Titel: Schuhe und Stiefel ohne Naht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. LXXXVIII./Miszelle 10 (S. 408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094088_10

Schuhe und Stiefel ohne Naht.

Die von Nordamerika vor Jahren vom Schuhmachermeister Kranz zu Dresden in Deutschland eingeführte holzgenagelte oder gespeilte Fußbekleidung ist namentlich durch die Bemühungen des Schuhmachermeisters Andresen in Berlin bei einigen Corps der preußischen Armee eingeführt worden, wobei sich namentlich auch der Mechaniker A. F. Neukrantz Verdienste erworben hat. Die Elegants in Berlin tragen holzgenagelte Stiefeln gern, da deren Sohlen so fein und dünn gemacht werden können, wie nur immer gewünscht wird, und dieselben auch länger halten als genähte. Andresen beschäftigt über 40 Gesellen und seine Arbeit ist, wie Schreiber dieses aus eigener Ueberzeugung bestätigen kann, vorzüglich und hat wahrscheinlich dazu beigetragen, das gespeilte Schuhwerk allgemeiner zu machen; es hält sich sowohl im Wasser als im Trokenen gut, und wider die Ansicht mancher Schuhmacher kann aufs Bestimmteste versichert werden, daß sich dasselbe mehrmals gespeilt besohlen läßt. F. A. Neukrantz in Berlin verfertigt zwekmäßige und billige Maschinen zum Schneiden der Speilen oder Holzstifte, welche leztere wohl zu merken nicht keilig, sondern cylindrisch vierekig seyn müssen. In Paris ist man seit einigen Jahren in der Herstellung von Schuhwerk ohne Naht einen Schritt weiter gegangen, indem man die Sohlen an das Oberleder und die inwendig liegende Brandsohle mit Metallschräubchen befestigt. Hr. Dr. Weinlig legte in der Sizung der polytechnischen Gesellschaft vom 20. Sept. einen von ihm seit 4 Wochen getragenen Zeugstiefel vor, bei dem kaum eine Abnuzung der Sohlen zu bemerken war, außer bei einigen Schrauben an der Spize, deren Köpfe sich ein wenig abgeschliffen zeigten. In Paris findet dieses Schuhzeug gegenwärtig viel Beifall und macht der auf die festgeschraubten Sohlen Patentirte gute Geschäfte. Zugleich wurden von dem Schuhmachermeister Pausch in Leipzig ein Paar nach diesem Verfahren besohlte Ueberschube vorgelegt, welche allgemeine Anerkennung erhielten. Die angewendeten Schräubchen haben einen kleinen Kopf und Gänge vom Kopf bis zur Spize. Wenn nun auch der erstere abgeschliffen wird, so halten die Gänge in den Sohlen fest und gestatten nicht eher die Trennung von dem Oberleder, als bis die Sohle auf den Seiten bis auf ein Blättchen durchgegangen ist; ein Gleiches kann man nicht von den genähten Stiefeln rühmen. Für starkes Schuhzeug werden eiserne, für feineres messingene Stifte in Anwendung gebracht. Nach der Versicherung Sachverständiger sollen die festgeschraubten Sohlen mit dem Oberleder aushalten, so daß demnach alle Besohlung wegfiele und nur Hinterfleke nöthig würden. Allerdings ein großer Vortheil! Beim Gehen sind die beschriebenen Schuhe und Stiefel keineswegs unbequemer als die genähten. Die Schrauben sizen ziemlich 1/4 Zoll in der sohle auseinander. (Gewerbeblatt für Sachsen, 1844 Nr. 80) Man vergl. über diesen Gegenstand polytechn. Journal Bd. XCI S. 241 und Elven's Patent S. 14 in diesem Bande. D. Red.

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