Titel: Neues Verfahren die Glasflaschen mit Reibstöpseln zu öffnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XV./Miszelle 4 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094015_4

Neues Verfahren die Glasflaschen mit Reibstöpseln zu öffnen.

Man hat verschiedene Mittel in Vorschlag gebracht, um die Glasflaschen mit sogenannten Reibstöpseln zu öffnen, wenn der Stöpsel dem Hals der Flasche so stark anhaftet, daß zum Herausziehen desselben eine den Widerstand des Glases übersteigende Kraft nöthig wäre; solche sind: Eintauchen in heißes Wasser, Erwärmen mittelst einer Weingeistlampe, Reiben mit dem Drehbogen etc. Es dürfte aber kein Mittel für alle Fälle ausreichend seyn, weil der Reibstöpsel sich aus sehr verschiedenen Ursachen an dem Hals der Flasche fixirt haben kann. Ist dieß bloß in Folge einer Temperatur-Erniedrigung der Fall, so braucht man natürlich nur den Hals der Flasche gelinde zu erwärmen, um die Schwierigkeit sogleich zu heben; das Eintauchen in warmes Wasser, Erwärmen mittelst der Weingeistlampe oder bloß mittelst der Hand, der Drehbogen werden dann ausreichen. Haben sich aber die Glasmolecule nicht bloß in Folge der Temperatur-Erniedrigung einander genähert, sondern kommt dazu auch noch gleichsam ein Zusammenkitten des Stöpsels mit dem Flaschenhals in Folge krystallisirter Salztheilchen oder des Eintroknens fetter, harziger und gummiartiger Substanzen, womit der Stöpsel verkittet oder eingerieben wurde, dann müssen mehrere Mittel zusammen angewandt werden, um den Stöpsel frei zu machen; man pflegt dann an der Berührungsstelle des Halses mit dem Stöpsel eine Schicht Alkohol oder Wasser oder Terpenthinöhl oder starker Lauge längere Zeit zu unterhalten und nachdem diese Lösungsmittel lange genug eingewirkt haben, den Hals nach und nach, aber ziemlich stark zu erwärmen, worauf oft die geringste Anstrengung der Hand hinreicht, um den Stöpsel zu beseitigen.

Nachdem es mir wegen der großen Adhärenz zwischen dem Halse und Stöpsel häufig mißlungen war, Glasflaschen mittelst der angegebenen Verfahrungsarten zu öffnen, wandte ich folgende Methode an, welche mir immer gelang: wenn die große Adhärenz dadurch herbeigeführt worden ist, daß man den Stöpsel mit Fetten eingerieben hat, wende ich zuerst ein Lösungsmittel an, welches das eingetroknete Fett aufzulösen vermag und dann auch noch das Erwärmen, falls ich es für nöthig halte, um den Hals auszudehnen; ich umwikle dann den Kopf des Stöpsels ganz nahe am Halse mit etwas Leinwand, ergreife ihn daselbst mittelst einer Drahtzange (eines sogenannten Nabenschnabels), und indem ich die runden Haltschenkel desselben mäßig zusammendrüke, suche ich ihn vorsichtig umzudrehen. Wenn ein Stöpsel auch allen bisher angewandten Mitteln widerstand, gab er jedesmal dieser Hebelwirkung nach. Auch ohne die angegebenen Vorsichtsmaaßregeln ist es mir nur selten begegnet, daß ein Stöpsel zerbrach. Natürlich muß man hiebei auch den Widerstand des Glases berüksichtigen; man darf z.B. für kleine Stöpsel nur Drahtzangen von 4 bis 6 Zoll anwenden; solche von 6 bis 9 Zoll darf man nur für große Stöpsel, z.B. von 8 bis 15 Linien Durchmesser, benuzen; auch sollte man immer Leinwand zwischen das Eisen und das Glas |78| bringen. Victor Legrip. (Journal de Chimie médicale, September 1844, S. 522.)

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