Titel: Methode zur quantitativen Bestimmung des Farbstoffs des Garancin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. XLII./Miszelle 8 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/mi092042_8

Methode zur quantitativen Bestimmung des Farbstoffs des Garancin.

Nachstehendes Verfahren zur Feststellung des Werthes eines sehr theuren Farbstoffs, des Garancin und indirect des Krapps, dürfte zu empfehlen seyn, da es sehr genaue, in Ziffern ausdrükbare Resultate gibt.

Eine 14–16 Zoll lange, 1/4 Zoll weite Glasröhre zieht man sich an einem Ende in eine feine Spize aus, dieses Ende der Röhre stekt man dann durch einen gut anschließenden Kork, so daß die Spize derselben 1–2 Zoll durch diesen hervorsteht; Kork und Röhre paßt man hierauf in den untern Theil eines gewöhnlichen Lampencylinders. Man befestigt diesen Deplacirungsapparat mittelst eines Stativs, oder sezt ihn unmittelbar auf ein passendes Glasgefäß. – Wenn dieser Apparat so vorgerichtet ist, wiegt man sich von dem zu untersuchenden Garancin genau 2,5 Gramme ab, schüttet diese in die enge Röhre, deren Spize man durch etwas Baumwolle verstopft hat, und füllt die Röhre selbst mit reinem Aether an; durch einen kleinen Kork verschließt man die obere weite Oeffnung derselben, den leeren Raum zwischen Röhre und Cylinder umgibt man mit heißem Streusand; der Aether kommt ins Kochen und löst den Farbstoff des Garancin auf, sich in |157| dem untergestellten Glase sammelnd. Man wiederholt die Operation, so lange der Aether noch gefärbt abläuft.

Die erhaltenen Auszüge von orangerother Farbe verdampft man am besten gleich in demselben Glase, in welchem man sie aufgefangen hat, zur Trokne, gießt dann auf den Rükstand 2 Loth destillirtes Wasser, in welchem man 5 Gran kaustisches Kali oder Natron gelöst hat. Der Farbstoff löst sich in dieser schnell mit intensiv violetter Farbe auf; wenn alles gelöst ist, sezt man tropfenweise Salzsäure zu, bis diese etwas vorwaltet, der Farbstoff schlägt sich dadurch in orangefarbenen Floken wieder nieder. Man sammelt nun den Niederschlag auf einem gewogenen Filter, süßt ihn gut aus, troknet und wiegt ihn. Das Uebergewicht des Filters ist, wenn man vorsichtig arbeitet, reiner Krappfarbstoff, Alizarin, nach Robiquet, von dessen Menge die Güte des Garancin, wenn auch nicht allein, abhängig ist.

Das Auflösen des ätherischen Auszugs in kaustischem Alkali ist nothwendig, da man nur so im Stande ist, das Alizarin troken und wägbar zu erhalten; man darf nur die einzige Vorsicht nicht versäumen, es aus dieser Lösung sofort durch Säuren zu fällen.

Da jedoch das Alizarin in dieser großen Vertheilung in angesäuertem Wasser etwas löslicher als in reinem Wasser ist, so muß man, um der Wahrheit ganz nahe zu kommen, für je 1000 Gran der abfiltrirten Flüssigkeit 2 Milligramme der gefundenen Menge Alizarin zurechnen.

Die Eigenschaften des so erhaltenen Alizarin stimmen mit den Angaben von Robiquet überein; nur einiges dürfte hinzuzufügen seyn.

Concentrirte Schwefelsäure zerstört es vollständig.

Salpetersäure verwandelt es in Kohlenstikstoffsäure.

Sehr charakteristisch ist die Wirkung der äzenden Alkalien.

Ammoniak löst es mit schön violetter Farbe und hinterläßt es beim Verdampfen unverändert.

Kaustisches Kali und Natron lösen es mit gleicher Farbe auf und zersezen es beim Ausschluß der Luft nicht, beim Luftzutritt jedoch tritt nach und nach eine ähnliche Verwesung ein, wie sie so schön beim Blauholzfarbstoff beobachtet wurde; die violette Farbe geht nach und nach ins Rothe und am Ende ins Braune über; Säuren fällen es nun nicht mehr gelblich roth, sondern braun, dem Eisenoxydhydrat ähnlich, es sublimirt und färbt nicht mehr. Z. (Allgem. Zeitg. für National-Industrie etc. 1844. Nr. 25.)

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