Titel: Preisaufgaben der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LI./Miszelle 1 (S. 240–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094051_1

Preisaufgaben der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale.

Mechanische Künste.

Preise für das Jahr 1845.

1) Preis von 6000 Francs für die Bestimmung des Widerstandes der Metalle bei verschiedenen Temperaturen und für die Ausmittelung des Einflusses der Wärme auf die Cohäsion ihrer Molecule.

|241|

Die Gesellschaft wünscht, daß die Rolle, welche die Wärme bei der Zähigkeit der Metalle spielt, durch eine Reihe von Versuchen bestimmt werden möchte. Die Versuche müssen bei Temperaturen von – 12° R. beginnen und bis beinahe zum Schmelzpunkt der Metalle fortgesezt werden. Alle Metalle müssen in dem Zustande, wie man sie gewöhnlich in der Industrie anwendet, diesen Versuchen unterzogen werden, z.B. als gezogene Drähte, geschmiedete Stangen, gewalzte und gehämmerte Bleche, Gußstüke etc.

Es muß nicht nur die absolute Festigkeit der Metalle (ihr Widerstand beim Zerreißen), sondern auch die relative Festigkeit derselben (ihr Widerstand beim Zerbrechen) und die zurükwirkende Festigkeit (die Kraft, welche man braucht, um sie zu zerdrüker) bestimmt werden.

Mit den Dampfkessel-Blechen müssen die Versuche namentlich sowohl nach ihrer Länge als nach ihrer Breite angestellt werden, um den Einfluß. welchen das Walzen in einer einzigen Richtung auf ihre Zähigkeit hat, zu bestimmen.

Die Versuche müssen in großem Maaßstabe angestellt werden und alle Umstände umfassen, welche bei der Anwendung der Metalle in der Mechanik vorkommen. Daher müssen sie auch mit Stüken wiederholt werden, welche zerbrochen und wieder zusammengeschweißt wurden; ferner müssen sie sich auf Stüke erstreken, welche durch Nietnagel verbunden sind; endlich auf solche Stüke, welche gebogen und dann kalt oder heiß wieder gerade gerichtet worden sind.

Die Resultate müssen so zusammengestellt werden, daß die den verschiedenen Temperaturgraden entsprechende Zähigkeit und Cohäsion der Metalle leicht ersichtlich ist.

2) Preis von 1000 Frcs. für einen bei der Landwirthschaft (für Pflüge etc.) anwendbaren Dynamometer.

Die Kraftbestimmungen desselben müssen sehr annähernd seyn; ferner darf der Apparat durch Witterungswechsel keinen Schaden leiden und es soll den Arbeitern unmöglich gemacht seyn ihn in Unordnung zu bringen; endlich darf er nicht über 200 Francs zu stehen kommen.

3) Preis von 3500 Francs für Verbesserungen in der Fabrication von Ziegeln, Baksteinen, Quadersteinen etc. aus gebrannter Erde.

Preis für das Jahr 1847.

4) Preis von 24,000 Francs für Verbesserungen an den Locomotivmaschinen.

Dieser Preis wird unter die verschiedenen Concurrenten für einzelne Verbesserungen an den Locomotiven vertheilt, so daß keiner unter 4000 Frcs. für irgend eine wichtige Verbesserung erhält. Die Constructionen der Preisbewerber müssen seit dem 1. Junius 1844 zum erstenmal in Frankreich angewandt worden seyn und es müssen die darnach gebauten Locomotiven wenigstens 5000 Kilometer auf einer französischen Eisenbahn regelmäßig befahren haben.

Chemische Künste.

Preise für das Jahr 1845.

1) Preis von 1000 Frcs. für die Bereitung eines wohlfeilen Surrogats der Perlessenz vom Weißfischchen, um falsche Perlen zu machen.

Das Surrogat (welches sich vielleicht mittelst Sardellenschuppen erzielen läßt), muß um ein Viertel des gegenwärtigen Preises der Perlessenz geliefert werden können.

2) Preis von 6000 Frcs. für ein Verfahren den Flachs und Hanf zu rösten, welches die Luft nicht ungesund macht, wohlfeiler ist und bessere Produkte liefert als das gewöhnliche.

3) Preis von 3000 Frcs. für die vergleichende Analyse der Runkelrübe in den verschiedenen Epochen ihres Wachsthums und ihrer Zersezung.

4) Preis von 2000 Frcs. für ein Verfahren, wodurch man die Menge des krystallisirbaren Zukers in der Runkelrübe oder irgend einem Handelsproduct schnell bestimmen kann.

5) Preise für Methoden, um die Fäces und den Urin in den Abtrittgruben zu desinficiren.

Ein Preis von 6000 Frcs. wird demjenigen zuerkannt, welcher ein bewährtes Verfahren mittheilt, um im Großen in den jezt gebräuchlichen Abtrittgruben |242| die festen und flüssigen Exkremente zu desinficiren, so daß sie herausgeschafft werden können, ohne einen Geruch zu verbreiten und doch ihre für die Landwirthschaft nüzlichen Eigenschaften (als Dünger) beibehalten.

Ein anderer Preis von 6000 Frcs. ist für den Erfinder eines Verfahrens bestimmt, um mittelst eines Systems besonders construirter Gruben die vollständige Trennung der festen und flüssigen Theile zu bewerkstelligen, so daß leztere ohne Nachtheil in die Gossen oder Rinnen geschüttet, die festen Theile aber in Dünger verwandelt werden können, ohne einen üblen Geruch zu verbreiten.

6) Preise für die Vervollkommnung der Photographie.

Ein Preis von 3000 Frcs. ist für ein leicht ausführbares und entsprechendes Verfahren bestimmt, die Lichtbilder zu vervielfältigen und zwar in wenigstens 200 Abdrüken; ein Preis von 1000 Frcs. für einfache Verfahrungsarten, um Lichtbilder, die auf Papier und ähnlichen Substanzen erzeugt worden sind, aufzubewahren. Endlich wird eine Summe von 2000 Frcs. auf Medaillen für diejenigen verwendet, welche nüzliche Verbesserungen im Verfahren oder an den Apparaten für die Photographie machen.

7) Preis von 3000 Frcs. für die Gewinnung von Indigo mittelst des Polygonum tinctorium.

Der gewonnene Indigo muß mit dem käuflichen von gleicher Qualität im Preise concurriren können.

8) Preis von 3000 Frcs. für die Verbesserung der Fabrication des Dextrin-Zukers.

Man wünscht ein sicheres und im Großen leicht ausführbares Verfahren zu besizen, um das Starkmehl ohne Beihülfe von Schwefelsäure in einen weißen, festen und rein schmekenden Zuker zu verwandeln. Der Preis wird nur zuerkannt, wenn der Bewerber eine Fabrik im Betrieb hat, welche täglich wenigstens 300 Kil. solchen Zukers producirt.

9) Preis von 1200 Frcs. für die Reinigung der zur Papierfabrication anwendbaren Rinden.

Man verlangt ein besseres Verfahren als Kämpfer beschrieb, um die Minden des Papier-Maulbeerbaums von der Epidermis zu befreien; die geringste Menge, welche davon zurükbleibt, verdirbt bekanntlich das Papier. Das Verfahren muß bei diesen und anderen dem Zwek entsprechenden Rinden, während sie mit dem Holze verbunden sind, anwendbar seyn.

10) Preis von 2500 Frcs. für die Entdekung eines Verfahrens, um die Wässer der Stärkefabriken zu benuzen.

11) Preis von 2400 Frcs. für die Entdekung eines Verfahrens, um die Vermengung des Getreidemehls mit Sazmehl zu erkennen.

Durch das Verfahren müssen auch die Verfälschungen des Weizenmehls mit dem Mehl von Bohnen, Erbsen etc. entdekt werden können.

12) Preis von 6000 Frcs. für das beste Verfahren die Kartoffeln nach dem Dämpfen zu Brei zu zerreiben, zu troknen und dann zur Brodbereitung zu verwenden.

13) Preise für Verbesserungen in der Construction der Oefen.

Ein Preis im Werth von 3000 Frcs. ist für eine sehr verbesserte Construction der Oefen bestimmt, welche zum Oxydiren der Metalle dienen und ein gleicher für die Verbesserung der Oefen zum Schmelzen der Metalle oder zum Reduciren der Metalloxyde.

14) Medaillen für Verbesserungen in der Fabrication des Tischlerleims.

15) Medaillen für Methoden, um die Wirkungen der Feuchtigkeit bei Bauten zu verhindern oder zu beseitigen.

Preise für das Jahr 1846.

16) Preis von 1200 Frcs. für die Fabrication von künstlichen Steinen oder Metallplatten oder Pappendekel, welche die lithographischen Steine ersezen können.

17) Preis von 3000 Frcs. für denjenigen, welcher das Uebertragen der Abdrüke von Buchdrukerlettern auf Stein in Ausübung bringt.

Preise für das Jahr 1847.

18) Preis von 1500 Frcs. für die Entdekung neuer Lager von lithographischen Steinen.

|243|

19) Preise für die Vervollkommnung der Runkelrübenzuker-Fabrication.

a) Preis von 5000 Frcs. für das beste Verfahren den Runkelrübensaft zu läutern. b) Preis von 5000 Frcs. für ein Verfahren der benuzten Knochenkohle ihre entfärbende Kraft wieder zu verschaffen, ohne daß die Kosten ihrer Wiederbelebung 2 Frcs. für 100 Kilogr. überschreiten; der Abfall darf nicht über 4 Procent betragen und es müssen zehn nacheinander vorgenommene Wiederbelebungen gleich gute Resultate liefern. c) Preis von 5000 Frcs. für Verbesserungen im Anbau der Runkelrüben in Folge wissenschaftlicher Untersuchungen, bei deren Anwendung im Großen man in demselben Boden mehr und zukerreichere Rüben erzeugt als es bisher möglich war. d) Preis von 5000 Frcs. für die Vervollkommnung der Fabrikation des weißen Hutzukers; mehrere Rübenzuker-Fabriken im nördlichen Frankreich haben in diesem Jahr einen reineren und weißeren Hutzuker erzeugt, gewannen aber nur 5 1/2 Proc. solchen Zukers aus den Rüben und die meisten Fabriken liefern jezt noch den Zuker in rohem Zustand; der erwähnte Preis wird demjenigen Fabrikanten zuerkannt, welcher während zwei Campagnen 6 1/2 Proc. weißen Hutzuker aus den angewandten Runkelrüben erzeugt und davon jährlich wenigstens 30,000 Kilogr. producirt hat. (Ueber die beiden lezteren Preise wird die Gesellschaft erst in der zweiten Hälfte des Jahrs 1847 entscheiden.)

Oekonomische Künste.

Preise für das Jahr 1848.

1) Preise für die Verbesserung der Laugapparate etc. in den Waschanstalten.

a) Medaillen für die Einführung verbesserter Laugapparate in den Waschanstalten. b) Preis von 1000 Frcs. für die Verbesserung der Dampf-Laugapparate. c) Preis von 2000 Frcs. für die Lösung folgender Aufgabe: „es soll durch Versuche der Einfluß bestimmt werden, welchen das Wasser, der Dampf, die mehr oder weniger starken und äzenden alkalischen Laugen, bei verschiedenen Temperaturen und verschiedenem Druk und in mehr oder weniger langer Zeit, auf die Festigkeit der leinenen, hanfenen und baumwollenen Gewebe ausüben.“ d) Preis von 500 Frcs. für die beste Abhandlung über die Aufgabe: „es sollen nach der Erfahrung und Theorie die Form und Geschwindigkeit so wie die Dimensionen bestimmt werden, welche für die Waschräder (der Waschanstalten) am geeignetsten sind.“ e) Medaillen für die Vervollkommnung der Apparate und Methoden zum Mangen (Calandern), Wassern (Mohren), Falten, Platten (Bügeln) und Troknen der Wäsche.

2) Preis von 4000 Frcs. für das beste Verfahren zum Aufbewahren des Korns in den Maiereien und Magazinen.

3) Preis von 1500 Frcs. für die beste Methode von Insecten angegriffenes sowie von der Fäule inficirtes Korn zu reinigen.

4) Preis von 4000 Frcs. für die Fabrication guter und dabei wohlfeilerer Kerzen.

Allgemeine Bedingungen für die Bewerber.

Die Modelle, Abhandlungen, Muster etc. müssen an den Secretär der Société d'Encouragement (rue du Bac No. 42 in Paris) postfrei eingesandt werden und zwar vor dem 1. Januar desjenigen Jahres, in welchem der Preis ertheilt wird. Die Bewerber müssen ihre Abhandlungen mit einem Wahlspruch versehen und in einem versiegelten Brief, welcher mit demselben Wahlspruch überschrieben ist, ihren Namen, Wohnort etc. angeben; die Modelle etc. müssen mit einem Zettel versehen werden, worauf sich derselbe Wahlspruch befindet. (Bulletin de la Société d'Encouragement.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: