Titel: Ueber den Anbau von Winterkartoffeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1844, Band 94, Nr. CIV./Miszelle 7 (S. 444)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj094/mi094104_7

Ueber den Anbau von Winterkartoffeln.

Hrn. Changarnier gelang es, Kartoffeln zu ernten zu einer Zeit, wo sie gewöhnlich erst gelegt zu werden pflegen. Sein Verfahren, welches der Landwirthschaft ungemein großen Nuzen gewährt und jede Hungersnoth unmöglich macht, ist folgendes:

Am 1. August 1843, sagt er, ließ ich ohne weitere Vorbereitung in einen Boden, von welchem eben erst Erbsen eingethan worden waren, Kartoffeln legen (gelbe, runde Knollen), in der Absicht, die ersten Tage des nächsten März zu ernten, und nach der Ernte den Boden sogleich zu einer Frühlingsaussaat zu verwenden. Jeder Knollen wurde 28 bis 30 Centimeter (10 bis 11 Zoll) tief und in Abständen von 50 bis 60 Centimetern (1 1/2 bis 2 Fuß) in den Boden gelegt. Am 18. August kamen die Stengel zum Vorschein und in Blüthe kamen sie gegen den 20. September, zu welcher Zeit sie 40 bis 46 Centimeter (1 Fuß 2 Zoll bis 1 Fuß 4 Zoll) hoch waren. Als die ersten Triebe sichtbar wurden, ließ ich das Unkraut ausjäten und dieß dann öfters wiederholen. Es wird dadurch auch zugleich die Erde aufgelokert und dieß ist behufs des Wachsthums der Pflanze sehr nöthig. Dem Anhäufen der Erde um die Pflanze, von welcher wichtigen Operation die reiche Ausbeute und die Schönheit der Kartoffeln zum Theil abhängt, wurde besondere Sorgfalt gewidmet. Beim Herannahen der ersten Kälte ließ ich die Stengel etwa 16 Centimeter (6 Zoll) über dem Boden abschneiden und in der Voraussicht eines strengen Winters den Boden mit einer Schicht Stallmist überdeken und obendrauf mit Erde überstreuen, damit dieser Mist dem Winde widerstehe. So versorgt, bedurften die Pflanzen keiner weitern Pflege bis zur Ernte. Am 28. Februar 1844 nahm ich diese vor und sie übertraf troz des in jeder Hinsicht unvortheilhaft gewählten Bodens, doch alle meine Erwartungen, indem ich 18 bis 20 Kartoffeln am Büschel erhielt. – Am 10. März konnte mein Erdreich mit Hülfe des zum Bedeken der Kartoffeln dienenden Mistes schon Korn oder Hafer aufnehmen, dessen Gedeihen mir außer Zweifel steht, indem es von der Erfahrung schon längst bestätigt ist, daß jeder Anbau in dem Boden, welcher vorher Kartoffeln trug, wohl gedeiht. – Man erntet auf diese Weise (selbst nach dem strengsten Winter) die Kartoffeln zur Zeit, wo man sie erst zu legen pflegt, kann den Boden dann zur Frühsaat benüzen und erhält so dieses Nahrungsmittel zu einer Jahreszeit, wo die frischen Gemüse gewöhnlich ausgehen, die Kartoffel-Vorräthe sich erschöpfen und sie theurer werden, und der Vorrath davon auch schon eine gewisse Veränderung erlitten hat und nicht mehr gesund ist. (Moniteur industriel, 1844, No. 846.)

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