Titel: Mittel gegen den Hausschwamm.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. CVII./Miszelle 6 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091107_6

Mittel gegen den Hausschwamm.84)

Es lassen sich die Mittel, den Zerstörungen, welche der Holzschwamm in den Gebäuden anrichtet, Gränzen zu sezen, in solche theilen, welche der Erzeugung des Schwammes vorbeugen, und in solche, welche dazu dienen, den ausgebrochenen Schwamm wieder zu vertilgen.

Um der Entstehung des Schwammes vorzubeugen, muß schon bei der Wahl der Baustelle darauf Rüksicht genommen werden. Man wähle da, wo überhaupt eine Wahl des Bauplazes zulässig ist, wo möglich eine hohe troken gelegene Stelle zum Bauplaze, vermeide das Bauen auf stark gedüngtem Boden und grabe, wenn es sich nicht vermeiden läßt, denselben einige Fuß tief aus und fülle diese Stelle mit trokenem Kiese an. Man suche das Austroknen der Mauern dadurch zu befördern, daß man nicht mehr Mörtel zum Mauerwerk verwendet, als zur Verbindung der Steine erforderlich ist, nur trokene Bruchsteine, welche die Bergfeuchtigkeit nicht mehr in sich haben, und keine von Nässe ganz durchdrungenen Ziegelsteine in Anwendung bringt, den äußeren Puz, insofern derselbe angebracht werden soll und man es, was in den meisten Fällen anzurathen ist, nicht vorzieht, das Mauerwerk bloß auszufugen, erst im zweiten oder dritten Jahre nach Aufführung des Gebäudes anbringt und, was nicht genug zu empfehlen ist, überhaupt das übereilte Bauen vermeidet.

Zu den Unterlagen der Bedielung in der unteren Etage wähle man, wo es ohne die Kosten unverhältnißmäßig zu steigern möglich ist, trokenes Eichenholz und verwende zur Unterfüllung derselben in einer Tiefe von wenigstens 2 Fuß trokenen, durchgesiebten Kies, zerstoßene Schlaken, trokenen durchgesiebten Mörtel alter Gebäude oder, wo dieselbe zu haben ist, Steinkohlenasche. Es muß diese Ausfüllung jedoch erst dann geschehen, wenn das Gebäude unter Dach ist. Die Unterlaghölzer müssen dabei in ihren Zwischenräumen unausgefüllt bleiben oder, was noch mehr zu empfehlen ist, um sie von allen Seiten frei zu erhalten, auf gemauerte Pfeiler gelegt werden. Man lege die Schwellen der Fachwände nie unter 2 Fuß über das benachbarte Terrain und bringe über das Bruchsteinmauerwerk der Plinthe eine Rollschicht von gut ausgebrannten Ziegelsteinen an, nehme überhaupt auf eine hinlängliche Höhe des Unterbaues Bedacht. Man verwende, wenn es die Umstände gestatten, nur Bauhölzer, welche kernig, gesund, nicht zu jung und nicht in der Saftzeit geschlagen sind.

Die Balkenköpfe, so weit sie in der Mauer zu liegen kommen, bestreiche man mit heißem Steinkohlentheer, umgebe sie mit Lehm und lasse, wenn gerade Deken in Anwendung kommen, den Zwischenraum zwischen den Dachbalkenköpfen unausgemauert. Lehmwände an feuchten Orten, in Verbindung mit Fachwerk, neigen sehr zur Fortpflanzung des Schwammes, sie sind daher unter diesen Umständen nur mit Vorsicht in Anwendung zu bringen.

Die untersten Schichten an und um das Holz müssen von gebrannten Mauersteinen mindestens 1 Fuß hoch gemauert seyn. Wo möglich nehme man statt der Balkenkeller, in welchen sich der Schwamm an den Balken zuerst einzusinden pflegt, gewölbte Keller an.

Man sorge dafür, daß die aufgeführten Mauern nicht lange dachlos stehen, und helfe den entstandenen Dachleken alsbald ab. Zu allen Bedielungen, Fußleisten, Thüren, Gesimsen, Stirnbrettern, Fenstern u. s. w. wähle man trokenes Holz.

Endlich suche man dem Traufregen und Grundwasser freien Abzug vom Gebäude zu verschaffen, was durch zeitiges Abpflastern der Trotoirs um das Gebäude mit gehörigem Gefälle und einer Unterstampfung mit Lehm, so wie durch |408| die Anbringung von Dachrinnen bewerkstelligt wird. An solchen Orten, an welchen ein Aufsteigen der Feuchtigkeit aus dem Boden zu besorgen ist, schüzt man die Etagemauern am besten gegen das Eindringen derselben, wenn man über der sorgfältig abgeglichenen Plinthe eine Glastafeldeke mit Glasstreifen über den Fugen anbringt, welche in ganz dünnen Mörtel, oder noch besser in Roman-Cement gelegt werden. Das Ausfüllen der Balkenfelder trägt wesentlich zum Verstoken der so von allen Seiten eingeschlossenen Balken und der Unterlagenhölzer der Bedielung und dadurch zur Erzeugung des Schwammes bei.

Das Fortlassen des Füllmaterials, oder da wo eine Bretterverschalung und eine Wellerung zugleich stattfinden soll, die Anbringung der lezteren nahe unter der Bedielung ist daher sehr zu empfehlen; für gewöhnliche Gebäude verdient jedoch die Methode, die mit Lehmstroh umwikelten Staken oder Wellerhölzer nicht an die untere Kante der Balken anzubringen, sondern dieselben in eine Ausfalzung der oberen Fläche einzulegen, daher die Balken im Zimmer vortreten zu lassen, empfohlen zu werden. Bei Schulen u. s. w., bei welchen durch diese Construction noch an freier Höhe gewonnen wird, kommt es auf eine regelmäßige Eintheilung der Balken dabei gar nicht an; kann man bei bedeutenderen Gebäuden dieselbe zugleich mit dieser Construction in Verbindung bringen, so lassen sich die vertieften Balkenfelder mit geringen Kosten geschmakvoll verzieren. In Stallgebäuden bedarf es nur des nicht umwikelten, aber geflammten Schalholzes.

Das Verblenden der Fachwerkswände durch die Vormauerung eines halben Ziegelsteins kann der Verbreitung des Schwammes nur förderlich seyn. Das Holz der Fachwände, welches häufig noch nicht ausgetroknet ist, wird dadurch mit dem frischen Mauerwerk in Verbindung gesezt und der Luft völlig entzogen, da die andere Seite durch den inneren Verpuz bedekt wird.

Häufig entsteht der Schwamm auch durch den Gebrauch der Gebäude. Schon während des Baues schlagen Zimmerleute und Tischler ihre Werkstatt in denselben auf, fertigen Treppen, Fenster, Thüren, richten Fußbodenbretter zu und sorgen nicht für die vollständige Forträumung alles Abfalles der Späne u. s. w. Kaum ist das Gebäude vollendet, so wird es bezogen. Die Fenster quellen, weil die feuchten Wände beim Einheizen ausdünsten; es wird daher kein Fenster geöffnet, weil man besorgt es nicht wieder schließen zu können, oder weil man befürchtet, daß die durch das Heizen erzeugte Wärme verloren gehe. Die Kälte veranlaßt die Bewohner allerlei Geschäfte in der Stube vorzunehmen, die sonst in den übrigen Theilen des Hauses verrichtet werden. Man kocht und wäscht in der Stube oder bewahrt wohl gar Kartoffeln u. s. w. in derselben auf. In dieser Weise wird eine so feuchte Luft in den Wohnstuben solcher neuen Gebäude erzeugt, daß die Entstehung des Schwammes davon eine nothwendige Folge seyn muß.

Hat sich der Schwamm schon eingefunden, so läßt er sich am sichersten dadurch wieder vertilgen, daß man alle davon inficirten Theile des Holzes, Mauerwerks u. s. w. aus dem Gebäude entfernt und durch neue ersezt, und wenn es angeht durch Zugöffnungen in den Mauern unter den Fußböden, welche unter Umständen auch mit Schornsteinröhren in Verbindung gesezt werden können, die beständige Circulation einer trokenen Luft herbeizuführen sucht. Luftzug und Sonnenlicht sind die besten Mittel zur Vertreibung des Holzschwammes, nachdem die vom Schwamme ergriffenen Stellen ausgeschnitten sind und man sich eines Beizmittels zum Bestreichen dieser Stellen bedient hat. Es sind mehrere dieser Beizmittel empfohlen. Am besten dürfte sich jedoch eine Mischung von 1 Gewichtstheil Eisenvitriol mit 6 Gewichtstheilen Wasser bewähren. Diese Mischung wird mit einem Pinsel häufig über die vom Schwamme ergriffene Stelle gestrichen, nachdem derselbe durch Bürsten und Abtroknen von der Oberfläche fortgeschafft ist. Bei der Anwendung dieses Mittels wird sich in der Regel selbst dann ein günstiger Erfolg zeigen, wenn auch das Fortschaffen der angegriffenen Theile, z. B. des Mauerwerks nicht stattfinden kann.

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Aus einer Bekanntmachung der königlichen preußischen Regierung zu Mersehurg über die Mittel gegen den Hausschwamm.

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