Titel: Die Schwimmschuhe des Norwegers Tönnes Balchen und des Schweden Robert Kjellberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XXIX./Miszelle 1 (S. 162–163)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094029_1

Die Schwimmschuhe des Norwegers Tönnes Balchen und des Schweden Robert Kjellberg.

Die beiden genannten Männer haben die zuerst von einem andern Schweden ersonnenen Schwimmschuhe, um mittelst derselben auf der Oberfläche des Wassers zu schreiten, sehr vervollkommnet. Jene bestanden in ungefähr 12 Fuß langen und 1 Fuß breiten, oben geschlossenen kleinen Kähnchen, auf denen die Füße des Wasserbeschreitenden ruhten. Es ist sehr leicht einzusehen, daß die Bewegung mit diesen Schwimmschuhen sehr langsam, unbehülflich und ohne bestimmte Richtung seyn mußte und sie daher bald wieder in Vergessenheit geriethen. Balchen und Kjellberg haben die Sache wieder aufgegriffen und jene Schwimmschuhe sehr verbessert, so daß Kundige mit denselben ziemlich gewandt und sicher auf der Wasseroberfläche herumschreiten können, wenn darin überhaupt ein Vortheil gegen die Fortbewegung mit Rudern in einem Kahne irgendwie gefunden werden sollte. Sie haben davon Proben in mehreren Städten gegeben und sezen zu diesem Ende ihre Kunstreise durch Europa fort. Die neue Einrichtung ist nicht so ganz einfach, wie man auf den ersten Anschein glauben sollte, aber sehr zwekmäßig angeordnet. In der Sizung der polytechnischen Gesellschaft in Leipzig vom 20. Sept. wurde sie in Folgendem erklärt. Die beregten Schwimmschuhe sind 5 Fuß lang, 7 Zoll hoch und 7 Zoll breit und bestehen aus zwei überall geschlossenen verzinnten Blechgefäßen, welche zusammengenommen etwas mehr Wasser verdrängen, als der sich ihrer bedienende Mensch schwer ist. Das Gehen auf diesen mit Luft gefüllten Schuhen würde nun aber sehr schwer und gefährlich seyn, wenn nicht Sorge getragen wäre, daß sich dieselben mit Steuerrudern lenken ließen und nicht Vorkehrungen angebracht wären, um dem ruhenden Schuh einen größern Widerstand gegen das Wasser zu gewähren, damit derselbe nicht zurükrutsche, wenn man mit dem andern fortschreitet. Durch die erst erwähnten Steuerruder, die auch wirklich hinten angebracht sind und an beiden Schuhen zugleich durch eine Hand des Schreitenden gestellt werden, erhalten die Schuhe die Richtung. Um den Widerstand des ruhenden Schwimmschuhes gegen das Wasser zu vermehren, sind unter dem Kiel gegen dessen Längenachse vier winkelrecht stehende Doppelklappen angebracht, welche zusammenklappen und dem Wasser keinen Widerstand darbieten, wenn der Schuh fortschreitet, inzwischen wenn er ruht, mit ihrer ganzen Fläche aufklappen und einen Stüzpunkt gegen das Wasser geben. Die Steuerruder werden durch Schnüre bewegt, welche an Hebel befestigt und über Rollen und Röhren im Innern der Schuhe zu einem Hebelapparat vorne am Leibe des Schreitenden geführt sind, mittelst dessen derselbe steuert. Der Fuß wird unter einen Riemen gestekt, der oben quer über dem Schuh angebracht ist, damit bei Unfällen, wie sich der Herr Erklärer in der polytechnischen Gesellschaft ausdrükte, der Wassertretende die Füße leicht frei machen könne, um sich durch Schwimmen zu retten. In dieser Bemerkung liegt die ganze Kritik der Vorrichtung; gewährt dieselbe so wenig Sicherheit und Zuverlässigkeit, daß das Schwimmen eine vermehrte darbietet, so ist allerdings wohl anzunehmen, daß ein Kahn mit Rudern unter allen Umständen mehr Vortheile gewährt; denn auf den Schuhen stehend ist der Mensch, da er eine Hand zum Steuern braucht, fast unfähig irgend etwas vorzunehmen |163| und ist zudem verhindert, viel Geräth mit sich zu führen. Zwekmäßiger noch für gewisse Fälle ist folgende Vorrichtung, die wir vor ungefähr 30 Jahren praktisch benuzt sahen. An ein paar starke, wasserdichte Filzstiefel war, ebenfalls wasserdicht, ein rundlicher Kahn von Leder angenäht, der, wenn Jemand die Stiefeln anzog, gerade in der Gegend des Unterleibes sich befand und mit Luft gefüllt um den Leib zugeschnürt werden konnte. Der ganze Apparat war verhältnißmäßig leicht und man konnte ohne zu große Unbequemlichkeit sich mit demselben und auf festem Boden fortbewegen; ging man mit demselben ins Wasser, so befand der Oberkörper sich oben, die Hände hatte man zur freien Verfügung und mit den Füßen konnte man sich fortbewegen und steuern. Diese Schwimmvorrichtung diente zwekmäßig zum Behufe der Jagd, jedoch nur in seltenen Fällen, wo einem weder Hand noch Kahn, weder Weg noch Steg helfen können. (Gewerbeblatt f. Sachsen, 1844 Nr. 80.)

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