Titel: Turner's Verfahren salzsaures und schwefelsaures Ammoniak, ferner Blutlaugensalz und Berlinerblau mittelst Guano zu fabriciren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. XXIX./Miszelle 4 (S. 164–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094029_4

Turner's Verfahren salzsaures und schwefelsaures Ammoniak, ferner Blutlaugensalz und Berlinerblau mittelst Guano zu fabriciren.

Wilton G. Turner, Philos. Dr. zu Gateshead, Grafschaft Durham, ließ sich am 11. März 1844 folgende Methoden hiezu patentiren.

I. Verfahren um gleichzeitig Salmiak und Berlinerblau mittelst Guano zu gewinnen.

Der Guano wird in eisernen Cylindern, wie man sie in den Steinkohlengas-Anstalten anwendet, der trokenen Destillation unterworfen und die sich entwikelnden Gase werden durch gußeiserne Röhren in zwei schmiedeiserne Woulfe'sche Flaschen geleitet, welche mit Wasser beschikt sind und von diesen noch durch ein offenes Gefäß, worin sich ebenfalls Wasser befindet. Anfangs treibt man die Temperatur bloß auf die dunkle Rothglühhize, gegen das Ende der Operation aber muß sie höher gesteigert werden. Die Destillations-Producte bestehen hauptsächlich aus Blausäure, kohlensaurem Ammoniak und Kohlenwasserstoff; die beiden ersteren werden rasch vom Wasser absorbirt, daher man eine starke Auflösung von blausaurem |165| und kohlensaurem Ammoniak erhält. Findet man nach beendigter Destillation, daß in die zweite Flasche viel Ammoniak übergegangen ist, so muß die Flüssigkeit in der ersten Flasche für eine neue Operation durch Wasser ersezt werden; dieß ist nämlich ein Beweis, daß das in der ersten Flasche vorgeschlagene Wasser gesättigt ist; deßgleichen ist das Wasser in der zweiten Flasche gesättigt, sobald die ammoniakalischen Producte in die dritte überzugehen beginnen.

Die Auflösung von blausaurem und kohlensaurem Ammoniak wird nun aus den Woulfe'schen Flaschen in hölzerne Gefäße gebracht und mit einer hinreichenden Menge salzsauren Eisenoxyduls versezt, damit nicht nur alle Blausäure in Eisenblausäure, sondern auch diese in Berlinerblau verwandelt werden kann; lezteres bildet sich, wenn man so viel Salzsäure zusezt, daß das freie Ammoniak neutralisirt wird. Um zu erfahren, ob genug salzsaures Eisenoxydul angewandt wurde, untersucht man eine Portion der Flüssigkeit mittelst der bekannten Reagentien auf Blausäure; ein Ueberschuß des Eisensalzes ist unnöthig.

Man läßt nun den entstandenen Niederschlag sich sezen und trennt ihn von der Flüssigkeit. Kocht man denselben mit Aezkali, so bekommt man Blutlaugensalz, welches man krystallisiren lassen kann.

Die vom Berlinerblau abgezogene Flüssigkeit muß man zuerst von dem allenfalls darin enthaltenen überflüssigen Eisensalz befreien, indem man sie vorsichtig mit einer frischen Portion ammoniakalischer Flüssigkeit versezt. Man erhält dann Eisenoxyd nebst Berlinerblau als Niederschlag und eine neutrale Auflösung von salzsaurem Ammoniak. Nachdem sich der Niederschlag abgesezt hat, wird die Salmiakauflösung mittelst eines Hebers abgezogen. Das Eisenoxyd wird einer neuen Quantität blausauren Ammoniaks zugesezt. – Wendet man bei diesem Verfahren Eisenvitriol und Schwefelsäure an, so erhält man natürlich anstatt Salmiak schwefelsaures Ammoniak.

II. Verfahren Blutlaugensalz durch Schmelzen von Guano mit Potasche zu bereiten.

Wenn man den Guano gerade so wie sonst das getroknete Blut mit Potasche schmelzen würde, so erhielte man kein blausaures Kali, wenigstens nicht eher, als bis so viel Guano unnüz verbrannt worden ist, daß sein Rükstand den überschüssigen Kohlenstoff liefert, welcher, wie ich gefunden habe, zur Erreichung des beabsichtigten Zweks nöthig ist. Vermengt man jedoch den Guano vorher mit kohlenstoffhaltigen Substanzen (besonders Theer) und beschikt die Potasche mit freiem Kohlenstoff, so wird aller Stikstoff in Cyan verwandelt, während er sonst unnüz als Ammoniak entweichen würde.

Folgendes Verfahren habe ich sehr vortheilhaft befunden: 42 Pfund Potasche werden durch starke Rothglühhize in vollkommenen Fluß gebracht und dann nach und nach mit einem feingepulverten Gemenge von 7 Pfd. Steinkohlen und 3 1/2 Pfd. Rotheisenstein (Eisenoxyd) versezt; nachdem ihr dasselbe gut einverleibt ist, läßt man den Kessel wieder seine Hize erlangen. Dann wird ein Gemenge von 7 Pfd. vollkommen getroknetem Guano, 7 Pfd. Kohlen und 3 1/2 Pfd. Theer eingetragen und untergerührt, zulezt aber 21 Pfd. Guano, die mit 10 bis 11 Pfund Theer vermischt worden sind. Auf diese Weise erhält man Schmelzkuchen, welche eben so reichhaltig sind wie diejenigen von 42 Pfd. Potasche und 84 Pfd. Hörn. (Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Okt. 1844, S. 246.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: