Titel: Dupasquier's Beiträge zur Kenntniß des Phosphors.
Autor: Dupasquier, Alphons
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXVII. (S. 304–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/ar094067

LXVII. Beiträge zur Kenntniß des Phosphors; von Alph. Dupasquier.

Aus den Comptes rendus, Aug. 1844, Nr. 7.

Die in dieser Abhandlung zu besprechenden Beobachtungen betreffen:

1) die Färbung des Phosphors durch Arsenik;

2) die Ausmittelung des im Phosphor enthaltenen Arseniks;

3) die Aufbewahrung des Phosphors unter Wasser;

4) die Posphorescenz des Wassers, in welchem Phosphor aufbewahrt wurde;

5) die Einwirkung des Phosphors auf die Lösungen der arsenigen Säure, der Arseniksäure und Chromsäure;

6) die Fällung mehrerer Metalle mittelst des Phosphors in krystallinischem oder pulverigem Zustand oder auch mit Adhäsion und Metallglanz, so wie die unvollkommene Zersezung einiger Metallsalze durch denselben.

I. Färbung des Phosphors durch Arsenik.

In den Lehrbüchern der Chemie heißt es, daß der Phosphor bald durchsichtig und farblos, bald von hornartigem Ansehen, gelblich, oder etwas bräunlich sey, und dieß wird bloß Modificationen in der Anordnung der Molecüle dieses Körpers zugeschrieben.42)

Diese Verschiedenheit in der Farbe und dem Ansehen können an dem im Handel vorkommenden Phosphor allerdings wahrgenommen werden, allein ich habe mich überzeugt, daß sie von einer ganz andern Ursache herrühren, als man glaubt.

In vollkommen reinem Zustande nämlich, und wenn er dem Sonnenlichte nicht ausgesezt war,43) ist der Phosphor stets |305| farblos und durchsichtig. So oft dieser Körper, ohne daß Lichtstrahlen auf ihn einwirkten, ein hornartiges, gelbliches, grünliches oder bräunliches Ansehen hat, ist es Folge einer Verunreinigung. Ich will nun angeben, wie ich auf diese Thatsache kam und mich von ihrer Richtigkeit überzeugte.

Schon seit langer Zeit bemerkte man in einer Phosphorfabrik, daß das Product bald weiß und durchsichtig, bald mehr oder weniger intensiv grünlich- oder bräunlichgelb gefärbt und außerdem noch etwas undurchsichtig sey. Manchmal war es im Augenblik nach seiner Erzeugung beinahe farblos, nahm aber beim Verweilen unter Wasser, vor dem Lichte vollkommen geschüzt, nach kürzerer oder längerer Zeit ein hornartiges Ansehen und zuweilen eine auffallende bräunlich-rothe Färbung an. Diese verschiedene Färbung des Phosphors war seinem Verkauf sehr hinderlich, so daß man sich eine bedeutende Preisverminderung gefallen lassen mußte. Dieser Umstand veranlaßte den Vorstand der Fabrik, nach der Ursache dieser Färbung zu forschen, allein er konnte sie nicht ausmitteln.

In dieser Sache zu Rath gezogen, ließ ich mir von jeder Sorte Muster geben, analysirte die verschiedenen Phosphorsorten und erhielt folgende Resultate:

1) Phosphor, welcher, selbst nach langer
Aufbewahrung, vollkommen farblos und
durchsichtig war.
war frei von jeder metallischen Substanz,
enthielt folglich auch kein Arsenik.
2) Unmittelbar nach der Bereitung
gelblich oder grünlichgelber Phosphor
enthielt eine bedeutende Menge Arsenik.
3) Anfänglich weißer44) und etwas
undurchsichtiger Phosphor, der später
während seiner Aufbewahrung, vor dem
Lichte geschüzt, hornartig, gelblich oder
bräunlich wurde,



enthielt Arsenik, jedoch weniger als der vorhergehende.

Aus diesen Resultaten schloß ich, daß die Färbung des Phosphors, sowohl bei seiner Darstellung, als während seiner Aufbewahrung (vor dem Lichte geschüzt), von einem Arsenikgehalt desselben herrühre. Ich vermuthete daß das im Phosphor enthaltene Arsenik von der zur Bereitung des sauren phosphorsauren Kalks angewandten Schwefelsäure herrühre, was sich auch bestätigte. Denn der Phosphor wurde weiß und erhielt sich ungefärbt, wenn |306| man zu seiner Bereitung aus italienischem Schwefel dargestellte arsenikfreie Schwefelsäure anwandte; er fiel dagegen gefärbt aus oder wurde es nach kurzer Aufbewahrung, wenn durch Verbrennen von Schwefelkiesen erzeugte Schwefelsäure benuzt wurde, welche in der Regel mehr oder weniger Arsenik enthält. Ich gab damals ein Verfahren an, die Schwefelsäure von ihrem Arsenikgehalt zu befreien; nach dieser Reinigung derselben erhielt man einen völlig durchsichtigen, farblosen Phosphor, welcher auch beim Aufbewahren sein Aussehen nicht veränderte.

Die Färbung des Phosphors während seiner Darstellung rührt unstreitig von der Bildung einer Phosphor-Arsenik-Verbindung her, welche bekanntlich im isolirten Zustand schwarz ist. Eine kleine Menge dieser Verbindung ist also hinreichend, um die Färbung des Phosphors, dem sie beigemengt ist, zu bewirken. Außerdem kann das Arsenik durch seine Verbindung mit dem Phosphor denselben spröde machen; doch muß es dann in solcher Menge vorhanden seyn, daß es ihm auch eine dunkle grünlichgelbe Farbe ertheilt.

Die Färbung des unter Wasser (vor dem Licht geschüzt) aufbewahrten Phosphors rührt von einer anderen Ursache her; sie scheint Folge der Bildung einer kleinen Quantität arseniger Säure zu seyn, welche durch Einwirkung des Sauerstoffs der im Wasser aufgelösten Luft auf den Phosphor-Arsenik, so wie ohne Zweifel auch von der Zersezung einer kleinen Menge Wassers durch eben diese Phosphorverbindung herrührt. Ist die arsenige Säure gebildet, so fällt der Phosphor das Metall aus derselben, welches sich auf seine Oberfläche absezt und sie um so stärker färbt, in je größerer Menge es vorhanden ist. Ist das Arsenik nur in sehr kleiner Menge vorhanden, so ist die Färbung bloß hornartig, oder etwas röthlich; ist die Menge desselben aber etwas bedeutender, so ist die Färbung braun, grünlichbraun oder dunkelbraun. Oft, und namentlich in diesem leztern Fall, sezt sich die Färbung von der Oberfläche des Phosphors gegen die Mitte hin fort, wo dann die ganze Phosphormasse gefärbt wird.

Um mich von der Richtigkeit dieser Erklärung zu überzeugen, schabte ich die röthliche Kruste eines Phosphors, welcher sich ohne Berührung mit dem Licht gefärbt hatte, ab und digerirte sie dann mit Aether. Der Phosphor, welcher sich im Aether nicht auflöste, wurde beim Schmelzen schwarz. Weitere Versuche zeigten, daß er nun eine Arsenikverbindung war.

Uebrigens stellte ich noch einen zweiten Versuch an, welcher dieß außer allen Zweifel sezt. Ich tauchte nämlich mehrere Stangen |307| arsenikfreien gänzlich farblosen Phosphors in eine wässerige Lösung von arseniger Säure, die vor dem Zutritt der Luft geschüzt war. Nach wenigen Tagen war der Phosphor ziemlich gefärbt; seine Farbe wurde immer dunkler. Nach einmonatlicher Aufbewahrung war der Phosphor dunkelbraun und man konnte, wenn man ihn quer durchschnitt, sehen, daß die braune Farbe sich der ganzen Masse mitgetheilt hatte. Auf nachfolgende Weise behandelt, lieferte dieser Phosphor viel Arsenik.

II. Verfahren, das Vorkommen von Arsenik im Phosphor zu entdeken.

Man kann den im Phosphor enthaltenen Arsenik durch Auflösen desselben in Salpetersäure erkennen und abscheiden; es bildet sich dabei Phosphorsäure und Arseniksäure, und man fällt dann das Arsenik mittelst Schwefelwasserstoff als Schwefelarsenik. Besser aber verfährt man folgendermaßen:

Man verbrennt auf vier bis fünfmal 25–30 Gramme Phosphors in einer kleinen Porzellanschale, welche man auf eine große Platte stellt, die Wasser enthält, und mit einer sehr großen Glasgloke in der Art bedekt, daß nach und nach etwas atmosphärische Luft hinzutreten kann. Die Verbrennung des Phosphors geht auf diese Weise vollkommen vor sich, so wie auch die des darin enthaltenen Arseniks und die den Phosphorsäure-Dämpfen beigemengten Arsenikdämpfe lösen sich im Wasser sogleich nach ihrer Bildung auf. Ist die Verbrennung beendigt, so läßt man den Apparat erkalten, nimmt dann die Flüssigkeit heraus und filtrirt sie, um das darin suspendirte Phosphoroxyd abzusondern. Die Theile des Apparats, welche noch Säure enthalten können, werden nun sorgfältig ausgewaschen und alle Flüssigkeiten vereinigt, durch welche man dann einen Strom Schwefelwasserstoff leitet, welcher das Arsenik sogleich und vollständig als Schwefelarsenik niederschlägt.

In welchem Zustand befindet sich das Arsenik in der Phosphorsäure-Lösung? Gewiß als arsenige Säure, weil das Metall bloß durch Verbrennung an der Luft löslich gemacht wird.

III. Folgen der Aufbewahrung des Phosphors unter Wasser.

1) Wenn der Phosphor vollkommen rein ist, kann er nur unter dem Einfluß des Lichts gefärbt werden; allein diese Reinheit ist kein Hinderniß, daß er auf der Oberfläche mehr oder weniger undurchsichtig wird, indem er sich allmählich mit einer Kruste überzieht, welche in diesem Fall weiß ist, ohne einen Stich ins Gelbe |308| oder Braune und ohne hornartiges Ansehen. Diese Kruste, welche nach Pelouze aus Phosphorhydrat besteht, bildet sich nach der Beobachtung der Phosphorfabrikanten HHrn. Coignet jederzeit in den Quellbrunnen- oder Flußwassern, welche Kalksalze enthalten. In destillirtem Wasser hingegen scheint der reine Phosphor, vor Lichtstrahlen und der atmosphärischen Luft vollkommen geschüzt, mit seiner Weiße auch seine Durchsichtigkeit unbegränzte Zeit zu behalten. Anders aber ist es, wenn die mit dem Wasser in Berührung stehende Luft sich erneuern kann, namentlich wenn das Wasser, statt destillirt zu seyn, Kalisalze enthält. Wenigstens sind dieß die Resultate der von den genannten Fabrikanten angestellten Versuche und Beobachtungen, die sie mir mittheilten.

Leztere Bemerkung brachte mich auf die Vermuthung, daß das Phosphorhydrat in der weißlichen Kruste mit einem Kalksalze verbunden seyn könnte; allein bei Versuchen, welche ich deßhalb anstellte und die darin bestunden, daß ich das Schabsel des undurchsichtigen Theils eines vollkommen weißen Phosphors in Salpetersäure auflöste und dann durch Reagentien den Kalk in der Lösung zu entdeken suchte, konnte ich nur einige Spuren dieser Basis auffinden. Ich kann folglich zur Zeit den großen Unterschied noch nicht erklären, welcher zwischen dem gewöhnlichen Wasser und dem destillirten hinsichtlich der Bildung der undurchsichtigen Kruste des darin aufbewahrten Phosphors obwaltet; vielleicht besteht er nur darin, daß das erstere mehr Luft enthält.

Gleichwohl werden vorstehende Bemerkungen nicht ohne Nuzen seyn, indem sie beweisen, daß zum Aufbewahren des Phosphors nicht nur die Beschüzung vor der Einwirkung des Sonnenlichts erforderlich sey, sondern daß derselbe auch unter möglichst vor dem Zutritt der atmosphärischen Luft geschüztes destillirtes Wasser gebracht werden muß.

2) Der bei gewöhnlicher Temperatur unter Wasser gebrachte Phosphor zersezt mit der Zeit das Wasser, veranlaßt die Säuerung desselben und zu gleicher Zeit eine langsame und unmerkliche Entwiklung von Phosphorwasserstoff. Diese zersezende Einwirkung scheint unter dem Einfluß des directen Sonnenlichts lebhaft vor sich zu gehen; bei dem zerstreuten Licht dauert sie zwar fort, aber weniger rasch; folgende Thatsache aber beweist sogar, daß sie im vollkommensten Dunkel noch fortdauert. Wenn man Phosphor lange Zeit unter Wasser in Büchsen von Weißblech läßt, wie man sich ihrer zu dessen Versendung bedient, so wird die in diesen Büchsen in mehr oder weniger großer Menge eingeschlossene Luft, welche sich, da die Büchse mit einem durchaus angelötheten Dekel verschlossen ist, nicht erneuern |309| kann, explodirbar. Versucht man nun die Büchse durch Abschmelzen der Löthung des Dekels mittelst eines nur ein wenig unter die Rothgluth erhizten Eisens zu öffnen, so entzündet sich das eingesperrte Gas sogleich, und veranlaßt eine Verpuffung, welche das Brechen des Gefäßes, manchmal sogar das Hinausschleudern des Phosphors bis auf eine gewisse Entfernung zur Folge hat. Diese Erscheinung rührt offenbar von der Vermischung eines entzündlichen Gases mit der Luft her; dieses Gas kann aber nicht reines Wasserstoffgas seyn, welches sich nur in der Rothglühhize entzündet; es muß daher nothwendig ein Phosphorwasserstoff seyn, der eines viel geringern Wärmegrades zu seiner Entzündung bedarf.45)

IV. Ursache der Phosphorescenz des Wassers, in welchem Phosphor aufbewahrt wird.

Die Eigenschaft des Wassers, unter welchem Phosphor (in einem wohl verschlossenen Gefäße) aufbewahrt wurde, leuchtend oder phosphorescirend zu werden, wenn man es im Dunkeln, bei Zutritt der Luft schüttelt, und diese Erscheinung nicht mehr zu zeigen, wenn man es einige Zeit lang mit dem Sauerstoff der Atmosphäre communiciren ließ, dann wiederum leuchtend zu werden, wenn die Flaschen einige Tage vollkommen verschlossen bleiben, läßt sich dadurch erklären, daß sich ein Theil des Phosphorwasserstoff-Gases auflöste.

Bisher hatte man noch keine Erklärung dieses Verhaltens, das demnach von der langsamen Verbrennung einer kleinen Menge in Wasser aufgelösten Phosphorwasserstoffs abhinge, welche Verbrennung mit der vollkommenen Zersezung dieser Phosphorverbindung aufhören und wieder eintreten würde in Folge der Bildung und Auflösung einer neuen Quantität dieser gasförmigen Verbindung nach mehrtägigem Verschlossenbleiben der Flasche.

V. Desoxydirende Einwirkung des Phosphors bei gewöhnlicher Temperatur auf die Lösungen der arsenigen Säure, Arseniksäure und Chromsäure.

Der Phosphor zersezt die in Wasser löslichen Sauerstoffsäuren der Metalle, indem er allmählich und sehr langsam ihre Desoxydation bewirkt. Auf diese Weise reagirt er z.B. auf die Lösungen der arsenigen Säure, der Arseniksäure und Chromsäure.

1) Arsenige Säure. – In eine wässerige Lösung dieser Säure |310| getaucht, färbt sich der Phosphor, wie schon gesagt, nach und nach und wird endlich braun. In diesem Falle wird sie sicher metallisch gefällt; da aber die Reaction sehr langsam ist, scheint das Metall, so wie es reducirt wird, sogleich in den Zustand einer Phosphorverbindung überzugehen. Dadurch erklärt es sich, warum die in diesem Fall entstehende braune Farbe keinen merklichen Metallglanz hat. Nach einmonatlicher Reaction enthielt die concentrirte Lösung, obwohl der hineingetauchte Phosphor sehr stark gefärbt war, doch noch eine gewisse Portion arseniger Säure.

Bei einem andern Versuche brachte ich den Phosphor in Berührung mit arseniger Säure in Pulverform und Wasser. Er überzog sich allmählich mit einer dünnen grauen Metallschicht mit etwas rosenrothem Reflex.

2) Arseniksäure. – Einige Zeit in einer Lösung dieser Säure gelassen, überzog sich der Phosphor mit einer starken, glänzenden Metallschicht, welche alle Eigenschaften des frisch reducirten Arseniks besaß. Am Boden des Gefäßes befand sich kein Niederschlag.

Bei einem andern Versuche ließ ich den Phosphor mehrere Monate lang in Berührung mit Arseniksäure. Nach Verlauf dieser Zeit zeigten die Phosphorstangen, welche jezt ein metallisches Ansehen hatten, an mehreren Punkten eine in Gestalt von Büscheln oder Blumenkohl krystallisirte, weiße Substanz. Diese Krystalle waren, mit destillirtem Wasser ausgewaschen, nachher nur in einer großen Menge desselben auflöslich. Ihre Lösung, mit Ammoniak und salpetersaurem Silber versezt, gab einen gelben Niederschlag; es war arsenige Säure.

Der Phosphor fällt sonach zuerst einen Theil des Arseniks aus der Arseniksäure in metallischem Zustande, und verwandelt dann einen andern Theil Arseniksäure langsam in arsenige Säure.

Bei einem Versuche, zu welchem ich Arseniksäure anwandte, die noch etwas Salpetersäure enthielt, bildete sich keine Metallschicht auf der Oberfläche des Phosphors, welcher nur an einigen Punkten gebräunt wurde. Hier wurde das Arsenik ohne Zweifel, so wie es reducirt war, von der Salpetersäure sogleich wieder aufgelöst.

Der Phosphor hat auch eine zersezende Einwirkung auf das zweifach-arseniksaure Kali, die aber langsamer ist, als auf freie Arseniksäure.

3) Chromsäure und zweifach-chromsaures Kali. – Bei gewöhnlicher Temperatur in Chromsäure getaucht, zersezt der Phosphor dieselbe allmählich und verwandelt sie in Chromoxyd, welches einen grünlichen Niederschlag bildet, der alle Tage zunimmt. Der Phosphor verändert dabei sein Aussehen nicht.

|311|

In einer Lösung von zweifach-chromsaurem Kali war die Reaction eine ähnliche; dieses Salz geht allmählich in neutrales chromsaures Kali über, während die überschüssige Säure in Chromoxyd verwandelt wird, das niederfällt.

Bei einem Versuche bediente ich mich mit Schwefelsäure vermischter Chromsäure, wodurch das Resultat etwas verschieden ausfiel; die rothe Flüssigkeit nämlich ging allmählich in eine dunkelgrüne über, blieb aber dabei klar und es entstand kein Niederschlag von Chromoxyd. Die Chromsäure hatte sich nämlich in schwefelsaures Chromoxyd verwandelt.

VI. Fällung mehrerer Metalle durch den Phosphor in krystallinischem oder pulverigem Zustande, oder adhärirend mit Metallglanz; unvollkommene Zersezung einiger Metallsalze durch denselben.

Es ist längst bekannt, daß der Phosphor in einer Kupfersalzlösung bald schwarz wird, indem sich eine dünne Kupferschicht darauf niederschlägt. Man kennt noch einige andere einzelne Fälle der Zersezung von Metallsalzen durch den Phosphor, welcher in der Kälte auf ihre wässerige Auflösung einwirkt; allein es sind dieß nur isolirte, noch in keinem Zusammenhang stehende Thatsachen, welche über das allgemeine Verhalten dieses Körpers zu den Metallsalzen noch nichts Positives ergeben. Aus diesem Grunde untersuchte ich das Verhalten des Phosphors zu den Lösungen der Salze, Säuren und selbst der Metalloxyde.

Folgende Resultate erhielt ich, als ich weiße Phosphorstangen, welche erst frisch gegossen und daher frei waren von dem Phosphorhydrat, das sich bei ihrer Aufbewahrung unter Wasser bildet und die Reaction auf die Metallsalze erschwert, in der Kälte einwirken ließ:

1) Der Phosphor wirkt (wie übrigens leicht vorauszusehen war) nicht zersezend auf die Lösungen der alkalischen und erdigen Salze, so wie auch auf die des Mangan-, Zink-, Eisen-, Zinn-, Cadmium-, Kobalt- und Nikeloxyds und selbst der neutralen Bleisalze. Es gibt in dieser Hinsicht keine Ausnahmen als die sauren arseniksauren und chromsauren Salze. Bei diesen wird die Hälfte der Säure des zweifachsauren Salzes zersezt und das Salz geht langsam in den neutralen Zustand über.

2) Das rothe schwefelsaure Mangan wird durch Berührung mit Phosphor schnell entfärbt, wobei es sich in schwefelsaures Manganoxydul verwandelt.

3) Der Phosphor fällt nicht nur das Kupfer, Silber und Gold, sondern auch das Queksilber etc. etc. vollständig aus ihren Auflösungen. |312| Auch zersezt er das Chlorplatin; leztere Reaction ist aber von den vorhergehenden verschieden.

4) Wenn der Phosphor ein Metall aus einer Salzauflösung niederschlägt, so hat er dieselbe Wirkung auf alle von demselben Körper gebildeten löslichen Salze; er zersezt in der Regel auch die unlöslichen Salze, wenn man sie durch irgend ein Agens auflöslich gemacht hat. So werden das Chlorsilber und alle andern unauflöslichen Silbersalze sogleich zersezt, wenn man ein Stük Phosphor in ihre ammoniakalische Lösung bringt. Das Silber wird dabei eben so schnell niedergeschlagen, wie aus seinen auflöslichen Salzen; der Phosphor kann sogar die unlöslichen Silbersalze im teigigen Hydratzustand zersezen, jedoch nur an den Stellen, wo er das unlösliche Salz berührt. Selbst die Oxyde, welche in Ammoniak auflöslich sind, werden vom Phosphor zersezt, falls ihre Salze von ihm zersezt werden. Er fällt z.B. das Kupfer aus dem Kupferammoniak eben so schnell und vollständig, wie aus dem Kupfervitriol und Chlorkupfer; er zersezt das Kupferchlorür wie das Chlorid.

5) Wenn ein lösliches Salz durch eine Veränderung in dem Grade seiner Sättigung in ein unlösliches Salz übergehen kann und der Phosphor eine zersezende Einwirkung auf dasselbe hat, so hält die Zersezung in der Regel bei dem Punkt inne, wo das Salz unlöslich wird. Auf solche Weise wirkt der Phosphor in einer concentrirten Queksilberchlorid- (Sublimat-) Lösung. Im ersten Augenblik überzieht er sich allerdings mit einem graulichen, metallischen Pulver, aber später bildet sich nach und nach ein weißer Niederschlag von Queksilberchlorür (Calomel). Ich erhielt auf diese Weise eine reichliche Ablagerung von krystallisirtem Queksilberchlorür; nachdem die Reaction aufgehört hatte, enthielt die Flüssigkeit keine Spur von Queksilber mehr.

6) Das Queksilber wird gewöhnlich in Gestalt eines graulichen, aus kleinen Kügelchen bestehenden Pulvers niedergeschlagen. Das Silber geht meistens in krystallinischen Zustand über und wird mit Metallglanz gefällt.

7) Mehrere Metalle, z.B. Kupfer und Gold, werden, wenn ihre Auflösungen nur etwas concentrirt sind, in der Art niedergeschlagen, daß sie auf der ganzen Oberfläche des Phosphors eine glänzende Schicht bilden, welche vollkommen adhärirt und die man durch öfteres Erneuern der Salzlösung diker machen kann. Ich erhielt auf diese Weise vollkommen verkupferte oder vergoldete, schön glänzende Phosphor-Cylinder.

8) Bei allen diesen Reactionen auf die Salze scheint sich der Phosphor in eine Säure zu verwandeln, welche weniger Sauerstoff |313| enthält, als die phosphorige Säure; denn ich fand in der Regel, daß die Flüssigkeit, aus welcher das Metall durch einen großen Ueberschuß von Phosphor gefällt wurde, mit salpetersaurem Silber einen schwarzen Niederschlag gab.

Dieß sind die vorzüglichsten Resultate, zu welchen ich gelangte; sie gestatten einige Anwendungen bei chemischen Analysen und in der Technik. Ich beschränke mich hier darauf, nur eine einzige anzugeben, nämlich die schnelle und leichte Reduction aller unlöslichen Silbersalze, selbst des Chorsilbers, nach ihrer Auflösung in Ammoniak.

|304|

Es ist hier nicht die Rede von der von Thenard angegebenen schwarzen Färbung, welche bisweilen wahrzunehmen ist, wenn man den Phosphor, nachdem man ihn mehreren Destillationen unterworfen, plözlich erkalten läßt. Ich habe über die Ursache dieser Färbung wichtige Beobachtungen gemacht, die ich aber einer spätern Abhandlung vorbehalte.

|304|

Bekanntlich ertheilt das Licht dem Phosphor sehr schnell eine röthliche |305| Färbung; wir sprechen hier aber lediglich von dem unabhängig von der Berührung der Lichtstrahlen gefärbten Phosphor.

|305|

Das Weiß ist in diesen Fällen nie ein so vollkommenes, als wenn der Phosphor ganz arsenikfrei ist; es zeigt immer eine schwache Färbung, welche in Verbindung mit seiner unvollkommenen Durchsichtigkeit hinreicht, um die Gegenwart des Arseniks anzuzeigen.

|309|

Um oben erwähnten Unfall zu verhüten, müssen die Phosphorbüchsen ohne erhiztes Eisen, bloß mittelst des Meißels geöffnet werden.

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