Titel: Verhältniß zwischen der Futtermenge und dem Milchertrag beim Rindvieh.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XXIX./Miszelle 11 (S. 168)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094029_11

Verhältniß zwischen der Futtermenge und dem Milchertrag beim Rindvieh.

Nach den Beobachtungen des Hrn. v. Riedesel erfordert die vollstänständige Sättigung von einem Stük Rindvieh täglich an Heu oder Heuwerth 14) 1/30 seines lebenden Gewichts, also jährlich 12mal so viel, als seine Körpermasse wiegt. Außer dieser trokenen Substanz bedarf es noch das Vierfache an Wasser oder anderer Feuchtigkeit, d.h. täglich 4/30 seines Körpergewichts. Von jenem Totalfutter ist die Hälfte als Erhaltungsfutter zu betrachten, was nämlich zur Erhaltung des Thiers in seinem Zustand erforderlich ist; die andere Hälfte ist Productionsfutter, insofern es zur Production von Fleisch, Fett, Milch n. oder Arbeit verwendet wird. Von dem lezteren producirt 1 Pfd. Heuwerth beim Milchvieh 1 Pfd. Milch oder 1/10 Pfd. des Kalbs im Mutterleib, beim Mast- und Jungvieh 1/10 Pfd. an Körpergewichtszunahme. Würde alles Productionsfutter auf Milcherzeugung verwendet, so erhielte man auf diese Art jährlich 6mal so viel Milch, als die Kuh wiegt, ein Theil davon muß aber als auf die Production des Kalbs verwendet in Abrechnung kommen. Nun wiegt das neugeborne Kalb 1/10 seiner Mutter, seine Production erfordert also an Heu oder Heuwerth gerade so viel Pfund, als das Gewicht der Mutter ausmacht, und es ist daher eben so viel an der Milchproduction abzurechnen. Der jährliche Milchertrag ist somit nur das 5fache vom Gewicht der Kuh, welche Milch jedoch natürlich nicht gleichmäßig das Jahr hindurch erzeugt wird, sondern so, daß dieselbe gleich nach dem Kalben täglich 1/30 vom Gewicht der Kuh beträgt und dann allmählich abnimmt, bis die Kuh in den lezten 6–8 Wochen ganz troken steht. Wenn also z.B. eine Kuh 1200 Pfd. wiegt, so braucht sie täglich zu ihrer vollständigen Sättigung 40 Pfd. Heuwerth und liefert dafür jährlich ein Kalb von 120 Pfd. und 5mal 1200 = 6000 Pfd. Milch, gleich nach dem Kalben aber 40 Pfd. oder 10 Maaß Milch täglich. (Riecke's Wochenblatt 1844, Nr. 41.)

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Zur Erläuterung dieses Ausdruks erinnern wir daran, daß jeder Futterstoff, wenn man seine Nahrhaftigkeit und somit seinen Werth als Futter angeben will, mit gutem Wiesenheu verglichen wird. Man gibt zu diesem Ende an, wie viel Pfund davon nöthig sind, um ein Aequivalent für 100 Pfd. Heu zu erhalten. Wenn dann auf diese Art der Futterwerth der Kartoffeln = 200, Runkelrüben = 250, Futterstroh = 200, Haber = 50 etc. gesezt ist, so läßt sich mittelst dieser Zahlen jede Fütterung auf Heu reduciren. Erhält z.B. ein Zugpferd täglich 10 Pfd. Heu, 2 Pfd. Stroh und 11 Pfd. Haber, so beträgt dieß, da Stroh den halben, Haber den doppelten Werth von Heu hat, 33 Pfd. Heuwerth.

R.

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