Titel: Dachdekung mit getheertem Papier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. XLII./Miszelle 2 (S. 154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/mi092042_2

Dachdekung mit getheertem Papier.

Es läßt sich aus dem aus Schiffstauwerk verfertigten Papier und Steinkohlentheer eine sehr leichte und wohlfeile Dachbedekung machen. Solche Dachungen leisten zu offenen Schoppen oder Fabrikgebäuden sehr gute Dienste. Man verfährt dabei wie folgt. Man bedekt den Dachstuhl mit wohl zugerichteten, aneinandergepaßten, möglichst ebenen, jedoch gerade nicht sorgfältig gehobelten dünnen Brettern, nagelt diese auf die Sparren, läßt die nöthigen Oeffnungen frei und spannt in der Richtung der Neigung des Dachs das getheerte Papier auf (man bekommt dasselbe in Frankreich in Rollen von 0,90 Meter [2 Fuß 9 Zoll Par. Maaß] Breite und 12 Metern [36 Fuß 10 Zoll] Länge, welche im Mittel 2 Kilogramme wiegen). Befestigt wird es mittelst kleiner Leisten von 6–7 Centimeter (2 Zoll – 2 Zoll 7 Linien) Breite und 1 Cent. (4 1/10 Linien) Dike, welche man 25 Centimeter (19 Zoll) auseinander anbringt. Die Fugen werden in der Art überdekt, daß jede unter eine Leiste kömmt. Sind die Leisten angenagelt, so streicht man mittelst eines Pinsels gekochten oder auch ungekochten, aber zum flüssigen Zustand erhizten Steinkohlentheer auf das Dach und streut gleich darauf recht troknen, feinen Sand darüber, welcher, dem Theer anklebend, dessen Abfließen verhindert. Zwekmäßig ist es, das Dach nur von Stelle zu Stelle mit Papier und Theer zu überziehen. – Es wurde oben gesagt, daß das Papier nach der Gestalt und Größe der im Dache zu lassenden Oeffnungen ausgeschnitten wird; man muß hiebei auf die Zusammenfügung große Aufmerksamkeit wenden, weil an diesen Stellen die Feuchtigkeit sich am liebsten einsezt. Die Dachfenster müssen vor dem Auflegen des Papiers eingesezt und beglast werden. Nach mehrfacher Erfahrung erhalten sich diese Dächer recht gut. Alle Jahre müssen sie bei trokenem Wetter mit Theer frisch überstrichen und nöthigenfalls ausgebessert werden. Die Hauptvorzüge dieses Systems sind die Leichtigkeit und Wohlfeilheit des Materials und die schnelle Ausführbarkeit. Solche Dächer widerstanden starken Regengüssen und furchtbaren Stürmen, wo Zink- oder Schieferdächer bedeutende Beschädigungen erlitten. Nur der Hagel kann, wenn die Bretter Zwischenräume zwischen sich lassen, Verheerungen anstellen; denn wo das Papier keine Unterlage hat, kann jedes Hagelkorn ein Loch schlagen. (Mallet im Moniteur industriel, 17. März 1844.)

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