Titel: Forsyth's Maschine zur Verfertigung der Mauerziegel etc.
Autor: Forsyth, Thomas
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. IV. (S. 7–11)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/ar092004

IV. Verbesserte Maschine zur Verfertigung der Mauer- und Dachziegel, worauf sich Thomas Forsyth, Ingenieur zu Salford in der Grafschaft Lancaster, am 1. Jun. 1843 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Jan. 1844, S. 16.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Meine Erfindung besteht in der Construction eines Mechanismus, mit dessen Hülfe die Ziegel auf eine raschere und ökonomischere Weise verfertigt werden, als dieß mittelst der gewöhnlichen Procedur der Fall ist. Ich will zunächst von der Fabrication der Mauerziegel reden und dann zu derjenigen der Dachziegel übergehen. Der Unterschied in der Fabrication dieser beiden Artikel ist übrigens so gering, daß ich den leztern am Schlusse nachfolgender Beschreibung nur mit wenigen Worten zu erläutern nöthig habe.

Fig. 1 stellt in einem Durchschnitt die wesentlichen Theile der Erfindung, alles äußeren Apparates entkleidet, dar. a ist ein Cylinder, wie bei einer gewöhnlichen Dampfmaschine, der mit einem Kolben b und mit einer Kolbenstange c versehen ist, und von einem Dampfkessel aus vermittelst der Röhre d mit Dampf versehen wird. An ihrem unteren Ende trägt die Kolbenstange c einen zweiten Kolben e, welcher in einem zweiten Cylinder f spielt. Dieser Cylinder nimmt das Material, woraus die Ziegel verfertigt werden sollen, auf eine Art und in einem Zustande auf, worüber unten die nähere Erläuterung folgen wird. Das in dem Cylinder f abgelagerte Material wird durch den Kolben e abwärts gepreßt. Am Boden des Cylinders f angelangt, wird das Material in eine Anzahl enger Räume gepreßt, welche eben so viel Ziegelformen bilden, die, wie nachher erläutert werden soll, in zwei Abtheilungen in der Platte h angeordnet sind. Die Platte h liegt auf der Unterlage i, i und wird in der Richtung der Pfeile j, k hin- und herbewegt, wodurch sie die Abtheilungen |8| der Formen g abwechselnd unter den Cylinder f bringt. Am Ende jeder Bewegung hält die Platte h eine Zeit lang still; während dieser Pause bewegen sich die Drüker l, l senkrecht in der Richtung der Pfeile m, m abwärts, die an dem Drüker l angebrachten Hervorragungen treten gleichzeitig in die Formen g der entsprechenden Abtheilung der Platte h und drüken das in dieselben gepreßte Material heraus, welches nun in Gestalt von Mauerziegeln auf die zu ihrer Aufnahme untergelegten Bretter n, n abgesezt wird. Sobald die Ziegel aus den Formen g herausgedrükt worden sind, kehrt der Drüker l wieder in seine ursprüngliche Lage zurük, in welcher er ruhig verharrt, bis er am Ende der nächsten Bewegung der Platte h auf ähnliche Weise wieder in Thätigkeit kommt. Die Anordnung ist so getroffen, daß während der eine Drüker sich in Ruhe befindet, der andere auf die angegebene Weise in Wirksamkeit ist.

Ich gehe nun zur Beschreibung des Mechanismus über, mit dessen Hülfe die Bewegung des Apparates in der erwähnten Weise stattfindet.

Fig. 2 ist eine Seitenansicht, welche die allgemeine Anordnung des Räderwerks und anderer Theile des Apparates darstellt;

Fig. 3 ein Grundriß mit Hinweglassung der oberen Theile, um das Räderwerk und die innere Einrichtung des Apparats zu zeigen;

Fig. 4 eine theilweise im Durchschnitt genommene Endansicht, welche die Formplatte h am Ende ihrer Bahn darstellt. Nachdem das Material auf die übliche Weise zur Erlangung der geeigneten Consistenz bearbeitet worden ist, wird dasselbe in die Waggons o, o, o, Fig. 2 gefüllt und durch Pferde oder auf irgend eine andere geeignete Weise auf das Gerüst p gebracht. Diese Waggons sind so eingerichtet, daß sie unter den Kolben e, wenn dieser in der Fig. 2 dargestellten Lage sich befindet, und direct über den Cylinder f gelangen. Sie sind mit beweglichen Böden q, q versehen, welche um die Scharniere r, r drehbar sind, und im geschlossenen Zustand mit Hülfe von Riegeln befestigt werden. Die beweglichen Böden werden, wenn kein Material im Wagen ist, durch Gegengewichte t, t auch ohne Riegel geschlossen erhalten. Befindet sich aber Material im Wagen, so öffnet nach Zurükziehung der Riegel das die Gewichte t, t überwiegende Material die Böden und fällt, wie der Durchschnitt Fig. 5 zeigt, aus dem nun bodenlosen Wagen in den Cylinder f, worauf die beweglichen Böden durch den Einfluß ihrer Gegengewichte wieder in ihre ursprüngliche Lage zurükkehren. Die Riegel werden sodann wieder vorgeschoben; der Wagen ist somit an seinem Boden geschlossen und bereit eine neue Füllung in Empfang zu nehmen. Auf diese Weise wird eine hinreichende Anzahl Wagen in den Cylinder f |9| entleert, bis derselbe voll ist, um der Einwirkung des Kolbens e ausgesezt zu werden. Wenn der Cylinder f gefüllt ist, so werden die weiteren Bewegungen des Apparats auf folgende Weise bewerkstelligt. An der Welle u, welche ihre Bewegung von einer Dampfmaschine oder einem andern Treibapparat herleitet, befindet sich ein Getriebe v, welches in ein an der Krummzapfenwelle x befindliches Rad w greift. Der Kurbelzapfen y spielt in den geschlizten Lenkstangen z, z, deren andere Enden an die Formplatte h befestigt sind, so daß die Krummzapfenwelle x durch ihre Rotation dieser Formplatte eine hin- und hergehende Bewegung ertheilt. Diese Bewegung ist jedoch nicht constant, sondern intermittirend; die Ruheperioden fallen in die Zeit, während welcher der Kurbelzapfen y längs der in den Enden der Lenkstangen befindlichen Schlize arbeitet, und haben den Zwek, den Drükern l die zum Hinausdrüken der Ziegel aus den Formen g erforderliche Zeit zu gewähren. Die Bewegung dieser Dritter ist nun zunächst zu beschreiben. Das eine Ende der Krummzapfenwelle enthält ein Winkelrad a', welches in ein anderes Winkelrad b' greift, dessen senkrechte Welle c', Fig. 2, ein drittes Winkelrad d' trägt. Lezteres greift in ein viertes an der Welle f' befestigtes Winkelrad e'. An der rotirenden Welle f' sizen zwei excentrische Scheiben g, g, deren Gestalt in Fig. 4 ersichtlich ist. Die punktirten Linien bezeichnen eine in der Seite des einen Excentricums befindliche Rinne, in welche ein von dem einen Ende der Schiebstange h', h' hervorragender Stift greift. Durch die Umdrehung des Excentricums g' wird daher die Stange h', h' hin- und hergeschoben. Das andere Ende dieser Stange ist mit dem Ende eines an der Welle j' befestigten Hebels i' verbunden. An der Welle j' befindet sich ein zweiter Hebel k', dessen Ende durch die Gelenkstüke l', l' mit dem Drüker l verbunden ist, der dadurch eine hin- und hergehende intermittirende Bewegung erhält, vermöge welcher er das Material aus den Formen g herausdrükt, auf die Bretter n absezt und dann in seine ursprüngliche Lage (Fig. 1) wieder zurükkehrt.

Ich will nun erläutern, wie die zur Aufnahme der Ziegel dienlichen Breter n, n untergestellt und nach Empfangnahme der Ziegel wieder entfernt werden. Es ist nothwendig, eine bedeutende Anzahl solcher Bretter, die jedoch alle auf den Wagen m' passen müssen, in Bereitschaft zu halten. Dieser Wagen wird mit einem solchen Brette unter die Formplatte h geschoben, um die aus den Formen g hervorgedrükten Ziegel in Empfang zu nehmen. Sobald dieß geschehen ist, wird der Wagen m' aus der Maschine entfernt, das Brett n mit seiner Ladung von dem Wagen m' abgenommen und auf einen der Wagen n', n', Fig. 6, gelegt. Der Wagen m' wird sodann mit |10| einem andern Brett versehen und in seine frühere Lage unter der Formplatte h zurükgeführt, um eine neue Lieferung von Ziegeln in Empfang zu nehmen. So schichte ich auf den Wagen n', n' Fig. 6, eine Reihe mit Ziegel beladener Bretter über einander, und wenn nun eine Reihe solcher Wagen auf die angegebene Weise beladen sind, so werden sie durch Pferde oder auf irgend eine geeignete Art hinweggeschafft; nachdem sie abgeladen worden sind, werden sie wieder zur Maschine zurükgebracht. Sind die Materialien, woraus die Ziegel verfertigt werden, hart genug, so können diese des vollkommneren Troknens wegen aufgeschichtet und die Bretter n wieder nach der Maschine zurükgeschafft werden; sind sie jedoch nicht hart genug, um ohne Gefahr der Beschädigung auf solche Weise behandelt zu werden, so müssen sie, wie die isometrisch-perspectivische Ansicht Fig. 7 zeigt, auf den über einander geschichteten Brettern n bleiben, bis sie troken sind.

Die Figuren 8, 9, 10 und 11 sind nach größerem Maaßstabe ausgeführte Ansichten, auf die ich besonders aufmerksam mache; sie zeigen die Beschaffenheit und Anordnung der Formen g in der Platte h, worauf ich weiter unten zurükkommen werde.

Fig. 8 stellt den Grundriß eines Theils der Formplatte h mit zwei Reihen Formen g dar.

Fig. 9 ist ein senkrechter Durchschnitt der Formplatte h rechtwinkelig zu der Richtung, in welcher sie sich bewegt. Man wird bemerken, daß der durch die Basis i, i gebildete Boden jeder Form g keine ebene Fläche bildet, sondern etwas gekrümmt ist, und zwar aus einem Grunde, der mit Hülfe der Figuren 10 und 11 erläutert werden soll.

Fig. 10 stellt den Moment dar, wo das Material aus einer Form g² von der gewöhnlichen parallelopipedischen Gestalt hervorgepreßt wird. In diesem Falle wird man bemerken, daß das Material an einer Seite convex oder abgerundet erscheint, was der für einen Mauerziegel geeigneten Gestalt nicht entspricht.

Fig. 11 zeigt das Material, wie es aus meiner verbesserten Form mit convexem Boden zum Vorschein kommt und zwar in Gestalt eines Ziegels mit ebenen Seiten und rechten Winkeln. Der Grund dieser Erscheinung liegt in der Reibung der Ziegelmasse an den Seitenwänden der Form, welche im ersten Falle Fig. 10 die erwähnte Convexität des Ziegels veranlaßt, die im zweiten Falle Fig. 11 durch die vorher bereits concave Unterseite des Ziegels aufgehoben wird.

Bei der Verfertigung von Dachziegeln bedarf es nur einer abgeänderten Form, deren Beschaffenheit von der Gestalt der anzufertigenden |11| Dachziegel abhängt; die beweglichen Theile des Apparats bleiben dieselben, nur daß die Drüker eine der Gestalt der Formen und Ziegel entsprechende Gestalt haben.

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