Titel: Ueber holzgenagelte Fußbekleidung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LXIII./Miszelle 4 (S. 241–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091063_4

Ueber holzgenagelte Fußbekleidung.

Der Schuhmachermeister Hr. Andresen in Berlin hatte schon vor einigen Jahren die von Amerika herübergekommene Art der holzgenagelten Fußbekleidung einzuführen sich bemüht, war aber dabei anfänglich auf viele Widerstände gestoßen, wie das in der Regel bei der Einführung neuer Erfindungen der Fall ist, und wobei Concurrenten und Mitarbeiter wie Consumenten gleich heftige Gegner des Neuen zu seyn pflegen. Durch Beharrlichkeit und Thätigkeit des Hrn. Andresen und durch glükliches Zusammentreffen der Umstände sind diese Widerstände und Schwierigkeiten jezt so vollständig besiegt, daß nicht allein das Kriegsministerium |242| für die gesammte preußische Armee dergleichen Schuhzeug einzuführen im Begriff ist, sondern daß sich bereits diese neue Art der Fußbekleidung allgemein unter dem nicht-militärischen Publicum zu verbreiten beginnt, so zwar, daß Hr. Andresen für Preußen und selbst für das entfernte Ausland (England, Belgien etc.) so bedeutend ausschließlich in dieser neuen Art Schuhzeug beschäftigt ist, daß 25 Gesellen ihm nicht so viel fertig schaffen können, als von ihm gefordert wird und daß viele seiner Mitmeister, die früher die ärgsten Geguer waren, jezt ebenfalls dergleichen Schuhzeug anfertigen, da ein großer Theil Verbraucher, die sich von der Zwekmäßigkeit der neuen Erfindung überzeugt haben, keine andere Fußbekleidung mehr tragen wollen. — Wir führen hiernächst dasjenige an, was von dem hohen Kriegsministerium über die Resultate der Versuche mit Stiftstiefeln in einem Circulare an sämmtliche Regimenter der Armee etc. bekannt gemacht worden ist.

Resultate der Versuche mit Stiftstiefeln. Der Schuhmachermeister Andresen in Berlin hatte dem Kriegsministerium Stiefeln übergeben, an denen die Sohlen mit Holzstiften befestigt waren, und die, nach Angabe des Einsenders, haltbarer seyn sollten als Stiefeln mit angenähten Sohlen. Die mit einigen Paaren solcher Stiefeln angestellten Trageversuche gaben so günstige Resultate, daß das Kriegsministerium sich veranlaßt fand, bei dem Kaiser Franz Grenadier-Regiment einige Schuhmacher in der Befestigungsart der Sohlen mit Holzstiften von dem etc. Andresen unterrichten und demnächst bei diesem Regimente Trageversuche von einer Compagnie anstellen zu lassen. Die Anfertigung der zu diesem Zwek erforderlich erachteten 150 Stiftstiefeln begann Mitte April vorigen Jahres und wurde gegen Ende Mai dieses Jahres beendigt. Der Bataillonsschuhmachermeister schnitt die Stiefeln nach der gewöhnlichen Chablone zu, von jedem Paar wurde abwechselnd der linke oder rechte unter seiner Aufsicht von vier tüchtigen, von ihm selbst ausgewählten Schuhmachern genäht und sodann mit dem Material der Leisten des correspondirenden Stiefels der unter Leitung des etc. Andresen gestellten Stiefelwerkstatt übergeben; in dieser arbeiteten vier Schuhmacher, die, ohne Prüfung aus dem lezten Ersaz gezogen, eben erst ausgebildete Recruten und von der Abneigung noch nicht angestekt waren, die sich auf der Bataillonswerkstatt gegen die Stiftstiefeln kund gegeben. In wenigen Tagen begriffen sie die Anfertigung der lezteren und gelangten bald zu einer solchen Kunstfertigkeit, daß sie schon in kurzer Zeit wöchentlich mehr Stiefeln ablieferten, als ihre vier Cameraden auf der Bataillonswerkstatt, und es nöthig machten, daß auf dieser, wenn sie nicht rasten sollten, ab und zu mehrere Schuhmacher in Thätigkeit gesezt werden mußten. — Im Laufe der Arbeit schien sich herauszustellen, als ob vier Schuhmacher einer Stiefelwerkstatt eben so viel Paar Stiefel liefern könnten, als fünf Schuhmacher einer anderen Werkstatt.

Im Betreff der Besohlungsmethode ist zu bemerken, daß die Stiftstiefeln keinen sogenannten Rand erhalten und sich von den gewöhnlichen Stiefeln dadurch unterscheiden, daß das Oberleder mit Brand- oder Hauptsohle, zwischen welche eine Anlage von Abfallleder — nicht von Holzspahn — zu liegen kommt, statt durch Pechdrahtstiche, durch 2 — im Gelenk durch 3 — Reihen vierkantiger kleiner Stifte, aus zähem Holze geschnitten, verbunden wird, die ein Hammerschlag in runde Pfriemenlöcher eintreibt.

Für den Schuhmacher besteht bei Herstellung der Stiftstiefeln die einzige, jedoch schon nach einigen Stunden überwundene Schwierigkeit im Einschlagen der auf einer Maschine genau und gleich groß geschnittenen Holzstifte, da der Hammer diese in der Richtung ihrer Achse und so stark treffen muß, daß sie ihrer ganzen Länge nach und bis in den Leisten hinein dringen. Fällt der Hammer nicht in jener Richtung, so springt der Stift entweder fort, zersplittert oder erhält einen Kopf. Lezteres ist nur dann nachtheilig für die Haltbarkeit, wenn in den unvollständig eingetriebenen Stift nicht ein neues Loch gestochen und kein neuer Stift eingeschlagen wird. — Ist der Stiefel fertig und der Leisten herausgenommen, so wird mittelst einer löffelförmigen Raspel jede Stiftspize abgebrochen und die innere Sohlensläche für die Fußsohle vollkommen geebnet.

Sollten Stiftstiefeln versohlt werden, so muß die zerrissene Sohle, welche — so dünn sie auch abgelaufen seyn mag — dennoch ungemein festsizt, nicht mit der Zange abgerissen, sondern abgeschnitten werden, weil man sonst Gefahr läuft, die Stifte aus der Brandsohle zu reißen und irgend eine Trennung zu bewirken. Auch muß bei dieser Arbeit, wie bei der Anfertigung neuer Stiefeln, die Sohle, |243| bevor sie aufgelegt wird, in der Gestalt und Größe ausgeschnitten werden, welche sie beim fertigen Stiefel haben soll, weil sie, aufgelegt, viel zu innig mit dem Oberleder verbunden ist, um ohne Gefahr dieses zu verlezen, beschnitten werden zu können. Wenn bei Anfertigung neuer und beim Versohlen alter Stiefeln vom Schuhmacher so weit die Arbeit geführt ist, daß gerade noch die Sohlen aufgestiftet werden müssen, so kann ein jeder nur einigermaßen gewandter Mensch, vornehmlich ein Hammerarbeiter, nach einiger Uebung das Aufnageln der Sohle eben so gut und schnell verrichten, als ein Schuhmacher, wie darüber mit drei Tischlern, einem Büchsenmacher, einem Zimmermann und einem Schiffbauer angestellte Versuche gezeigt haben.

Genähte Stiefeln können nur in geheizten Räumen angefertigt werden, weil das Pech in der Kälte spröde wird und beim Durchziehen des Drahtes abspringt; Stiftstiefeln aber in jeder Temperatur, weil es für den Stift ganz gleichgültig ist, bei welchem Wärme- oder Kältegrade er ins Leder getrieben wird.

Die Anfertigungskosten der Stift- und genähten Stiefeln sind sich ungefähr gleich. Wenn auch bei ersteren der Rand erspart wird, so ist mehr Abfallleder zur Einlage erforderlich und die Leisten werden mehr angegriffen und daher eher unbrauchbar.

Art der Ausführung des Versuchs. Die erste Sohle der am 22. und 25. Mai c. in Tragung gegebenen Versuchsstiefeln wurde nicht mit eisernen Nägeln beschlagen, damit sich herausstellen möchte, ob auch die hölzernen Stifte für sich allein die Sohle hinlänglich mit dem Oberleder verbinden würden. — Der Versuch fiel vollständig befriedigend aus.

Die zweite Sohle nach der zerrissenen ersten aufgelegt erhielt dagegen den vollständigen Nägelbeschlag, damit sich auch erweise, ob dieser der Haltbarkeit förderlich sey und nicht etwa den hölzernen Stiften und der durch sie bewirkten Verbindung von Sohle und Oberleder Eintrag thue. — Auch dieser Versuch gab das erwartete Resultat.

Ueber die Reparaturen wurde ein genaues Journal vom Feldwebel und dem Capitän d'armes geführt, einerseits von einem Officier der kleinen Oekonomie-Commission, insofern es die genähten Stiefeln betraf, andererseits vom Compagnie-Chef controlirt. Keine, auch nicht die geringste Ausbesserung durfte eher vorgenommen werden, als bis deren Größe ermessen, die Länge der getrennten Näthe nach Zollen bestimmt, die Art wie die Reparatur auszuführen angeordnet, eine genaue Notiz darüber und der Tag ihrer Ausführung in das Journal getragen war.

Dieses ergibt von den lezten Tagen des Monats Mai bis Ende Oktober an Reparaturen:

A. Bei den genähten Stiefeln. B. Bei den Stiftstiefen.
1. getrennte Nähte 110, zusammen 389 Zoll lang. 3 zusammen 10 Ellen lang.
2. verflekt wurden 84 Stiefeln 165 Stiefeln
3. besohlt 138 81
4. gerüstet 6 4
–––––– ––––––
Im Ganzen 338 Reparaturen. 253 Reparaturen.

Hiernach kamen an den Stiftstiefeln 85 Ausbesserungen weniger vor als an den genähten Stiefeln. Auch waren alle Reparaturen der ersteren leichter zu bewirken.

Die getrennten Nähte betrugen bei den gewöhnlichen Stiefeln ihrer Zahl nach ganz nahe das 37-, ihrer Länge nach das 39fache der Stiftstiefel-Trennungen. Hierbei kam noch nicht in Anschlag, daß bei allen genähten — mit Ausnahme von 2 Stiefeln, die beflekt oder besohlt werden mußten — die Nähte gleichfalls mehr oder weniger getrennt waren. Dieß ist nicht unbeachtet zu lassen; denn eine zerrissene und zugleich getrennte Sohle löst sich bedeutend mehr von der Brandsohle ab, als eine bloß durchgelaufene, behindert den Soldaten, der solche Stiefeln auf dem Marsch oder im Kriege, wenn auch nur einen Tag, zu tragen gezwungen ist, bei jedem Schritt Erde mit fortnehmend, im Gehen, und wird die Veranlassung, daß die Spaneinlage zerbrökelt, die Brandsohle sich ablöst, und der Soldat Sand in den Stiefel bekömmt und sich den Fuß wund läuft. Bei den Stiststiefeln ist dieß nicht zu befürchten; nicht Eine zerrissene Sohle trennte.

Forscht man der Ursache des Trennens nach, so ergibt sich, daß die |244| aufgenähte Sohle sehr bald nur allein durch den in ihr stekenden Theil der Pechdrahtstiche mit dem Rande verbunden ist, während der ursprünglich unter der Sohle liegende Theil der Stiche bereits fortgelaufen ist. Der Pechdraht kann aber das Pfriemloch unmöglich so vollständig ausfüllen, als der durch einen Hammerschlag gewaltsam hineingetriebene, es erweiternde, vierkantige hölzerne Stift; er gibt nach und gestattet endlich das Abtrennen der Sohle.

Auf eine merkwürdige, fast unerklärliche Weise halten dagegen die kleinen, in noch kleinere runde Pfriemlöcher gekeilten Holzstifte die Sohle auch dann noch fest, wenn sie auch schon dünn wie ein feines Papierblatt geworden ist. Nächstdem schüzen sie, mit dem Stirnende ihrer Fasern im Niveau der untern Fläche der Sohle liegend, diese unverkennbar an ihrer verwundbarsten Stelle, dort wo sie mit dem Oberleder verbunden ist, gegen ein schnelles Abschleifen, und tragen dadurch wesentlich zur größeren Haltbarkeit bei. Ob das Wetter troken, ob es naß ist, macht keinen Unterschied. Auf die Stiftstiefeln wurden zwar 81 Flekemehr als auf die genähten Stiefeln gelegt, dafür aber auch 57 Sohlen vorläufig gespart, und die Stiefeln durch kleinere Reparaturen, was sie vorzüglich für den Feldgebrauch empfiehlt, gangbar erhalten. Genähte Stiefeln, deren Sohlen in der Mitte und unter dem äußern oder innern Ballen, nicht unmittelbar am Rande zerrissen sind, müssen versohlt werden; ja dieß geschieht in der Regel schon, wenn die Sohle nur eines Stiefels durchgelaufen ist. Bei Stiftstiefeln genügt es dagegen meistens, wenn auf jene schadhaften Stellen ein ihrer Größe angemessener Fleken gelegt und rund herum aufgestistet wird, wie es in der Fig 46. auf Taf. III durch b, c, d angedeutet ist. Das Auflegen von Fleken kann sogar, wie es bei den Versuchen mehrmals geschah, öfter wiederholt, dadurch die lezte große Reserve, das Auflegen der Sohle, länger zurükgehalten, und die Verabreichung von Strassohlen, welche der Bataillons-Schuhmacher (zur Strafe) gewähren muß, wenn Sohlen die etatsmäßige Tragezeit nicht aushalten, gänzlich erspart werden. Hieraus dürfte den Truppentheilen, die ihre eigene Schuhmacherwerkstatt haben, ein nicht unbedeutender Vortheil erwachsen.

Bei den genähten Stiefeln ist das Verfleken mit Erfolg nur an der Spize (a) Fig. 46 anzuwenden, weil dort der Fleken an die Sohle angestochen (durch eine Naht verbunden) werden kann. Unter den beiden Ballen ist es fast ganz nuzlos, weil sich hier die Pechdrahtstiche um so eher ablaufen, und die Fleken wieder abstoßen, je merklicher die durch leztere erzeugte Erhöhung ist. Ueberdieß müssen die Fleken hier, um eine festere Lage zu gewinnen, zum Theil unter die schon dünne Sohle geschoben werden, geben daher zu einem desto schnelleren Ablaufen derselben und Versohlen der Stiefeln die Veranlassung. Sie sind daher nur ein augenblikliches, Nachwehen erzeugendes Palliativmittel. Wollte man die Fleken auf die schadhaften Stellen legen und rund herum durchnäht, so würden — abgesehen von der zeitraubenden Manipulation, durch welche der Pechdraht auf dem Innern des Stiefels nur wieder zurükgezogen werden kann — die Pechdrahtstiche durch die Brandsohle gehen, die Fußlappen und Füße des Soldaten mit Pech besudeln, und leztere unter dem Ballen und der Sohle empfindlich drüken.

Man sollte meinen, daß auch die unter der Mitte der Sohle ausgestifteten Fleken drüken müßten. Das ist indessen nicht der Fall, wenn dazu nicht zu starkes oder hartes, sondern ein der schadhaften Sohle analoges Leder genommen und an den Rändern zugeschärft wird. Der Feldwebel und 21 Mann der Compagnie trugen in dieser Art ausgebesserte Stiefeln während der Herbstübungen, und versichern einstimmig, nicht im geringsten durch die Fleke belästigt worden zu seyn.

Eben so wenig wurde, troz alles Befragens, irgend eine andere Klage über die Stiftstiefeln und deren Reparaturen laut. Im Gegentheil spricht sich das einstimmige Urtheil aller Unterofficiere und Grenadiere der Compagnie für diese Stiefeln und dahin aus, daß es sich in ihnen viel bequemer gehe als in den genähten Stiefeln, in denen der Fuß häufig vom Rande gedrükt werde, und daß jene viel weniger als diese den Staub — was im verwichenen sehr trokenen und staubreichen Sommer sehr bemerkbar war — und die Feuchtigkeit durchließen. Auch wollten die Leute bei nassem Wetter an dem mit dem genähten Stiefel bekleideten Fuße stets das Gefühl der Kälte und Feuchtigkeit gehabt haben, während sie den Fuß im Stiftstiefel warm und troken fühlten. Beides läßt sich leicht erklären. Die Sohle des Stiftstiefels ist durch zwei Reihen dicht neben einander und en échiquier eingeschlagener Stifte viel inniger mit dem Oberleder |245| verbunden, als die Sohle der genähten Stiefeln durch die nur in einer Reihe und entfernter von einander liegenden Pechdrahtstiche.

Das Resultat des Versuchs ist unstreitig ein sehr günstiges für die Stiftstiefeln, die auch schon im größeren Publicum Anerkennung finden. Stellt man ihre Vorzüge zusammen, so dürften es etwa folgende seyn: 1) geht man in ihnen bequemer, weil sie keinen Rand haben, 2) sind sie haltbarer; 3) kommt das Abtrennen der Sohle bei ihnen nur höchst selten vor. 4) Wird ihr Versohlen viel später als das der genähten Stiefeln nöthig, weil sich bei ihnen selbst unter die Mitte der Sohle Fleken legen lassen, ohne zu drüken. 5) Sind ihre Reparaturen größtentheils kleiner, als die genähter Stiefeln. 6) Geht ihre Anfertigung und Ausbesserung schneller als die gewöhnlicher Stiefel von statten, und man kann sich im Nothfalle dazu Hülfsarbeiter, die keine gelernten Schuhmacher sind, bedienen. 7) Können sie bei jeder Temperatur, im Winter selbst in kalten Räumen angefertigt werden. 8) Schüzen sie mehr gegen das Eindringen des Staubes und der Feuchtigkeit. 9) Behält der Soldat in ihnen bei nassem Wetter länger einen warmen Fuß und endlich 10) sehen sie leichter und zierlicher aus.

Nachtheile, welche sie vor den genähten Stiefeln vorous hätten, haben sich nicht ergeben, es wäre denn, daß bei ihrer Anfertigung die Leisten ein wenig mehr angegriffen werden.

Die Stiftstiefeln scheinen demnach recht eigentlich Soldatenstiefeln zu seyn. — Ihre etwaige allgemeine Einführung dürfte vielleicht einen wesentlichen Fortschritt in der Oekonomie der Fußbekleidung des Heeres bezeichnen.

Die Anfertigung der Stiftstiefeln ist von jedem Schuhmacher in sehr kurzer Zeit zu erlernen. Eine jede Schuhmacherwerkstatt kann also ohne weitere Vorbereitung als Anschaffung einer Maschine zum Schneiden der Holzstifte, die etwa 8–9 Thaler kostet, und der Werkzeuge zum Abbrechen der Stiftspizen in eine Stiftstiefelwerkstatt und um so eher umgewandelt werden, als alle genähten Stiefeln, wie darüber angestellte Versuche gelehrt, durch Aufstiftung versohlt oder verflekt werden können.

Die angefertigten Stiftstiefeln erhalten sich eben so gut und dauerhaft auf den Montirungskammern, als die genähten, ja vielleicht noch besser. Dieß bezeugen 4 Paar Stiefeln, die ein Jahr lang auf der unter dem Dache gelegenen Montirungskammer der Compagnie hingen, im Sommer der Hize, im Winter der Zugluft, so weit beides nur irgend zu erreichen war, ausgesezt wurden. In Tragung gegeben, hielten sie sich ganz vorzüglich. Die Zahl der Reparaturen an den 4 Stiftstiefeln betrug nach dem Versuchsjournal noch nicht die Hälste der an den 4 genähten Stiefeln.

Es kamen vor:

A. An den genähten Stiefeln. B. an den Stiftstiefeln.
1. getrennte Rähte 12, zusammen 31¾′ lang, keine
2. ausgelegt wurden 5 Fleke, 5 Fleke,
3. — — 2 Sohlen, 2 Sohlen.
4. — — 1 Rüster. 2 Rüster.
––––––––––––– –––––––––––––
Im Ganzen 20 Reparaturen 9 Reparaturen.

Bloß der getrennten Nähte wegen mußte durchschnittlich jeder genähte Stiefel dreimal auf die Schuhmacherwerkstatt gebracht werden, während bei den Stiftstiefeln diese Reparatur gar nicht vorkam. Ja die Zahl der durch Trennungen allein erzeugten Ausbesserungen überstieg die Zahl aller an den Stiftstiefeln überhaupt vorkommenden.

Durch dieses Zusammentroknen des Leders kann die Haltbarkeit der Stiftstiefeln nicht leiden, weil die kleinen festen aus troknem zähem Holze geschnittenen Stifte sich unmöglich verhältnißmäßig mehr zusammenziehen können, als die losere, weit porösere Sohle. Auch ist durch das Einkeilen der Stifte in kleinere Pfriemlöcher keine Masse verloren gegangen, vielmehr das Leder nur zusammengepreßt worden. Es hat daher das Bestreben sich auszudehnen, und drükt mithin unaufhörlich gegen die Stiftlöcher. Wird die Sohle durch das Zusammentroknen kleiner, so müssen nothwendig auch die Stiftlöcher kleiner werden, und deren Begränzungsflächen sich desto inniger an die Stifte anschmiegen.

Werden die zunächst angefertigten Stiftstiefeln auf den Montirungskammern ausbewahrt und die alten Vorräthe aufgebraucht, so gewinnen bis dahin die Stiftstiefeln im größeren Publicum mehr Terrain, und es dürften sich dann schon in |246| allen Provinzen, namentlich durch die in den Schuhmacherwerkstätten der Truppentheile ausgebildeten und nach vollbrachter Dienstzeit in ihre Heimath entlassenen Schuhmachergesellen, Meister finden, die in der Stiftstiefelarbeit bewandert sind, wiewohl bei den älteren Meistern sich eine Abneigung gegen diese Neuerung noch lange regen dürfte.

Berüksichtigt man aber auch jene Wahrscheinlichkeit nicht, so kann dennoch kaum die Befürchtung entstehen, daß die in Stiftstiefeln zur Reserve entlassenen Leute auf dem Marsche nach ihrer Heimath und in dieser weder ihre Stiefeln ausbessern noch versohlen lassen könnten, denn Versuche haben bereits dargethan, daß ein jeder Stiftstiefel sowohl mit Rand-, als mit durchgenähter Sohle belegt werden kann. Ueber die Haltbarkeit einer solchen Arbeit dauern die Versuche noch fort; sie scheinen bis jezt ganz befriedigend auszufallen. Es genügt übrigens in diesem Falle schon die Möglichkeit.

Die zur Verfertigung dieser Stiefel und namentlich der dazu erforderlichen Holznägel nöthigen Maschinerien und Geräthe, als: die Stiftschneidmaschine, das Spaltmesser, der Schnizer und die beiden Raspeln liefert der Schuhmachermeister Andresen in Berlin, Stechbahn Nr. 3, für 9–10 Thlr., und die drei Orthe nebst Hefte zusammen für 5 Sgr. Es dürfte gerathen seyn, die Stiftschneidmaschine und andere Werkzeuge von ihm zu nehmen, da man dann der Brauchbarkeit versichert seyn kann. (Berlin. Gewerbebl., 1843, Nr. 5–7.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: