Titel: Ueber den Nuzen, welchen man vom Strauß in der Land- und Hauswirthschaft ziehen kann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXXI./Miszelle 9 (S. 328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094071_9

Ueber den Nuzen, welchen man vom Strauß in der Land- und Hauswirthschaft ziehen kann.

Die in Verschlägen eingefangenen Strauße, namentlich die Weibchen, werden sehr vertraulich; sie laufen beständig, wie ein Pferd aus der Reitschule, rings an den Planken herum. Ihr Kothabgang ist sehr stark, besonders wenn sie mit groben Kleien, mit gewöhnlichem Gras und Abfällen der Haushaltung gefüttert werden; auch wird, wenn man ihnen täglich Stroh, schlechtes Heu oder wildes Gras streut, die Faser derselben durch ihren Fußtritt bald zertheilt, wo sie sich dann mit dem Harn und Koth der Thiere vereinigt; gießt man von Zeit zu Zeit auf dieses Gemenge ein paar Eimer Wasser, so erhält man nach 24 Stunden einen kothigen, diken Dünger, an dessen Geruch man merkt, daß die Gährung vollkommen eingetreten ist. Zu Tunis, in Aegypten oder am Senegal, kostet ein Strauß 20–25 Francs; in Marseille kann er auf 50 Francs zu stehen kommen. Auf dem Lande wäre er wohlfeil zu füttern, wenn schlechte Kartoffeln einen guten Theil des Futters ausmachen. Meine beiden Strauße kosten mir täglich nicht 50 Cent., obwohl sie auch etwas Bohnen erhalten. Diese Thiere fressen auch, was sie von sich gegeben haben, wieder; sie trinken stark und sind vollkommen gesund. – Eine Temperatur von 0° R. ist ihnen nicht unbehaglich; die meinigen sah ich im diken Schnee sich ergözen und begierig davon fressen; Feuchtigkeit ist ihnen längere Zeit hindurch nicht nachtheilig. Wenn ein Männchen zugegen wäre, würden sie vielleicht jährlich Eier legen; dasjenige, welches ich im vorigen Jahr dem Jardin des plantes zusandte, suchte meine beiden Weibchen heim, wovon eines schon 14 Eier legte, die eins ins andere gerechnet 1 1/2 Kilogr. wogen. – Beim Herannahen der Mause nehme ich den Straußen alle hinfälligen Federn und lasse davon sehr gute, dauerhafte Besen binden. Nun kostet ein solcher Federbesen vom amerikanischen Strauß (Nandu) nicht unter 6 Frcs., ich kann aber von den Federn, welche ich sammle, 5 wohlbeschaffene Besen verfertigen, habe also einen Ertrag von 30 Frcs., weil ich so viel über die Unterhaltungskosten der Thiere erspare. Ein frischgelegtes Ei, um es in einer Familie zu verzehren, könnte um 10 Frcs. verkauft werden; erhielte man im Durchschnitt jährlich drei, so betrüge dieß 30 Frcs. über den Ertrag der Federn und dann käme noch der Ertrag an Dünger dazu. – Nun sind allerdings diese Berechnungen durch die Erfahrung noch nicht hinlänglich bestätigt; doch geht daraus hervor, daß auf manchem Landgut 1 oder 2 Strauße keine Last wären, sondern eher Nuzen und Vergnügen gewähren würden. Prof. Barthelemy. (Moniteur industr., Okt. 1844, Nr. 866.)

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