Titel: Prof. Schönbein's Untersuchungen über das Ozon und den Stikstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XXIX./Miszelle 3 (S. 163–164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094029_3

Prof. Schönbein's Untersuchungen über das Ozon und den Stikstoff.

Bekanntlich sammelt sich um die Ausströmungsspizen einer gewöhnlichen Elektrisirmaschine ein eigenthümlicher Riechstoff, welcher auch am positiven Pol einer Volta'schen Säule während der Volta'schen Zersezung luft- oder stikstoffhaltigen Wassers auftritt.

Dieser sonderbare Körper, welchen Prof. Schönbein „Ozon“ nennt, ist nach seinen Untersuchungen gasförmig, besizt den sogenannten elektrischen Geruch, dringt eingeathmet im thierischen Organismus Wirkungen hervor ähnlich denen veranlaßt durch Chlor, zerstört mit ziemlich großer Energie organische Farbstoffe, zersezt augenbliklich das Jodkalium unter Ausscheidung von Jod, desgleichen die Hydrojodsäure, das gelbe Blutlaugensalz, dieses in das rothe umändernd, den Schwefelwasserstoff unter Ausscheidung von Schwefel, wandelt in Berührung mit Wasser und Jod lezteres in Jodsäure um, wird von leicht oxydirbaren Metallen, wie von Eisen und Zink augenbliklich verschlukt, polarisirt Gold oder Platin sofort negativ, besizt mit Einem Wort eine große Anzahl von Eigenschaften gemeinschaftlich mit dem Chlor oder Brom.

Im Wasser dagegen ist das Ozon als solches nicht auflöslich, wird jedoch von demselben langsam absorbirt, damit eine vollkommen neutrale und geschmak wie geruchlose Flüssigkeit bildend, welche, wenn auch noch so schwach gesäuert, die Eigenschaft besizt, Jodkalium-Kleister tief blau zu färben. Ganz so verhielt sich Wasser, das der Baseler Chemiker aus einer Wolke sammelte, in der es heftig und längere Zeit geblizt hatte.

|164|

Die leichteste Art diesen merkwürdigen Körper in merklichen Mengen zu erzeugen, besteht darin, daß man bei gewöhnlicher Temperatur Phosphor in ein Gemenge von Stikstoff und Sauerstoff, d.h. in atmosphärische Luft bringt. Nach kurzer Zeit, je nach Umständen schon nach einigen Minuten, tritt das Ozon in in einem solchen Gasgemenge auf, und nach zwölfstündiger Einwirkung des Phosphors ist die Luft bereits so stark mit dem fraglichen Körper beladen, daß man mit ihr alle die vorhin erwähnten Reactionen erhält, daß in einer so beschaffenen Luft also z.B. Lakmuspapier ziemlich rasch gebleicht und Jodkalium-Kleister augenbliklich auf das tiefste gebläuet wird.

Ozon wird auch entwikelt, wenn man ein Gemisch von Mangansuperoxyd oder Bleisuperoxyd, Schwefelsäure und Stikstoff der Luft aussezt.

Schönbein erhielt einen Körper, welchen er als sehr reines Ozonkalium betrachtet; derselbe ist ein weißes Pulver, fast geschmaklos, kaum in Wasser auflöslich und wird durch Schwefelsäure leicht zersezt, wobei Ozon ohne Gegenwart von Mangansuperoxyd frei wird. Das Ozon scheint Verbindungen zu bilden, welche hinsichtlich ihrer chemischen Natur von den Verbindungen des Chlors, Broms etc. sehr verschieden sind. Der Ozonwasserstoff und das Ozonkalium haben sehr wenig Aehnlichkeit mit dem Chlorwasserstoff und dem Chlorkalium. Bezüglich seiner chemischen Verwandtschaft scheint das Ozon zwischen dem Brom und Jod eingereiht werden zu müssen, Ozon wirkt nicht auf Bromkalium, während es Jodkalium leicht zersezt.

Da die Gegenwart des Stikstoffes eine unerläßliche Bedingung für die elektrische, Volta'sche und chemische Erzeugung des Ozons ist, lezteres ohne jenen Körper nicht erhalten werden kann, so muß man schließen, daß das eigenthümlich riechende Princip entweder eine Stikstoffverbindung oder ein Bestandtheil des Nitrogens sey. Die bis jezt vorliegenden auf das Ozon sich beziehenden Thatsachen sind von einer solchen Art, daß sie unter einander sich verknüpfen lassen und erklärlich werden, wenn man von der Annahme ausgeht: es bestehe der Stikstoff aus Ozon und Wasserstoff, und ersteres sey ein einfacher, dem Chlor in mannichfacher Beziehung ähnlicher Körper.

Wenn der Stikstoff wirklich ein zusammengesezter Körper ist, so hat diese Entdekung eine große Veränderung im chemischen System, nämlich hinsichtlich aller Stikstoff-Verbindungen zur Folge (unter diesen dürfte die Salpetersäure jedoch keineswegs die Ansicht wahrscheinlich machen, daß der Stikstoff eine Wasserstoff-Verbindung ist); ferner wäre sie von bedeutendem Einfluß auf die Meteorologie, wegen der Rolle, welche der Stikstoff bei den meteorologischen Erscheinungen spielt13). (Biblioth. univ. de Genève vom 25. Mai 1844 und Augsb. Allg. Zeitg. vom 23. Okt. 1844.)

|164|

Prof. Schönbein hat die Ergebnisse seiner Untersuchungen über das Ozon in einem eigenen Werkchen, betitelt: „Ueber die chemische Erzeugung des Ozons“ niedergelegt, welches eben in den Buchhandel gekommen ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: