Titel: Methodische Vergiftung der Kinder in den englischen Schnurfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. LXXXIII./Miszelle 8 (S. 328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091083_8

Methodische Vergiftung der Kinder in den englischen Schnurfabriken.

Im Bericht der Parlaments-Commission über das Arbeiten der Kinder in den Fabriken wird folgender schreklicher Mißbrauch mitgetheilt.

„Die Fabrication der (gedrehten) Schnüre findet mittelst Maschinen statt und erfordert die unausgesezteste Aufmerksamkeir. Die Maschinen werden gegenwärtig beinahe alle mit der Hand in Bewegung gesezt, wozu man Kinder von 3 bis 4 Jahren zugleich mit ihren Müttern verwendet, die 12 bis 14 Stunden täglich arbeiten. Damit nun diese kleinen Geschöpfe ruhig bleiben, was nicht in ihrem Alter liegt, gibt man ihnen eine dem Godfrey'schen liquor (G's. Cordial, ein opiumhaltiges, den Kindern häufig als schmerzstillend gegebenes Hausmittel) zugesezte narkotische Mixtur. Ein Nottinghamer Apotheker erklärte dem Coroner, daß er allein in einem Jahre mehr als 1300 solche Mixturen verabreicht habe. Das in dieser Mixtur enthaltene Laudanum (Opium) und obiger Liquor sind beide stärker, als die Pharmacopöe vorschreibt. Man verfährt mit dieser Vergiftung wie folgt. Angefangen wird damit schon sobald als möglich nach der Geburt des Kindes. Die Mutter beginnt mit einer Mischung von Rhabarbersaft und Laudanum, geht dann zum Godfrey'schen Liquor, zulezt auf das reine Laudanum über. Die Folgen bleiben nicht lange aus; die kleinen Opfer werden bald blaß und bleich, verlieren alle Lebhaftigkeit und eignen sich dadurch zu der ihnen bestimmten ruhigen Beschäftigung, bis nach wenigen Jahren der Tod diesem Treiben ein Ziel sezt.“ (Journal de Pharmacie, Jan. 1844, S. 84.)

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