Titel: Gelatine und Tischlerleim der chemischen Fabrik zu Buxwyller (Niederrhein) und Schattenmann's Leimprobe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXXI./Miszelle 5 (S. 325–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094071_5

Gelatine und Tischlerleim der chemischen Fabrik zu Buxwyller (Niederrhein) und Schattenmann's Leimprobe.

Der Knochenleim oder die Gelatine verdient besondere Berüksichtigung, sowohl seiner Vorzüglichkeit als auch der vielen Vortheile wegen, welche seine Anwendung mit sich bringt. In lezterer Zeit hat man sich im Allgemeinen mehr der gewöhnlichen Leimsorten und Leimstoffe bedient, indem man Ersparnisse damit verbunden glaubt, die mehr eingebildet als wirklich sind.

Schattenmann behauptet in einem Bericht über die zur französischen Industrieausstellung im Jahr 1834 von der Buxwyller Fabrik eingesandten Erzeugnisse, daß der aus einer Auflösung von Leimstoffen gewonnene grüne Leim oder die Gallerte chemisch gebundenes Wasser enthalte, während bei dem getrokneten und wieder aufgelösten Leim das Wasser nur mechanisch mit dem Leimstoff aufs engste verbunden sey; ferner daß eine erste Troknung das chemisch gebundene Wasser nicht gänzlich hinwegnehmen könne, daß aber der trokne Leim um so hygrometrischer sey, jemehr Wasser darin bleibe, und daß es ein verwerflicher Gebrauch ist. den Leim wie den von Köln etc. in diken Blättern darzustellen, da diese Blätter, vermöge ihrer Dike, mehr chemisch gebundenes Wasser zurükbehalten; es ist daher rathsam den Leim in dünne, einer vollkommenen Troknung fähige Blättchen zu formen.

Hierauf gibt Schattenmann ein praktisches Mittel an, um die Qualität der verschiedenen Leimsorten und ihren inneren Gehalt an Leimstoff zu bestimmen: man legt den Leim 24 Stunden lang in kaltes Wasser, dessen Temperatur jedoch 12° R. nicht übersteigen darf. Der trokne Leim nimmt eine Wassermenge in sich auf, die der Menge Leimstoffs welche er enthält, gleichkommt, und gibt eine Gallerte, welche um so weißer und fester wird, je besser die Qualität des Leims ist. Durch dieses Mittel kann man zugleich die Güte des Leims nach der Beschaffenheit der erhaltenen Gallerte, und seinen Gehalt an Leimstoff nach der Menge derselben beurtheilen.

Die Fabrik von Buxwyller liefert hauptsächlich zwei Sorten von Knochenleim: die weiße und die gelbe Gelatine, beide in sehr dünnen Blättchen.

Bei vierundzwanzigstündiger Einweichung in kaltem Wasser geben 100 Kil. |326| weiße trokne Gelatine – 1300 Kilogr. weiße und feste Gallerte; 100 Kilogr. gelbe trokene Gelatine 1000 Kil. eben so feste aber etwas weniger weiße Gallerte.

Der gewöhnliche deutsche, aus Hautabfällen und anderen geringeren thierischen Leimstoffen bereitete Leim, welcher so sehr im Gebrauch ist, nimmt bedeutend weniger Wasser auf als die Gelatine.

100 Kilogr. trokenen deutschen Leims geben 600 Kilogr. weiche Gallerte ohne Consistenz.

Von diesem Leim, wenn er von besserer Qualität ist, werden 100 Kilogr., die 600 Kilogr. Gallerte geben (in Frankreich) für 130 Frcs. verkauft, 100 Kilogr. Gallerte kosten demnach 21 Frcs. 66 Cent.; während 100 Kilogr. weiße Gallerte, von der oben erwähnten gelben Gelatine bereitet, nur 19 Frcs. kosten, so daß sich eine Ersparniß von 2 Frcs. 66 Cent. oder 14 Proc. zu Gunsten der lezteren herausstellt, ohne den Nuzen anzuschlagen, welcher aus der weit besseren Qualität der aus der gelben Gelatine bereiteten Gallerte zu ziehen ist.

Die weiße Gelatine, wovon 100 Kilogr., welche 1300 Kilogr. weiße durch Schönheit und besondere Festigkeit ausgezeichnete Gallerte liefern, 300 Frcs. kosten, so daß von der Gallerte der metrische Centner nur 23 Frcs. kostet, ist also dem deutschen Tischlerleim weit vorzuziehen, wenn man die schlechtere Qualität und geringere Quantität nach dem Einweichen in Erwägung zieht.

Grenet in Rouen, dessen für Luxusartikel bestimmte Gelatine besonders berühmt ist, erhält dieselbe wahrscheinlich durch Benuzung der jungen Thierhäute und der allerfeinsten Kälberknorpel. Diese Gelatinen lassen allerdings nichts zu wünschen übrig, jedoch haben sie weniger inneren Gehalt, als die bloß durch Behandlung von Knochen mit Salzsäure bereitete Buxwyller Gelatine; denn in Wasser gelegt liefern 100 Kilogr. trokene Gelatine nur 1000 Kilogr. Gallerte, während die Buxwyller weiße Gelatine deren 1300 gibt.

Diese sogenannte Grenetine, deren Vortrefflichkeit als Luxusartikel sich nicht in Abrede stellen läßt, und deren Preis (ungefähr 1000 Frcs. für den metrischen Centner) an und für sich auch nicht zu hoch ist, ist doch zu kostbar für die Zweige der Industrie, welche die Gelatine benuzen.

Die Wiederanfeuchtung der Gelatine und ihre nochmalige Troknung ist vortheilhaft, indem man nach der Einweichung daraus ein Viertel mehr Gallerte erhält, als aus dem troknen, aus einmal aufgelösten Leimstoffen bereiteten Leim. Die zweimal aufgelöste Gelatine enthält weniger Wasser, und ist deßhalb auch weniger hygrometrisch, so daß man auf diese Art eine, den Einflüssen der atmosphärischen Luft widerstehende Gelatine erhält. Eine langjährige praktische Erfahrung in Bezug auf das Leimen von Holzwerk, besonders bei musikalischen Instrumenten, bestätigt diese Behauptung.

Man löst den Leim auf, troknet ihn in kleinen Kugeln, welche man pulverisirt, um ihn so frei als möglich vom Wasser zu machen.

Nichts ist unverständiger und gefährlicher als die Anwendung des grünen Leims oder vielmehr der wässerigen Substanz, welche man aus aufgelösten Leimstoffen gewinnt, denn diese grüne Gallerte troknet sehr schlecht, und ist bedeutend hygrometrisch.

Bei der Appretur der Zeuge angewendet, beflekt und verdirbt er die Waaren, sobald sie einer höheren Temperatur und einer Feuchtigkeit ausgesezt sind; nichts destoweniger ist seit einiger Zeit dieser Leim bedeutend in Aufnahme gekommen, besonders in Rouen und anderen Städten. Alte Personen, die sich der Zeit erinnern, wo man z.B. Papier nach dem alten Verfahren, d.h. mit grünem Leim fabricirte, werden sich auch eines faulen Geruchs entsinnen, welchen öfters Papier verbreitete, und der von dem verdorbenen Leim herrührte.

Eben so einleuchtend ist der Schaden der aus der Anwendung des grünen Tischlerleims zur Appretur der Zeuge erwachsen kann, da diese nothwendigerweise an Werth verlieren, und wenn der Leim verdirbt, der Ruf der Fabriken leiden muß, besonders bei Versendungen in Colonien und südliche Länder. (Moniteur industriel, 1844 Nr. 840.)

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