Titel: Interessante Entdekung im Gebiete der Optik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 92, Nr. XCV./Miszelle 4 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj092/mi092095_4

Interessante Entdekung im Gebiete der Optik.

Wir finden in allen Lehrbüchern der Optik und Naturkunde den Erfahrungssaz aufgestellt, daß das einzige passende Licht für mikroskopische Beobachtungen das Tageslicht sey, indem dieses reine weiße Licht, aus reflectirten Sonnenstrahlen gewonnen, die mikroskopischen Gegenstände am besten erleuchte, während das orange oder rothgelbe Licht einer Lampe oder Kerze das Auge unverhältnißmäßig mehr angreife, als das milde Licht des Tages. Die Unvollkommenheit des Lampen- oder Kerzenlichts scheint von zwei Ursachen herzustammen: einmal ist dasselbe monochromatisch, andererseits ist die Farbe, welche in demselben im Ueberschusse vorwaltet, eben die leuchtendste, nämlich gelb. Die erste Ursache macht uns vollkommen unfähig andere Farben bei diesem Lichte richtig zu beurtheilen, die andere verursacht eine höchst unangenehmes und der Beobachtung nachtheiliges Glänzen der Gegenstände. Folgende Bemerkungen dürften uns in den Stand sezen diesen Uebelständen abzuhelfen. Die Zusammensezung zweier Farben, die aus der Mischung der Farben des einen Theiles des Spektrums mit denen des andern Theiles entstehen, bildet die weiße Farbe. Die beiden Farben, welche durch die genannten Mischungen hervorgebracht sind, und deren jede aus den Farben zusammengesezt ist, welche dazu gehören, um aus der andern weißes Licht zu erzeugen, nennt man gegenseitig sich ergänzende Farben – complementäre Farben. – Natürlich müssen sich nun diese ergänzenden Farben nach der Natur des Lichtes und des Brennstoffes richten. Ist das Licht röthlich, so muß man sich eines hellgrünen und eines blauen Glases bedienen. Die einfachste Art diese eigenthümliche Farbe der Flamme zu finden ist die, das Polariskop mit dem Mikroskop zu verbinden, dann in den Nahmen irgend einen Salzkrystall, nur keinen würfelförmigen, zu bringen, hierauf den Zerleger und den Polarisator so anzuordnen, daß ihre Polarisationsebenen unter rechtem Winkel gegen einander gerichtet sind und nun mehrere Krystalltheile zu untersuchen, unter denen sich bald einer oder der andere finden wird, welcher – was man leicht durch Vergleichung bestimmen kann – genau die Farbe des Lichtes hat. Dreht man dann den Zerleger herum, so daß beide Polarisationsflächen parallel werden, so wird man leicht die blaue Ergänzungsfarbe finden und darnach die Dichtigkeit der Farbe |399| der Glasplatte bestimmen können, welche man zwischen das Licht und das Object bringen muß, um ein vollkommen weißes Licht auf lezteres zu reflectiren. (Illstr. Ztg.)

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