Titel: Ueber galvanische Versilberung; von Dr. Philipp.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. LIX./Miszelle 8 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/mi092059_8

Ueber galvanische Versilberung; von Dr. Philipp.

Die Vorurtheile, die hin und wieder gegen die galvanische Versilberung laut werden und die Art und Weise, wie dieselbe unverdient vernachlässigt wird, veranlassen mich einige Worte darüber zu sagen. Als das Verfahren der HHrn. Elkington und de Ruolz, galvanisch zu vergolden und versilbern, bekannt wurde, war alles hoch erfreut über die herrlichen Resultate, die hier und da von Dilettanten erhalten wurden; namentlich fiel auch das schöne Weiß und Matt der Versilberung auf, wie es sogar durch die Feuerversilberung nicht zu erreichen war. Die meisten dieser Herren hört man aber jezt anders sprechen, es heißt, mit der Versilberung ist es doch nichts, ein gutes Resultat hängt vom Zufall ab, sie ist meistens geldlich, streifig und was noch mehr ist, nicht haltbar, sie blättert sich ab etc. Ich erlaube mir aber zu bemerken, daß diese Uebelstände nicht der Sache, sondern der Behandlung und Ausführung zuzuschreiben sind. Vielleicht gelingt es mir zu überzeugen. – Um eine schöne Versilberung zu erzielen, glauben viele, daß zur Bereitung der Silberauflösung nur ganz reines Silber genommen werden müsse, dann könnte ja der Niederschlag nichts anderes als reines Silber seyn; aber dessen ungeachtet fällt das Resultat oft eben so aus, als wenn man legirtes Silber genommen hatte; das Silber ist also nicht der schuldige Theil, sondern die schlechtere Beschaffenheit des jezt käuflichen Cyankaliums, oder die des selbst bereiteten. Durch das Schmelzen des Blutlaugensalzes scheidet sich Eisen metallisch aus, mehr oder weniger davon bleibt aber noch mechanisch mit der geschmolzenen Masse, dem Cyankalium verbunden; wird nun dieses in Wasser aufgelöst, so sezt sich das darin enthaltende Eisen zu Boden, beeilt man sich aber nicht es zu entfernen, so wird es aufgelöst und die Flüssigkeit erscheint mehr oder minder gelb. Gold- und Silberauflösungen vermittelst des Cyankaliums müssen durchaus klar und wasserhell seyn. ist dieß nicht der Fall, so sind sicherlich schlechte Resultate zu erwarten; eine solche eisenhaltige Auflösung wirkt sogar störend auf die Löslichkeit der der Auslösung entsprechenden angehängten Platte am Kupferpol, diese wird mit einer schwerlöslichen nicht leitenden Masse überzogen und der galvanische Strom wird unterbrochen. – Um eine gute Silberauflösung zu erhalten, verfahre man folgendermaßen: man löse gewöhnliches legirtes Silber (12 oder 13 löthig) wie es in der Regel verarbeitet wird, in Salpetersäure auf und verdünne diese Auflösung mit Wasser; hierauf gieße man Kochsalzlösung oder Salzsäure so lange hinzu, bis sich alles Silber als Chlorsilber in weißen Floken abgeschieden hat, die überstehende Flüssigkeit gieße man ab und wasche das Chlorsilber so lange in reinem Wasser aus, bis dasselbe farblos und gänzlich säurefrei ist. Auf das noch nasse Chlorsilber gieße man nun |240| reine Cyankaliumlösung, das Chlorsilber löst sich rasch aus und die Auflösung erscheint klar und wasserhell. Um sich aber reine Cyankaliumlösung zu bereiten, löse man das Cyankalium in lauwarmem Wasser auf und befreie diese Auflösung von dem Bodensaze entweder durch Abgießen oder Filtriren, in lezterem Falle wähle man Papier, welches das Filtriren beschleunigt, damit nicht während desselben etwa vorhandenes Eisen aufgelöst werde. – Eine so vorbereitete Auflösung gibt ein schönes weißes Präcipitat. – Was die Haltbarkeit der Versilberung betrifft, so läßt sie nichts zu wünschen übrig, wenn man nur den galvanischen Strom so schwach wie möglich wirken läßt. Zu Gegenständen, wie Leuchter etc. ist eine einfache Daniell'sche Kette hinreichend. Das schöne weiße Matt tritt erst dann ein, wenn die Gegenstände ein- oder zweimal herausgenommen, abgespült und mit Leinwand abgerieben werden. Die Stellen, die nicht matt bleiben sollen, lassen sich außerordentlich gut poliren. Es ist nothwendig, daß man die so versilberten Gegenstände einige Zeit lang in warmem Wasser so zu sagen auswässern läßt, theils um eine gewisse Fettigkeit, die von dem Cyankalium her. rührt und beim Poliren hinderlich ist, zu entfernen, theils um das spätere Gelbwerden der matten Stellen zu verhindern. Kupfer und Messing lasten sich vorzüglich schön und leicht versilbern, und namentlich, wenn Messinggegenstände gelbgebrannt und nach dem Abspülen sogleich in die Silberauflösung gethan werden, so tritt sogleich ohne Benuzung irgend einer galvanischen Batterie die Versilberung ein, deren Beschleunigung von der Erhöhung der Temperatur abhängt. Zinkgegenstände versilbern sich ebenfalls von selbst, wie ich schon früher erwähnt habe, und zwar sehr stark, so daß eine Silberauflösung durch eine eingetauchte Zinkstange ganz erschöpft werden kann. Zinn und Blei dagegen versilbern sich schwerer und es ist vortheilhaft, dieselben erst zu verkupfern. Bei dieser Gelegenheit erwähne ich eines einfachen Mittels, das ich bei Gegenständen anwende, die Zinnlothstellen haben, welche die Vergoldung und Versilberung nicht so leicht annehmen; die Löthstellen werden nämlich mit einer concentrirten Kupfervitriolauflösung bestrichen und abgerieben, wodurch dieselben sich verkupfern und so das Gold oder Silber zugleich mit der etwaigen Masse des zu behandelnden Gegenstandes annehmen können. (Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt, 1844, Nr. 2.)

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