Titel: Bereitung der Seife unter Anwendung eines erhöhten Drukes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LXXXIII./Miszelle 6 (S. 327–328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091083_6

Bereitung der Seife unter Anwendung eines erhöhten Drukes.

Die „Mittheilungen aus dem Reisetaschenbuche eines deutschen Naturforschers Professor Schönbein)“ enthalten über dieses neue Verfahren Folgendes:

„Der leider für die Wissenschaft viel zu früh verstorbene Professor der Chemie an der Londoner Universität, Hr. Turner, sprach eines Tages in seiner Vorlesung die Vermuthung aus, daß wohl manche chemische Processe unter dem Einflusse des stark gespannten Wasserdampfs rascher vor sich gehen dürften, als dieß unter den gewöhnlichen Umständen geschieht. Diese einfache Bemerkung wurde nicht vergeblich gemacht, und hatte, wie man sogleich erfahren wird, nicht ganz unbedeutende Folgen. Ein junger Student, der die Vorträge Turner's besuchte, kam nach vollendeter Vorlesung zu dem Assistenten des Professors, um denselben zu fragen, ob nicht die Verseifung in verschlossenen Kesseln schneller vor sich gehen würde als in offenen. Der Assistent meinte, daß dieß sehr wohl möglich sey, und beide Leute kamen bald überein, gemeinschaftliche Versuche über die Sache anzustellen. Die von ihnen im Kleinen gemachten Proben fielen so befriedigend aus, daß sie sich entschlossen, Versuche in einem größern Maaßstabe auszuführen. Sie schafften sich zu diesem Behufe einen Dampfkessel an, und unterwarfen darin die zur Seifenbereitung dienenden Materialien verschieden großen Drukgewalten, bis sie endlich die Umstände ermittelt hatten, unter welchen dieß günstige Resultat erhalten wird. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sezten die Vortheile des neuen Verfahrens außer Zweifel, und veranlaßten die jungen Männer, in England, Frankreich und Belgien Patente auf ihre Entdekung zu nehmen. Nach der bisher in Großbritannien und in andern Ländern befolgten Bereitungsmethode mußte eine Masse von Fett, die 60 Cntr. Seife liefern sollte, mehrere Tage lang in offenen Kesseln mit der Natronlauge kochen; das neue Verfahren liefert dasselbe Quantum von Seife in zwei bis drei Stunden, und gewährt somit eine sehr bedeutende Ersparniß von Brennmaterial, Zeit und Arbeitskosten. Diese namhaften Vortheile bewogen mehrere unternehmende Männer in den drei vorhin genannten Ländern Seifenfabriken zu errichten, und den Urhebern des verbesserten Verseifungsprocesses die Erlaubniß von demselben Gebrauch zu machen |328| abzukaufen. Als ich in England war, hatten die Patentirten bereits 64,000 Pfund Sterling für ihre abgetretenen Rechte bezogen, und seither hat sich diese Summe ohne Zweifel noch bedeutend vergrößert. Einer der Patentirten, der ein nicht unbekannter Chemiker und ein alter Bekannter von mir ist, erhält überdieß von den Fabrikanten, welche nach der neuen Methode arbeiten, lebenslänglich einen Jahrgehalt von 500 Pfd. Sterl. für die Mühe, von Zeit zu Zeit die Siedereien zu besuchen und daselbst einen guten Rath zu ertheilen.“

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