Titel: Ueber Benüzung der Tannensamenflügel zur Füllung von Bettschläuchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XV./Miszelle 7 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094015_7

Ueber Benüzung der Tannensamenflügel zur Füllung von Bettschläuchen.

Federn- und Roßhaarbetten gehören zu den kostspieligsten Geräthen der Hauswirthschaft. Die Kenntniß eines wohlfeilen und leicht zu bekommenden Materials, das in die Schläuche von Matrazen, Häupfeln und Kissen gefüllt, sich zu einem gesunden und nicht eben unbequemen Lager eignet, dürfte einem großen Theil des Publicums erwünscht seyn, und in seinem Interesse erlaube ich mir dieses Material (durch das Hohenheimer Wochenblatt) zu veröffentlichen. Es sind die Tannensamenflügel, die in Folge des Processes, den die zur Samengewinnung bestimmten Tannenzapfen in der Dörre durchgemacht haben, vollständig entharzt sich von dem Samen lösen und nach gehöriger, vermittelst Schwingung in der Scheunentenne vorgenommener Reinigung von den gröberen und härteren Bestandtheilen so zart, weich und elastisch anzufühlen sind, daß sie sich bei ihrer Zähigkeit zur Füllung von Bettschläuchen ganz besonders qualificiren. Daneben behalten sie das den Tannen eigenthümliche Aroma, welches bekanntlich eben so angenehm, als der Gesundheit zuträglich ist, verbieten Schaben und andern lästigen Gästen der Art den Zutritt und lassen nur einen der Körperwärme entsprechenden Wärmegrad aufkommen, so daß die aus solchem Material gefertigten Betten als geeignete Gesundheitsbetten zu betrachten sind.

Die mit diesem Ersazmittel für Federn zu füllenden Kissen- und Häupfelschläuche, welche den sechsten Theil leeren Raum haben dürfen, sind beim Zusammennähen |80| der Barchetenden etwas straffer anzuziehen, damit die Bettstüke nicht unnöthig schwer werden. Auch die Seiten der Matrazen bedürfen der Höhe nicht, welche gewöhnlich die Roßhaarmatrazen haben, und sind wie diese der Länge nach abzunähen, nachdem sie ziemlich satt gefüllt worden sind. Eine mäßige Beimischung getrokneter Waldkräuter von balsamischer Ausdünstung, wie des Waldmeisterleins und der Gundelrebe, steigert die günstige Einwirkung auf den Körper. Ein besseres Unterlager als die Strohsäke sind die, statt mit Stroh, mit gut getroknetem Waldheu gefüllten, gleichfalls abzunähenden Unterlagsschläuche, indem das schlanke Waldheu vermöge seiner Geschmeidigkeit das Stroh, vermöge seiner Länge das Moos und vermöge seiner zäheren Elasticität das Seegras und Wiesenheu übertrifft.

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