Titel: Das Crajuru, Carajuru oder Chica, ein neues rothes Farbmaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 91, Nr. CXX./Miszelle 5 (S. 492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj091/mi091120_5

Das Crajuru, Carajuru oder Chica, ein neues rothes Farbmaterial.

Hr. v. Humboldt beschrieb (Annales de Chimie et de Physique t. XXVII p. 315) unter dem Namen Chica ein Pflanzenproduct von ziegelrother Farbe, welches durch Maceration der Blätter der Bignonia chica, eines Strauches aus der Familie der Bignoniaceen (Iussieu), in Mittelamerika gewonnen wird. Eine in ihren physischen und chemischen Eigenschaften der Chica ähnliche, aber viel schöner und glänzender violett braunroth gefärbte, auf dem Strich kupferglänzende Substanz kam aus Para in Brasilien unter dem Namen Crajuru oder Carajuru, nach andern Carucuru. Dieselbe ist eine Art Pulver oder Sazmehl in leichten, geruchlosen, geschmaklosen oder nur wenig bittern Stüken, in Wasser unauflöslich, aber auflöslich in Alkohol, Aether und Oehlen oder Fetten, ohne jedoch gänzlich harzartiger Natur zu seyn; sie brennt mit Flamme und hinterläßt eine graue voluminöse Asche. Alkalien lösen sie leicht auf, Säuren aber fällen sie, ohne, wenn sie nicht concentrirt sind, ihre Farbe stark zu verändern. Die Chica kam aus der Gegend des Orenokko, nahe bei Rio Meta; die Crajura scheint die schon früher von Hancock zu Guyana angegebene reinere, kugelförmige, in Baumrinden oder Palmblättern eingewikelte Sorte zu seyn. Nach Boussingault und Rivero dient sie auch zum Färben. Sie scheint demnach auch von andern Bignonia-Arten bereitet zu werden. Die Galibis und andere wilde Eingeborne kochen, um sie zu bereiten, die Stämme und schon rothen ältern Blätter der Bignonien, lassen sie dann in hölzernen Gefäßen maceriren und das Decoct faulen, bis es ein rothes Sazmehl absezt, filtriren durch ein Baumrindensieb, waschen das Sazmehl in Wasser aus und troknen es an der Sonne. Die Wilden bedienen sich dieser Substanz nur zum Bemalen der Haut, entweder um sich gegen Feuchtigkeit und Insectenstich zu schüzen oder zur Zierde, zu welchem Zwek sie sie mit fettem Carapa-Oehl, Schildkrötenfett oder dem wohlriechenden Alligatorfett anrühren. — Das gegenwärtig nach Europa kommende Crajuru färbt sehr dauerhaft und wie es scheint mit weit schönerem Glanze als der Orlean Virey. (Journal de Pharmacie Febr. 1844. S. 151.)

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