Titel: Ueber die Adhäsion zwischen Leim und Holz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XV./Miszelle 3 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094015_3

Ueber die Adhäsion zwischen Leim und Holz.

Es wird bekanntlich behauptet, daß der sogenannte Jeffery'sche Marinekitt, dessen Basis eine Verbindung von Gummilak mit Kautschuk bildet, eine solche Bindungsfähigkeit besizt, daß damit gekittete Holz- oder Metallkugeln, welche aus einem groben Geschüze gegen einen harten Gegenstand geworfen wurden, in den Kittfugen wenigstens unbeschädigt blieben. Hr. Prof. Reichard hatte dazu (in einer Versammlung des Gewerbevereins zu Dresden) bemerkt, daß die Prüfung der Festigkeit dieses Kittes auf die angestellte Weise eine unvollkommene sey, indem sicher auch zwei mit Tischlerleim zusammengefügte Holzkugeln diese Probe aushalten würden. Zur Widerlegung dieser, später durch Hrn. Prof. Reichard vollkommen nachgewiesenen Ansicht, hatte Hr. Dr. A. Petzoldt in dem Gewerbeverein eine Anzahl mit den glatten Flächen sowohl im Längen- als Querschnitte zusammengeleimter Holzstüke zur Stelle bringen lassen, welche er unterhalb der Leimfuge in einem Schraubstoke einspannte und durch einen gegen das obere Stük des Holzes horizontal geführten Schlag mit einem Hammer allerdings so zerschlug, daß sich die Stüke in der Leimfuge trennten. Der Grund hievon ward aber von Sachkundigen darin gefunden, daß durch ein vorheriges scharfes Troknen auf dem Ofen der in der Fuge befindliche Leim zu spröde geworden war und daß auch bei dem Leimen die beiden Holzstüke nicht scharf genug an einander gepreßt worden seyen. Hr. Prof. Reichard führte darauf seine in Bezug auf diesen Gegenstand angestellten Versuche an, wodurch er evident nachwies, daß die Adhäsion zwischen Leim und Holz, vorausgesezt bei gut geleimtem Holze, größer sey als die Cohäsion des Holzes. |77| Er hatte nämlich aus zwei zusammengeleimten Leisten aus Lindenholz Cylinder nach dem Kaliber einer starken Jagdflinte und der Länge von 2 1/2 Zoll geschnitten, welche mit 10 Gran Pürschpulver in der Entfernung von 8 Schritten gegen Kiesboden geschossen worden waren, wobei sich das Holz gesplittert und bis zur Länge von 1'' pinselartig aufgestaucht hatte. Einen anderen von 2 1/2'' Länge hatte er in der Entfernung von 12 Schritten auf einen Stein geschossen, wobei derselbe unter Abspringen eines Holzspans ricochettirt hatte. Ein dritter ähnlicher Cylinder von 1 1/4'' Länge war mitten in der Leimfuge durchbohrt, mit Blei ausgefüllt und dann mit 10 Gran Pulver aus 1 1/2 Ellen Entfernung auf die Erde geschossen worden, wobei der Cylinder in der Richtung der Längefasern, nicht aber in der Leimfuge zersplittert worden war. Ein vierter Cylinder von 2 1/2'' Länge wurde bei der Entfernung von 1 1/2'' Elle vom Flintenlaufe ab durch ein Brett in die Erde geschossen, wobei das Brett spaltete. Kugeln aus zusammengeleimten Stüken Holz wurden in 3 Ellen Entfernung des Mörsers gegen eine feste Mauer geschleudert, andere durch sehr starke Hammerschläge zerschlagen und bei allen Versuchen hatte sich herausgestellt, daß sogar auch bei aus Flinten geschossenen Holzcylindern, deren Längefasern senkrecht gegen die Leimfuge standen, wohl das Holz zersplittert oder zerquetscht, nie aber in der Fuge vom Leim getrennt worden war.

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