Titel: Trokenapparat für baumwollene Strumpfwaaren behufs des Formens derselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. CVII./Miszelle 3 (S. 404–406)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091107_3
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Trokenapparat für baumwollene Strumpfwaaren behufs des Formens derselben.

Das Troknen der baumwollenen Formenwaaren am heißen Ofen oder in dem sogenannten Schrank erzeugt häufig mannichfache Uebelstände, u. a. ein zu rasches Troknen, wodurch die Waare hart wird; ferner das Verbrennen der Waare durch zu große Hize, und ein Niederschlagen der Dämpfe, welche Fleken in den Strümpfen hervorbringen etc. Zu Beseitigung dieses Uebelstandes hat der früher in Chemnitz anwesende Mechaniker Matthias Mather für die in ihren Leistungen sehr ausgezeichneten Strumpffabrikanten HHrn. Kunz und Solbrig in Chemnitz nach deren Anleitung einen Apparat construirt, der im Wesentlichen folgende Einrichtung hat. Mögen die HHrn. Kunz und Solbrig eine aufrichtige Anerkennung ihres Verdienstes für die nüzliche Einführung der Vorrichtung ins Geschäft in deren Veröffentlichung erbliken.

Die Vorrichtung besteht aus einem Fasse von weichem Holze mit eisernen Reifen, damit, im Fall die Dauben nachtroknen sollten, das Faß wieder zusammengetrieben werden kann.

Dieses Faß ist oben mit einem Dekel verschlossen. Innerhalb desselben befindet sich ein Cylinder von Kupferblech, welcher oben und unten geschlossen ist. In der Achsenrichtung dieses Cylinders im Innern desselben befindet sich ein zweiter Cylinder von kleinerem Durchmesser, welcher oben in einer längern eisernen Abzugsröhre ausgeht, unten aber gegen den Boden des Fasses eine trichterfömige Erweiterung hat, welche mittelst einiger eisernen Stangen von diesem Boden getragen wird, und ebenfalls offen ist wie oben das Abzugsrohr. In das Faß ragen die Mündungen von vier Röhren hinein, und zwar zwei von ihnen nach unten, die beiden anderen nach oben gekehrt. Die Mündungen der Röhren außerhalb des Fasses werden beliebig ins Freie geleitet.

In diesem Fasse befindet sich ferner ein ringförmiger Rahmen kleineren Durchmessers wie der des Fasses, gefertigt entweder aus Holzstäben, Korbgeflecht oder Messingdraht.

Derselbe ist so construirt, daß er sich mit Reibrollen auf einer ringförmigen Eisenschiene, welche an der innern Peripherie des Fasses befestigt ist, herumschieben läßt. Die Rükwand des ringförmigen Rahmens gegen den Kupfercylinder zu ist gegittert oder durchbrochen, vorn ist er aber offen und sind nur in gewissen Zwischenräumen Unterstüzungsstäbe angebracht. Der Rahmen muß so construirt seyn, daß er sich nicht sehr durch die Hize verziehen kann.

Der kupferne Cylinder wird durch einen kleinen Dampfkessel mittelst eines Rohres mit Dampf versehen, dessen Zuströmung durch einen Hahn regulirt werden kann. Ein anderes Rohr führt Dampf und condensirtes Wasser wieder ab.

Spiel der Vorrichtung. Nachdem der Dampfkessel geheizt und der Cylinder gehörig heiß geworden ist, in dessen Folge auch das Innere des Fasses dieselbe Temperatur angenommen hat, öffnet der Arbeiter die an der Seite des Fasses dem ringförmigen Rahmen entgegenstehende Thür, welche so hoch und so breit ist, daß gerade ein Duzend auf Formen gezogene Mannsstrümpfe der größten Art auf die Unterplatte des Rahmens geschoben werden können, und füllt, indem er den Rahmen herumschiebt, diesen ganz mit Strümpfen aus. Ist der Rahmen gefüllt, so wird das erste eingesezte Duzend beim Herumdrehen wieder vorne bei der Oeffnung erscheinen und vollkommen troken seyn. Dasselbe wird nun herausgenommen und an seine Stelle ein neues Duzend hineingestellt und in dieser Weise mit dem ganzen Ringe fortgefahren.

Die Circulation der Luft zu befördern, dienen die Seitenröhren. Das Mittelrohr im Cylinder führt die wässerigen Dünste, die sich im Fasse sammeln, mit kräftigen Luftzügen ins Freie.

Außer der Beseitigung der Eingangs erwähnten Uebelstände gewährt der Kunz- und Solbrig'sche Apparat noch zwei sehr wichtige directe Vortheile; denn erstens sind bei Benuzung desselben die beim Formen beschäftigten Personen nicht so starker Hize ausgesezt, als solches bei einem gewöhnlichen Formofen stattfindet, und zweitens ist die Aufstellung des gedachten Trokenapparats nicht wie bei den gebräuchlichen Formöfen, welche feuergefährlich und deßwegen in Preußen verboten sind, an eine Localität gebunden, sondern es kann derselbe, da der Dampf überall hinzuleiten ist, selbst unter dem Dache eines Hauses ohne die geringste Feuersgefahr vorgenommen werden.

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Die HHrn. Kunz und Solbrig, auf den Apparat in Sachsen patentirt, haben bereits dem Strumpffabrikanten Hrn. Moriz Samuel Esche in Limbach das Recht ertheilt, einen gleichen Apparat zur Benuzung in seinem Geschäft aufzustellen, und erbiete ich mich fernerhin zur Vermittelung wegen Ueberlassung desselben an andere HHrn. Strumpffabrikanten. F. G. Wieck in Chemnitz. (Allgem. Zeitg. f. Nation. Industr. und Verkehr 1844. Nr. 10.)

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