Titel: Ueber Thon-, Sandstein- und Marmorröhren für Wasserleitungen und die Unbrauchbarkeit gußeiserner Röhrenleitungen für Papierfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. XXII./Miszelle 4 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/mi092022_4

Ueber Thon-, Sandstein- und Marmorröhren für Wasserleitungen und die Unbrauchbarkeit gußeiserner Röhrenleitungen für Papierfabriken.

Bei Besprechung der relativen Zwekmäßigkeit verschiedener Materialien für die Röhren der Wasserleitungen in technischen Zeitschriften, wurde das Bedenken geäußert, das durch gußeiserne Röhren laufende Wasser dürfte, indem es Eisenoxyd ausnimmt, die Wäsche nach und nach gelb machen. Diese Befürchtung wird durch einen merkwürdigen Fall bestätigt, welcher in der Maschinenpapierfabrik der HHrn. Haase und Söhne in Prag 1 1/2 Jahr lang verhinderte, weißes Papier zu machen. Das in die Holländer fließende Wasser wurde durch eine gußeiserne Röhrenleitung (aus der Gießerei Blansko in Mähren) herzugeführt. Niemand ahnete, daß der Grund des Gelbwerdens in diesem Umstande zu suchen sey. Die Chefs des Hauses sparten keine Versuche und Kosten, die Ursache jenes höchst fatalen Uebelstandes zu entdeken, aber erst nach 1 1/2 Jahren, veranlaßt durch das dringende Ermahnen eines Chemikers, entschlossen sie sich die Röhrenleitung zu reinigen und sie mit einem innern schüzenden Anstrich zu versehen. Und siehe da! ihr Papier wurde so schön weiß wie früher. Man hat nun zu erwarten, wie lange der Anstrich Schuz gewähren wird – und ob sie sich nicht dennoch entschließen müssen, Marmorröhren zu legen. – Die Oxydirung der gußeisernen Röhren ist unvermeidlich und tritt später oder früher, je nach den besonderen Eigenschaften des Eisens oder des Wassers, so sicher ein, wie der Tod. Man hat geglaubt, daß das Extrem der Oxydation, „das gänzliche Verstopfen durch eine Art knolliger Gewächse,“ mittelst Anwendung von verhältnißmäßig weiteren Röhren zu verhindern sey, aber man vergaß zu bedenken, daß es doch als eine sehr unglükliche Aushülfe zu betrachten ist, wenn man die Röhren weiter nimmt, als sie der Natur der Sache nach eigentlich zu seyn brauchen, bloß weil sie sich nach und nach durch Oxydation verengern.

Bei den Kranner'schen Marmorröhren 11) hat man dergleichen nicht zu besorgen; ihre eigenthümliche Glätte und das unangreifbare Material verhindern schlechterdings jedes Anlegen von Schlamm. In Prag, wo man bereits eine große Streke Marmorröhren gelegt hat, bewähren sie sich ungemein gut. Bekanntlich schwizen die gußeisernen Röhren in der Erde und beweisen dadurch, wenn nicht ihre Durchdringlichkeit, jedenfalls aber ihre dem Eisen zukommende Wärmeleitungsfähigkeit, welche nachtheilig, wegen der wechselnden Ausdehnung bei verschiedener Temperatur des Terrains, indem sie liegen, und des Wassers, das durch sie hinströmt, auf die Dichtungen wirkt. Die Marmorröhren bleiben aber ganz troken auf ihrer äußeren Fläche, und der Oehlcement, mit dem sie gekittet sind, erhärtet in kurzer Zeit so, daß er marmorgleich wird. Diese günstigen Erfolge haben die Stadt Prag bestimmt, für ein neu anzulegendes Wasserwerk Marmorröhren zu legen, da die gußeisernen Röhren auch dort den ihnen beigehörigen Mißständen nicht entgangen sind. Die seit dem Jahr 1820 frühestens und später gelegten eisernen Röhren, obgleich sie von 1 Zoll weiterer Bohrung gewählt wurden als die vorherigen hölzernen Röhren, sind gegenwärtig so ganz verstopft, daß sie nur noch die Hälfte des ursprünglichen Wasserquantums liefern und eine eigene Abfallröhre an der Wasserkunst angebracht ist, welche das überflüssige |78| Wasser ins Freie führt. In Brunn mußten schon nach 6 Jahren die gußeisernen Röhren wegen völliger Verstopfung herausgerissen werden. Man hat gegen die Marmorröhren das Bedenken geäußert, sie würden keinen einigermaßen bedeutenden Wasserdruk aushalten. Keine Meinung kann aber weniger begründet seyn wie diese. Amtliche Zeugnisse bestätigen gegen jeglichen Zweifel, daß einzelne Kranner'sche Röhren bis 80 Atmosphären Wasserdruk ausgehalten haben. Der Erfinder garantirt 16 Atmosphären und läßt jede Röhre daraus prüfen; eine größere Gewähr ist denn doch wohl nicht zu verlangen! – Bei Frost können sie weniger als irgend eine andere Art Röhren leiden, wegen ihrer Nichtleitung für die Wärme und ihrer Härte.

Keineswegs sind sie auch mit jenen Sandsteinröhren zu verwechseln, deren lokeres Gefüge dem Druk keinen hinreichenden Widerstand zu bieten vermag, und die, als man sie in Manchester legte, sofort zersprangen. Wahrscheinlich ist man nicht so vorsichtig gewesen, sie vorher zu prüfen. In Dresden, wo nach Hrn. Inspector Blochmann's System pirnaische Sandsteine nicht gebohrt, sondern zu Röhren durchgestoßen werden, wendet man überdieß die Vorsicht an, sie innerlich mit einem Cement zu bestreichen, obgleich wir für eine lange Dauer dieses Cements nicht gerade garantiren möchten. Unvermeidbar aber ist bei Sandsteinröhren, wie bei thönernen Röhren, wie in Prag die Erfahrung, und zwar mit den aus der schönen Eger'schen Thonmasse gefertigten gemacht wurde, daß Wassermoose von außen hinein wachsen, sich im Innern ausbreiten und zu klafterlangen Zöpfen werden. So verstopfen sich thönerne und Sandsteinröhren, während eiserne inwendig rauh werden, sich oxydiren, die Wegschwemmung des Schlamms verhindern und Knollen bilden. Marmorröhren hingegen unterliegen diesen Uebelständen nicht und verdienen daher die wärmste Empfehlung, selbst wenn sie mehr kosten sollten als die eisernen, was jedoch nicht der Fall ist. E. (Allg. Ztg. f. Nat.-Industr. u. Verkehr 1844 Nr. 19.)

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Man vergl. über dieselben polytechnisches Journal Bd. XC S. 235.

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