Titel: Scandinavische Buchdrukmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. CVII./Miszelle 2 (S. 404)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091107_2

Scandinavische Buchdrukmaschine.

Seit Kurzem ist die Buchdrukerkunst durch eine neue und außerordentlich sinnreiche Drukmaschine bereichert, die sogenannte Scandinavia-Patent-Platten-Presse, erfunden in England von C. A. Holm aus Stockholm, und bereits in London und Paris in den ersten Officinen im Gebrauch. Diese Maschine liefert Tiegel- oder Flächendruk und verbindet die Leistungen der besten Handpressen mit der einfachen Schnelligkeit derselben, so daß sie besonders für solche Drukereien, die eine Schnellpresse nicht vollständig zu beschäftigen Gelegenheit haben oder auch bessern Druk, als eine solche zu leisten vermag, wünschen, von wesentlichem Vortheil seyn wird. Es kann die kleinste Auflage mit gleichem Vortheile wie auf einer Handpresse gedrukt werden. Die mechanische Färbung der Formen geschieht horizontal in ähnlicher, doch noch zwekmäßigerer Weise der Cowper'schen Drukmaschine und ungleich vortheilhafter als bei den in Deutschland üblichen alten oder neuen Schnellpressen. Die Vertheilung der Farbe ist so vollkommen und gleichmäßig, daß selbst alte Schrift wie neu erscheint. Die Form liegt unbeweglich, der Bogen wird auf ein Rähmchen gelegt, dann der, dem der gewöhnlichen Handpresse ganz gleiche Dekel zugemacht, und sobald der Bogen sich nun über die Form bewegt hat, geht der Tiegel der Maschine wie bei einer gewöhnlichen Presse perpendiculär nieder, ruht einen Augenblik auf der Form, um die Farbe gut abzunehmen, und bewirkt so den Abdruk. Während jezt der Karren mit dem Dekel und dem darin liegenden fertigen Abdruk zurük geht, kommen die fünf Farbewalzen und färben die Form aufs neue. Der Druk geschieht mit einer Geschwindigkeit von 550–600 Abdrüken per Stunde und mit der größten Genauigkeit; die Qualität ist ganz vorzüglich und mit den besten Leistungen einer Schnellpresse nicht zu vergleichen, da selbst die feinsten Holzschnitte, Zeichnungen, Linien, Tabellen und eingefaßte Columnen so vorzüglich abgedrukt werden, daß kaum auf Handpressen ein so vorzüglicher Druk geliefert werden kann. Die Maschine nimmt nicht mehr Raum ein als eine gewöhnliche Handpresse, drukt das größte Royalformat und kann per Hand oder Dampf bewegt werden. Ein Knabe legt die Bogen an, ein anderer nimmt die fertigen ab, und der Mechanismus ist so höchst einfach, daß jeder gewandte Druker sofort zuzurichten vermag. Bei der höchst soliden Construction ist die Abnuzung oder Beschädigung irgend eines Theiles nicht zu befürchten.

Zur Aufmunterung der preußischen Industrie hat das königliche Finanz-Ministerium, Abtheilung für Handel, Gewerbe und Industrie, eine Originalmaschine bezogen und mir zum Geschenk gemacht. Dieselbe ist bei mir unausgesezt in Thätigkeit, und auswärtigen Typographen gestatte ich gern die Ansicht und Prüfung derselben. Gemeinschaftlich mit der berühmten Hummel'schen Maschinenbauanstalt beschäftige ich mich jezt, diese vorzügliche Maschine nachzubauen, und werde schon in den ersten Wochen mehrere Exemplare fertig erhalten, die zu mäßigen Preisen und jedenfalls billiger als in England verkauft werden.

Da ich im Besiz eines Originals bin und der Bau genau nach demselben, nicht nach den meistens ungenügenden Zeichnungen, von einer so anerkannten Maschinenfabrik ausgeführt wird, so können Liebhaber auf eine vorzüglich sorgfältige Ausführung mit Zuversicht rechnen, auf welchen Vortheil ich ganz besonders aufmerksam mache.

Auf briefliche Anfragen werde ich gern Zeichnungen einsenden, jede sonst wünschenswerthe Auskunft geben und den Käufern die vortheilhaftesten Zahlungsbedingungen stellen. Eduard Hänel. (Journal f. Buchdruk. 1843. S. 114.)

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