Titel: Erprobte Wollwäsche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XV./Miszelle 6 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094015_6

Erprobte Wollwäsche.

Wenn schon es von Unkunde zeugt, allgemein bekannte Sachen als etwas Neues herauszustreichen, wo dieß überflüssig ist, so dürfte doch durch die Mitheilung des Nachstehenden den Berichterstatter obiger Vorwurf nicht unbedingt treffen, wenn gleich er es den Betheiligten gern anheimstellt, sie sogar hiemit auffordert, nicht allein seine etwaigen Irrthümer zu verbessern, sondern auch ihre eigenen Erfahrungen kund zu geben.

Es handelt sich hier um ein Verfahren, die Wolle auf dem Schafe sowohl von ihren Unreinigkeiten auf eine wenig kostspielige und zeitraubende Art zu säubern, als auch derselben eine unter solchen Begünstigungen bisher noch nicht erreichte Weiße und Weiche zu verleihen, und gleichzeitig zur Kräftigung der |79| Schafe selbst für die künftigen Schuren und für ihre Gesundheit im Allgemeinen beizutragen.

Was auch bisher an künstlichen Wollwaschmitteln zur Kenntniß der Wollproducenten gelangt ist, und mehr oder weniger Anwendung gefunden und sich bewährt hat, so scheint mir doch kein Verfahren praktischer und dem beabsichtigten Zwek entsprechender, als dasjenige welches der Hr. v. Wüllknitz auf Hoppenrade (bei Löwenberg in der Mittelmark) in seinen Schäfereien anwenden läßt, die Schafe zu waschen. Dieß geschieht durch eine eigens dazu construirte Feuersprize, deren Erfinder und Erbauer Hr. Dr. Alban in Plauen in Mecklenburg-Schwerin ist.

Diese Sprize arbeitet auf das kraftvollste, und schleudert aus vier neben einander angebrachten Schläuchen ihre Wasserstrahlen gleichzeitig auf vier Vließe, deren vierbeinige Inhaber, in nicht fern von einander stehenden Kasten eingepfercht, sich bei dieser Procedur äußerst wohl befinden und gedeihen, und wobei die Wolle so sehr gereinigt aus diesem Sprizbade hervorgeht, daß ihre nunmehrigen Eigenschaften, bestehend in reinster Weiße, Weiche und Feinheit, den glänzendsten Beweis liefern, wie diese rein hydropathische Behandlung allen übrigen Methoden (mit Anwendung künstlicher und natürlicher Seifsurrogate) bei weitem vorzuziehen ist, wobei der Wollproducent jedenfalls nur gut fährt. Den Beweis dafür geben die Preise, welche Hr. v. Wüllknitz für seine Wolle seit Einführung dieser Methode erhält. Im Frühjahr d. J. verkaufte derselbe nach Köln die Schur von seinen aus Braunschweig bezogenen Merino-Zuchtschafen den Cntr. mit 90 Rthlr., und gegenwärtig die Schur von den durch obige Fremdlinge veredelten Thieren nach Schneidemühl den Cntr. à 75 Rthlr. für mittelfeine Wolle! Sämmtliche Vorräthe fanden ihren Mann, und lediglich hat dieß die schöne Wäsche bewirkt, welche ganz besonders die Güte der Wolle steigerte.

Hr. Dr. Alban hat neuerdings durch die Herstellung eines Roßwerkes und sinnreiche Verbindung desselben mit besagter Feuersprize den Beleg geliefert, wie er sich's angelegen seyn läßt, seine praktischen Ideen zum Gemeingut zu machen, wofür ihm hiemit, so wie dem Hrn. v. Wüllknitz, welcher die Vortheile gleich einsehend, nicht säumte mit gutem Beispiele voranzugehen, und die sofortige Einführung zu bewerkstelligen, gebührende Anerkennung gezollt werden soll.

Berlin im August 1844.

Alexander Krakau.

(Berliner Gewerbe-, Industrie- u. Hdlsbl. 1844, Bd. XII, Nr. 13.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: