Titel: Ueber die Anwendung der schwefelsauren Thonerde, anstatt Alaun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXXI./Miszelle 3 (S. 324–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094071_3

Ueber die Anwendung der schwefelsauren Thonerde, anstatt Alaun.

Die schwefelsaure Thonerde findet, obgleich sie seit acht Jahren (in Frankreich) beharrlich bereitet wird, doch wenig Eingang in den Papier- und Kattunfabriken, welche sich des Buxwyller Alauns bedienen. Die Buxwyller Fabrik bereitet keine schwefelsaure Thonerde, weil man zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß dieß Product durchaus nicht mit dem Alaun in seinen vornehmsten Anwendungen concurriren kann. Die Reinheit des Alauns kann nach der Umschmelzung und Krystallisation versichert und verbürgt werden, und seine Zusammensezung bleibt sich immer gleich. Wenn er vollkommen gereinigt ist, läßt sich auch das genaueste Verhältniß der Quantitäten erzielen, sey es bei der Bereitung der harzigen Thonerde zum Leimen der Papiermasse, oder der essigsauren Thonerde als Beizmittel bei der Zeugfärberei und Drukerei.

Bei der Bereitung der harzigen Thonerde (in Papierfabriken) muß man sich eines Ueberschusses von Alaun bedienen, um das Harz-Natron völlig zu zersezen, weil der kleinste unzersezte Theil den Leim ungeeignet zur Papierfabrication machen würde. Der freie Alaun selbst ist dabei ganz unschädlich, im Gegentheil man benuzt ihn um dem Papier nach der Chlorbleiche mehr Consistenz zu geben.

Die schwefelsaure Thonerde, welche einen großen Ueberschuß an Säure enthält und sehr hygrometrisch ist, ist sehr verschieden in Bezug auf ihren Thonerde-Gehalt nicht bloß im Allgemeinen, sondern es finden selbst Unterschiede bei dem Inhalt eines Fasses statt, da sie die Feuchtigkeit der Luft absorbirt. Wenn man bei der Bereitung der harzigen Thonerde durch schwefelsaure Thonerde die leztere im Ueberschuß anwendet um das Harz-Natron zu zersezen, bleibt unaufgelöste schwefelsaure Thonerde im Leim. Diese schwefelsaure Thonerde macht das Papier dann hygrometrisch und bei der Berührung der Luft wird es feucht und schlecht. Die Papierfabriken welche sich der schwefelsauren Thonerde bedienten, haben diese unangenehmen Erfahrungen gemacht, das Papier hatte den oben erwähnten Fehler, und der Ueberschuß an Säure in der schwefelsauren Thonerde griff die Kufen und die Maschinen an.

Zu Gunsten der schwefelsauren Thonerde bemerkt man, daß sie doppelt so viel Thonerde enthalte als der Alaun, obgleich das leztere Salz etwas billiger ist. Die daraus hervorgehende Ersparniß würde bedeutend seyn, wenn die schwefelsaure Thonerde ein Hauptgegenstand und nicht ein Rebenartikel, welcher auf den Preis der Waaren nur sehr wenig Einfluß haben kann, bei der Fabrication wäre, so aber ist es unverständig und unvortheilhaft, bei einem Gegenstand der öfters nicht den hundertsten oder tausendsten Theil des Preises der Waaren ausmacht, sparen zu wollen auf die Gefahr hin, leztere zu verschlechteren. Es ist jedenfalls klüger, demjenigen Product den Vorzug zu geben, welches bei der größten Reinheit ein genau zu bestimmendes Verhältniß der Quantitäten zuläßt, worauf sehr viel ankömmt, wenn wie hier, Alaun oder schwefelsaure Thonerde nur Nebendinge sind.

Noch mehr ist dieß der Fall bei der Bereitung der essigsauren Thonerde mittelst schwefelsaurer Thonerde, weil erstere als Beize bei der Färberei und Drukerei sehr werthvoller Zeuge angewandt wird; hier tritt im Vergleich mit dem Werth der Zeuge die bei Anwendung der schwefelsauren Thonerde zu machende |325| Ersparniß gänzlich in den Hintergrund. (Dazu kommt noch, daß bei der Bereitung von essigsaurer Thonerde aus schwefelsaurer, anstatt aus Alaun, kein essigsaures Kali entsteht, daher die Drukfarbe sich zu schnell zersezt und austroknet. In der Wollenfärberei, wo ein Säureüberschuß nicht nachtheilig ist, kann man die schwefelsaure Thonerde füglich anstatt Alaun anwenden. Die Red.) (Moniteur industriel, 1844, Nr. 840.)

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