommt. Dieses erreiche ich auf folgende Weise.

Ich lasse auf das Glas die Dämpfe von flußspathsäure so lange einwirken, |85| bis die Oberfläche desselben ein mattes Aussehen erlangt hat. Auf dieser in sehr kurzer Zeit erlangten matten Oberfläche haftet der Graphit ganz vortrefflich.

Um ihn aufzutragen, bediene ich mich der Estampe oder eines ganz weichen Korks, und zwar auf folgende Weise. Ich tupfe die Estampe oder den Kork in den fein gepulverten Graphit, von dem man schon für einen Silbergroschen eine schwer verbrauchbare Masse erhält, und reibe mit den geschwärzten Stellen die Glasfläche so lange ein, bis der Graphitüberzug vollkommen glänzend geworden ist, und der Hauch des Mundes von demselben sich schnell verläuft. Man erhält so eine ganz homogene überaus dünne Graphitschicht. Lose Partikelchen von Graphit dürfen sich durchaus nirgends vorfinden. In diesem Zustande seze ich den Glaskörper dem galvanischen Strome aus.

Die Stellen des Glases, welche nicht mit Kupfer überzogen werden sollen, werden vor dem Aezen mit Wachs oder irgend einem Firnisse gedekt.

Wenn nun der Kupferüberzug schon wegen seines fast unmittelbaren Aufsizens auf dem Glase stark an demselben haftet, so wird dieser Zusammenhang noch dadurch vermehrt, daß durch das Aezen das Glas unregelmäßig angegriffen wird, und dem Auge freilich nicht sichtbare Vertiefungen und Erhabenheiten erhält, auf denen der Ueberzug natürlich fester haften muß, als auf einer glatten Fläche.

Daß man auf diese Weise auch andere Metalle auf Glas, etwa zur Verzierung desselben, niederschlagen kann, versteht sich von selbst.

Sehr empfehlen kann ich die Methode in allen Fällen, wo man Oberflächen für galvanische Zweke zu metallisiren hat, sich der Estampe oder eines geeignet zugeschnittenen weichen Korkstükes zu bedienen. Mit diesem Hülfsmittel kann man selbst die verziertesten und zartesten Oberflächen bequem metallisch machen.

Ich habe mich desselben bei den feinsten Reliefstüken, z. B. aus Gyps, mit Glük bedient und bemerke nur noch, daß auch diese Gegenstände so lange mit Graphit oder einem anderen metallisirenden Pulver eingerieben werden müssen, bis eine homogene, spiegelnde, metallische Oberfläche erlangt ist, von welcher der Hauch schnell verschwindet. M. Simson in Königsberg. (Berliner Gewerbe-,Industrie- und Handelsblatt, 1843, Nr. 19.)

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