Titel: Frühere Geschichte des Guano.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LI./Miszelle 16 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094051_16

Frühere Geschichte des Guano.

Vor einiger Zeit machte Hr. Teschemacher der naturhistorischen Gesellschaft zu Boston eine interessante Mittheilung über den Ursprung des Guano's von den Inseln an der Küste von Peru. In Bezug auf die von Einigen gehegte Meinung, daß der Guano eine Anhäufung aus einer frühern Periode als dem Ursprung des Menschengeschlechts seyn dürfte, übersezte Hr. T. folgende Stelle aus den Memoriales Riales von Garcilasso de la Vega, Lissabon |248| 1609, S. 102: „an der Seeküste, unterhalb Arequipa angefangen bis Tarapaca, einer mehr als 200 Meilen weit sich erstrekenden Küstenlänge, bedient man sich keines andern Düngers als des Mistes der Seevögel, wovon es große und kleine, an allen Küsten Peru's gibt, und die in wahrhaft unglaublichen Heerden ziehen. Sie sind auf einigen unbewohnten Inseln an dieser Küste zu Hause und lassen außerordentlich viele Excremente zurük. In einiger Entfernung gleichen die Hügel davon den Hügeln mancher schneebedekten Ebenen. Zur Zeit der Inka wurden diese Vögel mit so vieler Aufmerksamkeit bewacht, daß während der Brutzeit bei Todesstrafe niemand die Inseln besuchen durste, damit sie nicht aufgeschrekt und von ihren Nestern vertrieben werden. Ebenso war es bei Todesstrafe verboten, sie zu irgend einer Zeit zu tödten.“ Jedem District oder jeder Provinz war ein Antheil dieser Inseln zugetheilt. Diese außerordentliche Fürsorge macht es wahrscheinlich, daß die Inka keinen merklichen Mehrverbrauch dieses schäzbaren Düngers, als der Anwuchs in einem Jahr betrug, gestatteten; während der Verheerung Südamerika's von den Spaniern konnte der Verbrauch die jährlichen Ablagerungen auf keinen Fall erreichen. Sogar die größte Tiefe dieses Düngers, die 700 bis 800 Fuß beträgt, kann, mäßig angerechnet, sich in 3000 Jahren angesammelt haben, wenn im Jahr 2–3 Zoll angenommen werden. Die Federn scheinen sich von jenen unserer heutigen Vögeln nicht zu unterscheiden. Hr. Blake, welcher diese Ablagerungen untersuchte, fand eine Muschel in dem Guano, welche mit der Crepidula fornicata sehr viel Aehnlichkeit hatte, aber durchaus nicht fossil geworden war. An dieser Küste regnet es nie, so daß die Düngerlager nicht, wie an andern Küsten, jährlich weggewaschen werden. (Aus dem American Journal of Science and Arts, Bd. XLVI S. 203)

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