Titel: Anleitung zum Gebrauch des Guano's.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 93, Nr. CXXV./Miszelle 9 (S. 474–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj093/mi093125_9

Anleitung zum Gebrauch des Guano's.

Aus einer von den HHrn. Gibbs und Söhnen zu London unter dem Titel Peruvian and Bolivian Guano, its nature, properties and results erschienenen Schrift theilt Riecke's Wochenblatt, 1844 Nr. 38, folgende Anleitung zum Gebrauche des Guano's mit:

Der Guano darf nie in unmittelbare Berührung mit den Samen gebracht werden, indem er auf diese Weise die Keimkraft derselben zerstört. Aus diesem Grunde ist es selbst zweifelhaft, ob es für die erste Entwikelung der Samen vortheilhaft oder nachtheilig ist, wenn man dieselben vorher in eine wässerige Auflösung von Guano eintaucht. Es scheint, daß die Kohlensäure und Essigsäure (?), die sich, wie man weiß, bei der Keimung der Samen immer entwikeln, durch die Kraft, mit welcher sie das Ammoniak des Guano's an sich reißen, den Keim tödten. Dieser Erfolg zeigt sich besonders dann entschieden, wenn der Boden sehr troken ist; aber es wäre der Mühe werth mit Auflösungen von Guano in verschiedener Stärke zu untersuchen, inwieweit auch Wasser die stikstoffhaltige Materie in einer Form aufnimmt, in der sie den zarten Saaten schädlich wird. Diese Untersuchungen könnten mit Samen von rothem Klee und Turnips angestellt werden. Die Peruaner wässern unmittelbar, nachdem der Guano und das Korn ausgestreut sind; der sandige Charakter ihres Bodens und ihr Mangel an Regen machen dieß nothwendig. Aus demselben Grunde sollen sie den Dünger in getrennten Portionen in verschiedenen Wachsthumsperioden der Gewächse auf das Feld bringen. Erlauben unsere Felder auch keine allgemeine Bewässerung, und gestatten viele unserer Ernten nicht, die Düngung in so reichem Maaße zu wiederholen, so besizen wir dafür in Mischungen einen passenden Ersaz für die Bewässerung.

Wenn die Klumpen des Guano zu fest sind, muß man ihn durch ein feines Sieb treiben, die auf diese Weise abgesonderten Klumpen zerschlagen und abermals durchsieben, was sich am besten während der Operation des Mischens thun läßt. Doch ehe von dieser die Rede seyn kann, muß einer Thatsache Erwähnung geschehen, welche die Landwirthe wohl beachten dürfen. Der Guano saugt äußerst schnell die Feuchtigkeit der Luft auf und diese Aufsaugung vergrößert sich mit der Feuchtigkeit der Luft und mit dem Werthe des Düngers. Von zwei Sorten Guano von verschiedenem Werthe, welche eine Stunde lang bei 150° F. (52° R.) getroknet worden waren, verlor die schlechteste Sorte 15 Proc. Wasser und Ammoniak, die beste aber 22 1/4 Proc.; und als diese Sorten eine Stunde lang der offenen Nachtluft bei 35° F. (1° R.) ausgesezt worden waren, hatte die schlechteste Sorte nahezu 6 Proc. und die beste etwas über 8 1/2 Proc. Feuchtigkeit aufgenommen. Hieraus geht hervor:

1) Da der Guano stets nach dem Gewicht verkauft wird, so könnte jenes Einsaugen der Feuchtigkeit den Profit der Verkäufer allzu sehr vermehren, geschähe es nicht, daß ein Theil dieser Feuchtigkeit (bei mildem Wetter) die Zersezung von organischer Materie und ihre Entweichung im luftförmigen Zustande beförderte.

2) Der Guano verliert deßhalb beständig an Werth und dieser Verlust richtet sich sowohl nach dem Werthe des Artikels zur Zeit seiner Einfuhr, als nach der Wärme und Feuchtigkeit der Luft, in der er aufbewahrt wird.

3) Der Landwirth wird daher seinen Vortheil darin finden, wenn er ganz frisch eingeführten Guano (vorausgesezt, daß dieser gut sey) kauft und diesen so bald als möglich vermischt, denn ist er zu feucht, so läßt er sich nicht sieben und vieles davon geht verloren, und versucht man ihn in der Hize zu troknen, so verliert man noch viel mehr. Hat man bereits zu feuchten Guano für ökonomische Zweke erhalten, so kann man ihn mit wenigstens (dem Maaße nach) eben so viel trokenem, aber kaltem Mühlstaub, Kleie etc. vermischen. Diese Dinge werden viel von seiner Feuchtigkeit aufsaugen, ihn in einen brauchbaren pulverförmigen |475| Zustand zurükführen und seinen Werth als Düngungsmittel erhöhen, ohne sein Ammoniak auszutreiben.

Die Vermischung des Guano hat zum Zwek:

1) theilweise Reinigung desselben durch Einsaugung seiner flüchtigen Producte und durch Verminderung seines Geruchs.

2) Absonderung seiner wirksamen Bestandtheile und dadurch Beschränkung ihres gegenseitigen Aufeinanderwirkens.

3) Herbeiführung eines Zustandes desselben für warme Böden, in welchem seine Wirkung für den Anfang weniger heftig, aber andauernder und stetiger ist, als wenn er unvermischt angewendet wird.

Natürlich je kälter der Boden ist und je früher die Jahreszeit, in der gesäet wird, eine desto geringere Menge von Beimischung ist nothwendig, und so umgekehrt. Doch gilt als allgemeine Regel, daß man ihn so gleichförmig als möglich mit (dem Maaße nach) viermal so viel fein gesiebter, mäßig trokener, schwarz oder braun gefärbter Erde, oder Torfmaterie, Sägmehl, leicht gebranntem Thon, verkohltem Rasen, Kohle oder Torfasche vermische, je nachdem die eine oder die andere der genannten Substanzen am bequemsten zu haben ist. Vielleicht daß frisch gebrannte Holzkohle, wenn sie sogleich nach dem Erkalten angewendet wird, die beste Materie ist, die man zum Vermischen haben kann, aber da sie dem Landwirth selten zu Gebote steht, so kann irgend eine der oben genannten Substanzen ihre Stelle vertreten. Wo eine beträchtliche Menge von unnüzem Holze zu haben ist, könnte man dieses auf einen Haufen legen, mit thonigem Torf (oder Rasen) umgeben und nahezu damit bedeken und unter geringem Luftzutritt brennen. Sobald der Haufen kalt geworden, müßte man ihn mit dem Spaten gut umarbeiten, die Holzkohlen, den Thon und die verkohlte Torf- (oder Rasen-) Materie unter einander mengen und durchsieben. Es wird dieses eine vorzügliche Mischung für Guano geben, besonders für leichte warme Böden. Einige haben den Guano mit Sand gemischt. Eine solche Mischung scheint einem kalten thonigen Boden sehr angemessen zu seyn, nur darf man ihr nicht mehr als das doppelte Maaß von Sand zusezen und muß man das Gemenge sogleich in den Boden bringen, während hingegen eine jede der andern Mischungen mit Vortheil, wenn sie bedekt ist, eine Woche lang und länger stehen bleiben kann, je nach dem Wetter, dem Charakter des Bodens und der Zeit, zu welcher die Mischung unter die Saat zu bringen ist, wie auch nach dem Verhältniß zu der Menge von Guano, die der Morgen Land empfängt. Je kälter und schwerer der Boden ist und je kälter das Wetter, desto leichter muß die Düngung bedekt werden und umgekehrt. Keine Regel kann jedoch hierin die Erfahrung entbehrlich machen.

Wenn entweder Stalldünger oder Knochenmehl als ein Theil der Düngung benüzt werden und wenn der Boden mäßig feucht oder etwas thonig oder torfig ist, so muß der Guano der Saat näher gebracht werden. Wiederum, wo der Boden gehörig gekalkt worden ist, muß man den Guano nicht nur in einer größeren Menge der Mischung anwenden, sondern ihn auch ziemlich tiefer unterbringen, als bei einem seit einem Jahre oder länger nicht mit Kalk gedüngtem Boden. Bei leichten Böden muß der Kalk, wenn es möglich ist, einige Wochen vor Anwendung des Guano untergebracht werden. Da der Kalk das Ammoniak des Guano schnell austreibt, so macht er die Düngung bald träge. Kein mit der Sache vertrauter Landwirth wird Guano oder Stalldünger oder Knochenmehl mit gelöschtem Kalk oder völlig ausgebrannter Holzasche oder gebranntem Boden vermengen, es sey denn, daß dieser mit Erde wohl vermischt worden und einige Zeit im Haufen gestanden habe, bis er kalt geworden. Eine jede von diesen Substanzen treibt, mit Guano in Berührung gebracht, dessen Ammoniak aus. Obgleich man leicht gemischten Guano über Knochenmehl ausstreuen kann, so dürfen dessenungeachtet Guano und Knochenmehl vor dem Ausstreuen nicht mit einander gemischt werden, da sie, wenn sie von guter Beschaffenheit sind, gegenseitig auf einander einwirken und der am frühesten wirkende Theil des Dungmittels auf diese Weise zerstreut wird, ehe er den Boden erreicht. Eine Mischung von Gyps und Guano kann selten irgend einen Schaden bringen, und mag selbst auf leichtem Boden für Rüben oder Klee oft vortheilhaft seyn.

Wenn unsere Turnipsböden zur Saatzeit sehr troken sind, so möchte es sehr vortheilhaft seyn, die Kämme in den Beeten mit einer schwachen Lösung von Guano zu tränken. Dieß ließe sich ohne große Kosten bewerkstelligen, wenn man eine Gießkanne mit sehr kleiner Brause und die bloß drei oder vier kleine Oeffnungen |476| hätte, anwendete, so daß nur ganz wenig Flüssigkeit damit ausgesprizt werden könnte. Mit dieser Gießkanne könnte ein Weib den Furchen entlang gehen, während ihr ein anderes mit weiterer Flüssigkeit folgte und an die oberen Enden der Furchen eine große Tonne oder ein großer Zuber zu stehen käme. Würd dieß vortheilhaft befunden, so könnte man auch eine Maschine machen lassen, um damit eine größere Menge von Flüssigkeit zum Ersaz herbeizuschaffen und zwei Reihen auf einmal besprizen. Es ist wahrscheinlich, daß diese Art des Begießens, neben der kräftigen Einwirkung auf die Pflanzen, zugleich die Erdflöhe vertreiben möchte.

Von gutem Guano sind 60 – 70 Proc. in Wasser entweder löslich, oder leicht darin suspendirbar. Die Lösung wäre von verschiedener Stärke, von 1/2 bis zu 1 Cntr. des Guanopulvers auf den Acre zu versuchen. Dieß würde ungefähr 160 Gallons Wasser erfordern, oder einen Gallons auf die Quadratruthe, d.h. auf eine 40 1/3 Yard lange, 3/4 Yard breite Reihe. Es mag schwierig seyn, eine geringere Menge von Flüssigkeit auf eine solche Länge anzubringen, und eine größere Menge dürfte in der Praxis als unthunlich befunden werden. Die nicht aufgelösten Theile des Guano könnten mit Sand oder Dammerde vermengt und als Düngung für spätere Rüben angewendet, oder zu Compost, zum späteren Gebrauch auf Wiesen, gemacht werden.

Menge des Guano auf den Morgen. Dieß ist nicht so leicht zu bestimmen, als man vielleicht glaubt. Der Charakter und Zustand des Bodens, die Localität, wo er angewendet wird, die Jahreszeit, in der er ausgestreut wird, die Gattung der Ernte, die man beabsichtiget, die vorhergehende Düngung und das System des Felderbetriebes, die Qualität des Guano und die Größe der Anforderung, die man an das Land macht, alles ist dabei in Rechnung zu nehmen. Es mag die Menge, wenn der Guano allein angewendet wird, von 2 Cntr. bis zu 8 oder 9 Cntr. auf den schottischen Acre (= 1 1/3 engl. Acre) variiren, und wenn ein angemessenes Verhältniß von Stalldünger, Knochenmehl oder Repsöhlkuchen zu gleicher Zeit in Anwendung kommt, nur die Hälfte der obigen Mengen betragen.

Flüssiger Guano. Zu einem flüssigen Dünger sind 4 Pfd. peruvianischer oder bolivianischer Guano auf 12 Gallons Wasser hinreichend. Man muß das Wasser 24 Stunden vor dem Gebrauch darauf stehen lassen und wenn es abgezogen ist, kann man denselben Guano mit weiteren 12 Gallons Wasser übergießen.

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