Titel: E. Pallas, über Zukergewinnung aus Türkischkorn (Mais).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXXI./Miszelle 6 (S. 326–327)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094071_6

E. Pallas, über Zukergewinnung aus Türkischkorn (Mais).

Am Schluß einer der französischen Akademie der Wissenschaften zur Mitbewerbung um den Montyon'schen Preis eingereichten Abhandlung zieht Pallas |327| sowohl aus seinen frühern, als aus seinen neuesten Untersuchungen nachstehende Folgerungen:

1) das Türkischkorn enthält unstreitig zwei Arten Zuker, einen krystallisirbaren, dem Rohrzuker ähnlichen, und einen unkrystallisirbaren, flüssigen, dem Traubenzuker ähnlichen;

2) das Hinwegnehmen der Frucht oder der weiblichen Blüthen vermehrt die Menge des krystallisirbaren Zukers in dem Stengel, so daß durch diese Art von Castrirung der Stengel dieser Pflanze in wahrhaftes Zukerrohr umgewandelt wird;

3) die Castrirung kann mit Vortheil durch das Einschneiden (section) in die Blätter zu passender Zeit ersezt werden; diese Operation, vor der Blüthezeit vorgenommen, so wie das Einschneiden in die Blattscheibe (limbus) unter Bestehenlassen der Hauptnerven des Blattes, können die Existenz der Pflanze auf das Spiel sezen; zerstört man hingegen die Hauptnerven und läßt den fleischigen Theil der Blattscheibe hängen, so tragen die Pflanzen keine Früchte, wachsen aber fort und der Stengel bleibt bedeutend zukerhaltig;

4) wenn das Schneiden (ablation) der Blätter eine der Castrirung gleiche Wirkung hervorbringen soll, muß die Operation genau in dem Augenblik geschehen, wo die weiblichen Blüthen ihre Stempel zeigen; zu früh vorgenommen gibt das Einschneiden (section) der Blätter einen Stengel, der weder Früchte noch Zuker trägt; zu spät, würden die Aehren die Menge des im Stengel vorhandenen Zukerstoffs vermindern; wo endlich durchaus keine Fruchtbildung eintritt, ist die Pflanze zur Zukererzeugung nicht fähig;

5) beim Betrieb im Großen können auch zu gleicher Zeit die Körner und der Zuker aus dem Türkischkorn gewonnen werden; das wirklich fabrikmäßig anwendbare Verfahren aber besteht darin, aus der Aehre fünfzehn bis zwanzig Tage nach der Befruchtung den Saft, welcher sie durchdringt, auszuziehen und denselben in Alkohol zu verwandeln; der mehrere Tage noch im Boden stehen gebliebene, seiner Frucht beraubte Stengel kann eine noch eben so große Menge krystallisirbaren Zukers liefern, wie die zu früh castrirten oder die durch das Einschneiden der Blätter unfruchtbar gemachten Pflanzen. (Comptes rendus, Oktober, 1844, No. 16.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: