Titel: Ueber das Erkennen der baumwollenen Fäden bei leinenen Geweben; von C. H. Binder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XV./Miszelle 5 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094015_5

Ueber das Erkennen der baumwollenen Fäden bei leinenen Geweben; von C. H. Binder.

Die Bekanntmachung des Dr. Böttger (im polytechn. Journal Bd. XC S. 362) bestimmte mich, diese Versuche zu wiederholen, und mich von der Zuverlässigkeit der gemachten Erfahrungen zu überzeugen, indem das Bedürfniß mehr und mehr gefühlt wird, ein zuverlässiges Erkennungszeichen zu besizen, vermittelst welchem man im Stande ist, eine Vermengung der Leinenfaser mit der ungleich billigern Baumwolle zu erkennen. Die gewonnenen Resultate bestätigen vollkommen Dr. Böttgers Untersuchung: ich habe verschiedene Gewebe geprüft, Gewebe von reinen Linnen und Baumwolle, ebenso gemischte, wo die Kette Linnen und der Schuß Baumwolle war, und ich war im Stande an der angegebenen Farbe die verschiedenen Fasern zu erkennen. Gefärbte Stoffe welche ich durch Chlor bleichte und dann untersuchte, gaben ebenfalls gleiches Resultat, und ist man im Stande, bei grober Vermengung beider Stoffe dieselben nach der angegebenen Methode mit ziemlicher Sicherheit zu bestimmen, gleichviel ob es weiße oder gefärbte Stoffe sind.

Ungleich schwerer, ja beinahe unmöglich ist es aber, diejenigen Stoffe zu unterscheiden, wo der Faden der Kette sowohl, als der des Schusses mit Baumwolle vermengt ist. Derartige Stoffe, welche im Handel nicht selten jezt vorkommen, lassen sich auf die angegebene Art nicht untersuchen, indem der ganze Stoff bei der Behandlung mit Aezkali eine ganz gleichförmige Farbe annimmt. Die mikroskopische Untersuchung scheint mir hier der einzige Weg zu seyn, um ein allenfallsiges Resultat zu erlangen, und zwar, indem man nach der Angabe des Karlsruher Gewerbvereins verfährt, welche darin besteht, daß man den Stoff, nachdem er von seiner Appretur befreit, in einer Glasröhre über der Weingeistlampe so lange erhizt, bis derselbe strohfarben erscheint.

An der Länge der Fasern, welche bei dem Flachse gestrekt, bei der Baumwolle verwirrt und kraus erscheinen, soll man nun beide Stoffe unterscheiden – eine Aufgabe, welche nach meinen gemachten Untersuchungen und gewonnenen Resultaten zu lösen möglich ist, indem man bei einer mikroskopischen Untersuchung die gestrekten glänzenden Fasern des Flachses leicht von den gekräuselten der Baumwolle unterscheiden kann.

Immer wird dieses Verfahren jedoch schwierig bleiben, indem eine geübte Manipulation dazu nöthig ist; es entspricht daher den Anforderungen, welche das Publicum macht nicht, indem z.B. auf Messen und Märkten der Stoff zu prüfen seyn muß, und das Verfahren sowohl des Hrn. Böttger als auch das des Karlsruher Gewerbvereins zu viel Zeit erfordert, bis ein Resultat erlangt wird. – Ich habe vielfache Versuche angestellt, um ein sicheres und schnelles Prüfungsmittel zu entdeken, konnte aber leider noch nicht zu dem gewünschten Resultate gelangen; es dürfte daher wohl dieser Gegenstand ferneren Untersuchungen empfohlen seyn. (Allgem. Ztg. f. Nation.-Indust. 1844, Nr. 67.)

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